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Mit dem Ziel, unser heutiges Verständnis von politischer Sicherheit jenseits tagespolitischer Gefahrendebatten zu schärfen, rekonstruiert
Angela Marciniak an den Werken von Thomas Hobbes, Jeremy Bentham und Hans Joachim Morgenthau eine Ideengeschichte des Phänomens. Zugleich wird Sicherheit als politisches Konzept für die gegenwärtige normative politische Theorie fruchtbar gemacht.…mehr

Produktbeschreibung
Mit dem Ziel, unser heutiges Verständnis von politischer Sicherheit jenseits tagespolitischer Gefahrendebatten zu schärfen, rekonstruiert

Angela Marciniak an den Werken von Thomas Hobbes, Jeremy Bentham und Hans Joachim Morgenthau eine Ideengeschichte des Phänomens. Zugleich wird Sicherheit als politisches Konzept für die gegenwärtige normative politische Theorie fruchtbar gemacht.
  • Produktdetails
  • Verlag: Campus Verlag
  • Seitenzahl: 369
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 369 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 139mm x 27mm
  • Gewicht: 465g
  • ISBN-13: 9783593503134
  • ISBN-10: 3593503131
  • Best.Nr.: 41778745
Autorenporträt
Angela Marciniak ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg und wissenschaftliche Koordinatorin des Sonderforschungsbereichs "Dynamiken der Sicherheit" der Universitäten Marburg und Gießen.
Inhaltsangabe
Inhalt

Dank9

Einleitung 11

1. Sicherheit konzipieren, Sicherheit analysieren - Theoretische und methodische Überlegungen18

1.1 Einführung18

1.2 Abgrenzungen: Zur Konzeptualisierung einer Idee und zum Verständnis von (politischer) Sicherheit22

1.3 Reflexionen: Aspekte eines pluralistischen Ansatzes zur Erforschung des Konzepts Sicherheit43

1.3.1 Begriffsgeschichte: "Alles Verstehen ohne zeitlichen Index bleibt stumm."46

1.3.2 Cambridge School: "bringing buried intellectual treasure back to the surface."60

1.3.3 Michel Foucault: "Der Diskurs ist Unruhe und Ordnungsmuster zugleich."71

1.4 Schluss80

2. Sicherheit vor Freiheit - Das Konzept Sicherheit im Werk von Thomas Hobbes83

2.1 Einführung83

2.2 Die ungeheure Anziehungskraft eines Ungeheuers89

2.2.1 "[...] the end, namely security": Die Politische Theorie Thomas Hobbes' als Sicherheitskonzeption89

2.2.2 Bellum omnium contra omnes: Anmerkungen zu Hobbes' Wirken und Wirkungsgeschichte103

2.3 Schutz im Schatten des Friedensfürsten - Zur Sicherheitskonzeption des Thomas Hobbes117

2.3.1 Den Mitmenschen fürchten (Sicherheit durch Furcht I)117

2.3.2 Den Souverän fürchten (Sicherheit durch Furcht II)140

2.4 Schluss158

3. Sicherheit für Freiheit - Die Sicherheitskonzeption des Jeremy Bentham162

3.1 Einführung162

3.2 Gute Gesetze für das größte Glück: Eine erste Annäherung an Bentham169

3.2.1 Gesetzgeber der Welt: Benthams Leben und Wirken169

3.2.2 Größtes Glück der größten Zahl: Benthams Utilitarismus174

3.2.3 Grundsätzlich liberal? Kontroverse Ansätze der Bentham-Interpretation183

3.3 Sanktion, Schutz und Sorge, aber vor allem System: Zur Sicherheitskonzeption des Jeremy Bentham196

3.3.1 Die Anderen in Schach halten: security against offences200

3.3.2 Die Zukunft in Sicherheit wiegen: security against disappointment218

3.3.3 Die Herrscher im Blick haben: security against misrule238

3.4 Schluss255

4. Unsicherheit in Freiheit - Hans Joachim Morgenthaus Sicherheitsverständnis260

4.1 Einführung260

4.2 Zwischen den (Welt-)Mächten266

4.2.1 Die Theorie des struggle for power: Morgenthaus politischer Realismus und dessen Rezeption266

4.2.2 Die Erfahrung des struggle for power: Einflüsse auf Morgenthaus Wirken274

4.3 Die Welt in der Waage halten - Hans Joachim Morgenthau zu (Un)Sicherheit282

4.3.1 Unsicherheit aushalten (international security)292

4.3.2 Unsicherheit wagen (individual security)308

4.3.3 Sicherheit diskutieren (domestic security)323

4.4 Schluss343

Schluss347

Literatur352
Rezensionen
Besprechung von 29.04.2015
Freiheit gegen Sicherheit?
Angela Marciniak sondiert ein politisches Konzept

Sicherheit ist mittlerweile zu einem Topos, geworden, der nahezu jedes politische Handeln legitimieren kann. Ein fragwürdiger Erfolg, der sich inzwischen auch, so Angela Marciniak, in der wissenschaftlichen Literatur widerspiegele. Die wissenschaftliche Koordinatorin des Sonderforschungsbereichs "Dynamiken der Sicherheit" der Universitäten Marburg und Gießen verweist in ihrem Buch auf die Debatte um "Sicherheit versus Freiheit" als Reaktion auf diverse Gesetze im sogenannten Kampf gegen Terrorismus. Um das "Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit" gehe es da, um den "Widerspruch zwischen Freiheit und Sicherheit" oder um die notwendige Balance zwischen beiden Konzepten, die seit dem 11. September 2001 neu justiert werden müsse.

Die Autorin hinterfragt die gängigen Positionen in wohltuender Weise: Sind Sicherheit und Freiheit für eine Gesellschaft tatsächlich in erster Linie als konträre Konzepte zu denken, als etwas, das immer wieder in Ausgleich gebracht werden muss? Es erscheint ihr durchaus nicht überzeugend, dass ein Mehr an Sicherheit so oft für ein Weniger an Freiheit verantwortlich gemacht wird - oder umgekehrt. Und hat sich das "Streben nach Sicherheit", wie oft behauptet wird, tatsächlich erst ab der Mitte des letzten Jahrhunderts zu einem "gesellschaftlichen Wert" von eminenter Bedeutung herausgebildet?

Hier kommen bei Marciniak Thomas Hobbes, Jeremy Bentham und Hans Joachim Morgenthau ins Spiel. Mit ihnen wandert sie durch die Ideengeschichte der letzten vier Jahrhunderte, um zu sehen, wann für wen mit welchen Begründungen Sicherheit geschaffen werden sollte. Die Sicherheitskonzeption von Hobbes steht dabei für die Zeit rasanter Säkularisierung und des entstehenden Kapitalismus, jene Benthams für Umbrüche angesichts von Aufklärung und Revolution, aufkommendem Liberalismus und industrieller Revolution - und schließlich jene von Morgenthau für eine von zwei Weltkriegen und der atomaren Bedrohung geprägte Zeit.

Anhand ihrer drei Gewährsmänner führt Angela Marciniak vor Augen, dass Sicherheit und Freiheit nicht notwendigerweise in Opposition zueinander stehen. Schließlich sei nur eine gesicherte Freiheit von Wert. Die häufig angestellte Überlegung, Sicherheit und Freiheit seien zwei Waagschalen, die austariert werden müssten, sei so nicht zu halten: Sicherheit schaffe zwar die Möglichkeit für die Nutzung von Freiheit, im Übrigen unterschieden sich die beiden aber derart in Wahrnehmung und Erfahrbarkeit, dass sie unmöglich als jeweils "andere Seite der Medaille" betrachtet werden könnten. Freiheit müsse bewusst wahrgenommen werden, um sich überhaupt als Freiheit zu erweisen. Hingegen könnten Individuen auch sicher sein, ohne dessen gewahr zu sein.

THOMAS SPECKMANN

Angela Marciniak: "Politische Sicherheit". Zur Geschichte eines umstrittenen Konzepts.

Campus Verlag, Frankfurt am Main 2015. 369 S., geb., 36,90 [Euro].

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