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Eine poetische, kluge, humorvolle und praktische Sammlung dessen, was heute wichtig ist, um unsere Lebensräume menschenfreundlich, gerecht und nachhaltig gestalten zu können. Das Gefühl von kaltem Marmor unter den Fußsohlen kennen, aber auch die Kilowattkosten von Solarzellen. Eine Backsteinmauer errichten können. Wissen, was der Kunde will und was er sich leisten kann, aber noch viel wichtiger: was der Planet sich leisten kann. Michael Sorkin war ein hervorragender Stilist und ein begnadeter Lehrer. Den Menschen, die unseren Lebensraum gestalten, gibt er mit diesem Kompendium eine nützliche…mehr

Produktbeschreibung
Eine poetische, kluge, humorvolle und praktische Sammlung dessen, was heute wichtig ist, um unsere Lebensräume menschenfreundlich, gerecht und nachhaltig gestalten zu können. Das Gefühl von kaltem Marmor unter den Fußsohlen kennen, aber auch die Kilowattkosten von Solarzellen. Eine Backsteinmauer errichten können. Wissen, was der Kunde will und was er sich leisten kann, aber noch viel wichtiger: was der Planet sich leisten kann. Michael Sorkin war ein hervorragender Stilist und ein begnadeter Lehrer. Den Menschen, die unseren Lebensraum gestalten, gibt er mit diesem Kompendium eine nützliche Sammlung an die Hand: 250 Dinge, die man erfahren, gesehen, verstanden, zumindest einmal im Kopf bewegt haben sollte. Eine Ermunterung zu neugierigen Recherchen in die unterschiedlichsten Richtungen, zu ausgiebiger Lektüre von Aristoteles bis zu Betty Friedan und zur Beschäftigung mit unverzichtbarem Fachwissen. Mit über 100 schwarzweißen und vierfarbigen Fotografien und Illustrationen pointiert und zeitlos gestaltet, ist dieses Buch das perfekte Geschenk für Studierende, für Architekt:innen, Stadtplaner:innen, Designer:innen - und alle, die um die zentrale Bedeutung von Architektur und Gestaltung für unsere Gegenwart wissen.
Autorenporträt
Michael Sorkin, geboren 1948, war Architekt, Architekturtheoretiker und -kritiker. Er schrieb u.a. für The Village Voice und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Sorkin war Direktor des Graduiertenprogramms in Urban Design am City College of New York, Professor für Städtebau an der Akademie der bildenden Künste Wien und Gastprofessor in Yale, Harvard, Columbia und der Cornell University. Michael Sorkin starb im März 2020 in New York an Covid-19.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensentin Laura Weissmüller ist ganz aus dem Häuschen - so grandios findet sie diesen Architekturführer des 2020 verstorbenen Architekten Michael Sorkin. Der New Yorker, der an zahlreichen Architekturfakultäten unterrichtete, liefert ihr hier die Essenz seiner Lehre, mitreißend, leidenschaftlich, mitunter humorvoll und, wie Weißmüller schreibt, in Form eines "Gedichtes" über die "Liebe zu Orten". Wenn ihr Sorkin hier den Unterschied zwischen Ghetto und Kiez erklärt, über das Mindestmaß an privatem Rückzugsraum informiert oder das "Gefühl von kaltem Marmor unter nackten Füßen" vermittelt, wird die Kritikerin selbst im "Stakkato" zur Architektin. Ohne Fachtermini, dafür umso "plastischer" erläutert ihr Sorkin vom Pyramidenbau über die Wohnungsfrage bei Friedrich Engels bis hin zur ökologischen Verantwortung von Architektur alles, was sie über das Bauen wissen will. Ein "Vermächtnis", jubelt die Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.04.2022

Ein unmöglicher
Beruf
Der Architekt und Architekturtheoretiker
Michael Sorkin war auch ein verehrter Lehrer.
Sein letztes Buch ist ein famoses Lehrbuch
– nicht nur für angehende Meisterbauer
VON LAURA WEISSMÜLLER
Zweihundertfünfzig Dinge, die Architekt:innen wissen sollten“ steht in fröhlich bunten Buchstaben auf dem eleganten hellgrauen Cover und während man sich noch wundert, wie das denn gehen soll, 250 Dinge in einem derart handlichem Format, wird man schon mit den ersten paar Seiten von Michael Sorkins letztem Buch eines besseren belehrt: Denn diese Publikation ist ein Kondensat an brillanter Architekturlehre, sozusagen ein Haiku über die Liebe zu Orten, an denen sich Menschen wohlfühlen. Gleichzeitig ist es aber auch genau deswegen ein Bekenntnis: Dass der Beruf einer Architektin und eines Architekten eigentlich ein Wahnsinn ist, weil er suggeriert, man könne aufgrund seines Wissens etwas entwerfen, wo sich ein anderer Mensch wohlfühlt, vielleicht sogar sein Leben lang.
Der New Yorker Architekt Michael Sorkin hat zahlreiche Bücher publiziert. Er hat an einigen der renommiertesten Architekturfakultäten der Welt unterrichtet, darunter in New York, Harvard und Wien. Er hat als Architekturkritiker gearbeitet, für die US-Amerikanische Wochenzeitschrift The Nation und früher für das legendäre The Village Voice. Und natürlich hat Michael Sorkin auch Architektur entworfen, einige Gebäude, aber mehr noch ganze Stadtviertel, die sich besonders durch ihr vieles Grün auszeichneten, am Schluss meistens in Asien, besonders in China.
Vor allem aber hatte Sorkin die Gabe, andere in seiner Disziplin zu inspirieren. Wie sehr und wie viele das waren, hat die traurige Nachricht von seinem überraschenden Tod im März 2020 mit einer bedrückenden Endgültigkeit unterstrichen. Sorkin gehörte mit zu den ersten Corona-Opfern in New York. Weltweit betrauerte die Architektur-Gemeinde Sorkins Tod. Das nun vorliegende schlanke graue Büchlein ist nichts weniger als sein Vermächtnis.
Wie es funktioniert? Michael Sorkin listet auf. Es ist eine Art Stakkato-Literatur, ein Gedicht in 250 Punkten, mit einer enormen Dichte, aber ohne zu erschlagen. Das hat viel mit Sorkins ganzheitlichem Anspruch an die Architektur zu tun. Das erste, was Architekten seiner Meinung nach wissen sollten, ist zum Beispiel: „Das Gefühl von kühlem Marmor unter nackten Füßen.“ Gefolgt von: „Wie man mit fünf Fremden sechs Monate lang in einem kleinen Raum zusammenlebt.“ Und schließlich das dritte: „Mit denselben Fremden eine Woche lang in einem Rettungsboot“. Allein damit wird die Art von Sorkins Blick auf die Architektur klar. Die weltweite Flüchtlingskatastrophe taucht genauso auf wie die Frage nach dem nötigen Mindestmaß an privaten Rückzugsraum und Intimität, aber eben auch die Schönheit von kostbaren Materialien, die sich mit dem eigenen Fuß erspüren lässt.
Tatsächlich könnte man fast jeden einzelnen der 250 Punkte enorm vertiefen, allein der „Unterschied zwischen einem Ghetto und einem Kiez“, den Architektinnen und Architekten wissen sollten, dürfte mehrere Regalmeter an Gentrifizierungsliteratur füllen. Aber eben auch die Fragen „Wo Materialien herkommen“ und „Welches Steigungsverhältnis von Treppen für ein sechsjähriges Kind bequem ist“ knüpfen an zentrale Diskussionen an, die nicht nur die Architekturwelt gerade führen muss. Denn wie kindergerecht, um nur einen Faden dieses dichten Gewebes aufzugreifen, ist die gebaute Welt wirklich? Vor nicht allzu langer Zeit filmte bei einem Spaziergang durch Wien eine Kamera auf der Höhe von einem Meter exakt das, was man aus dieser Perspektive sehen kann. Das Resultat war selbst für eine Schlagsahnen-Stadt wie Wien ernüchternd: Denn auch dort sehen Kinderaugen oft nur Kühlerhauben und Betonwände.
Es ist erstaunlich, wie schnell Michael Sorkin mit seiner Stakkato-Methode den Leser seines Büchleins zum Architekten macht – ganz egal, ob der wirklich einer ist oder nicht. Doch wenn da steht „Wie man um die Ecke biegt, eine Ecke gestaltet, in einer Ecke sitzt“, dann beginnt man fast automatisch im Kopf zu entwerfen und räumlich zu denken. Wie war die Ecke gestaltet, wo man sich selbst heimelig gefühlt hat und sicher? Und wo wirkte es für einen stattdessen bedrängt und beengt?
Bei diesem Gedankenexperiment hilft auch Sorkins plastische Sprache, seine Fähigkeit in drei, vier Worten eine räumliche Situation so zu erschaffen, dass man sie sich leibhaft vorstellen kann. Gleichzeitig gelingt es ihm, Zwänge des eigenen Jobs zu skizzieren, ohne dass es in Larmoyanz abgleitet. So sollten Architektinnen und Architekten eben auch wissen, „was der Kunde (oder die Kundin) will, was der Kunde zu wollen glaubt, was der Kunde braucht, was der Kunde sich leisten kann.“
Wer einmal in einer Gemeinderatsitzung saß, wo es um ein öffentliches, gar nicht allzu komplexes Bauprojekt ging, sagen wir mal einen Kindergarten, weiß, wie viele gletschertiefe Wissensspalten dazwischen klaffen können.
Auffallend ist zudem, was Michael Sorkin alles auflistet, was man jedem ans Herz legen kann, ganz egal welcher Profession er oder sie nachgeht, weil man es – für’s Leben – sowieso wissen sollte oder zumindest eine Ahnung davon haben. Wie man genau zuhört zum Beispiel, die Rate des Meeresspiegelanstiegs oder die Wohnungsfrage von Friedrich Engels. Gleichzeitig wird man im Büchlein keinen der vielen Fachbegriffen finden, die zielsicher noch die spannendste Stadtplanungsdebatte narkotisieren.
Statt etwa den Begriff der Dichte aufzugreifen und umständlich zu erklären, welche Qualitäten diese haben kann, schreibt Sorkin lieber, man solle wissen: „Wie es sich anfühlt, die Ramblas entlangzugehen“, die berühmteste Straße Barcelonas.
Hinter den 250 Punkten lässt sich ein Denken erahnen, das von großer Neugierde getrieben war und zwar sowohl für die Vergangenheit – „Wie Pyramiden gebaut wurden und weshalb“ –, als auch für die Orte der Gegenwart von Tianjin bis Medellín und die Frage, wie sich Gerechtigkeit für Mensch und Natur in Architektur ausdrücken kann. Sorkin empfiehlt „Jane Jacobs in- und auswendig“, er will, dass Architekten wissen, „was der Planet sich leisten kann“ und „wie viele Menschen in New York City Mietzuschüsse bekommen“. Die soziale Frage ist ihm wichtig, die große gesellschaftliche und ökologische Verantwortung, die mit der Architektur einhergeht, ganz egal, ob der, der sie entwirft, das auch so sieht. Sorkin will aber auch dringend, dass Architekten über ihren eigenen Schatten springen, wenn er ihnen rät „die Freuden von Vororten“ zu kennen – und „die Schrecken“.
Und vor allem wollte Michael Sorkin, dass am besten jeder seine Disziplin so liebt wie er, weil es eben auch um die Schönheit dieser Welt geht, um „ die Blütezeit von Azaleen“, „das Zugmuster von Singvögeln und das Wanderverhalten anderer Tiere“. Seine Begeisterung für so vieles ist absolut ansteckend, sofort fängt man an zu googeln, was Vastu ist (die indische Architekturlehre über die richtige Platzierung von Grundstücken und Gebäuden sowie deren Gestaltung und Bauweise nach den Naturgesetzen der fünf Elemente), „was in Fatehpur Sikri schief lief“ und was in der Pruitt-Igoe Siedlung. Oder wer Rachen Carson und Michael de Klerk waren, letzterer ein niederländischer Architekt, erstere eine amerikanische Biologin und Umweltschützerin der ersten Stunde.
Michael Sorkins Anspruch an die Architektur war offensichtlich gewaltig. Was nicht bedeutet, dass seine Sicht darauf nicht auch von großem Humor geprägt war, der einem auch in dem schmalen Band immer wieder begegnet, genauso wie seine Freude am Genuss, an einem guten Bier etwa oder am „richtigen Mischverhältnis eines Gin Martini“.
Vor allem aber zeigt Michael Sorkin, was für ein großartiger Wahnsinn in der Architektur steckt: Sie will die Welt besser machen. Mit diesem Büchlein ist Michael Sorkin das zumindest schon mal gelungen.
„Das Gefühl von
kühlem Marmor unter
nackten Füßen.“
Beim Lesen beginnt man fast
automatisch im Kopf zu entwerfen
und räumlich zu denken
Michael Sorkin:
Zweihundertfünfzig Dinge, die
Architekt:innen
wissen sollten.
Verlag Antje Kunstmann, München 2022,
176 Seiten, 20 Euro.
Ein Musikinstrument
spielen können, die
Ramblas entlanggehen, wissen wie man einen
Ziegelstein mauert, wo gute Mittagslokale sind und welche Dämmeigenschaft Glas hat – Michael Sorkin hatte einen ganzheitlichen Anspruch an die Architektur und deswegen auch an diejenigen, die das Fach betrieben. Im März 2020
ist der Architekt, Publizist und Architekturtheoretiker in New York gestorben.
Fotos: Antje Kunstmann Verlag GmbH
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