Letzte Zugabe - Hildebrandt, Dieter
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Dieter Hildebrandts nachgelassene Texte jetzt erstmals im Taschenbuch: Sie zeigen Dieter Hildebrandt als Meister der satirisch-kämpferischen Auseinandersetzung mit den Zeitläuften, als witzigen Kommentator grotesker Vorgänge in unserem Land und als unerbittlichen Aufklärer, der kritisch war, aber auch lustig, ja von ungebremster Freude am Heiteren.
Mit einem Nachwort von Roger Willemsen und den pointierten Zeichnungen von Dieter Hanitzsch.
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Produktbeschreibung
Dieter Hildebrandts nachgelassene Texte jetzt erstmals im Taschenbuch: Sie zeigen Dieter Hildebrandt als Meister der satirisch-kämpferischen Auseinandersetzung mit den Zeitläuften, als witzigen Kommentator grotesker Vorgänge in unserem Land und als unerbittlichen Aufklärer, der kritisch war, aber auch lustig, ja von ungebremster Freude am Heiteren.

Mit einem Nachwort von Roger Willemsen und den pointierten Zeichnungen von Dieter Hanitzsch.
  • Produktdetails
  • Heyne Bücher Bd.60412
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 272
  • Erscheinungstermin: 17. April 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 122mm x 25mm
  • Gewicht: 282g
  • ISBN-13: 9783453604124
  • ISBN-10: 3453604121
  • Artikelnr.: 44945601
Autorenporträt
Hildebrandt, Dieter
Dieter Hildebrandt, geboren 1927 in Bunzlau, Niederschlesien, studierte in München Theaterwissenschaften. Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, deren Ensemble er bis 1972 angehörte. Von 1974 bis 1982 arbeitete er mit dem Kabarettisten Werner Schneyder zusammen. Seine TV-Serien Notizen aus der Provinz und Scheibenwischer wurden große Erfolge. Berühmtheit erlangte er auch durch seine Rollen in Kinoproduktionen wie Kir Royal und Kehraus. Hildebrandt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Grimme-Preis in Gold, Silber und Bronze. Viele erfolgreiche Bücher bei Blessing, darunter Nie wieder achtzig! (2007) und Letzte Zugabe (2014). Bis zu seinem Tod im November 2013 lebte Dieter Hildebrandt mit seiner zweiten Frau, der Kabarettistin Renate Küster-Hildebrandt, in München.
Rezensionen
Besprechung von 14.05.2014
Mit Witz umkleidete Wut
„Letzte Zugabe“ lautet der Titel eines Sammelbandes mit Texten von Dieter Hildebrandt,
der nun postum erschienen ist. Der große Kabarettist hält darin auch ein wenig Rückschau und zieht Bilanz
VON HILMAR KLUTE
Wenn Terminkalender Macht über Leben und Tod hätten, dann würde Dieter Hildebrandt auch im Jahr 2014 jeden Tag auf irgendeiner Bühne stehen. Außer an den Tagen, so schrieb er vergangenes Jahr auf seiner Website, die er zum Hemdenwechseln frei halten müsse. Aber Terminkalender haben diese Macht nicht, Worte haben sie auch nicht, und der messerscharfe Witz, ja der hätte es vielleicht am ehesten reißen können. Aber letztlich kennt der Tod keinen Humor, und als Dieter Hildebrandt im November 2013 starb, musste sich Deutschland, nach Marcel Reich-Ranicki, zum zweiten Mal in einem Jahr von einer großen aufklärerischen Institution verabschieden.
  Ein gutes halbes Jahr nach Dieter Hildebrandts Tod ist jetzt eine Sammlung letzter Texte des Kabarettisten erschienen – Reden, Fernsehkommentare und Alltagsnotizen. Man liest das und denkt ein bisschen furchtsam an das Haltbarkeitsdatum. Wird das in fünfzehn, zwanzig Jahren überhaupt noch ein Mensch verstehen, denn bitte: Wer war Gröhe, wer war Wulff, wer war Westerwelle? Hildebrandt hat für den Tag geschrieben und gesprochen; er hat nicht auf die Ewigkeit geschielt – ein wenig vielleicht auf den Nachruhm, denn auch das gesprochene Wort und seine Inszenierung auf der Bühne oder vor der Fernsehkamera sind schließlich ein Kunstwerk. Seine Notizen und Memos hat Hildebrandt gerne zu großen Erinnerungsplaudereien verwoben, zuerst Mitte der Achtzigerjahre mit seinen Aufzeichnungen „Was bleibt mir übrig“. Und nun, zum letzten Mal in Gestalt dieses etwas miszellenhaften Bandes mit dem aufgeräumt wehmütigen Titel „Letzte Zugabe“.
  Hildebrandt hat an der Zusammenstellung der Texte selbst mitgewirkt, und man merkt der Sammlung an, dass der sehr unpathetische Hildebrandt auch ein bisschen Rückschau halten und Bilanz ziehen wollte. Preisverleihungen sind immer gute Gelegenheiten, Vergangenes mit der Gegenwart abzugleichen, besonders wenn einer den Erich-Kästner-Preis bekommt, der Erich Kästner noch persönlich gekannt hat. Schöner Satz von Hildebrandt, der in Kästners Gunst stand: „Große Leute nehmen kleine Leute wahr.“
  Dieser Satz gilt natürlich auch für Hildebrandt als Wahrnehmungsberechtigten; aber die kleinen Leute von heute sind bei ihm nicht minder schwere Schwachsinnsproduzenten als die Politiker. Der Taxifahrer, der auf die Frage des reisenden Kabarettisten, ob er ihn abholen könne, die spackige Antwort „Kein Thema“ gibt, lebt als Protagonist der Pidgin-Kommunikation in Hildebrandts kulturpessimistischem Menschenpark weiter. Andererseits: Je offenkundiger er recht hat und je tiefer man vor seinem flamboyanten Zorn auch den Hut ziehen möchte, desto mehr Nachsicht mit den Jüngeren hätte man ihm gegönnt. Musste er der armen Helene Hegemann so hausmeisterhaft ihre kleine Plagiatsgeschichte um die Ohren hauen? Dann wieder gebiert Hildebrandts knorriger Kulturkonservatismus auch sehr schlanke Prosa, zum Beispiel wenn er die Zeitung dem Smartphone vorzieht, also jenen „glitschigen lackigen schwärzlichen Minisärgen, aus denen man dann einen Essay von Erhard Eppler über die Zunahme der gated communities herauslesen soll“.
  Der Grundton von Hildebrandts späten Texten, und das gibt ihnen eine schöne Oberflächenspannung, ist eine eher nachlässig mit Witz umkleidete Wut. Die Debatte um Günter Grass’ Gedicht über die Atommacht Israel musste den einstigen Luftwaffenhelfer Hildebrandt dem Waffen-SS-Mann Grass zur Seite springen lassen. Und zwar mit einem ziemlich zornentbrannten Knuff gegen den einstigen Entwicklungshilfeminister Niebel, der sagt: „Israel hat jedes Recht der Welt, ehemalige SS-Leute nicht ins Land zu lassen.“ Vielleicht hätte er mal jemanden fragen sollen, wie das war damals . . . 1944 . . . mit 17 Jahren und von der Schulbank aus eingezogen . . .“
  In diesen Texten, die zwischen Hier und Damals abwechseln, zeigt sich, warum Dieter Hildebrandts Wirken so viele Deutsche derart tief beeindruckt hat, weit über das Kabarettistische hinaus. Hildebrandt wusste, dass man den Leuten erklären muss, warum sie einen Politiker lächerlich, einen Kulturmenschen verlogen, einen Intendanten dämlich finden sollen. Er war kein entfesselter Hassblöker wie etwa Urban Priol. Hildebrandt wusste aus leidvoller Erfahrung, dass Demokratie eine gute Sache ist und dass es die Aufgabe des schreibenden und redenden Künstlers sein sollte zu zeigen, was aus der Politik werden kann, wenn ihre Protagonisten vergessen, was sie zu verantworten haben. „Dieter Hildebrandt“, schreibt Roger Willemsen in seinem Nachwort, „hat das Kabarett aus der Notwendigkeit des Antifaschismus in eine Zeit geführt, die dem Politischen einen großen Horizont gab.“
  Dieter Hildebrandt hatte sich noch einen kleinen Text geschrieben, den er bei seinem ersten Auftritt nach der langen Krankheitspause vortragen wollte: „Eins ist mir klar: Am Schluss wird man nicht von Blumen erdrückt, sondern von den Rechnungen der Radiologen erstickt werden.“ Aber vielleicht kommt es ja so, dass der Atem des Dieter Hildebrandt in einigen dieser so erfrischend altmodischen Zorn-Arien spürbar bleibt – selbst dann, wenn keiner mehr weiß, wer Gröhe, Westerwelle und Niebel waren.
Dieter Hildebrand: Letzte Zugabe. Karl Blessing Verlag, München 2014 272 Seiten, 19,99 Euro. E-Book 15,99 Euro.
An der Zusammenstellung
dieses Buches hat Hildebrandt
noch selbst mitgewirkt
Hildebrandt war kein entfesselter Hassblöker – er wusste, dass man den Leuten erklären muss, warum sie diesen Politiker lächerlich oder verlogen und jenen Kulturmenschen schlicht dämlich finden sollen.
Foto: Robert Haas
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Auch wenn sich Hilmar Klute der kurzen Haltbarkeit dieser tagesaktuellen Texte und Reden Dieter Hildebrandts schmerzlich bewusst ist, hofft er doch, dass etwas von dem hier spürbaren "erfrischend altmodischen" Zorn des überzeugten Demokraten und Aufklärers Hildebrandt fortlebt. Die vom Autor mit besorgte Sammlung letzter Texte erscheint Klute zwar mitunter "miszellenhaft" und wie eine Rückschau, doch stets unpathetisch. Und dass der alte Herr über junge Plagiateure herzieht, muss Klute ihm wohl auch verzeihen. Dafür bietet ihm der Band doch Oberflächenspannung genug, einen schön knorrigen Kulturkonservatismus und immer wieder sehr schlanke Prosa von Güte.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Ja, ich vermisse Dieter Hildebrandt, seine Wachheit, seine kluge, schalkdurchtränkte Stimme. Und darum, liebe Hörer, dieses schöne Buch kaufen, lesen, verschenken und wieder kaufen.“