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Wenn draußen nur noch das leise Raspeln von Rollkoffern auf dem Pflaster zu hören ist, wo sich früher die Nachbarn mit der Hupe rausgeklingelt haben; wenn das Bauschild vor dem Apartment-Rohbau das Viertel als "bunt und frech" anpreist; wenn die Suche nach einem WG-Zimmer zur Castingshow wird; wenn die Ballonseidenanzug-Träger an den Stadtrand ziehen; wenn der türkische Elektrohöker einem Flagshipstore weicht und selbst nachts um halb zwei noch Leute mit aufgeklapptem Macbook in der Bar sitzen: Dann ist es allerhöchste Zeit, sich Gedanken zum Thema Gentrifizierung zu machen.
Eine Linke
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Produktbeschreibung
Wenn draußen nur noch das leise Raspeln von Rollkoffern auf dem Pflaster zu hören ist, wo sich früher die Nachbarn mit der Hupe rausgeklingelt haben; wenn das Bauschild vor dem Apartment-Rohbau das Viertel als "bunt und frech" anpreist; wenn die Suche nach einem WG-Zimmer zur Castingshow wird; wenn die Ballonseidenanzug-Träger an den Stadtrand ziehen; wenn der türkische Elektrohöker einem Flagshipstore weicht und selbst nachts um halb zwei noch Leute mit aufgeklapptem Macbook in der Bar sitzen: Dann ist es allerhöchste Zeit, sich Gedanken zum Thema Gentrifizierung zu machen.

Eine Linke könne heute nur aus einer Bewegung hervorgehen, die gegen Gentrifizierung und die Rendite kämpft, meint der italienische Philosoph Toni Negri. Genau dies geschieht derzeit in Hamburg: Eine unübersichtliche "Multitude" macht sich auf, an den Grundfesten der neoliberalen Metropole zu rütteln. Mitten in der Premium 1A-Lage der innerstädtischen Shopping- und Office-Zone besetzen Künstler und Aktivisten in Hamburg ein halbverfallenes ehemaliges Arbeiterquartier. Das "Gängeviertel" wird zur Besetzung der Herzen, die nostalgische Senioren und postautonome Wursthaarträger zusammenführt im Kampf gegen Investorenarchitektur und Verdrängung. In einem Manifest mit dem Titel "Not In Our Name, Marke Hamburg" verwahrt sich fast die gesamt Kulturszene dagegen, zum Standortfaktor für eine Stadt zu werden, deren Sahnelagen nur den Besserverdienenden zustehen. Schrebergärtner und Baumschützer, Kiez-Rentner und prekäre Desktop-Jobber, freie Künstler und Mieter-Aktivisten: Überall ist plötzlich vom "Recht auf Stadt" die Rede.
  • Produktdetails
  • Nautilus Flugschrift
  • Verlag: Edition Nautilus
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 126
  • Erscheinungstermin: August 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 128mm x 15mm
  • Gewicht: 170g
  • ISBN-13: 9783894017262
  • ISBN-10: 3894017260
  • Artikelnr.: 28953800
Autorenporträt
Christoph Twickel, Jg. 1966, Journalist und Buchautor, hat die Hamburger 'Recht auf Stadt'-Bewegung als Journalist begleitet und ist als Mitinitiator und Sprecher von 'Not In Our Name, Marke Hamburg' zu einem ihrer Protagonisten geworden. Bei Edition Nautilus sind von ihm folgende Bücher erschienen: Hugo Chavez - Eine Biographie sowie Läden, Schuppen, Kaschemmen - eine Hamburger Popkulturgeschichte.
Inhaltsangabe
Aus dem Inhalt:
Vorwort: Was ist Gentrifizierung und können Gentrifzierer streiken?
Inés oder Profit Center in der Problemzone
Unsere Fabrik, die Stadt? Interview mit Christoph Schäfer
Vom Unternehmen Stadt zur Creative City: Beispiel Hamburg
Künstler als Zwischennutzer, Endziel Ankermieter
Wunder in der Stadt der Tiefgaragen: Komm in die Gänge"Wir wollten in das Herz der Stadt". Ein Gespräch über das Gängeviertel
Stadt des Sloganeerings: Wenn das Gemeinwesen zur Marke werden muss
Wer sind eigentlich diese Kreativen? Interview mit Armin Chodzinski
Stadt ohne Ränder oder Quartiere, Quartiere, Quartiere
Wenn schon Illusionen, dann aber richtig Große: Der Kampf um das Recht auf Stadt?
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Wer die ganze Geschichte der Auseinandersetzung von Kunst, Marketing und Politik in der Hansestadt Hamburg noch einmal nachlesen möchte, der ist bei Christoph Twickel richtig, versichert Christiane Müller-Lobeck in ihrer Rezension eines gleichermaßen resümierenden wie in ihrer Deutung auch vorausweisenden Buches. Twickel, selbst Teil der Bewegung "Not In Our Name", wirft laut Rezesentin zunächst gentrifizierungstheoretisch geschult einen Blick von unten auf Aufwertungsprozesse im städtischen Zentrum und die Rolle der Kreativen dabei. Vom Beispiel Gängeviertel geht's zum Masterplan Hamburger Stadtentwicklung seit 1983. Hier kann sich Müller-Lobeck des Eindrucks einer gewissen Ambivalenz der Kreativen gegenüber staatlichen Zuwendungen nicht erwehren. Ob das die besten Voraussetzungen sind für eine künftige Bürgerbewegung a la Stuttgart 21 an der Alster, möchte sie wahrscheinlich lieber nicht beurteilen.

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