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Bigger Thomas, ein junger Schwarzer, fühlt sich gefangen in einem Leben in Armut und Perspektivlosigkeit. Sein einziges Ventil ist Gewalt. Er war bereits in der Besserungsanstalt, ein weiteres Vergehen würde für ihn Gefängnis bedeuten. Doch dann gibt der wohlhabende Mr Dalton dem jungen Mann eine Chance und stellt ihn als Chauffeur an. Als Bigger die Tochter des Hauses spätnachts und betrunken auf ihr Zimmer bringt und ihre blinde Mutter, von dem Lärm geweckt, den Raum betritt, versucht Bigger aus Angst vor falschen Verdächtigungen, das Mädchen mit einem Kissen zum Schweigen zu bringen, und…mehr

Produktbeschreibung
Bigger Thomas, ein junger Schwarzer, fühlt sich gefangen in einem Leben in Armut und Perspektivlosigkeit. Sein einziges Ventil ist Gewalt. Er war bereits in der Besserungsanstalt, ein weiteres Vergehen würde für ihn Gefängnis bedeuten. Doch dann gibt der wohlhabende Mr Dalton dem jungen Mann eine Chance und stellt ihn als Chauffeur an. Als Bigger die Tochter des Hauses spätnachts und betrunken auf ihr Zimmer bringt und ihre blinde Mutter, von dem Lärm geweckt, den Raum betritt, versucht Bigger aus Angst vor falschen Verdächtigungen, das Mädchen mit einem Kissen zum Schweigen zu bringen, und erstickt sie dabei. Davon überzeugt, dass man ihm Absicht unterstellen wird, verstrickt er sich in Lügen und weitere Gewalt, bis er schließlich gefasst und des Mordes und der Vergewaltigung angeklagt wird. Das ganze Land stellt sich gegenihn, nur der Anwalt Max kämpft um Verständnis für Biggers Taten. Der literarische Durchbruch von Richard Wright war gleichzeitig der erste Bestseller eines afroamerikanischen Autors und liegt nun zum ersten Mal in vollständiger deutscher Übersetzung vor.
Autorenporträt
Richard Wright wurde 1908 auf einer Plantage bei Natchez, Mississippi, geboren. Mit neunzehn Jahren verließ er den Süden und ging nach Chicago, wo er sich seinen Lebensunterhalt als Straßenfeger, Tellerwäscher und Postangestellter verdiente. Er schrieb zunächst vor allem Essays, Kurzgeschichten und Gedichte, bekannt wurde er mit seinem Roman Native Son, der mehrfach verfilmt und 1941 als Bühnenversion am Broadway unter der Regie von Orson Welles aufgeführt wurde. Bis heute gilt Richard Wright als einer der bedeutendsten afro-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er starb 1960 in Paris.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Thomas David empfiehlt Richard Wrights erstmals 1941 erschienenen, jetzt als überarbeitete Neuausgabe vorliegenden Roman in der Übersetzung von Klaus Lambrecht als Epos "homerischen Zorns" und Umfangs, als Roman einer drastischen (Selbst-)Entfesselung vor dem Hintergrund des US-amerikanischen Rassenkonflikts. Wie der Autor das Selbstporträt eines jungen Mannes im Schwarzengetto von Chicago surreal überzeichnet und den Leser ihn auf seinem Weg zum elektrischen Stuhl begleiten lässt, nah dran, naturalistisch, sozialkritisch, in filmischer Erzählweise, nimmt David gefangen. Wrights "radikalen Humanismus" findet er zeitlos.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.07.2019

Unsichtbare Söhne Amerikas

Nicht mehr verstecken: Zwei Klassiker der afroamerikanischen Literatur in neuer Übersetzung

Die Geschichte der Schwarzen in Amerika ist die Geschichte Amerikas", schrieb einmal der Schriftsteller James Baldwin. Und ergänzte: "Es ist keine besonders schöne Geschichte." Was ihre literarische Bearbeitung angeht, galten zwei Romane schon kurz nach ihrem Erscheinen als Klassiker der afroamerikanischen - und das heißt, natürlich, der amerikanischen Literatur überhaupt: Richard Wrights "Sohn dieses Landes" und Ralph Ellisons "Der unsichtbare Mann". Beide setzten Themen und Töne, die bis heute das Erzählen vom Leben schwarzer Menschen in den Vereinigten Staaten beeinflussen, und legten so meisterhaft wie schmerzlich die unschöne Geschichte Amerikas offen, die sich bis in unsere Tage zieht. Nun - da auf dem deutschen Buchmarkt eine gewisse Wiederentdeckung renommierter afroamerikanischer Autoren stattfindet, wie etwa Baldwin oder Maya Angelou - sind beide epochalen Romane in überarbeiteten deutschen Übersetzungen neu erschienen.

Richard Wright, geboren 1908 auf einer Plantage am Mississippi, verließ mit neunzehn Jahren den Süden, wie Tausende von Afroamerikanern der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. In Chicago jobbte er als Tellerwäscher und Straßenfeger und veröffentlichte seine ersten Essays und Erzählungen. 1933 trat er in die kommunistische Partei ein - ein Thema, das in seinem Werk zentral ist. Im Jahr 1940 erschien "Sohn dieses Landes". Das Buch wurde sofort zum polemischen Bestseller und Wright zur führenden Stimme der schwarzen Protestliteratur. Sechs Jahre später ging er nach Paris und wurde, wie viele andere afroamerikanische Künstler des 20. Jahrhunderts, Exilautor. Dort starb Wright 1960.

"Sohn dieses Landes" - 1941 als Theaterstück unter Orson Welles' Regie aufgeführt und mehrfach verfilmt, zuletzt Anfang dieses Jahres - erzählt die Geschichte des zwanzigjährigen Bigger Thomas, der zusammen mit seiner Mutter, einer Schwester und einem jüngeren Bruder in einem heruntergekommenen Zimmer im segregierten South Side von Chicago wohnt. Es ist ein Leben voller Armut, Perspektivlosigkeit und Diskriminierung. Und einer Menge Wut. Am Anfang des Buches sagt Bigger zu einem Kumpel: "Ich könnte ein Flugzeug fliegen, wenn ich dürfte." Sein Freund antwortet: "Wenn du nicht schwarz wärst und wenn du Geld hättest . . . könntest du ein Flugzeug fliegen." Bigger: "Komisch, wie die Weißen uns behandeln, was? . . . Vielleicht haben sie recht, dass sie uns nicht fliegen lassen wollen. Wenn ich im Flugzeug sitzen würde, dann ließe ich todsicher ein paar Bomben fallen."

Alles beginnt mit einem ungeheuerlichen Missgeschick. Bigger nimmt einen Job als Chauffeur einer reichen weißen Familie an, und gleich am ersten Abend bringen ihn die Tochter des Hauses und ihr kommunistischer Freund in eine heikle Situation, als sie darauf bestehen, Biggers Welt zu sehen. Ihre Worte tun weh: "Ich frage mich immer, wie ihr lebt . . . Ich möchte zu gern einmal deine Leute kennenlernen. Noch nie bin ich bei Negern gewesen. Sie müssen doch so leben wie wir. Es sind doch Menschen . . . zwölf Millionen . . . in unserem Land." In "unserem" Land! Als Bigger die junge Frau zurück nach Hause fährt, ist sie so betrunken, dass er sie auf ihr Zimmer begleiten muss: eine verhängnisvolle Grenzüberschreitung. In einer Szene, die sich wie ein stummer Albtraum abspielt, versucht Bigger, vor lauter Angst, als Vergewaltiger verdächtigt zu werden, das Mädchen mit einem Kissen ruhig zu halten - bis sie dabei erstickt. Was danach kommt, ist ein Abstieg in die Hölle, der durch Biggers unreflektierte, gewaltsame Taten und ein System ermöglicht wird, in dem schwarze Menschen stets Gefahr laufen, ihre Würde - oder ihr Leben - zu verlieren.

"Sohn dieses Landes", im gradlinigen, sachlichen Ton geschrieben, ist ein sehr amerikanisches Buch: ein Roman in der Tradition der gesellschaftskritischen Krimis der Dreißiger; der Bericht eines schonungslosen, befangenen juristischen Prozesses; eine Studie über einen Mörder und die Bedingungen, die ihn erschaffen haben. Es ist kein gemütliches Buch - aber ein mutiges. Ist Bigger ein Opfer oder ein Monster? Irgendwann verstehen wir: Er ist beides. Der erste Unfall macht aus ihm später einen freiwilligen Vergewaltiger und Mörder. Und wir stellen bestürzt - und doch einsichtig - fest, dass Biggers Taten eine Befreiung sind: aus dem entwürdigenden Leben im Getto, der Aussichtslosigkeit, in einem schwarzen Körper zu stecken. "Er hatte sein Schicksal in der Hand. Er fühlte sich lebendiger denn je", schreibt Wright. "Hatte er nicht Unvorstellbares vollbracht? Nun ertrug er mit neuer Kraft, dass er schwarz war und zum Abschaum der Welt gehörte . . . Wie sehr sie ihn auch auslachen mochten, weil er schwarz und einfältig war - nun konnte er ihnen ohne Zorn in die Augen blicken. Er war der tödlichen Umarmung einer unsichtbaren Macht entronnen." Diese Macht sind "für Bigger und die Seinen" die Weißen, "eine drohende Naturgewalt, wie der Sturm, der den Himmel über ihnen aufriss". Erst durch seine schrecklichen Verbrechen fängt Bigger an, zu existieren - auch wenn seine Gewalt ihn am Ende zerstören muss.

An Bigger Thomas ist bemängelt worden, dass er gelegentlich wie eine warnende These wirkt. Ayana Mathis schreibt in der "New York Times": "Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Schwarze ein so groteskes Porträt von sich selbst annehmen würden." Dennoch ist "Sohn dieses Landes" zutiefst beunruhigend. Denn das Buch zeigt sehr klar, dass die Lebensbedingungen, die Bigger hervorrufen, keine Ausnahme sind. Und wie Baldwin selbst schauderhaft sagte: "Es gibt keinen amerikanischen Schwarzen, der seinen privaten Bigger Thomas nicht in seinem Schädel hätte." Wright lässt uns fühlen, wie es ist, in der eigenen Hautfarbe gefangen zu sein. Daraus entsteht eine furchtbare Erkenntnis: für die Erniedrigten ist Gewalt manchmal die einzige, wenn auch aussichtslose Alternative.

Subtiler, rätselhafter als "Sohn dieses Landes" ist Ralph Ellisons "Der unsichtbare Mann", ein scharfsinniger Roman über afroamerikanische Identität. Das Buch, das Mitte der Sechziger von einer Gruppe von 200 Kritikern und Autoren zum wichtigsten Roman seit dem Zweiten Weltkrieg ernannt wurde, ist bis heute von zentraler Bedeutung für die Literaturgeschichte der Vereinigten Staaten. (Für Barack Obama etwa war es ein Vorbild für seine Familiengeschichte, die er in "Dreams of My Father" erzählt.) Ellison wurde 1914 in Oklahoma geboren und besuchte ein afroamerikanisches College in Alabama, bevor er 1936 nach New York ging, um Schriftsteller zu werden. Wie auch Wright trat Ellison in die kommunistische Partei ein, von der er aber später enttäuscht wurde. 1952 veröffentlichte er "Der unsichtbare Mann", der auf seinen eigenen abenteuerlichen Lebensweg hinweist. Das Buch gewann ein Jahr später den National Book Award. Ellison starb 1994 in Manhattan.

Als einen experimentellen Roman beschrieb Ellison selbst "Der unsichtbare Mann". Manche Literaturkritiker haben seine "kafkaeske Absurdität" gelobt. Was damit gemeint ist, wird schon am Anfang klar. Der namenlose Erzähler lebt in einer Höhle in einem Kellergeschoss, in der "genau 1369 Lampen" brennen. Obwohl er "ein Mensch aus Substanz, aus Fleisch und Knochen" ist - "man könnte vielleicht sogar sagen, dass ich einen Verstand besitze" -, nennt er sich unsichtbar, "weil sich die Leute weigern, mich zu sehen . . . Wer sich mir nähert, sieht nur meine Umgebung, sich selbst oder die Auswüchse seiner Phantasie." Erst am Ende erfahren wir, unter welchen Umständen der Mann in dieser Höhle landete und vor allem, warum er entschied, in einer Art symbolischem Exil dort zu bleiben.

Der unsichtbare Mann erzählt seine durch und durch spannende und verstörende Lebensgeschichte: von der Jugend im Süden bis zu stürmischen Erlebnissen in New York. Er durchlebt verschiedene Möglichkeiten, ein schwarzer Bürger der 1930er zu sein: Versuch der totalen - und entwürdigenden - Assimilation, Kommunismus, Ernüchterung gegenüber der Gesellschaft, Abgrenzung . . . In jedem dieser Szenarien muss er durch Selbsterniedrigung oder äußere Gewalt unsichtbar werden beziehungsweise auf die eigene Identität verzichten, um die (zweifelhafte) Chance zu haben, im Leben weiterzukommen. In einem entsetzlichen Kapitel etwa erzählt er, wie er ein College-Stipendium von einer Gruppe weißer Männer erhielt - doch nur nachdem er mit verbundenen Augen gegen andere schwarze Jungs fast bis zum Tode kämpfen musste. Später wird er vom College verstoßen, weil er einem weißen Geldgeber die Miseren afroamerikanischen Lebens zeigt. In New York schließlich wird er von einer gewissen "Bruderschaft" unterstützt, bis er erkennt, wie sehr er dabei ausgenutzt wird.

"Ich bin ein unsichtbarer Mann, und es hat mich in ein Loch verschlagen - oder, wenn Sie so wollen, mir das Loch gezeigt, in dem ich steckte." Das ist seine Bilanz am Schluss. "Wenn man sich einmal an sie gewöhnt hat, ist die Wirklichkeit so unwiderstehlich wie eine Keule, und mit dieser Keule wurde ich, bevor ich es recht begriff, in den Keller geprügelt." Und trotz allem ist "Der unsichtbare Mann" kein absolut pessimistischer Roman: Im Epilog erklärt der Erzähler, er sei bereit, seine Höhle zu verlassen, sich nicht mehr zu verstecken. Das Ende bleibt offen. Das Buch reflektiert schmerzhaft und gleichzeitig sarkastisch darüber, was es kostet, in den Vereinigten Staaten schwarz zu sein.

Gegenüber Wrights angestrebtem Realismus hat man in Ellisons Roman, mit seinem satirischen, allegorischen Ton, oft das Gefühl, es gäbe hinter der erzählten Geschichte eine andere, die man nicht ganz richtig erfasst, und dass eine Katastrophe jederzeit stattfinden könnte. Das ist ein großes Verdienst: Durch die Ungewissheit und die Unruhe, die das Buch vermittelt, spürt man auch in ihm die Ohnmacht und Verzweiflung, auch die sture und ironische Hoffnung im Leben etlicher Afroamerikaner. Bis heute. Denn zwar liegen Wrights und Ellisons Welten in der Vergangenheit. Die hässliche Geschichte aber, zu der diese Welten gehören - wie zeitgenössische afroamerikanische Erzähler zeigen, die selbst Nachfolger von Wright und Ellison sind, von Ta-Nehisi Coates bis Colson Whitehead, von Toni Morrison bis Donald Glover -, ist noch lange nicht zu Ende erzählt.

HERNÁN D. CARO

Richard Wright: "Sohn dieses Landes". Aus dem Englischen von Klaus Lambrecht, überarbeitet von Yamin von Rauch. Verlag Kein & Aber, 575 Seiten, 24 Euro

Ralph Ellison: "Der unsichtbare Mann". Aus dem Englischen von Georg Goyert, überarbeitet von Hans-Christian Oeser. Aufbau-Verlag, 680 Seiten, 28 Euro

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»Das Plädoyer, das Biggers Anwalt fast am Ende von 'Sohn dieses Landes' hält, [...] sollte in jedem Gerichtssaal hängen.« »Knüppelharte Lektüre, so hart wie das Leben vieler Schwarzer damals und heute, in den USA und anderswo. Augen öffnend.« Barbara Weitzel, WELT am Sonntag kompakt, 12.06.2022 Barbara Weitzel Die Welt am Sonntag 20220612