Seraphica / Montefal - Doderer, Heimito von
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Mit seinem Anfang der fünfziger Jahre erschienenen Roman Die Strudlhofstiege sicherte sich Heimito von Doderer einen Platz im Kanon der Weltliteratur. Dieser Band präsentiert erstmals zwei frühe Erzählungen aus dem Nachlaß des österreichischen Romanciers.
Beide Texte haben Themen aus der mittelalterlichen Welt, für die der Autor ein besonderes Faible hatte. Seraphica schildert das Leben und Wirken des heiligen Franz von Assisi. Auf der Grundlage akribischer Quellenstudien hat Doderer eine ebenso interessante wie eigenwillige Franziskus-Biographie entworfen, die den Vergleich etwa mit…mehr

Produktbeschreibung
Mit seinem Anfang der fünfziger Jahre erschienenen Roman Die Strudlhofstiege sicherte sich Heimito von Doderer einen Platz im Kanon der Weltliteratur. Dieser Band präsentiert erstmals zwei frühe Erzählungen aus dem Nachlaß des österreichischen Romanciers.

Beide Texte haben Themen aus der mittelalterlichen Welt, für die der Autor ein besonderes Faible hatte. Seraphica schildert das Leben und Wirken des heiligen Franz von Assisi. Auf der Grundlage akribischer Quellenstudien hat Doderer eine ebenso interessante wie eigenwillige Franziskus-Biographie entworfen, die den Vergleich etwa mit Hermann Hesses bekannter Erzählung über den Heiligen aus Assisi nicht zu scheuen braucht.

Montefal führt eine verkehrte höfische Ritterwelt vor: Obwohl sein Kampf mit dem Drachen im Wald von Montefal ihn hierzu berechtigen würde, verabsäumt es der spanische Ritter Ruy de Fanez, um die Herzogin Lidoine zu werben. Als ihm ein anderer Ritter das potentielle Liebesglück streitig macht, versinkt Herr Ruy in schwärzester Melancholie. Diese wunderbare Trouvaille ist der durchaus eigenständige Vorläufer eines Höhepunkts Dodererschen Schaffens, des unter Kennern hoch geschätzten Ritterromans Das letzte Abenteuer (1953).
  • Produktdetails
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 111
  • Erscheinungstermin: 19. Februar 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm
  • Gewicht: 211g
  • ISBN-13: 9783406584664
  • ISBN-10: 3406584667
  • Artikelnr.: 25056206
Autorenporträt
Dr. Gerald Sommer ist Vorsitzender der Heimito von Doderer-Gesellschaft.

Heimito (Ritter) von Doderer, 5. 9. 1896 Hadersdorf bei Wien - 23. 12. 1966 Wien. Der aus einer protestantischen Architekten- und Bauunternehmerfamilie stammende D. begann nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums 1914 in Wien mit dem Jurastudium, wurde jedoch 1915 zum Militär eingezogen und geriet 1916 als Kavallerist in russ. Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung (1920) studierte er in Wien Geschichte (Dr. phil. 1925). Danach lebte er als freier Schriftsteller und schrieb für das Feuilleton verschiedener Wiener Tageszeitungen. Am 1. April 1933 trat er in die nationalsozialistische Partei ein, die bald darauf in Österreich verboten wurde. 1936 siedelte er nach Dachau über. Er distanzierte sich bald wieder vom Nationalsozialismus und konvertierte 1940 zum Katholizismus. Im selben Jahr wurde er zur Luftwaffe eingezogen. 1946 kehrte er nach Wien zurück und besuchte von 1948 bis 1950 Kurse am Institut fürösterreichische Geschichtsforschung. Zahlreiche Ehrungen - u. a. Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur (1957) - bestätigten die Stellung, die er nun als Repräsentant der österreichischen Literatur der Nachkriegszeit erreicht hatte.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.03.2009

Heiliger im Drachenland
Doderers frühe Erzählungen
Heimito von Doderer hat seine Form erst spät gefunden. Dass er Schriftsteller, Erzähler werden wolle, stand für den Fünfundzwanzigjährigen zwar schon am Ende seiner quälend langen russischen Kriegsgefangenschaft zu Beginn der zwanziger Jahre fest. Aber bis zum ersten Roman, dem „Mord, den jeder begeht” dauerte es noch anderthalb Jahrzehnte, die Hauptwerke „Strudlhofstiege” und „Dämonen” sind Bücher der zweiten Nachkriegszeit. So hat Doderer langsam und gründlich gelernt. Wie ungewöhnlich die Quellen sind, aus denen er dabei schöpfte, zeigen zwei frühe Texte, die jetzt aus dem Nachlass ans Licht kommen. Die Franziskus-Legende „Seraphica” und das Rittermärchen „Montefal” sind beide kurz nach 1920 entstanden.
Leichter, gefälliger ist die Rittergeschichte, ein Tiecksches Märchen mit Drachen, tiefem Wald und einer fernen Burg, auf der eine Frau lockt. Wer den Drachen tötet, bekommt die Burgherrin. Zwei konkurrierende Ritter treten auf, der zart-zähe Spanier Ruy de Fanez und der derbe Deutsche mit dem schönen Namen Gamuret Fronauer, der Spanier selbstzweiflerisch gebrochen, der Deutsche brutal. Hinter der Rittergeschichte verbirgt sich ein Künstlerdrama, ein chevaleresker Tonio Kröger, bei dem der Zartere verzichtend unterliegt.
Komplizierter ist die Legende vom Heiligen Franz von Assisi. Sie beruht auf Quellenstudien des promovierten Mediävisten Doderer, der bei Konrad Burdach vom „Cursus”, dem lateinisch-humanistischen Prosarhythmus erfahren hatte, der für die frühe deutsche Kunstprosa so bedeutsam war. Das kam den Ideen einer musikhaften Literatur entgegen, die Doderer in den „Divertimenti” mit modernistischer Pedanterie umsetzte. „Seraphica” schwankt zwischen solchem Prunk und dem demütigen Ton, dem „Sermo Humilis” seines Stoffes; lange Passagen aus mittelalterlichen Novellen und Biographien zum Heiligen Franz übersetzt Doderer wörtlich. Daneben stehen emaillierte Landschaftsbilder aus Umbrien: „Das Land ist gelb, bergig, bald geöffnet, auch wenn man nicht allzu hoch steigt. Auf allen Lehnen und Hängen wandern die Ölbäume in lichten Reihen, so daß immer noch der gelbe Grund in der Sonne dem blauen Himmel entgegenruht . . . ”. Hier ist, so siruphaft das noch wirkt, immerhin alles wirklich gesehen, und der Vergleich mit Rilkes süßlichen „Geschichten vom lieben Gott” oder der absichtsvoll dünnlippigen evangelischen Sparsamkeit von Hesses Franziskus-Novelle fällt nicht zu Ungunsten Doderers aus.
Doderer ist erst im Zweiten Weltkrieg katholisch geworden. Sein Franz-Bild ist jesuanisch-protestantisch, aus den Oppositionen von Geist und Buchstabe, Besitz und Hingabe, Lehre und Tun aufgebaut. Der Reichtum, dessen Franz sich entschlägt und der ihn doch wieder einholt, ist keine Frage des Geldes allein, er ist intellektuell und ideologisch, gelehrt und schriftlich. Er bedeutet jene „Zweite Wirklichkeit”, deren Bekämpfung später Doderers ganze, gewaltige Romanschriftstellerkraft galt. GUSTAV SEIBT
Heimito von Doderer
Seraphica – Montefal
Zwei Erzählungen aus dem Nachlass. Mit einem Nachwort von Martin Brinkmann. Verlag C.H. Beck, München 2009. 110 Seiten, 16,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.03.2009

Seine Schönheit nur rettet das Feuer

Der heilige Franz als Urbild einer geistigen Neuerschaffung: Zwei unveröffentlichte Erzählungen aus dem Nachlass Heimito von Doderers

Von Martin Mosebach

Das Gegenstück zu den französischen "Proustiens" sind im deutschen Sprachraum die "Heimitisten", wie sich die eingeweihten Leser des Heimito von Doderer schon zu dessen Lebzeiten nannten, der seltsame Vorname - er soll vom spanischen Jaime abgeleitet sein - hat dem Begriff von Anfang an eine ironisch-familiäre Note mitgegeben. Heimitisten interessieren sich für jedes Mosaiksteinchen, das dazu bestimmt war, Teil der großen Roman-Kompositionen zu werden, aber mit ebensolchem Eifer betrachten sie auch die Steinchen, die der Autor zwar gesammelt, aber beiseitegelassen hat.

Viele sind das nicht, denn es gehört zu Doderers Eigentümlichkeiten, dass er in seinem jahrzehntelangen Kampf um diese Hauptwerke den meisten Themen und Motiven, die ihn in jungen Jahren bewegten, treu geblieben ist, ja es scheint manchmal, als sei es bei dieser mit verzweifelten Mühen belasteten Arbeit vor allem darum gegangen, eine Art epische Arche Noah für alles zu zimmern, was den werdenden Schriftsteller zwischen seinem zwanzigsten und seinem dreißigsten Lebensjahr beschäftigt hatte.

Das Romanschreiben war für Doderer eine geistige und womöglich gar geistliche Übung, das unbedacht und wahllos geführte Leben dieser Jahre ein zweites Mal, nun aber in einer gesteigerten Bewusstheit und Hellsichtigkeit zu leben. Im Doderer-Archiv der Wiener Universität wird eine Vielzahl von Artikeln aufbewahrt, die Doderer in den zwanziger Jahren für die Zeitungen geschrieben hat, Gelegenheits- und Auftragsarbeiten ganz offensichtlich - und umso überraschender für den Leser der Romane: Man kennt sie alle wieder, in noch so beiläufiger Weise haben sie ihren Platz im Werk gefunden.

In diesem Archiv haben Gerald Sommer und Martin Brinkmann nun zwei bislang unveröffentlichte Erzählungen des jungen Doderer entdeckt. Das größere und gewichtigere Stück heißt "Seraphica" und erzählt das Leben des heiligen Franziskus von Assisi, es ist zwischen 1922 und 1927 entstanden. Gerade in diesen Jahren beschäftigten sich auffällig viele Schriftsteller mit diesem Stoff. Hermann Hesse, G. K. Chesterton und Julien Green haben Franziskus-Biographien geschrieben, der heilige Landstreicher, der heilige Troubadour, "der Geliebte der ,Frau Armut'", der Feind der Institution musste in einer von Expressionismus und Jugendbewegung ästhetisch geprägten Zeit als Vorläufer und Vorbild eigener Sehnsüchte verstanden oder missverstanden werden.

Doderers "Seraphica" kann sich mit den erwähnten Werken nicht messen, aber umso deutlicher stellt sich bei der Lektüre heraus, dass hier des Autors eigene Sache verhandelt wird. Doderer war noch längst nicht katholisch, als er die "Seraphica" schrieb; das wurde er, unter Anleitung eines Wiener Priesters, der ein Hilfswerk für getaufte Juden organisierte, erst 1939 und beendete damit endgültig seine Mitgliedschaft in der NSDAP, zu deren Merkwürdigkeiten es gehört, in keiner Zeile des gleichzeitig entstandenen Werks irgendeinen Niederschlag gefunden zu haben. Für Protestanten bestand der Reiz der Franziskus-Gestalt natürlich gerade in deren Gegensatz zu Macht und Reichtum der Papst-Kirche. Doderer verliert über diesen Aspekt des Franziskus-Lebens kein Wort. Als junger Historiker hatte er sich besonders mit mittelalterlichen Quellen befasst, und so waren es denn hauptsächlich die Berichte von Augen- und Ohrenzeugen, die Viten des Thomas von Celano und die "Legenda trium sociorum", darüber hinaus natürlich die berühmten "Fioretti", die er las und übersetzte, um dem Geheimnis der franziskanischen Sinneswandlung auf die Spur zu kommen.

Bei "Seraphica" sollte aus den übersetzten Quellen und eigenen Passagen ein Geflecht entstehen, das man vielleicht mit Clemens Brentanos Bearbeitungen der Anna-Katharina-Emmerick-Visionen vergleichen könnte. Die expressionistischen Landschaftsbeschreibungen sollten in eine Sprache hinübergleiten, die nach den spätlateinisch-mittelalterlichen Gesetzen einer Prosa-Rhythmisierung geformt war. Für eine Heiligen-Vita ist auffällig wenig von Religion die Rede in den "Seraphica", aber gewiss nicht, um ihr auszuweichen. Das Phänomen dieses Lebens sollte auf einer tieferen Ebene erfasst werden, unter den fertigen Begriffen hindurchtauchend.

Aufschlussreich sind auch die Episoden des Franziskus-Lebens, die Doderer auswählte: Franziskus verhindert aus Verehrung für die Schönheit des Feuers, die Flammen zu löschen, die seine Kleider ergriffen haben; er lässt einer hungrigen Räuberbande, seinen "Brüdern Räuber", Nahrung in den Wald bringen; ein großes Gewicht haben die Stücke, die von der Überwindung des Ekels handeln; die unverschämte Bettlerin wird doppelt reich beschenkt; die Liebe zur Sonne und zu den Vögeln; die strikte Zurückweisung jeglichen Eigentums, die Ächtung des Wortes "mein". Man sieht: Es war weder Tugend noch Moral, die Doderer bei seinem Helden anzogen, sondern die Radikalität einer Selbstumerziehung oder geradezu Selbstauslöschung mit dem Ziel einer Befreiung seiner selbst aus allen charakterlichen, ererbten, familiären und sozialen Vorgaben der Person.

Unterwegs zu einem Umsturz der Erzählkunst.

Etwa dreißig war Doderer, als er "Seraphica" schrieb, aber trotz des Erlebnisses einer langen und gefahrenreichen Kriegsgefangenschaft ein ganz unfertiger Schriftsteller, den noch viele Jahre von der Vollendung trennten. Aber er wusste dennoch schon, was er sich vorgenommen hatte. "Was ich (mir bei jener ,neuen Erzählkunst') denke, müsste fast einen Umsturz bedeuten", notierte er am 21. November 1923 in sein Tagebuch; "Seraphica"-Herausgeber Martin Brinkmann findet diese Worte "großsprecherisch", aber sie enthielten die Ankündigung eines lebenslang durchgehaltenen Programms, das auch in den "Seraphica" schon anklingt. "Arm" und willenlos wie Franz vor der Welt wollte der Schriftsteller Doderer vor seinem Stoff stehen; nicht von äußerlicher Plot-Regie wollte er seine Erzählungen vorantreiben lassen, sondern zur bisher wortlos gebliebenen Stimmungsessenz der verflossenen Lebensaugenblicke vordringen.

Vor allem in den späten Tagebüchern, den immer noch weitgehend unbekannten "Commentarii", wird die meditative Disziplin deutlich, die hinter den Romanen steht und die tatsächlich ganz andersartige Erzählwerke hervorgebracht hat, als sie von den Traditionalisten, aber auch von den Neuerern seiner Zeit geschrieben worden sind. Der heilige Franz, dessen Namen er bei der späteren Taufe annahm, wurde ihm zum Zen-Meister. Die Erleuchtung des Heiligen, die den jungen Elegant dazu führte, auf sein Erbe zu verzichten und Bettelmönch zu werden, schildert Doderer mit einem überraschenden Mittel, das gewisse Partien der großen Romane vorwegnimmt: Unversehens sieht der junge Mann die Landschaft vor der Stadt mit anderen Augen an, ihre Färbung wird intensiver, ihre Stimmung dunkler, ihr Atem schwerer; es ist, als sei eine getönte Linse vor seine Augen geschoben worden. Kein dramatischer Augenblick, eine sanfte Verfremdung lässt ihn innehalten und stößt eine Nachdenklichkeit an, die zu dem großen Entschluss führt, sein Leben zu ändern.

Von den zahllosen Wundern, die die alten Franziskus-Legenden anfüllen, hat Doderer ein einziges aufgegriffen, ohne Zweifel mit besonderer Absicht: die Stigmatisierung des heiligen Franziskus, das Aufbrechen der fünf Wunden des Erlösers an seinem eigenen Leib. Da wurde der Anbetende mit dem Gegenstand seiner Anbetung beinahe identisch. Liest man die "Commentarii" aus der Zeit des Alters und Lebensendes, so hatte der Schriftsteller Doderer kein anderes Ziel - Gefäß zu werden für die unbeherrschte, unwillkürlich aufsteigende Erinnerung; den Roman nicht herzustellen, sondern ihn zu enthalten; in dem Vertrauen zu leben, der Roman werde sich gleichsam von selbst schreiben, wenn der Schriftsteller nur lang genug im wortlosen Raum der Erinnerung ausharre.

Doderer-Romane platzen schier vor Menschen und Ereignissen, und doch trifft sein eigenes Wort auf sie zu, ein Roman handele "von diesem und jenem, und dass es heute morgen im Treppenhaus nach frischem Lack gerochen hat". Die "Seraphica" bezeichnen den Ausgangspunkt, von dem er seinen Lebens- und Romanpfeil abgeschossen hat, der daraufhin in zeitlupenhafter Verlangsamung über Jahrzehnte hinweg seinem Ziel entgegengeflogen ist, um schließlich im Schwarzen zu landen.

Heimito von Doderer: "Seraphica Montefal". Zwei Erzählungen aus dem Nachlass. Verlag C. H. Beck, München 2009. 128 S., geb., 16,90 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Für Gustav Seibt ist diese Veröffentlichung von zwei frühen Erzählungen aus dem Nachlass Heimito von Doderers, beide kurz nach seiner russischen Kriegsgefangenschaft nach 1920 entstanden, vor allem deshalb interessant, weil sie zeigen, aus welchen Quellen er speiste. "Montefal" ist ein Rittermärchen in Tieck'scher Manier, hinter dem sich ein Künstlerdrama a la "Tonio Kröger" verbirgt, erklärt der Rezensent. Spannender als diese "leichte" und "gefällige" Geschichte findet Seibt allerdings die Franziskus-Legende "Seraphica". Bemerkenswert erscheint dem Rezensent, dass Doderer sich hier mit mittelalterlichen Stillagen beschäftigt und zudem mittelalterliche Texte verarbeitet. Und auch wenn diese Erzählungen nach Ansicht Seibts noch nicht die Qualität der späteren Texte des österreichischen Autors aufweisen, so können gerade die Landschaftsbeschreibungen durch ihre Unmittelbarkeit den Vergleich mit Rilke oder Hesse ohne weiteres standhalten, wie er anerkennend bemerkt.

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