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Dieser Band versammelt die Kurzgeschichten eines der besten Autoren unserer Zeit. "Salter schreibt mit Kenntnis, Präzision und Witz ... Die frühen Geschichten haben einen jazzigen Rhythmus und den aalglatten, kühlen Glanz der Welt von Mad Men. Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts und das World Trade Center ist in der Planung. Was kann schon schiefgehen? Und doch geht am Ende so ziemlich alles schief ... Salter ist ein Zauberer. Er zeigt das Gewöhnliche als das, was es wirklich ist: das Wunderbare." John Banville…mehr

Produktbeschreibung
Dieser Band versammelt die Kurzgeschichten eines der besten Autoren unserer Zeit.
"Salter schreibt mit Kenntnis, Präzision und Witz ... Die frühen Geschichten haben einen jazzigen Rhythmus und den aalglatten, kühlen Glanz der Welt von Mad Men. Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts und das World Trade Center ist in der Planung. Was kann schon schiefgehen? Und doch geht am Ende so ziemlich alles schief ... Salter ist ein Zauberer. Er zeigt das Gewöhnliche als das, was es wirklich ist: das Wunderbare." John Banville
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch Bd.31210
  • Verlag: Piper
  • Originaltitel: Collected Stories
  • Seitenzahl: 368
  • Erscheinungstermin: 1. Februar 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 121mm x 27mm
  • Gewicht: 258g
  • ISBN-13: 9783492312103
  • ISBN-10: 3492312101
  • Artikelnr.: 48037095
Autorenporträt
James Salter, 1925 in Washington, D.C. geboren und in New York aufgewachsen, wurde mit seinen großen Romanen »Lichtjahre« und »Ein Spiel und ein Zeitvertreib« auch in Deutschland berühmt. Er diente als Kampfflieger zwölf Jahre lang in der US Air Force und nahm 1957 seinen Abschied, als sein Debüt, Jäger, erschien. Seitdem lebte Salter als freier Schriftsteller in New York City und auf Long Island. Am 19. Juni 2015 verstarb James Salter wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag in Sag Harbor. Er gilt als moderner Klassiker der amerikanischen Literatur.
Inhaltsangabe
Vorwort von John Banville  Am Strande von Tanger  My Lord  Zwanzig Minuten  Platin  So viel Spaß  Dämmerung  Kino  Akhnilo  Die Augen der Stars  Komet  Die Zerstörung des Goetheaneums  Bangkok  Erde  American Express  Palm Court  Verlorene Söhne  Via Negativa  Fremde Küsten  Charisma  Gabe  Arlington  Letzte Nacht  Kapnick Distinguished-Writer-in-Residence-Lectures 1. Vorlesung: Die Kunst der Literatur  2. Vorlesung: Wie man Romane schreibt 

3. Vorlesung: Leben als Kunst 
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 09.02.2018

NEUE TASCHENBÜCHER
Exzessive Verknappung -
Sämtliche Stories von James Salter
„Warum haben wir den Weg nicht eingeschlagen, der uns vorgezeichnet war?“ fragt der Frauenschwarm Polo seine Geliebte Leila. Beantworten kann sie ihm die Frage nicht. Keine Figur in James Salters Erzählband „Charisma“ kann das. Alle haben sich in ihren Vergangenheiten verheddert und geraten ins Straucheln, jede für sich, meist unbemerkt. Kleine Katastrophen sind das, wie der unausgesprochene Bruch eines Paares während des Sommerausflugs in „Am Strande von Tanger“. Mit beiläufigem Geplapper treibt eine Freundin den unsichtbaren Keil zwischen die beiden und setzt sie sprach- und hilflos nach dem Tag am Meer wieder zu Hause ab. Wie eine Sommerbrise zieht das Unglück an den Figuren vorüber und lässt sie unmerklich aber doch unrevidierbar verändert zurück. Entstanden im Verlauf von mehr als fünfzig Jahren, sind James Salters gesammelte Short Stories beiläufige Schnappschüsse, auf denen sich immer kleine Details nicht ganz in das Gesamtbild fügen wollen. Wortkarg skizziert er atmosphärisch dichte Orte und Gefühlsräume, deren Trostlosigkeit sich trotz ihrer Unschärfe deutlich abzeichnet. Seine Sprache ist alles andere als beiläufig, er hat das elliptische Erzählen zu einer beinahe stenografischen Form kondensiert wie kein anderer Autor der amerikanischen Literaturgeschichte. Richard Ford und John Banville zählen zu seinen Verehrern, zu Lebzeiten wurde er jedoch kaum beachtet. Erst mit seiner Autobiografie „Verbrannte Tage“ konnte er 1997 mit über siebzig noch die Anerkennung finden, die er sich immer erhofft hatte. Seine 22 Stories werden um drei Vorlesungen ergänzt, die er 2014 kurz vor seinem Tod an der Universität von Virginia hielt. Darin umreißt er seine Methode der exzessiven Verknappung, aber auch seinen Ursprung als leidenschaftlicher Leser. „Es wird immer zahllose grundlegende oder auch weniger anerkannte Bücher geben, die ungelesen bleiben, die gelesen werden sollten oder die irgendwann gelesen werden müssen,“ heißt es darin. James Salters Texte gehören wahrlich dazu. SOFIA GLASL
James Salter: Charisma. Sämtliche Stories. A. d. Engl. v. Malte Friedrich, Nikolaus Hansen, Beatrice Howeg. Piper Verlag, München 2018. 368 Seiten, 11 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Seine Sprache ist alles andere als beiläufig, er hat das elliptische Erzählen zu einer beinahe stenografischen Form kondensiert wie kein anderer Autor der amerikanischen Literaturgeschichte.", Süddeutsche Zeitung, 09.02.2018

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.12.2016

Was ist? Nichts, ich sterbe nur

In jedem Satz gilt es den Hebel zu finden: Ein Band mit sämtlichen Erzählungen James Salters zeigt den amerikanischen Autor auf der Höhe der Kunst.

Das große Publikum entdeckte James Salter spät, dafür heftig, und nicht zuletzt über den deutschen Sprachraum. Denn als sein Roman "Lichtjahre", in Amerika zunächst ein Flop, mit 23 Jahren Verspätung 1998 hierzulande erschien, wurde er als Meisterwerk gefeiert. Die längste Zeit seines Schriftstellerlebens aber blieb Salter, der am 19. Juni 2015 nur wenige Tage nach seinem neunzigsten Geburtstag starb, ein "writer's writer". Einer also, der sich mit geringen Auflagen begnügen musste, aber von Kollegen wie Richard Ford oder John Banville hochgeschätzt wurde.

Sie lasen und lesen Salter wegen seiner stilistischen Brillanz, die Atmosphären dicht wie in einem Treibhaus werden lässt, seinem eleganten Fatalismus, vor allem aber wegen seiner Sätze. Salter brachte jeden Satz zum Flirren. "Das Vokabular ist wie ein Fingerabdruck", heißt es in einer seiner Erzählungen, wie die "Handschrift eines Körpers und seiner unsichtbaren Seele." Was Salter vor Studenten einmal über den "unaufdringlichen Schreiber" Isaak Babel sagte: dass er seine Geschichten unermüdlich überarbeitete, traf auch auf ihn zu. Salter korrigierte lieber, als neue Bücher zu schreiben. Er meinte, dass in jedem Satz "eine Art Hebel" existiere, "auf den man seine Hand legen und den man nur ganz leicht drehen müsse", um an der richtigen Stelle zu landen. Dafür braucht es Zeit.

Die Kunst der Salterschen Sätze lässt sich jetzt aufs Neue in seinen gesammelten Erzählungen studieren, die der Berlin Verlag erstmals vollständig publiziert. Sie stammen aus den sechziger bis achtziger Jahren und erscheinen zusammen mit der unveröffentlichten Story "Charisma" sowie drei Vorlesungen: "Die Kunst der Literatur", "Leben als Kunst" und "Wie man Romane schreibt".

John Banville zufolge ist in der Literatur nichts schwieriger als die Darstellung banaler Wirklichkeit. "Nur die Besten haben diese Aufgabe erfolgreich bewältigt", schreibt er im Vorwort zu diesem Band. Salter gehört für ihn zweifellos dazu. Was außerdem an diesen Texten ins Auge fällt, ist die rücksichtslose Genauigkeit, mit der sie ihr Personal betrachten. Gerade auf der kurzen Strecke hat Salter eine Erzähltechnik entwickelt, die bei aller Knappheit irrwitzige Räume öffnet.

Die Short Story ist ja vor allem deshalb eine solch schwere Form, weil sie wie ein Schnappschuss funktioniert, ohne Anfang, ohne Ende. Oft braucht Salter nur zwei oder drei Sätze, und es öffnen sich Falltüren unter den Menschen, die sich eben noch auf sicherem Boden wähnten.

Richard Ford schätzt an Salter, dass er wie kein anderer den Unterschied von Sein und Schein darstelle. Diese Diskrepanz, "der Quell all unserer Nöte", findet sich in Geschichten wie "Kino" oder "Die Augen der Stars", die um Menschen kreisen, die es als Schauspieler, Regisseure oder Drehbuchautoren in die Welt des schönen Scheins verschlagen hat. Gerade schön aber geht es dort nicht unbedingt zu. Salter spürt ihren inneren Groll auf, ihren prätentiösen Ton und porträtiert sie in all ihrer Bedürftigkeit. Die Katastrophen, an denen er herumdoktert, sind oft leise, und kündigen sich in harmlosen Bemerkungen an, einmal ist es nur ein schlecht sitzendes Kleid.

Das Paar in "Bangkok" etwa ist längst getrennt und kann trotzdem nicht von früheren Gefühlen lassen. Als Caroll und Hollis sich nach Jahren wiedersehen, fangen sie sofort wieder zu streiten an: ",Ich wusste nicht, dass das wahre Glück darin liegt, die ganze Zeit immer dasselbe zu haben.' Sie sah auf ihre Hände. Ihm fielen wieder ihre langen, biegsamen Daumen auf." Die Zeit ist verloren und lässt sich nicht wieder einfangen. Was auch Noreen nicht glauben mag, als sie ihre Jugendliebe nach einem halben Leben wieder anruft. Einst hatte sie Arthur eines anderen wegen abserviert. Als sie sich im Plaza treffen, ist er fassungslos darüber, wie erkaltet seine Gefühle waren. Dabei hätte er für die Liebe dieser Frau einmal alles getan. Jetzt "versteckte selbst ihre Kleidung, was sie einmal gewesen war".

In "So viel Spaß" sitzen drei Freundinnen einen Abend lang fröhlich beieinander und schwatzen über Berufe, Affären, Abenteuer. Erst als sie auseinandergehen und Jane allein im Taxi sitzt, bricht sie in Tränen aus. Was denn sei, fragt sie der Taxifahrer. ",Nichts', sagte sie, den Kopf schüttelnd. ,Ich sterbe.'" Vor ihren Freundinnen konnte sie diese existentielle Wahrheit nicht preisgeben. Auch in der Erzählung "Platin", die von der Scheinheiligkeit der New Yorker Haute-Volée erzählt, ist die Verzweiflung des jungen Mannes am Ende so greifbar wie sein edler Mantel in der Garderobe.

Von diesen verunglückten Leben erzählt Salter fast beiläufig. "Warum haben wir den Weg nicht eingeschlagen, der uns vorgezeichnet war?" Die Frage in der Erzählung "Charisma" treibt alle seine Figuren um. Auf wenigen Seiten setzt er sie nicht nur sich selbst, sondern einem ganzen Geflecht sozialer Beziehungen aus, die in lauter kleine Nebenhandlungen und Vergangenheiten führen. Es ist dieses Netz, in dem sich Noreen, Cecily oder Polo ein ums andere Mal verheddern. "Details sind alles", hat Salter seinen Studenten erklärt. Und dass sein einziges Ziel beim Schreiben darin liege, Sätze aneinanderzufügen, als wäre dies ihr einziger Daseinszweck. Es ist ein Ziel, das die Zeit überdauern wird.

SANDRA KEGEL

James Salter: "Charisma". Sämtliche Stories.

Vorwort von John Banville. Aus dem Englischen von Beatrice Howeg, Nikolaus Hansen, Malte Friedrich. Berlin Verlag, Berlin 2016. 368 S., geb., 22,- [Euro].

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