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Der Kommunismus ist tot, es lebe der Kommunismus! Der Kommunismus ist tot. Der Kapitalismus ist das neue Paradies. Doch warum gibt es dann so viel Ärger dort? In seinem Buch 'Ärger im Paradies. Vom Ende der Geschichte zum Ende des Kapitalismus' analysiert Slavoj Zizek - der "gefährlichste Philosoph des Westens" (New Republic) - den Zustand der Welt nach dem angeblichen Ende der Geschichte und zeigt, dass das wahre Abenteuer immer noch der Kampf um Emanzipation ist - aus kommunistischer Perspektive, natürlich. Mit Batman, Marx und Lacan, mit Gangnam Style, Lubitsch und Prokofjew zeigt Zizek,…mehr

Produktbeschreibung
Der Kommunismus ist tot, es lebe der Kommunismus!
Der Kommunismus ist tot. Der Kapitalismus ist das neue Paradies. Doch warum gibt es dann so viel Ärger dort? In seinem Buch 'Ärger im Paradies. Vom Ende der Geschichte zum Ende des Kapitalismus' analysiert Slavoj Zizek - der "gefährlichste Philosoph des Westens" (New Republic) - den Zustand der Welt nach dem angeblichen Ende der Geschichte und zeigt, dass das wahre Abenteuer immer noch der Kampf um Emanzipation ist - aus kommunistischer Perspektive, natürlich. Mit Batman, Marx und Lacan, mit Gangnam Style, Lubitsch und Prokofjew zeigt Zizek, dass unsere Helden Julian Assange, Chelsea Manning und Edward Snowden sein sollten - und dass die Idee des Kommunismus noch lange nicht ausgedient hat.

"'Ärger im Paradies' ist mit seinem untrüglichen Ohr für politische Heuchelei ein Buch, von dessen Lektüre jeder - und nicht zuletzt die Herren der Welt - profitieren wird."
Terry Eagleton, The Guardian
"Zizek [...] ist ein Meister der kontraintuitiven Beobachtung."
The New Yorker
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.3282
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Artikelnr. des Verlages: .1019268, 15806
  • Seitenzahl: 368
  • Erscheinungstermin: 28. Juli 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 123mm x 25mm
  • Gewicht: 272g
  • ISBN-13: 9783596032822
  • ISBN-10: 3596032822
  • Artikelnr.: 45509896
Autorenporträt
Zizek, Slavoj
Slavoj Zizek, geboren 1949, ist Philosoph, Psychoanalytiker und Kulturkritiker. Er lehrt Philosophie an der Universität von Ljubljana in Slowenien und an der European Graduate School in Saas-Fee und ist derzeit International Director am Birkbeck Institute for the Humanities in London. Seine zahlreichen Bücher sind in über 20 Sprachen übersetzt. Im S. Fischer Verlag sind zuletzt erschienen »Absoluter Gegenstoß. Versuch einer Neubegründung des dialektischen Materialismus« (2016), »Ärger im Paradies. Vom Ende der Geschichte zum Ende des Kapitalismus« (2015), »Was ist ein Ereignis?« (2014) und »Das Jahr der gefährlichen Träume« (2013).
Rezensionen
Sein furioser Ritt durch Theorie und Praxis, durch Philosophie, Psychoanalyse, Theologie, Film und Popmusik ist einmal mehr ein intellektuelles und sprachliches Ereignis.

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, springt ins Nichts mit Slavoj Zizeks neuerlichem Versuch, vor den verheerenden Folgen einer globalen kapitalistischen Ideologie zu warnen und dagegen die "kommunistische Hypothese" ins Feld zu führen. Ja, ins Feld, findet Hüther. Denn nachdem er Strukturbedingungen des globalen Kapitalismus analysiert hat (schief und ignorant gegenüber widersprechenden Fakten, schimpft der Rezensent) geht der Autor offenbar dazu über, den stalinistischen Terror zu verherrlichen. Dass Zizek in seiner Erlösungsfantasie offenbar jedes Mittel recht ist, irritiert Hüther nicht mal mehr. Sagen wir, es unterhält ihn, mehr aber auch nicht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 17.11.2015
Aufruhr
im Garten Enden
Der Kulturkritiker Slavoj Žižek hält den Kapitalismus
für unheilbar – und springt dabei ins Nichts
VON MICHAEL HÜTHER
Slavoj Žižek macht es mit seinem neuen Buch „Ärger im Paradies. Vom Ende der Geschichte zum Ende des Kapitalismus“ eingefleischten Kapitalismuskritikern nicht leicht. Es ist ein Lektüreweg verdeckter Ermittlung notwendig. Wie bei ihm gewohnt drängt der Autor seine Leser durch eine Vielzahl von geist- und beziehungsreichen Anekdoten, Geschichten, Mythen und philosophischen Referenzen. Man ist gut unterhalten, horcht aber doch etwas schwindelig auf, wenn abrupt die klare Ansage kommt und der Kapitalismus als unheilbar krisenkrank bewertet wird, da seine „spezifischen Dysfunktionen. . . strukturell notwendig“, also nicht kompensierbar sind.
  Der Slowene Žižek offeriert seine Argumentation in vier Schritten, nachdem er in der Einleitung das Paradies mit jenem Heilsversprechen gesellschaftlicher Ordnung verbindet, das sich auf den liberaldemokratischen Kapitalismus bezieht. Den Ärger verursacht ihm die anhaltende ökonomische Krise. Die Lösung sieht Žižek in der „kommunistischen Hypothese“ des französischen Philosophen Alain Badiou, der so die theoretische Unschuld des Kommunismus als gesellschaftlicher Realität trotz Stalin, Mao und Co. propagiert.
  Mit dem Verweis auf Badiou wird klar, worauf dieser Essay letztlich zielt: Die Abschaffung des Privateigentums zur zeitlichen sowie sozialen Entgrenzung des Individuums und die Etablierung einer „Politik der Wahrheit“ anstelle der „Wahrheit ohne Bedeutung“, die den Kapitalismus ausmacht. Die Spontaneität der Massen könne es richten – in einem System, dessen Dogmentreue den Einzelnen erfülle und deshalb einer parlamentarischen Demokratie mit nihilistischer, rein formaler Mehrheitssuche nicht bedürfe.
  Im ersten Kapitel analysiert Žižek Strukturbedingungen des globalen Kapitalismus. Zutreffend wird ein Problem der offenen Gesellschaft und ihrer Marktwirtschaft beschrieben: die ständige Verunsicherung der Menschen durch Neues und das Risiko enttäuschter Erwartungen. Die Bedrohung durch Arbeitslosigkeit „als eine Form der Ausbeutung“ beruht indes auf einem statischen Bild wirtschaftlicher Realität, das alle Mobilität am Arbeitsmarkt ausblendet. Žižek benötigt diese schiefen Bezüge ebenso wie die Ignoranz gegenüber Fakten, die seiner Intuition widersprechen, um alle Versuche, den Kapitalismus zu verteidigen als das Gegenteil dessen einzuordnen. „Der Kommunismus bleibt . . . der einzige Horizont, von dem aus man das, was heute vor sich geht . . . angemessen analysieren kann.“
  Jede Krise unterstützt die große Krisenerzählung über den systematisch dysfunktionalen Kapitalismus; Zypern, Griechenland und Türkei, Government Shutdown in den USA, Ruanda und Auschwitz – das Buch durchzieht viele solcher Bezüge mit dem Ziel eines universellen Befundes. Dabei kann nicht beachtet werden, was den globalen Kapitalismus ebenso prägt: die kulturelle Besonderheit von Gesellschaften aus historischen Gründen, Habitus und Haltung als Differenzierungsfaktoren, wirtschaftsstrukturelle Unterschiede aufgrund historischer Pfadabhängigkeiten, Zivilgesellschaft als soziale Ressource in Demokratien und anderes mehr. Das universelle marxistische System der Wahrheit lässt das nicht zu.
  Im zweiten Kapitel erklärt der Autor, warum wir bereit sind, in einem dysfunktionalen Wirtschaftssystem zu leben: Es sind Illusionen von symbolischer Wirksamkeit, die die soziale Realität hervorbringen. Dazu gehöre zentral das „Über-Ich“, jenes nicht kodifizierte, aber sozial gelebte Normengewirr, das zum kulturellen Substrat jeder Gesellschaft gehört und das Verhalten des Einzelnen positioniert. Dass in hermeneutischen Konstrukten kollektive Lernprozesse zum Ausdruck kommen, wird von Žižek nicht gewürdigt. Unreflektiert bleibt auch, dass der Verweis auf ein „Über-Ich“ des Kapitalismus dessen Inhaltsleere keineswegs als selbstverständlich erscheinen lässt.
  Das dritte Kapitel wagt einen Blick auf die Zukunft, wenn nichts passiert. Dann herrscht „De-Realisierung“ mit dem Ziel der „Re-Normalisierung“ als unvermeidbar erfolglose Flucht vor der Realität – so könnte man die Erwartung des Autors verdichten, die er aus zeitgenössischen Verweisen (Ägypten, Türkei, Brasilien, Syrien, Ukraine, Occupy-Protest . . .) ableitet. All die „Ausbrüche ohnmächtiger Wut bezeugen die verheerenden Folgen einer globalen kapitalistischen Ideologie, die individuellen Hedonismus mit hektischer, konkurrierender Arbeit verbindet und dadurch den Raum für ein koordiniertes Handeln verschließt“.
  Jeder Aufruhr richte sich zwar gegen die neoliberale Totalität der Weltordnung, doch er verrecke in der zweiten Phase aus Angst vor Radikalisierung. Wegen dieser begrenzten revolutionären Perspektive seien Kommunisten so wertvoll, „weil sie das Feld unseres Kampfes ausweiten und es uns erlauben, Kämpfe für Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit zu vereinnahmen und zu dominieren“. Andernfalls bleibe bei aller Wandlung alles wie es ist, die Dynamik des Kapitalismus überrunde alle Versuche seiner Außerkraftsetzung. Damit es dabei nicht bleibt, wird viertens beleuchtet, wie die neue Phase emanzipatorischen Kampfes vorangebracht werden kann. Verpackt als Zitat von Badiou wird die These vertreten, „lieber den schlimmsten stalinistischen Terror als die liberalste kapitalistische Demokratie“, denn „lieber ein Desaster als ein ereignisloses Überleben in einem hedonistisch-utilitaristischen Universum“. Es lohne sich, ein nicht wahres Leben aufzugeben, weil es nur vom Anschein falscher Freiheit getragen sei. Die Individuen aus ihrer Starre zu reißen, verlange aber einen Herrn (!), der das Notrecht nimmt, weil es anders nicht gehe. Hegel wird dafür als Kronzeuge bemüht, obwohl eher Carl Schmitt passt, der den „Führer“ so das Recht schützen sah.
  Am Ende wird die ganze Hilflosigkeit von Žižeks Argumentation offenbar: Die schlimmen Zustände des globalen Kapitalismus lassen jedes Mittel recht sein, weil es um die Erlösung zur wahren Freiheit geht. Für eine solche säkularisierte Heilsgeschichte hätte es nicht so vieler Seiten bedurft, zumal offen bleibt, wie das Paradies aussieht. Da wir auf der Erde mit allen ihren Krisen, Konflikten, Katastrophen und Dilemmata leben müssen, bleibt nichts anderes als im Hier und Jetzt das Miteinander der Menschen auszuhandeln und zu organisieren.
  Wer sich dafür entscheidet, der wird von der Lektüre des Buches nicht profitieren. Wer idealistisch nach der ewigen Wahrheit sucht, der wird sie in dem Buch ebenso nicht finden. Es ist ein großer, immerhin unterhaltsamer Sprung ins Nichts.
Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.
Ziel ist die Abschaffung
des Privateigentums zur
Entgrenzung des Individuums
Wenn es um die Erlösung
zur wahren Freiheit geht,
ist dem Autor jedes Mittel recht
  
Slavoj Žižek,
Ärger im Paradies –
Vom Ende der Geschichte zum Ende des Kapitalismus. Aus dem Englischen
von Karen Genschow.
S. Fischer-Verlage 2015, 368 Seiten, 24,99 Euro.
Als E-Book: 22,99 Euro.
Der Sündenfall von Adam und Eva im Paradies: Nach einem Gemälde von Lukas Cranach aus dem Jahr 1531.
Foto: SZ Photo
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