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Venedig ist einer der herausragenden Sehnsuchtsorte Europas. Die Lagunenstadt war schon immer ein Magnet für Reisende aus aller Welt. Doch wer würde sich nicht wünschen, die Stadt auch einmal in ihrer ganzen Ursprünglichkeit zu erleben, unberührt vom lebendigen Treiben, das die Gassen und Kanäle zu jeder Jahreszeit erfüllt? Der preisgekrönte Fotograf Peter Knaup führt uns in ein menschenleeres Venedig, eine Serenissima der Stille. In ausgesuchten Schwarzweiß-Fotografien bieten sich die berühmten Plätze und prächtigen Palazzi, die romantischen Wasserwege und unzähligen Brücken in einer unverwechselbaren Ästhetik dar.…mehr

Produktbeschreibung
Venedig ist einer der herausragenden Sehnsuchtsorte Europas. Die Lagunenstadt war schon immer ein Magnet für Reisende aus aller Welt. Doch wer würde sich nicht wünschen, die Stadt auch einmal in ihrer ganzen Ursprünglichkeit zu erleben, unberührt vom lebendigen Treiben, das die Gassen und Kanäle zu jeder Jahreszeit erfüllt? Der preisgekrönte Fotograf Peter Knaup führt uns in ein menschenleeres Venedig, eine Serenissima der Stille. In ausgesuchten Schwarzweiß-Fotografien bieten sich die berühmten Plätze und prächtigen Palazzi, die romantischen Wasserwege und unzähligen Brücken in einer unverwechselbaren Ästhetik dar.
  • Produktdetails
  • Verlag: Edition Braus / Edition Braus Berlin GmbH
  • Neuauflage
  • Seitenzahl: 123
  • Erscheinungstermin: 10. November 2014
  • Deutsch, Englisch
  • Abmessung: 279mm x 245mm x 17mm
  • Gewicht: 955g
  • ISBN-13: 9783862280049
  • ISBN-10: 3862280047
  • Artikelnr.: 32687465
Rezensionen
Besprechung von 20.10.2011
Der Blick auf die Menschenleere

In diesen Büchern bekommen sogar die weltbekannten Tauben vom Markusplatz ihre Würde zurück: Zwei überwältigende Venedig-Bilderbücher von F.K. Waechter und Peter Knaup.

Zwei Wunder sind anzuzeigen, ein Mirakel der Zeichenkunst und ein zauberhafter Fotoband. Kein Wunder, denn beide setzen sie die wundersamste Stadt der Welt ins Bild: Venedig. Und doch eines: Beide machen sie noch wundersamer, denn sie führen uns ein Venedig vor Augen, wie man es nur schwer findet.

Für das eine der beiden Wunderwerke wurde ein Rat beherzigt, den jeder Venedig-Kenner parat hat: Man besuche die Lagunenstadt im Januar. Dann ist das Licht grandios, und die Touristen sind weniger zahlreich (weg sind sie nie). So hat es F.K. Waechter gemacht, als er Anfang 1999 seine Frau begleitete, die dort einen mehrtägigen Kongress besuchte. Beim Warten auf ihre Rückkehr durchstreifte Waechter die Stadt abseits der Trampelpfade, fand aber auch immer wieder zum Markusplatz zurück und skizzierte, was ihm auffiel, in ein Skizzenbuch. Und ihm fiel vieles auf, was nur das Auge eines Künstlers in seiner Bedeutung zu würdigen weiß, wenn es darauf fällt. Kaum aber ist es skizziert, staunen wir alle mit ihm. Selbst über die weltbekannten Tauben, die erst bei Waechter ihre Würde bekommen.

Nach dem Tod Waechters vor sechs Jahren behielt seine Witwe diese Reminiszenz an die gemeinsame Reise bei sich, während der sonstige künstlerische Nachlass ans Wilhelm-Busch-Museum nach Hannover ging. Als Gast bekam man das Skizzenbuch gezeigt, und jedem, der es sah, war klar, dass dieses Kleinod mit mehr als siebzig Skizzen publiziert werden musste. Es ist, als ob man Waechter über die Schulter schaute, wie er da durch Venedig läuft, und was dieser Meister der Zeichnung nur mit Kugelschreiber und Wasserfarben bewaffnet darin angestellt hat, das hält den Vergleich mit den größten Berühmtheiten aus.

Nun ist es wirklich erschienen, in schöner Aufmachung, hinreißend gut gedruckt und begleitet von einem Text aus der Feder Ulrich Schneiders, des scheidenden Direktors des Frankfurter Museums für Angewandte Kunst, wo gerade eine Waechter-Ausstellung läuft (F.A.Z. vom 20. Juli). Seinen Text kann man kaum anders nennen als einen Cicerone, eine ständige Begleitung, die Waechters Blicke erläutert, die Orte identifiziert, deren Bedeutung herausstellt - knapp und sehr fundiert. Nur wenn dieser Basso continuo allzu kulturkritisch grummelt, möchte man ihn missen, aber der Blick auf die Aufschlagseiten, wo Waechters Zeichnungen stehen, versöhnt sofort wieder, und der nächste Schneider-Text tut es dann auch.

Venedig im Januar, wie Waechter es sah, ist meist blaugrau, nicht nur des Kugelschreibers wegen, mit dem der Zeichner skizzierte, ehe dann mithilfe eines kleinen Wasserfarbenkastens noch am Ort der Aufnahme aquarelliert wurde. Nur einmal (und es ist ein Höhepunkt der Suite) verzichtet Waechter auf den Stift und legt eine Ansicht des Lido ganz als Aquarell an - unglaublich. Schon für dieses eine Blatt lohnt sich das ganze Buch.

Das andere Wunderwerk entstand nicht im venezianischen Winter, ganz im Gegenteil. Der Fotograf Peter Knaup kam 2001 kurz nach Ostern in die Stadt, und 2004 kehrte er zurück - im Sommer, also jeweils zu den besucherstärksten Zeiten, wenn man vom Karneval absieht. Und doch lautet der Titel seine Fotobandes "Stilles Venedig", und das zu Recht, denn die hundert Veduten sind menschenleer. Wir blicken über Kanäle ohne Boote, Brücken ohne Passanten, Plätze ohne Flaneure, Fenster ohne Schaulustige. "Über Venedig", so schreibt die Publizistin Catherine Sauvat im Vorwort, "ist alles gesagt, alles ist enthüllt worden." Aber noch längst nicht alles gezeigt, wie Waechter und Knaup beweisen.

Wie ist dem Fotografen, der mittlerweile Venedig neben Berlin als seinen Wohnort angibt, das gelungen? Er stand früh auf, beim ersten Tageslicht, wenn die Venezianer noch im Bett liegen und die Touristen sowieso. Deshalb ist die Sommerzeit die ideale Saison für ein menschenleeres Venedig. Und lief doch einmal eine Person ins Bild, dann wurde digital nachgearbeitet. Allerdings auch nicht immer: Das aufmerksame Auge findet einige Passanten in diesem Buch, die auch der Retusche entgangen sind. Und ihre Anwesenheit erhöht die poetische Einsamkeit der anderen Bilder noch.

Wunderbücher, Sehnsuchtsbücher. Ob man aber nach dem Betrachten von Waechters und Knaups Bänden jemals wieder nach Venedig reist, steht dahin. Jetzt weiß man ja, wie es dort aussehen kann. Anders möchte man es wohl nicht mehr haben.

ANDREAS PLATTHAUS

Peter Knaup: "Stilles Venedig".

Edition Braus, Berlin 2011. 124 S., 100 Abb., geb., 49,80 [Euro].

F. K. Waechter: "Venedig". Das Skizzenbuch.

Diogenes Verlag, Zürich 2011. 150 S., 74 Abb., geb., 34,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 28.02.2012
Traumhaft ruhig: Peter Knaups „Stilles Venedig“
In den Tagen und Wochen nach dem Karnevals-Inferno ist Venedig am stillsten. Doch auch diese Erfahrung wurde schon so ausgiebig als „Geheimtipp“ kommuniziert, dass sie nur noch mit der Einschränkung „vergleichsweise“ gilt. Längst wissen wir, dass das schönste Stadtgebilde auf diesem Planeten nicht in der Lagune versinken wird, sondern in der entfesselten Flut der Event-Touristen mit ihrem fiebrig steigenden Bedürfnispegel, angeheizt von einer Werbeindustrie, die jedes Kulturerbe, aber besonders gern die emotional aufgeladene Kulisse der Serenissima, zum Verkaufsargument degradiert.
Es gibt im Fall Venedig so etwas wie die Gnade der frühen Geburt: Noch vor zwanzig Jahren konnte man dort mühelos jene Stille finden, in der die Seele der Stadt zu sprechen begann. Auch der Fotograf Peter Knaup war von solchen Erinnerungen geprägt, als er sich auf das Projekt eines „menschenleeren Venedig“ kaprizierte. Über sieben Jahre arbeitete er an den Schwarz-Weiß-Aufnahmen für den Bildband „Stilles Venedig“ (Mit einem Essay von Catherine Sauvat, Edition Braus, Berlin 2011, 124 Seiten, 49,80 Euro ), der Reisefotografien des frühen 20. Jahrhunderts mit ihren messerscharfen Kontrasten, ihren grafischen Schatteneffekten und ihrer seltsam irrealen Atmosphäre evoziert: Auch sie zeigten Bauten und Kunstwerke bevorzugt ohne Menschen, um ihre Schönheit ungestört zur Geltung zu bringen. Nur musste damals noch nicht so viel Aufwand getrieben werden, um diesen Zustand vorzuspiegeln. Knaup konnte seinen Plan nur mit extrem frühem Aufstehen und stundenlangem Warten verwirklichen; er gesteht, dass kleine Retuschen vonnöten waren und sich hier und da noch eine Person im Bild entdecken lässt.
Entstanden ist eine Bilderzählung von traumhafter Ruhe, die Foto-Fiktion einer schweigenden, verlassenen Stadt, die puristische Sehnsüchte erfüllt – und der doch etwas Entscheidendes fehlt: Die wundersame Stille Venedigs war, bevor der Besucheransturm alle Dimensionen sprengte, stets eine belebte und bewegte, aus der die Menschen, die dieses Wunder schufen, so wenig wegzudenken sind wie die, die es bis heute bewohnen. Ein entvölkertes Venedig wäre ebenso traurig wie das sinnlos überfüllte, das wir kennen. Nur die Mitte, das menschliche Maß, könnte der Stadt ihre Würde zurückgeben.
KRISTINA MAIDT-ZINKE
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nicht weniger als zwei Wunderbücher meint Andreas Platthaus mit Peter Knaups Fotoband und F. K. Waechters Zeichenbuch über Venedig in Händen zu halten. Beeindruckt haben ihn die Aufnahmen von Peter Knaup, dem es trotz der Touristenströme, die die Stadt zu der Zeit heimsuchen, gelungen ist, im Frühling 2001 und Sommer 2004 menschenleere Bilder zu machen. Platthaus weiß, dass dies dem Fotografen durch sehr frühes Aufstehen und nicht zuletzt mithilfe von Nachbearbeitungen der Bilder geglückt ist, das Ergebnis aber überzeugt ihn derart, dass er die "poetische Einsamkeit" auf den Aufnahmen gar keiner Realitätsprüfung mehr aussetzen möchte.

© Perlentaucher Medien GmbH