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Am 9. September 1881 in einem kleinen Dorf hoch oben in den Schweizer Bergen: Die kleine Katharina wird zusammen mit ihrem jüngeren Bruder zu den Großeltern geschickt. Dort sollen beide die nächsten Tage verbringen, bis die Mutter ihr sechstes Kind zur Welt gebracht hat. Doch es kündigt sich noch ein anderes Ereignis an. Von einem Hang sind einige Felsbrocken ins Tal hinabgestürzt und der ganze Berghang könnte sich lösen und das Dorf unter sich begraben. Daran möchte niemand glauben, am allerwenigsten die Arbeiter im Schieferbruch, die mit ihren Händen ganze Familien ernähren. Aber der Berg…mehr

Produktbeschreibung
Am 9. September 1881 in einem kleinen Dorf hoch oben in den Schweizer Bergen: Die kleine Katharina wird zusammen mit ihrem jüngeren Bruder zu den Großeltern geschickt. Dort sollen beide die nächsten Tage verbringen, bis die Mutter ihr sechstes Kind zur Welt gebracht hat. Doch es kündigt sich noch ein anderes Ereignis an. Von einem Hang sind einige Felsbrocken ins Tal hinabgestürzt und der ganze Berghang könnte sich lösen und das Dorf unter sich begraben. Daran möchte niemand glauben, am allerwenigsten die Arbeiter im Schieferbruch, die mit ihren Händen ganze Familien ernähren. Aber der Berg führt in Franz Hohlers hochgelobter, in der Tradition der besten Schweizer Literatur stehenden Novelle sein Eigenleben ...
  • Produktdetails
  • btb Bd.74269
  • Verlag: Btb
  • Seitenzahl: 174
  • Erscheinungstermin: 12. September 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 116mm x 18mm
  • Gewicht: 188g
  • ISBN-13: 9783442742691
  • ISBN-10: 3442742692
  • Artikelnr.: 32548496
Autorenporträt
Hohler, Franz
Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren, er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Franz Hohler ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. erhielt er 2002 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und 2005 den Kunstpreis der Stadt Zürich. Sein Werk erscheint seit über dreißig Jahren im Luchterhand Verlag.
Rezensionen
"Wirkungsvoll und sehr zurückhaltend hat Franz Hohler seinen Kunstgriff eingesetzt."
Besprechung von 31.10.1998
Berge ohne Halt
Eine Novelle von Franz Hohler

Franz Hohler liebt die Untergänge. Es muß zwar nicht die Welt sein, mit der es zu Ende geht, doch hat er sich schon viele Katastrophen ausgedacht, unter denen die kleine Schweiz ins Wanken geraten könnte. Mit seiner ersten Novelle "Die Steinflut" wechselt Hohler, so sieht es auf den ersten Blick aus, das Genre; hier geht es um ein verbürgtes Ereignis aus der schweizerischen Geschichte, den Bergsturz von Elm im Kanton Glarus im Jahr 1881. Doch hat sich auch hier der Mahner nicht in einen nüchternen Chronisten verwandelt.

An einem Septembermorgen wird die siebenjährige Katharina zusammen mit ihrem jüngeren Bruder auf den Berg zur Großmutter geschickt. Ihre Mutter liegt in den Wehen, und bei der bevorstehenden Entbindung sind die Jüngsten der Familie nur im Weg. Brüderchen und Schwesterchen gehen durch das Gebirge - das erinnert an Märchenmotive und an Adalbert Stifters Erzählung "Bergkristall". Doch während dort die Schönheit der winterlichen Bergwelt die Leser in ihren Bann zieht, lenkt Franz Hohler die Aufmerksamkeit auf Alltägliches; die elementaren körperlichen Bedürfnisse bestehen in Ausnahmesituationen fort. Welchem Mädchen gefällt es schon, wenn ihm der kleine Bruder über die Hand "brünzelt" und in der Nacht auf dem Bett eine Pfütze hinterläßt? Das alles klingt harmlos, und fast könnte man glauben, ein Kinderbuch in der Hand zu halten. In der Tat ist Franz Hohler ein erfahrener Kinder- und Jugendbuchautor, dessen Geschichten mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Dieses Buch jedoch ist für Erwachsene geschrieben, denen er die Gefahren zeigen möchte, die hinter einer vertrauten Oberfläche lauern. Er leiht sich deswegen den unbefangenen Blick seiner kindlichen Heldin Katharina, die die Welt der Großen zu verstehen sucht - eine reizvolle Erzählhaltung, die an die Kunstfertigkeit des Autors beträchtliche Anforderungen stellt. Über weite Strecken bewegt sich Hohler sicher innerhalb dieser Grenzen; vollständig aber kann er die Perspektive nicht durchhalten, und er legt seiner Hauptfigur etliche altkluge Lebensweisheiten in den Mund.

Nicht allein über das Familienleben macht sich Katharina ihre Gedanken, sie beobachtet auch aufmerksam ihre Umgebung und verfolgt besorgt die vielen, zunächst kleinen Steinschläge, die den Tag über ins Tal donnern. Das sei alles harmlos, versichern die Erwachsenen, die mit sich beschäftigt sind, an Arbeitslosigkeit, Verlobung und Heirat denken. Das Mädchen läßt sich seine Angst nicht ausreden und findet Verbündete in den Tieren, die ebenfalls Gefahr wittern.

Am Ende zerstört eine Steinflut mit geradezu biblischer Dimension alles Leben im Tal. Von der Steinflut ist es nicht weit bis zur Sintflut, und wem sich dieser Zusammenhang nicht erschließt, dem hilft der Didaktiker Hohler auf die Sprünge. Katharina erinnert sich an die Geschichte von Noah und seiner Arche und sinnt über das Schicksal der Fische während des Strafgerichts nach: Konnte die verheerende Flut ihnen etwas anhaben, oder blieben sie vor der göttlichen Vernichtung verschont?

Trotz seiner Vorahnung ist das helvetische Naturkind kein neuer Noah, seine kleine Welt wird nicht zum Spiegel des Kosmos, und auch eine rettende Arche kann es nicht bauen. Hilflos muß Katharina mit ansehen, wie der Bergrutsch ihr Heimatdorf verschüttet und ihr nicht nur die Mutter und das neugeborene Schwesterchen nimmt, sondern auch alle Familienangehörigen, Nachbarn und Freunde unter sich begräbt.

Die biblische Sintflut war eine Folge menschlicher Freveltaten und der Mißachtung der göttlichen Schöpfung. Was aber ist die Ursache für die steinerne Flut des Jahres 1881? Hohler hält sich mit einem Urteil zurück, deutet nur einen Zusammenhang mit dem Schieferabbau in den Bergen an und ist damit bei seinem zentralen Thema angelangt: Die Sünden gegenüber der Umwelt verwandeln die Schweizer Berge in ein tödliches Chaos. So endet auch diese historische Novelle mit einer ökologischen Botschaft. Franz Hohler beschreibt nicht die elementaren Gewalten der Natur, die sich unabhängig vom menschlichen Tun entwickeln können, sondern wird als moderner Prophet nicht müde, vor menschlicher Selbstüberschätzung zu warnen. SABINE DOERING

Franz Hohler: "Die Steinflut". Novelle. Luchterhand Literaturverlag, München 1998. 159 S., geb., 29,80 DM.

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"Eine kleine meisterhafte Erzählung."Süddeutsche Zeitung