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Zeitlose Geschichten von einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts
Richard Yates, der Meister der klaren Worte, prägte eine ganze Generation von Schriftstellern. Seine Kurzgeschichten gehören zum Besten, was je in diesem Genre geschrieben wurde, und er gilt als der wichtigste literarische Chronist des amerikanischen Durchschnittslebens der 1930er- bis späten 1960er-Jahre. In "Verliebte Lügner" zeichnet Richard Yates mit lakonischer Schärfe die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Zutiefst einfühlsam, gleichzeitig ehrlich und unsentimental kreisen seine…mehr

Produktbeschreibung
Zeitlose Geschichten von einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts

Richard Yates, der Meister der klaren Worte, prägte eine ganze Generation von Schriftstellern. Seine Kurzgeschichten gehören zum Besten, was je in diesem Genre geschrieben wurde, und er gilt als der wichtigste literarische Chronist des amerikanischen Durchschnittslebens der 1930er- bis späten 1960er-Jahre. In "Verliebte Lügner" zeichnet Richard Yates mit lakonischer Schärfe die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Zutiefst einfühlsam, gleichzeitig ehrlich und unsentimental kreisen seine Geschichten um das Streben nach Glück - und um dessen unvermeidbares Scheitern.
  • Produktdetails
  • Penguin Taschenbuch .10513
  • Verlag: Penguin Verlag München
  • Originaltitel: Liars in Love
  • Seitenzahl: 315
  • Erscheinungstermin: 9. Dezember 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 122mm x 32mm
  • Gewicht: 298g
  • ISBN-13: 9783328105138
  • ISBN-10: 3328105131
  • Artikelnr.: 55695094
Autorenporträt
Yates, Richard
Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Alabama. Obwohl seine Werke zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, gehören sie heute zum Wichtigsten, was die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Sein Debüt »Zeiten des Aufruhrs« wurde preisgekrönt und 2009 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen verfilmt.
Rezensionen
"Yates zu lesen ist immer ein Gewinn." Süddeutsche Zeitung

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 20.11.2007

Wenn die Gangschaltung bebt
Die vollkommene Form des Unglücks: Richard Yates’ Erzählband „Verliebte Lügner” verhängt ein metaphysisches Verdikt über die MenschenVon Kai Wiegandt
Die Verlogenheit des amerikanischen Traums haben zahlreiche Schriftsteller entlarvt, aber wer von ihnen mit ruhigerem, schärferem Blick als Richard Yates, der kaum Beachtung gefunden hatte, als er 1992 in Kalifornien starb? Seine Short Storys „Verliebte Lügner”, die jetzt nach den Romanen „Zeit des Aufruhrs” und „Easter Parade” und dem Erzählband „Elf Arten der Einsamkeit” auf Deutsch erscheinen, sind konsequent um den Preis der Schmerzhaftigkeit. Opfer der Ideologie sind in ihnen nicht in erster Linie diejenigen, die es geschafft zu haben meinen und abstürzen, sondern Leute, die mit dem Schicksal und Geldsorgen kämpfen und dabei die Illusion aufrecht erhalten, dass sie es schaffen können.
Überlebensgroße Träume tragen sie als Ansprüche vor sich her, und um die Selbsttäuschungen aufrecht zu erhalten, nutzen sie andere aus und lassen sie fallen, sobald sie nicht mehr dienlich sind oder mit Entlarvung drohen. Unfähig sind sie vor allem zur Konsequenz. Der amerikanische Fulbright-Stipendiat Warren Matthews, gerade von seiner Frau und seinem Kind bis auf weiteres verlassen, kann sich in London nicht von der jungen Prostituierten Christine Phillips trennen, mit der er ein Verhältnis eingegangen ist. Zu schmeichelhaft ist die Vorstellung, dass eine junge Hure ihn als Liebhaber schätzt.
Dass dem nicht so ist, daran lässt Christine Philipps eigentlich keinen Zweifel, Matthews will es nur nicht glauben, und im Übrigen kann und will er – auch darin ist er Yates‘ anderen Männern ähnlich – seine Gedanken und Gefühle nicht äußern. So werden die beiden „Verliebte Lügner”. Während die junge Frau Matthews zwanghaft Lügengeschichten erzählt, die ihre gegenwärtige Lage erklären sollen, belügt er sie ein ums andere mal mit dem Satz, dass er sie liebe, bis seine Frau ihn nach Amerika zurückpfeift und er die „dumme kleine Londoner Straßennutte” abserviert.
Diejenigen von Yates‘ Figuren, die sich zur Konsequenz aufraffen, dürfen hoffen, der moralischen Verkommenheit und dem Selbstbetrug zu entgehen, nicht aber dem materiellen Elend.
Die Journalistin Elizabeth Baker, Sympathisantin der Kommunisten, lässt sich in „Probelauf” von ihrer labilen Freundin Lucy Towers zum Zusammenziehen überreden. Lucy führt an, so könnten sie beide Geld sparen, doch in Wahrheit ist sie bloß einsam. Sie hat eine Tochter und einen Sohn, Elizabeth eine Tochter, um die sie sich nicht kümmert. Wie die Frauen, halten es auch die Kinder nicht miteinander aus. Das Muttersöhnchen Russell hat der resoluten Nancy gerade stolz erzählt, wie er sich gegen die Beleidigungen eines Jungen zur Wehr gesetzt hat, als Nancy ihm zu verstehen gibt, dass sie es war, die ihn dem Jungen gegenüber ursprünglich als Memme bezeichnet hat. Unmerklich wechselt Yates zwischen den Perspektiven der Figuren, zieht den Leser in ihr Denken und Handeln unmittelbar hinein, und so fällt die Erkenntnis, dass es für sie kein gemeinsames Glück geben kann, um so erschütternder aus.
Nancys Mutter zieht schließlich aus, muss aber, um sich freizukaufen, ihr letztes Geld geben. Stumm rasen Elizabeth und Nancy im Auto davon. Dann „zog Elizabeth den Handschuh von ihrer rechten Hand. Sie langte hinüber zu den Oberschenkeln ihrer Tochter und zog sie zu sich herüber, vorsichtig, damit ihre kleinen Knie nicht gegen die bebende Gangschaltung stießen. Sie drückte die Oberschenkel des Kindes eine Weile fest gegen ihre”. Elizabeths Zärtlichkeit und Hilflosigkeit, die Widrigkeit der Umstände sind in dieser Geste enthalten, die beispielhaft ist für Yates‘ Genauigkeit, die ohne viele Worte auskommt.
Auch die Parallelkonstruktion von Eltern- und Kindergeschichte ist typisch. Yates siedelt seine Geschichten in der Zeit zwischen den dreißiger und den sechziger Jahren an, aber die Familienverhältnisse, die in allen Geschichten wichtig sind, werden Leser mit heutigen Schlagzeilen über verwahrloste Kinder und Familienkatastrophen assoziieren. Glückliche Familien gibt es bei Yates kaum, alleinerziehende Mütter, absterbende und geschiedene Ehen sind die Regel. Die Gerüche und der Schmutz, die psychischen und finanziellen Kosten des gemeinsamen Wohnens auf knappem Raum sind Motive, in denen Yates‘ materialistischer Blick auf die menschlichen Beziehungen seinen drastischsten Ausdruck findet.
Und doch kristallisiert sich in der Zusammenschau der Geschichten etwas wie ein metaphysisches Verdikt über die Menschen heraus. Immer wieder schildert Yates Situationen, aus denen nur Verlierer hervorgehen; ganz selten, wie am Schluss der am deutlichsten an Fitzgerald erinnernden Erzählung „Abschied von Sally”, scheint Hoffnung auf.
Die Ökonomie der amerikanischen Short Story kann man in „Verliebte Lügner” auf jeder Seite studieren (Raymond Carver und Richard Ford haben es nach eigener Aussage getan). Bündige, informationsgeladene Anfangssätze ziehen in die Geschichten hinein. Yates platziert Rückblenden und Sprünge so, dass der Leser die Geschichte aus immer neuen Perspektiven wahrnimmt, kein beiläufig fallengelassenes Wort bleibt ohne Folge für die Wahrnehmung des Ganzen. Das ist vielleicht das Beeindruckendste an diesen Short Storys: Das Unglück, von dem sie handeln, ist in vollkommener Form aufgehoben.
Richard Yates
Verliebte Lügner
Short Storys. Aus dem Amerikanischen von Anette Grube. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007. 316 Seiten, 19,95 Euro.
„Sie drückte die Oberschenkel des Kindes eine Weile fest gegen ihre”
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Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.10.2007

Gangarten des falschen Lebens

Erst vor einigen Jahren wurde Richard Yates, der 1991 starb, in seiner amerikanischen Heimat wiederentdeckt. Der Chronist der Angst, wie Stewart O'Nan ihn nennt, fühlte mit den Versagern. Nun gibt es seinen zweiten Erzählungsband auch auf deutsch.

Der 1926 in Yonkers, New York, geborene Schriftsteller Richard Yates, der vermutlich auf Grund seines hohen Alkohol- und Zigarettenkonsums mit sechsundsechzig Jahren verstarb, hat sein Mitgefühl für vermeintliche Außenseiter früh bewiesen. Selbstmitleidige Jammerlappen, autoaggressive Huren, ambitionierte Möchtegern-Schriftsteller, saufende, geschiedene Mütter oder ungeliebte Väter sind bereits viele Figuren seines Erzählungsbandes "Elf Arten der Einsamkeit" von 1962.

Mit Yates' Wiederentdeckung in den Vereinigten Staaten, wo sich Kollegen wie Kurt Vonnegut, Stewart O'Nan oder Richard Ford zu dem writer's writer bekannten, setzte zeitversetzt auch seine postume Anerkennung in den deutschsprachigen Ländern ein. Nach den Übersetzungen zweier Romane - "Easter Parade" und "Zeiten des Aufruhrs", der inzwischen gar von Oscar-Preisträger Sam Mendes mit den Hollywood-Stars Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen verfilmt wird - ist Yates nun wieder in seiner genuinen Form, als Meister der short story, präsent.

"Verliebte Lügner", seine zweite und zugleich letzte Sammlung von Erzählungen, erschien im Original 1981, führt aber vorwiegend zurück in die Nachkriegszeit der späten vierziger und fünfziger Jahre, in ein stets aufs Neue ausgerufenes, amerikanisches "Age of Anxiety", als dessen unbestechlichen Chronisten Stewart O'Nan den Kollegen apostrophierte. Konsequent zieht sich die Angst als dunkelroter Faden durch Yates' Kurzgeschichten: Die ersten sexuellen Erfahrungen fürchtend, betrinkt sich etwa der GI Paul Colby, Protagonist von "Urlaub aus privaten Gründen", um ziellos durch Paris zu schlendern, in der Hoffnung, dieser eigentlich vielversprechende Ausflug möge bald ein Ende finden.

Zunächst gibt er der von seinen Kameraden zweideutig angepriesenen Stadt die Schuld: "Hatte irgendwann einmal irgendjemand zugegeben, dass ihn diese beschissene Stadt erschreckte, verwirrte und langweilte und dass er sich hier außerdem mutterseelenallein fühlte?" Schließlich gesteht er sich ein, nicht an Schüchternheit oder Unbeholfenheit zu leiden; Angst und Feigheit zwingen ihn zu demütigenden Selbstverleugnungen. Erst die Begegnung mit seiner Schwester Marcia, die getrennt von ihm und seinem Vater in London aufwuchs, befreit ihn von seinen Beklemmungen, auch wenn er zuerst nicht weiß, ob er "dankbar sein oder noch tiefer im Unglück versinken sollte"; seinen eingeübten draufgängerischen Gang, der über alle Unsicherheiten hinwegtäuschen musste, kann er jedenfalls endlich hinter sich lassen.

Ungemein faszinierend ist Yates' unprätentiöser Stil, die Durchsichtigkeit seiner Prosa, die nie um ihrer selbst willen um Aufmerksamkeit heischt. Geistreiche Bonmots, fein ziselierte Weisheiten und Manierismen wird man vergeblich suchen. Seine spröden Schilderungen, die oft banalen Dialoge, die auf den ersten Blick skizzenhaften Charakterisierungen und unauffälligen Wechsel der Fokussierung entfalten erst im Zusammenspiel ihre ganze poetische Kraft; gerade deswegen wirkt sein Schreiben, das Einflüsse von Vorbildern wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald nie verhehlt, so zugänglich und in einem kitschfreien Sinne erschütternd.

Wie distanziert und ergreifend zugleich dieser ehemalige Ghostwriter von Senator Robert Kennedy die Kehrseite des amerikanischen Traums ans Tageslicht zerren konnte, zeigt der Auftakt des neuen Bandes, "Ach, Joseph, ich bin so müde": Die Mutter des Erzählers erhält darin die Gelegenheit, eine Büste des gerade zum Präsidenten gewählten Franklin D. Roosevelt (unsere Abbildung) anzufertigen. Nach gescheiterter Ehe versucht sie sich als verkannte Künstlerin zu inszenieren, als Teil einer Boheme in Greenwich Village, die die eigene Armut glorifiziert und in ihr den Glauben daran nährt, "eine der interessantesten Persönlichkeiten von Amerika" zu werden.

"Sie war keine wirklich gute Bildhauerin", erläutert der Sohn euphemistisch, um anschließend die scheußlichen Gartenfiguren zu beschreiben, die ihrer Phantasie entsprangen. Der Anschein von Originalität und Unabhängigkeit bedeutet ihr alles. Vor Roosevelt beteuert sie, als "gute Republikanerin" für Hoover gestimmt zu haben, und während ihre Gäste über den Kommunismus diskutieren, behauptet sie, an die Aristokratie zu glauben, "aber es gab keinen Grund zu der Annahme, dass die Aristokratie jemals an sie glauben würde". Selbstverständlich wird die Mutter ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht; beiläufig thematisiert Yates ihren latenten Antisemitismus, ihren vergeblichen Kampf gegen den Alkohol und die armseligen Verhältnisse. Ihm gelingt jedoch, was seiner Figur verwehrt bleibt: Er macht diese untalentierte Frau mit ihren Lebenslügen für seine Leser zu einer der "interessantesten Persönlichkeiten Amerikas", ganz ohne Häme, aber mit literarischer Finesse.

Die Plots von Richard Yates sind oft desillusionierend und trotzdem voller ambivalenter Hoffnung. Vor einem voreiligen Fazit oder einem geheuchelten Verständnis sollte man sich gegenüber dem Personal dieser Geschichten also hüten. So einfach ist die Welt dieses Autors, die immer noch die unsere ist, nicht zu durchschauen.

ALEXANDER MÜLLER.

Richard Yates: "Verliebte Lügner". Short Storys. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anette Grube. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007. 320 S., geb., 19,95 [Euro].

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"Ein grosser Erzähler, zu recht wiederentdeckt." Elke Heidenreich, LESEN!

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit dem Band mit Erzählungen "Verliebte Lügner" kann man den bereits 1991 gestorbenen Richard Yates auch hierzulande als meisterhaften Beherrscher der Kurzgeschichte entdecken, freut sich Alexander Müller. Wie in seinen Romanen präsentiert der amerikanische Autor auch in seinen Erzählungen, die überwiegend in der als Epoche der Angst apostrophierten Nachkriegszeit spielen, glücklose Loser, erklärt der Rezensent. Diese Angst ist in den Geschichten durchweg präsent, zum Beispiel in der mit Alkohol betäubten Furcht des GI Paul Colby vor ersten erotischen Erfahrungen bei einem Ausflug in Paris. Begeistert ist der Rezensent vom "unprätentiösen" Stil Yates, der gerade durch seinen Mangel an artifiziellen Wendungen und durch seine klare, nüchterne Sprache seine Poesie und Vitalität erreicht, die sich gut lesen lässt und ohne Sentimentalität berührt, wie Müller schwärmt.

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