20,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

  • Gebundenes Buch

Jetzt bewerten

"Die Mütter", so nennen sie die alten Frauen in der kleinen kalifornischen Gemeinde Oceanside. Sie sind Zeugen des Skandals, mit dem dieser Roman beginnt. Ein Skandal ist es, wenigstens aus ihrer Sicht: dass Nadia Turner, deren Mutter sich das Leben genommen hat, mit Luke, dem Sohn des Pastors ... dass Nadia Turner ein Baby bekommt ... oder vielmehr beschließt, es nicht zu bekommen. Und das ist erst der Anfang der Geschichte. Anders als Luke kehrt Nadia der Kleinstadtenge bald den Rücken. Aber Aubrey, ihre beste Freundin, bleibt und stellt sich auf ihre Weise gegen den Chor der alten Frauen,…mehr

Produktbeschreibung
"Die Mütter", so nennen sie die alten Frauen in der kleinen kalifornischen Gemeinde Oceanside. Sie sind Zeugen des Skandals, mit dem dieser Roman beginnt. Ein Skandal ist es, wenigstens aus ihrer Sicht: dass Nadia Turner, deren Mutter sich das Leben genommen hat, mit Luke, dem Sohn des Pastors ... dass Nadia Turner ein Baby bekommt ... oder vielmehr beschließt, es nicht zu bekommen. Und das ist erst der Anfang der Geschichte.
Anders als Luke kehrt Nadia der Kleinstadtenge bald den Rücken. Aber Aubrey, ihre beste Freundin, bleibt und stellt sich auf ihre Weise gegen den Chor der alten Frauen, deren Stimmen mit der Zeit merklich auseinandergehen. Es dauert nicht lange, und sie feiern ein neues Paar in Oceanside: Aubrey und Luke Sheppard. Und das beschäftigt die vom College heimgekehrte Nadia mehr, als sie vor der besten Freundin zugeben kann.
Brit Bennett fragt nach dem, was uns hält und was uns bindet: Freundschaft, eine gemeinsame Vergangenheit, eine nicht gelebte Geschichte. In "Die Mütter" erzählt sie voller Respekt und mit der nötigen Respektlosigkeit von Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht, erzählt mit einer gelassenen Genauigkeit, die staunen macht.
Ein lebenskluger Roman über das Amerika von heute und das Amerika von morgen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 318
  • Erscheinungstermin: 24. April 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 132mm x 27mm
  • Gewicht: 410g
  • ISBN-13: 9783498006839
  • ISBN-10: 3498006835
  • Artikelnr.: 50100135
Autorenporträt
Bennett, Brit
Brit Bennett, geboren 1990, wuchs im südlichen Kalifornien auf und studierte an der Stanford University und an der University of Michigan. Ihre Arbeiten erschienen in "The New Yorker", "The New York Times Magazine", "The Paris Review" und "Jezebel". 'The Mothers ' ist ihr erster Roman; er wurde unter anderem für den PEN/Robert W. Bingham Prize nominiert.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Sehr einfühlsam, ja, mit Faszination bespricht Katharina Granzin dieses Debüt der beim Erscheinen des Originals 26-jährigen Autorin. Das Setting des Romans scheint einfach, ein kalifornisches Kaff. Die Handlung spielt offenbar fast ausschließlich in der schwarzen Bevölkerung des Orts. Die Protagonistin ist eine gut aussehende junge Frau, die sich aus ihrem Milieu emanzipiert, um in der Welt draußen zu reüssieren. Granzin notiert mit Interesse die Thematik - etwa die Gefahr der Teenagerschwangerschaft, der die Protagonistin durch eine Abtreibung entflieht. Der Rezensentin gefallen dabei die Gelassenheit und die Präzision von Bennetts Erzählsstil. Und sie ist beeindruckt von Bennetts Erzählkniff: Die titelgebenden Mütter, ein paar alte Frauen der Gemeinde, als Erzählinstanz, die die Geschichte der Jüngeren mit Kommentaren begleiten, ohne für die Handlung eine Rolle zu spielen, geben dem Roman eine zusätzliche Tiefendimension, meint Granzin.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 17.05.2018
Schießen, bevor man abgeknallt wird
Ausbruch aus dem von der Hautfarbe bestimmten Milieu: Brit Bennetts eindrucksvolles Romandebüt "Die Mütter"

Oceanside, eine typische Kleinstadt im Süden Kaliforniens, ist der Schauplatz von Brit Bennetts erstem Roman. Die afroamerikanische Schriftstellerin eroberte mit der genauen Beschreibung einer in Schwarz und Weiß geteilten Welt sofort die amerikanischen Bestsellerlisten. Ähnlich wie in den Werken der Nobelpreisträgerin Tony Morrison ist der Ausbruch einer jungen schönen Frau aus ihrem von der Hautfarbe bestimmten Milieu das Thema. Der Titel "Die Mütter" ist irreführend. Diese älteren Frauen, angeführt von der "First Lady" genannten schwarzen Pfarrersfrau, wachen frömmelnd über das Gemeindeleben und fällen unerbittliche Urteile. Gütiges und Mütterliches haben sie nicht zu bieten. Im Gegenteil, sie verbreiten Gerüchte und kommentieren sie im Chor. Die siebzehn Jahre alte Nadia ist ihr Opfer, weil sie gegen die Regeln verstößt. Sie hat sich in den Sohn des Pastors verliebt und erwartet von ihm ein Kind, ein "Missgeschick", das durch die von der First Lady finanzierte Abtreibung zur Tragödie wird. Die junge Frau zerbricht aber nicht daran, wie es mit einem ähnlichen Schicksal ihre Mutter tat. Sie bewirbt sich als einzige Schwarze um ein Stipendium an einer angesehenen Universität und macht dort Karriere. Brit Bennett notiert die beispielhafte Erfolgsstory aber nur wie eine Randnotiz. Wichtiger zu schildern sind ihr die Verluste Nadias auf dem Weg zur internationalen Anwältin: die Wurzellosigkeit, das Zerbrechen einer tiefen Mädchenfreundschaft und schließlich auch ihrer Jugendliebe, die noch einmal aufflackert. Wechselnde Beziehungen zu meist weißen Männen sind kein Ersatz für das, was ihr einmal wichtig war.

Die von Evangelikalen geprägte schwarze Gemeinschaft, so wie sie Brit Bennett schildert, bleibt unter sich. Doch bernsteinfarbene Haut und seidige glatte Haare gehören zum Schönheitsideal - also nicht black is beautiful. Solche äußeren Annäherungen an den weißen Teil der Bevölkerung vergrößern die Chance, mehr zu erreichen, als auf der untersten Stufe der Gesellschaft zu verharren. Einen anderen bescheidenen, jedoch sicheren Aufstieg bietet die Army. "Was glaubst du, warum ich zum Militär bin?", fragt einer der Freunde: "Mein Vater hat mir gesagt, du lernst besser selber schießen, bevor dich die Weißen abknallen." Rüde und bitter ist der Ton, wenn die Marines des nahen Stützpunkts von ihren Erfahrungen im Fernen Osten sprechen, aber auch selbstbewusst. Es ist viel amerikanische Wirklichkeit in diesem Erstling einer Sechsundzwanzigjährigen, den Hollywood bereits als Drehbuchvorlage gekauft hat.

MARIA FRISÉ.

Brit Bennett: "Die Mütter". Roman.

Aus dem Englischen von Robin Detje. Rowohlt Verlag, Reinbek 2018. 318 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Besprechung von 09.06.2018
Kritik ohne Schmerz
Ihr Debütroman „Die Mütter“ hat der Autorin Brit Bennett den Ruf als Toni Morrisons
legitime Nachfolgerin beschert. Dafür aber ist das Buch viel zu betulich
VON JULIANE LIEBERT
Brit Bennetts viel gelobter Roman „Die Mütter“ ist zu zwei Dritteln ein Groschenroman, in dem Sätze vorkommen wie: „Sie zog ihm das zu enge T-Shirt über den Kopf und streichelte ihm die ausladenden Schultern.“ Und zu einem Drittel ist er – ja was macht eigentlich das andere Drittel? Das andere Drittel behandelt die Themen Selbstmord, Schwarzsein, Abtreibung und Muttersein. Das Buch hat seiner Autorin, die zuvor eher für politische Essays bekannt war, das Label einer der „vielversprechendsten Stimmen der US-Literatur“ eingebracht. Es ist New York Times-Bestseller, wurde mehrfach übersetzt, erschien im Deutschen bei Rowohlt. Eine Filmadaption steht an.
Die Geschichte spielt in Oceanside, einer Militärstadt in Kalifornien. Die Hauptfigur, Nadia, verliert am Anfang des Buches ihre Mutter durch Suizid. Alle Charaktere sind schwarz, könnten aber auch violett oder neonfarben sein. Für die Handlung spielt ihre Hautfarbe keine große Rolle. Nur unterschwellig durchzieht Alltagsrassismus das Buch, mehr als Glaubenssatz in den Köpfen der Protagonisten, als als soziales Problem. So hatte Nadias Mutter ein Leben, „wie eine weiße Frau es sich nicht besser hätte wünschen können“. Nadia ist 17, ferner, das wird sehr oft erwähnt, ausgesprochen hübsch. Ihr Liebhaber, Luke, ein Pfarrerssohn, ist auch ausgesprochen hübsch, und die beiden paaren sich, weil Nadias Mutter sich das Leben genommen hat und Nadia gern Konterschmerz will. „Der Sex würde wehtun, und das wollte sie auch. Luke sollte ihr Schmerz von außen sein.“
Vom Schmerz von außen wird sie schwanger, und da sie nicht nur sehr hübsch, sondern auch sehr schlau ist, lässt sie abtreiben. Hier verbirgt sich nun der Zündstoff: „In Amerika ist das Thema Abtreibung extrem polarisierend“, sagt die Autorin, wenn man sie danach fragt, „insofern sind auch die Reaktionen auf das Buch sehr gespalten. Manche sagen, es sei zu Pro Choice. Manche sagen, das Buch sei zu Pro Life.“ Es entsteht im Buch eine gewisse Spannung zwischen der nüchternen Erzählweise, die eher auf das Liebesgefühlsleben, die Familienprobleme und die Träume der Protagonistin fokussiert ist, und der Brisanz des Themas. Bennett versucht, von abstrakten (und damit auch menschenfeindlichen) Prinzipiendebatten wegzukommen und den Blick auf die Menschen zu lenken, die mit so einer Entscheidung unmittelbar umgehen müssen.
„Die Mütter“ will eine Geschichte darüber sein, wie es einer jungen Schwarzen in Amerika ergeht, wenn sie abtreiben will. Eine Geschichte übers Muttersein. Über den Suizid eines Elternteils. Alles große Themen. Leider übernimmt schnell ödes Gefühls-Hin-und-Her: Es geht mehr darum, wen der derangierte Pfarrerssohn gerade liebt, respektive vögelt.
Nun muss eine junge schwarze Autorin natürlich nicht unbedingt ein Sozialdrama über die Probleme schwarzer junger Frauen schreiben. Doch das Problem des Buchs ist, dass es einen nie wirklich davon überzeugen kann, dass diese Geschichte genauso erzählt werden muss. Ihre Poesie, ihre Metaphern und Vergleiche wirken antrainiert. Die Signalstellen, an denen der Text einem mitteilt, dass er Literatur ist, könnte man genauso gleichmäßig über eine völlig andere Geschichte verteilen.
Sicher: Bennett erzählt gekonnt. Das ist die Stärke, aber eben auch die Schwäche des Buchs. Jeder Satz liest sich wie von einer fortgeschrittenen Lektorats-KI geprüft. Die Erzählweise wirkt ebenmäßig und routiniert, wodurch die Story eine seltsame Immanenz bekommt: Nichts weist über sich hinaus. Es gibt ein paar Momente, in denen so etwas wie ein Sittenbild aufscheint oder man zumindest das Gefühl hat, dass die Desorientierung der Protagonistin literarisch aufgeladen wird – als eine Art Leerstelle im Mittelpunkt, die umso schärfer hervortreten lässt, was an den Rändern der Geschichte sichtbar wird: die alten und neuen amerikanischen Verwerfungen. Unter Umständen ist „Die Mütter“ auch gerade so erfolgreich, weil es eben nie wirklich schmerzhaft wird – es definiert sich über seine krassen Themen, aber bleibt im Kern freundlich und leicht lesbar. Blutwurst light.
Brit Bennett: Die Mütter. Aus dem Englischen von Robin Detje. Rowohlt, Reinbek, 2018. 320 Seiten, 20 Euro.
Manche sagen, das Buch sei zu
sehr Pro Life, andere sagen,
es sei zu sehr Pro Choice
Brit Bennett ist erst 28 Jahre alt. An dem Roman
arbeitete sie, seitdem sie
17 ist. Die Figuren,
hat sie einmal gesagt, seien mit ihr gealtert.
Foto: B. Cannarsa/Opale/Leemage/Laif
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr
Die beeindruckenste Betrachtung dieser ewigen Herausforderung, die Familie und Freundschaft darstellen, sowie all der zu treffenden Entscheidungen, die am Ende das Leben ausmachen, seit Jonathan Franzens "Korrekturen" … Das Revolutionäre des Romans, auch für afroamerikanische Literatur, besteht darin, dass die Konflikte der Romanfiguren universell erscheinen …