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Um sich von den Strapazen seiner Liaison mit Piroska zu erholen, flüchtet der Schriftsteller Levente Rostás in ein Sanatorium. Da hockt er nun und blickt wehmütig und selbstironisch auf bewegte Jahre in Budapester Künstlerzirkeln zurück, auf frühere Erfolge und auf seine Kindheit in der Nachkriegszeit. Doch schon nach wenigen Tagen zeigt sich: Weder die Stille noch die Heilbäder können Rostás' Herz kurieren - immer wieder kreisen seine Gedanken um Piroska. Als er ebenso verzweifelt wie amüsiert allmählich einsieht, dass er mit dieser Frau nicht leben kann, doch ohne sie noch viel weniger,…mehr

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Produktbeschreibung
Um sich von den Strapazen seiner Liaison mit Piroska zu erholen, flüchtet der Schriftsteller Levente Rostás in ein Sanatorium. Da hockt er nun und blickt wehmütig und selbstironisch auf bewegte Jahre in Budapester Künstlerzirkeln zurück, auf frühere Erfolge und auf seine Kindheit in der Nachkriegszeit. Doch schon nach wenigen Tagen zeigt sich: Weder die Stille noch die Heilbäder können Rostás' Herz kurieren - immer wieder kreisen seine Gedanken um Piroska. Als er ebenso verzweifelt wie amüsiert allmählich einsieht, dass er mit dieser Frau nicht leben kann, doch ohne sie noch viel weniger, erreicht ihn ein Telegramm mit der Nachricht, dass sie auf dem Weg zu ihm sei ... Wie Rostás in den Bann von Piroska, so gerät der Leser unaufhaltsam in den Sog einer elektrisierenden und zugleich ins Absurde gesteigerten Liebesgeschichte. Ein virtuos erzählter Roman voller bezaubernder Bilder.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, CY, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, IRL, I, L, M, NL, P, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
  • Erscheinungstermin: 17.09.2010
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783644106819
  • Artikelnr.: 37451661
Autorenporträt
Rubin, Szilárd
Der ungarische Autor Szilárd Rubin, geboren 1927 in Budapest, gestorben 2010, schrieb bereits seit den fünfziger Jahren. Würdigung als Autor von Weltrang erfuhr der geistreiche Melancholiker aber erst in den letzten Jahren seines Lebens. Als sein Roman «Kurze Geschichte von der ewigen Liebe» (1963 veröffentlicht, 2004 in Ungarn wiederentdeckt) 2009 in deutscher Sprache herauskam, löste er Begeisterung aus: Ihm gebührt, schrieb die FAZ, «ein Platz unter den aufregendsten Liebesromanen des 20. Jahrhunderts, auf Augenhöhe mit Scott Fitzgeralds 'Großem Gatsby'». 2010 erschien «Eine beinahe alltägliche Geschichte», 2012 «Die Wolfsgrube».
Rezensionen
Besprechung von 06.10.2010
Amoklauf eines Masseurs

Können Entwurzelte lieben? Szilárd Rubin, ein europäischer Erzähler von Rang, entwirft ein eigenwilliges historisches Panorama seiner ungarischen Heimat.

Ganz selten noch gibt es sie, die im literarischen Limbus ruhenden Großwerke, deren plötzliche Entdeckung die Nationalphilologen zur Korrektur zwingt und eine Euphorie auslöst wie die kürzlich vor der finnischen Küste aus einem Wrack geborgenen uralten Champagnerflaschen. Im Jahr 2004 erlebte die Literaturkritik eine solche Sternstunde. Szilárd Rubin, der im April dieses Jahres verstarb und von dem die Nachwelt heute kaum mehr weiß, als dass er 1927 als Jude in Budapest geboren wurde, saß zum Zeitpunkt seiner Wiederentdeckung nämlich auf einem weltliterarischen Schatz.

Die "Kurze Geschichte von der ewigen Liebe" war im stalinistischen Ungarn der Nachkriegsjahre angesiedelt, erregte 1963 bei ihrem Erscheinen kurz Aufsehen und ging zwischen Gulaschkommunismus und politischer Wende klanglos wieder unter. Rubin erzählte darin die Liebesgeschichte zwischen dem halbjüdischen Dichter Attila, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, und einer deutschstämmigen Apothekerstochter, deren Familie nach überstandener Vertreibung und Bombennacht in Dresden in ihre Heimat zurückkehrt und dort buchstäblich vor dem Nichts steht, während Attila sein Talent äußerst erfolgreich in den Dienst der neuen Führer stellt. Eine sehr ungarische Variante der Herr-Knecht-Dialektik hatte Rubin da mit den Mitteln der Literatur durchgespielt. Das gesamte zwanzigste Jahrhundert war als Konzentrat in ihr enthalten: Vertreibung, Verfolgung und Deportation wurden zur Chiffre eines vergangenen Unglücks, aber - und darin bestand die historische Weitsicht des Romans - auch zum Ausgangspunkt eines lebenslangen persönlichen Scheiterns.

Die Kriegswunden der Romanfiguren von 1963, so hat es den Anschein, sind über zwanzig Jahre später weitgehend verheilt. In Ungarn herrscht Tauwetter und beschränkte Reisefreiheit für Künstler, aber wie eine alte Narbe sich bei jedem Wetterwechsel bemerkbar macht, werden auch die Figuren in "Eine beinahe alltägliche Geschichte", Rubins jetzt auf Deutsch erschienenem zweiten Roman, von der Historie nicht in die Sorglosigkeit entlassen.

Um seine Psoriasis, die verkalkten Rückenwirbel und seinen pathologischen Liebeskummer zu kurieren, hat sich Levente Rostás in die Kurklinik von Harkány und von dort in Gedanken weiter zurück zu einem früheren Kuraufenthalt nach Karlsbad begeben, wo er sich zwischen Heilbädern und den Interventionen eines ungarischstämmigen Masseurs Kindheitserinnerungen hingibt. Erinnerungen etwa an die Ferien auf dem oberungarischen Gut des zum Katholizismus konvertierten Onkels, der in den letzten Kriegstagen von vier Halbwüchsigen gelyncht und zusammen mit seiner Ehefrau in die Donau geworfen wurde. Über Karlsbad schreibt der Erzähler: "Ich war wie verzaubert von diesen Straßen, die an Bühnenbilder erinnerten, mit ihren operettenhaften Häuserzeilen, die in unterschiedlicher Höhe hintereinanderhingen und in der zunehmenden Dunkelheit verschwanden, als würden sie eine nach der anderen in den Schnürboden aufgezogen, um am nächsten Morgen wieder herabgelassen zu werden." Dies ist der eine in Kriegs- und Nachkriegszeit reichende Teil der Geschichte, der mit dem zunächst unerklärlich scheinenden Amoklauf des heimatvertriebenen Masseurs endet.

Der andere Teil des Buches erzählt vom Kuralltag des Ich-Erzählers, vom Besuch der besten Freunde, dem Schriftsteller Laci Martinszky und dem Drehbuchautor Ali Baksay, die zu den Filmfestspielen nach Karlsbad reisen und im Grandhotel Pupp ein nach kommunistischen Maßstäben unbotmäßig mondänes Leben an der Seite amerikanischer Filmstars führen. Der Ich-Erzähler hingegen muss beim Blick in die riesigen Hotelspiegel vor allem an Nikolai Gogol denken. Tatsächlich scheint manche Passage dieses elliptischen kleinen Meisterwerks dem Geist dieses Russen zu entspringen, etwa wenn Freund Laci im Wald nach einem verlorenen Jackettknopf sucht, dort von Schuldgefühlen heimgesucht wird und im Gedenken an jene Besserungsanstalt, in der er einen Teil seiner Kindheit verbrachte, "so lange an seinem Jackett fummelte, bis es an der Stelle des fehlenden Knopfes zu bluten begann".

Und immer wieder taucht eine raubkatzenartige Kindfrau auf, die Levente erst die Vermählung, dann Demütigungen in Aussicht stellt, ohne dass sich der Leser zunächst einen Reim darauf machen könnte. Passenderweise ist die Dame Zahnärztin von Beruf und somit spezialisiert auf Operationen am offenen Nerv. Piroska hat eine Vorliebe für Kakteen und sammelt Bücher über Porzellan - für das Porzellan selber fehlt ihr das nötige Kleingeld. Als Leser verdächtigt man sie mal der Spitzelei, dann wieder nur historischer Klarsicht und Aufrichtigkeit, etwa wenn sie einmal ausruft: "Das sagt doch alles! Klosterfriedhof und Bikini, Heiligtum und mondänes Leben! Euer ganzes Dasein ist schizophren."

Zuletzt geht es auch in "Eine beinahe alltägliche Geschichte" um eine entwurzelte Generation, die zwischen Genozid, Vertreibung, kommunistischer Unifizierung und Westwind nach ihrer Identität sucht. Der Ich-Erzähler betreibt nicht umsonst Ahnenforschung anhand der Lebensgeschichte des Findelkindes Heathcliff aus Emily Brontës Roman "Sturmhöhe". "Schau, da steht die Wahrheit geschrieben!", schreit Piroska den Ich-Erzähler einmal an. "Diese Person wusste genau, dass ein Entwurzelter ein Scheusal ist, wenn er liebt. Wie der Held dieses Romans, dieser Heathcliff! Der hatte aber wenigstens Verstand genug, sein elendes Dorf hinter sich zu lassen, sobald er erwachsen war, um reich zu werden. Also ciao!"

Wahrscheinlich lässt sich dieser Gedanke nur in der schwefeligen Atmosphäre eines Kurbads ertragen. Am Ende, so heißt es, gibt die Krankengymnastik Levente Rostás immerhin seine alte Elastizität zurück. Vom politischen Körper der ungarischen Nation kann das leider bis heute nicht behauptet werden. So bleibt ihre konfliktreiche Geschichte auch im neuerlich aufflammenden Nationalismus des demokratischen Ungarn ein unbehandelter Gelenkschaden.

KATHARINA TEUTSCH

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Was Proust und seinem Erzähler der Keks, ist Szilard Rubins Held eine Türklinke, ein Tor, ein Fenster. Und los geht's in die Vergangenheit, in die Kindheit und Jugend des Erzählers und zu den Anfängen einer schicksalhaften Liebe. Martin Meyer folgt bereitwillig, gibt sich der Melancholie des verwirrt in einem Sanatorium weilenden Helden hin und staunt über Wahrheit, Täuschung und die Macht der Phänomene - alles Themen dieses Romans. Ebenso wie die Frage, was die Gegenwart sei. Nichts nämlich, erfährt der Rezensent und denkt sich, dass Rubins Erfahrungen mit dem Sozialismus in Ungarn bei dieser Bewertung sicher eine Rolle spielen: Alles ungenügend, alles absurd, eine einzige Komödie. In dieses "Departement" nämlich trägt die erinnernde Rückschau den Helden schließlich, ein bisschen Fellini, meint Meyer ist auch dabei.

© Perlentaucher Medien GmbH