Von Kultur und Göttern reden - George, Stefan
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150 Jahre nach Stefan Georges Geburt und 85 Jahre nach seinem Tod werden hier zum ersten Mal jene Texte zugänglich gemacht, deren Veröffentlichung nicht der Intention des Dichters und seiner ersten Erbengeneration entsprach. Damit liegen erstmals sämtliche Texte aus dem Nachlass des Dichters (Gedichte, Prosa, Dramen, Aphorismen, Übersetzungen etc.) in einer textkritischen Edition vor.
Stefan George, den Dichter und Charismatiker von europäischer Bedeutung, begleiten seit Erscheinen seines ersten schmalen Gedichtbands im Jahr 1890 zahllose Legenden und Gerüchte, die er nie öffentlich
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Produktbeschreibung
150 Jahre nach Stefan Georges Geburt und 85 Jahre nach seinem Tod werden hier zum ersten Mal jene Texte zugänglich gemacht, deren Veröffentlichung nicht der Intention des Dichters und seiner ersten Erbengeneration entsprach. Damit liegen erstmals sämtliche Texte aus dem Nachlass des Dichters (Gedichte, Prosa, Dramen, Aphorismen, Übersetzungen etc.) in einer textkritischen Edition vor.

Stefan George, den Dichter und Charismatiker von europäischer Bedeutung, begleiten seit Erscheinen seines ersten schmalen Gedichtbands im Jahr 1890 zahllose Legenden und Gerüchte, die er nie öffentlich widerlegte. Sein Werk hinterließ er in der endgültigen Fassung der 18 Bände seiner von ihm selbst verantworteten Gesamtausgabe. Sie erschien 1928-1934 mit dem unausgesprochenen Ziel, eventuelle spätere Editoren und Herausgeber brotlos zu machen, Band um Band mit einem eigenen philologischen Anhang. Weiteren Aufschluss gibt inzwischen die abgeschlossene textkritische Ausgabe der "Sämtlichen Werke" im Klett-Cotta-Verlag. Der Band Aus dem Nachlass macht nun den interessierten Leser und Wissenschaftler auch vertraut mit bisher unbekannten Aspekten des Denkers, Dichters und Dramatikers.
  • Produktdetails
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Seitenzahl: 459
  • Erscheinungstermin: Dezember 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 159mm x 32mm
  • Gewicht: 770g
  • ISBN-13: 9783608981520
  • ISBN-10: 3608981527
  • Artikelnr.: 52476159
Autorenporträt
Stefan George, 1868 im hessischen Büdesheim als Sohn eines Gastwirts und späteren Weinhändlers geboren, wohnte ab 1873 in Bingen. Nach dem Abitur reiste er durch ganz Europa und studierte dabei Philologie, Philosophie und Kunstgeschichte. In dieser Zeit traf George viele avantgardistische Autoren, in Frankreich die Symbolisten, in England die Präraffaeliten. Ab 1900 lebte er überwie gend in Deutschland, in den Frühjahrsmonaten vor allem in München. Die Schwabinger Bohème inszenierte und verehrte George als Dichterfürsten. Die letzten Winter 1931 - 1933 sowie den Herbst 1933 verbrachte er in Minusio bei Locarno, wo er am 4. Dezember 1933 starb, betrauert und begraben von seinen nächsten Freunden wie den Grafen Stauffenberg und ferneren im In- und Ausland wie Klaus Mann.
Rezensionen
Besprechung von 18.12.2018
Nur was nie war, ist frei von jedem Makel
Gegen den ursprünglichen Willen des Dichters nun erschienen, aber doch erhellend: Ein Nachlassband mit Frühwerken von Stefan George

Über das Lebensende hinaus wollte Stefan George das von ihm geschaffene OEuvre unter Kontrolle behalten. Als sein sechzigster Geburtstag im Jahre 1928 nahte, plante er eine Gesamtausgabe der dichterischen Werke in achtzehn Bänden und legte vertraglich fest, dass an ihrer Gestalt künftig nichts mehr geändert werden dürfe. Die bis ins Detail gehenden Vorgaben des "Meisters" setzte ein Herausgeberteam von Gefolgsleuten um. Seine Konzeption der Gesamtausgabe umfasste, das mag bei dem früheren Protagonisten einer "poésie pure" überraschen, neben den eigentlichen Werken auch Anhänge mit ausgewählten Textvarianten, Faksimiles von Handschriften und sogar Fotografien des Dichters. Der Literaturwissenschaftler Steffen Martus bezeichnet diese Konzeption als eine besondere Form von "Werkpolitik", bei welcher der Autor unter Verwendung von philologischen Mitteln an der Selbsthistorisierung seines künstlerischen OEuvres arbeite.

Die von Robert Boehringer, dem Erben des Dichters, 1958 gegründete George-Stiftung sah sich an die Grundsätze der Gesamtausgabe gebunden, legte sie aber andererseits so aus, dass sich Freiräume für eine erweiterte Editionspraxis ergaben. Damit begann schon Georg Peter Landmann, von dem einzelne Dramenfragmente als separate Drucke veröffentlicht wurden. Nach Boehringers Tod 1974 beschloss die George-Stiftung zusammen mit dem Verlag Klett-Cotta die neue Ausgabe der "Sämtlichen Werke", die sich zwar an den Grundriss der Gesamtausgabe in achtzehn Bänden hält, jedoch den monumentalen Charakter ihrer ästhetischen Gestalt nicht zuletzt dadurch abschwächt, dass die Kommentarteile an die wissenschaftlichen Standards einer kritischen Edition angepasst werden.

Der jetzt von der langjährigen Herausgeberin Ute Oelmann vorgelegte Nachlassband besitzt einen Zwischenstatus: Einerseits weist ihn der Untertitel als Ergänzung zu den "Sämtlichen Werken" aus. Andererseits wird durch seine Aufmachung deutlich gemacht, dass die hier erstmals vollständig wiedergegebenen Nachlasstexte nicht zu dem von George autorisierten OEuvre gehören. Zu einem großen Teil handelt es sich um Texte aus der Jugend, Dichtungen und Übersetzungen, an denen sich der Gymnasiast um die Abiturzeit herum versuchte. Neben einigen wenigen Gedichten mit satirischer Tendenz, die Georges Vernichtung dieser großen Gruppe seines Frühwerks entgangen sind, werden die umfangreichen Fragmente der historischen Dramen "Phraortes" und "Graf Bothwell" sowie die fast vollständigen Übersetzungen der beiden Theaterstücke "Catilina" und "Die Heermannen auf Helgeland" von Henrik Ibsen dargeboten.

Einen anderen Schwerpunkt bilden Äußerungen Georges über Fragen der Ästhetik und Poetik. Die aus unterschiedlichen Handschriften edierten Notizen hängen eng mit den ästhetischen Programmen und poetologischen Reflexionen zusammen, die George in seiner Zeitschrift "Blätter für die Kunst" und in den von ihm herausgegebenen Anthologien "Deutsche Dichtung" veröffentlicht hatte. Dankenswerterweise werden diese original nur schwer greifbaren Vorreden, Nachworte und sonstigen Begleittexte im Anhang des Nachlassbandes wieder abgedruckt.

Die Frage, ob die Lektüre des Nachlassbandes lohnt, lässt sich nicht generell beantworten. Wer hier nach künstlerischen Meisterwerken sucht, wird enttäuscht. Dass George manche Schülerverse weder in die erste Auslese seiner frühesten Dichtungen, die "Fibel" von 1902, noch in die Auswahl des 1934 veröffentlichten "Abschlussbandes" der Gesamtausgabe aufnehmen wollte, ist aufgrund ihrer mangelnden Originalität und Qualität nachvollziehbar. Und die Fragmente der Dramen, an deren Vollendung er noch Jahre nach seiner Gymnasialzeit vergeblich gearbeitet hat, enthalten zwar gelungene Dialogszenen, scheitern jedoch an der durch Schiller und Hebbel geprägten und auch von Ibsen weitergeführten Großform des historischen Trauerspiels.

Gleichwohl lassen sich von den ersten Versuchen der Schülerzeit aus manche Entwicklungslinien bis hinein in die späteste Werkphase ziehen. Das betrifft etwa das Verhältnis zur Satire. Als George im Jahre 1928 die Gesamtausgabe vorbereitete, fand er unter seinen Manuskripten folgende Verse: "Noch jeder gott war menschliches geschöpfe / Die immer seligen sind allein die tröpfe / Nur was die narren sprechen ist orakel / Nur was nie war ist frei von jedem makel / Die tugend dankt am meisten dem vergehen / Die liebe kommt vom mangelhaften sehen / Kein heiliger ders nichts aus dem sünder wurde / Und ewige wahrheit bleibt nur das absurde." Angesichts dieser Verse aus der eigenen "Knabenzeit" formulierte er im Gespräch mit Edith Landmann den Leitsatz, ins "Gedicht gehören solche Zynismen nicht, da ist nur Aufbauendes". Doch genauer betrachtet, taucht bei ihm der satirische Stil in kulturkritischen Gedichten bis hin zu dem im selben Jahr erschienenen Band "Das Neue Reich" immer wieder auf, er ist das Pendant zum hohen Ton kunstreligiöser Verkündung.

Auch sein Interesse am dramatischen Zwiegespräch findet sich in den ausschnitthaften Dialogszenen wieder, die zum Formenkanon der Lyrik Georges zählen. In den agonalen Reden der Verschwörerfigur Catilina - sie dürfte ihn an Ibsens Drama am meisten fasziniert haben - treffen die Sprachgesten zynischer Menschenverachtung und narzisstischer Machtphantasien zusammen, gleichfalls eine Vorausdeutung auf charakteristische Rollenmuster und Tonlagen des Georgeschen OEuvres.

So ermöglicht der konzis kommentierte Nachlassband einen tieferen Einblick in die künstlerische Ausgangssituation und Werkstatt des jungen George, allerdings ohne dass sich schon der 1890 erfolgende Durchbruch zum eigenen Dichtertum abzeichnen würde. Unabhängig von solchen werkgeschichtlichen Perspektiven sind die Übersetzungen der beiden Ibsen-Dramen ein Gewinn für den Leser: Es ist atemraubend zu verfolgen, wie gut es dem etwa Zwanzigjährigen gelingt, die autodidaktisch erlernte Fremdsprache des Norwegischen in ein flüssiges, noch heute frisch wirkendes Deutsch zu transponieren.

KAI KAUFFMANN

Stefan George: "Von Kultur und Göttern reden". Aus dem Nachlass. Ergänzungen zu Georges "Sämtlichen Werken".

Im Auftrag der Stefan George Stiftung hrsg. von Ute Oelmann. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018. 459 S., geb., 48,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"[...] die in diesem Band versammelten Texte sind Zeugnis eines in seiner Vielseitigkeit beeindruckenden Kunstschaffens und eröffnen eine neue, unbekannt authentische Perspektive auf den facettenreichen Geist Stefan Georges."
Lisa Ohl, Rezensöhnchen. Zeitschrift für Literaturkritik, 28.01.2019