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  • Format: ePub


Nach siebzig Jahren als Teil der Sowjetunion, nach Bürgerkriegsjahren, Unabhängigkeitsbestrebungen und Krieg mit Russland wächst in Georgien heute eine neue Generation heran, die auch in der Literatur neue Töne anschlägt. Dreizehn junge Autorinnen nehmen uns mit auf eine Reise durch Georgien und geben uns Einblicke in ihr Land und seine Geschichte. Sie entwerfen teils üppige, teils verstörende, immer aber sinnliche Bilder, die im Sinne des magischen Realismus verschiedene Realitäten miteinander ins Spiel bringen - farbenprächtige Bilder von Lebensentwürfen einer Gesellschaft, die im Begriff…mehr

  • Geräte: eReader
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Produktbeschreibung
Nach siebzig Jahren als Teil der Sowjetunion, nach Bürgerkriegsjahren, Unabhängigkeitsbestrebungen und Krieg mit Russland wächst in Georgien heute eine neue Generation heran, die auch in der Literatur neue Töne anschlägt. Dreizehn junge Autorinnen nehmen uns mit auf eine Reise durch Georgien und geben uns Einblicke in ihr Land und seine Geschichte. Sie entwerfen teils üppige, teils verstörende, immer aber sinnliche Bilder, die im Sinne des magischen Realismus verschiedene Realitäten miteinander ins Spiel bringen - farbenprächtige Bilder von Lebensentwürfen einer Gesellschaft, die im Begriff ist, sich neu zu finden. Dabei changieren die Erzählungen zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, Wirklichkeit und Traumwelt, Stadt und Land, Gegenwart und Vergangenheit. Alle Autorinnen sind nach 1970 geboren. Sie umkreisen Aspekte des heutigen Lebens: Geschlechterbeziehungen, Sexualität, Familie, Selbstverwirklichung und Migration - und zeichnen damit ein facettenreiches Porträt ihres Landes.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: edition fünf
  • Seitenzahl: 248
  • Erscheinungstermin: 1. März 2018
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783942374941
  • Artikelnr.: 51320632
Autorenporträt
Rachel Gratzfeld, 1960 im Wallis (Schweiz) geboren, ist freie Lektorin, Übersetzerin und Literaturvermittlerin. Nach Georgien zieht es sie seit ihrer ersten georgischen Reise 2002. Seither versucht sie seiner überaus reichen Sprache auf die Spur zu kommen und die Literatur dieses Landes als ein Stück eigenständiger Weltliteratur zugänglich zu machen. Erste Kontakte wurden 2004 geknüpft während einer Studie zum "Belletristischen Buchmarkt Georgien - Überblick und Möglichkeiten des Austauschs mit dem deutschsprachigen Buchmarkt". 2009 bis 2014 wirkte Rachel Gratzfeld als Literaturagentin für drei der bedeutendsten georgischen Verlage - Bakur Sulakauri, Diogene und Siesta - sowie individuell für Autorinnen und Autoren, darunter Nino Haratischwili und Tamta Melaschwili. Parallel dazu arbeitete sie 2006 bis 2016 als Leiterin Lehrmittelentwicklung bei Klett Schweiz, zuvor viele Jahre als Lektorin und Programmleiterin Belletristik im Scherz Verlag. Seit 2017 lebt und arbeitet sie in Tbilissi.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.10.2018

Erst mal den Leser durchs Stahlbad ziehen
Ohne Netz, aber mit doppeltem Boden: Erzählungen georgischer Autorinnen

Wer etwas über eine Gesellschaft erfahren will, muss herausfinden, wie es ihren Kindern geht. Daher ist es konsequent, dass diese Zusammenstellung von Geschichten dreizehn georgischer Autorinnen unterschiedlicher Generationen mit mehreren Erzählungen aus der Kindheit beginnt. Sie lassen den Leser in den weiteren Verlauf hineinwachsen, oder besser: Sie härten ihn ab. Denn die ersten Geschichten sind fürchterlich.

Mari Bekauri erzählt von einem Mädchen, das sich auf dem Pausenhof brutal mit den Jungs prügelt und nach der Schule mit ihnen darum wetteifert, wer die meisten Frösche fängt, quält und tötet. Nino Tarchnischwili lässt eine Dreizehnjährige auf ihren Vater einreden, der sich im Garten erhängt hat. "Der Socken ist an der Ferse durchgewetzt. Die aus dem fransigen blauen Pullover baumelnden Hände ähneln toten Rattenpfoten." Vor seinem Suizid hat der Vater die schwangere Mutter mit einer Axt erschlagen, die Älteste bleibt nun mit den kleinen Geschwistern zurück. Lia Likokeli schreibt über ein Waisenmädchen, das weiterlebt, als wäre der Vater noch da, aber zu krank zum Arbeiten - weswegen sie alles tun muss: sich um die Kühe kümmern, Essen machen, für die Schule lernen. Es wirkt fast normal, bis die Lehrerin sie vor einem Besuch in der Kammer versteckt, während die anderen Kinder die Gäste begrüßen dürfen. Dass das Mädchen bereits schlohweiße Haare hat, erfährt der Leser nur beiläufig. Die Geschichte ist ein schönes Beispiel für den doppelbödigen georgischen Erzählstil: Ob der Vater noch lebt oder nicht, wird kaum klar. Er lebt in der Vorstellung des Mädchens, das ist wesentlich.

Noch vor den fürchterlichen Kindheitsgeschichten findet sich eine Art Einführung in die sowjetgeorgische Kindheit von Nino Haratischwili, der bekanntesten Autorin des Autorinnen-Kreises. Es handelt sich um einen Romanauszug, der lakonisch Erinnerungen aufzählt: "Es war der Schmelzkäse Die Freundschaft und die Wackelpuppe Wanka-Stanka, die wie eine missglückte hohle Matrjoschka aus Plastik aussah." Es ist keines der stärksten Stücke aus dem Band, aber ein schöner Einblick, bevor die Wucht einen trifft.

Welche Erwachsene diese Kindheiten hervorgebracht haben, erfahren wir in den folgenden Geschichten. Sie binden sich, gehen fremd und werden betrogen, sie berauschen sich und betrauern ihre Toten. Und sie leben in komplizierten nationalen Geflechten, was sich humoristisch auszahlt: "Ich erklärte ihr, dass ich, ein Sowjetmensch, mich nicht von einer dahergelaufenen portugiesischen Staatsbürgerin Dolores vollquatschen ließe, woraufhin sie rief, dass ich einer in Iwanowo aufgewachsenen deutschen Jüdin nicht dumm kommen solle, ich, ein Überbleibsel der roten Intelligenzija."

Die Verworrenheit ist Konzept: Die wenigsten Geschichten sind linear erzählt, einiges bleibt im Nebel oder unausgesprochen. Die georgische Sprache lädt nach deutschen Maßstäben zu Unklarheiten ein, es gibt etwa kein Genus. Wird da ein Mann oder eine Frau geliebt? Schwer zu sagen. Hauptsache Liebe.

bähr.

"Bittere Bonbons". Georgische Geschichten.

Hrsg. und mit einem Nachwort von Rachel Gratzfeld. Edition fünf, Hamburg 2018. 256 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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