Kontrollierte Kontrolleure (eBook, PDF) - Goll, Jörn-Michael
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Die DDR-Forschung ist, bezogen auf den diktatorischen Machtapparat der SED, reich an Untersuchungen zu drei der ihn tragenden bewaffneten Säulen: der Staatssicherheit, der Deutschen Volkspolizei und der Nationalen Volksarmee, wie auch zu deren Beziehungsgefüge untereinander. Lediglich das vierte »bewaffnete Organ«, die Zollverwaltung der DDR, fand bisher so gut wie keine Beachtung, obwohl fast jeder Ost- wie Westdeutsche mit dem DDR-Zoll in Berührung kam - sei es an den Grenzübergangsstellen oder durch den Versand bzw. Empfang von »Westpaketen«.Jörn-Michael Goll schließt mit dieser…mehr

Produktbeschreibung
Die DDR-Forschung ist, bezogen auf den diktatorischen Machtapparat der SED, reich an Untersuchungen zu drei der ihn tragenden bewaffneten Säulen: der Staatssicherheit, der Deutschen Volkspolizei und der Nationalen Volksarmee, wie auch zu deren Beziehungsgefüge untereinander. Lediglich das vierte »bewaffnete Organ«, die Zollverwaltung der DDR, fand bisher so gut wie keine Beachtung, obwohl fast jeder Ost- wie Westdeutsche mit dem DDR-Zoll in Berührung kam - sei es an den Grenzübergangsstellen oder durch den Versand bzw. Empfang von »Westpaketen«.Jörn-Michael Goll schließt mit dieser Untersuchung eine große Kenntnislücke zur Herrschaftspraxis der SED; dabei wird nicht nur über, sondern auch mit den »kontrollierten Kontrolleuren« gesprochen. Sie kommen an zahlreichen Stellen zu Wort, ihre Aussagen werden stets kritisch reflektiert.

Dr. Jörn-Michael Goll arbeitete als freier Historiker u.a. für die Gedenkstätte Berliner Mauer. Zur Zeit ist er in der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt.

  • Produktdetails
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
  • Seitenzahl: 494
  • Erscheinungstermin: 09.03.2011
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783647369204
  • Artikelnr.: 37504801
Autorenporträt
Dr. Jörn-Michael Goll arbeitete als freier Historiker u.a. für die Gedenkstätte Berliner Mauer. Zur Zeit ist er in der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt.
Rezensionen
Besprechung von 21.11.2011
Der DDR-Zoll im Stasi-Griff
Unterwanderung und Instrumentalisierung einer Behörde

Dem Gesetz nach waren Leitung und Organisation des Zolls im Staat der SED dem Ministerium für Außenhandel unterstellt. Sein Auftrag bestand darin, den grenzüberschreitenden Reise-, Devisen- und Warenverkehr an den Grenzübergangsstellen (GÜSt) der innerdeutschen Grenze und der Sektorengrenzen im geteilten Berlin sowie an den DDR-Grenzen zu Polen und der CSSR zu kontrollieren. Verdeckt, konspirativ abgeschirmt, war der Zoll strukturell und personell allerdings so stark in die "politisch-operative Arbeit" des Ministeriums für Staatssicherheit eingebunden, dass er de facto als dessen "verlängerter Arm" tätig wurde. So die zutreffende Formulierung von Jörn-Michael Goll. In sechs Kapiteln behandelt er Geschichte und Wirken des DDR-Zolls von den Anfängen als "Amt zur Kontrolle des Warenverkehrs", das 1952 in das "Amt für Zoll und Kontrolle des Warenverkehrs" umgewandelt wurde, bis zu der 1962 geschaffenen Zollverwaltung der Deutschen Demokratischen Republik, die 1990 aufgelöst wurde.

Der Autor zeichnet nicht nur die Geschichte des DDR-Zolls akkurat nach, er arbeitet auch seine herrschaftssichernde Funktion heraus. Indem er die Zollverwaltung in der Sicherheitsarchitektur des Regimes verortet, weist er ihr durchaus zu Recht eine nicht unwesentliche, weithin verkannte Rolle neben dem MfS und den anderen "Schutz- und Sicherheitsorganen" zu. Ihre wachsende Bedeutung spiegelte sich nicht zuletzt in ihrer personellen Entwicklung: Von 5336 im Jahre 1962 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 8237 im Jahre 1989. Wie in der DDR der Zoll vor allem nach den Sperrmaßnahmen vom 13. August 1961 ausgebaut wurde, wie er mehr und mehr "sicherheitsrelevante Aufgaben" im Inneren und nach außen zu übernehmen hatte, das beschreibt Goll fundiert und faktenreich.

Goll untersucht in dieser Materialfülle erstmalig, wie das MfS seinen Einfluss auf die Zollverwaltung nachhaltig durchzusetzen verstand - durch Manipulierung ihrer Kaderpolitik, durch konspirative Einschleusung von Offizieren im besonderen Einsatz (OibE) und durch Verpflichtung Inoffizieller Mitarbeiter (IM) in den Diensteinheiten aller hierarchischen Ebenen. Und er erörtert eingehend, was im Stasi-Jargon "politisch-operative Arbeit" hieß, wodurch das schwer durchschaubare Beziehungsgeflecht von MfS und Zoll erst begreifbar wird. Hintergrund war das Interesse der Staatssicherheit, die dem Zoll durch Gesetz zugeschriebenen Kontrollbefugnisse und Sanktionen zu operativen Maßnahmen für sich zu nutzen, ohne als Staatssicherheit in Erscheinung zu treten.

In ihrem Aufbau gliederte sich die Zollverwaltung in die Hauptverwaltung und in acht Bezirkszollämter. Der Leiter, Chefinspekteur Gerhard Stauch (SED), wurde bis 1989 vom MfS als OibE geführt. Ein dichtes inoffizielles Netz ergänzte die Überwachung durch die Stasi. Die DDR-Zöllner waren, wie der Buchtitel treffend signalisiert, "kontrollierte Kontrolleure". Die operative Basis bildeten Grenzzollämter bei den Grenzübergangsstellen, die den jeweils zuständigen Bezirksverwaltungen des Zolls unterstellt waren, ferner Diensteinheiten der Postzollfahndung (PZF) und spezielle Passkontrolleinheiten des MfS (PKE), die zur Tarnung Zolldienstkleidung trugen, aber tatsächlich der für Grenzkontrolle und Überwachung von Touristik und Interhotels zuständigen Hauptabteilung VI im MfS unterstellt waren. Als politisch-ideologisches Korsett war der Zollverwaltung die interne Parteiorganisation der SED eingezogen.

Wie das ausgeklügelte Kontrollsystem der Zollverwaltung bei Ein- und Ausreise oder im Transit im alltäglichen Verkehr auf Straße und Schiene, in den DDR-Ostseehäfen und auf Flughäfen funktionierte (in Leipzig auch bei der "politisch-operativen Absicherung" der Messe) und sich auf den Alltag der Kontrolleure selbst auswirkte, schildert Jörn-Michael Goll mit imponierender Detailkenntnis. Er führt dies an der GÜSt Marienborn, der größten, besonders eindringlich vor Augen. Ein vielsagendes Fallbeispiel. Das Buch stützt sich auf Quellenmaterial aus einschlägigen Archiven, auf Gesetze, Dienstanweisungen, Befehle, Ordnungen, Schulungsmaterialien und Stasi-Akten. Zudem hat sich Goll in 23 Interviews mit Zeitzeugen kundig gemacht, darunter ehemalige DDR-Zöllner. So wird ein bislang von der Forschung nur wenig wahrgenommener Herrschaftssektor der zweiten deutschen Diktatur ausgeleuchtet.

KARL WILHELM FRICKE

Jörn-Michael Goll: Kontrollierte Kontrolleure. Die Bedeutung der Zollverwaltung für die "politisch-operative Arbeit" des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011. 494 S., 64,95 [Euro].

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