Karl V. (eBook, PDF) - Schilling, Heinz
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  • Produktdetails
  • Verlag: C.H.Beck
  • Seitenzahl: 457
  • Erscheinungstermin: 16.03.2020
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783406749018
  • Artikelnr.: 58649502
Autorenporträt
Inhaltsangabe
Prolog 1. Gent 24. Februar 1500 - Kind der Freude und der Stolz Burgunds? Glückliches Heiraten und rechtzeitiges Sterben in der Welt der Fürstenstaaten - Burgund - Realität und Mythos - Karl der Kühne und sein Vermächtnis - Gent, 24. Februar 1500 - Erziehung und Bildung der Burgunderkinder - Eheprojekte, neues "Gouvernement" und die Charakterprägung des Prinzen - Der Herzog von Burgund - Niederburgund im Herrschaftssystem des Kaisers 2. Valladolid 23. November 1517 - Ein Europa und die Welt umspannendes Erbe Der spanische Erbfall - Karls Charakter und Erscheinungsbild - Ein Liebesbrief und die erste Entscheidung als Familienoberhaupt - Juana und Ferdinand - die innerdynastische Abstimmung mit Mutter und Bruder - Valladolid 23. November - Übernahme der Herrschaft über Kastilien - Das Murren der Untertanen und die ersten Berichte über das neue Goldland- Eine weitere Königskrone- Aufstand in Spanien 3. Frankfurt 23. Juni 1519; Aachen 23.Oktober 1520 - Deutscher König und Erwählter Römischer Kaiser Die Wahl zum Deutschen König- Krönung in Aachen - Das deutsche Königtum in Karls Herrschaftssystem - Logistische Probleme eines überspannten Herrschaftsraumes - Regieren als Familienunternehmen - Räte und Vertraute - Minderheiten und Minderheitenpolitik 4. Worms 1521 - Verteidiger der von den Vorfahren ererbten Religion Schützer des reinen Glaubens - mit dem Papst oder mit Luther - Das in Gott gefangene Gewissen des Reformators - Das in Tradition und Glauben der Vorfahren gefangene Gewissen des Kaisers - Der Weg in die religiös-kulturelle Differenzierung Europas - Universelles Kaisertum als Ordnungsprinzip für den auseinanderstrebenden Kontinent 5. Pavia 24. Februar 1525 - Triumph über Franz I. und ein nicht endendes Ringen um die Vormacht in Italien und Europa Ringen um die mächtepolitische Ordnung - Entscheidung über Italien? - Nötigung zu Frieden und Freundschaft - Ein Frieden innerer Widersprüche - Erneut Krieg um Italien und der "Sacco di Roma" von 1537 - Das kaiserliche Klientelsystem in der Po-Ebene, Mantua und die Gonzaga-Dynastie - Krieg - Freundschaft - Krieg - Der Friede von Crépy 1544 als Vorbereitung zum Schlag gegen die Protestanten 6. Sevilla 10.März 1526 - Liebesdinge und politisches Kalkül der Casa de Austria Erotik der frühen Jahre- Eheprojekte - Hochzeit in Sevilla und "luna de miel" in Granada- Maurischer Zauber, höfische Feste, Musik und Jagd - Familienleben im Schatten der Politik - Margarete von Parma und Don Juan de Austria - Sakrale Überhöhung der Ehe 7. Bologna und Augsburg 1530 - Kaiserkrönung und Konfessionsreichstag Ein Friedensfest für die zerrissene Christenheit - Verhandlungen über die Neuordnung Italiens und die Einberufung eines Konzils - Kaiser und Päpste - Der Augsburger "Konfessionsreichstag" - Versuch einer außerkonziliaren Lösung - Reichsrechtliche Weichenstellungen jenseits der Glaubensfrage - Flandern, wieder Deutschland und die Rückkehr nach Spanien 8.Tunis 1535- Auftakt zum Kreuzzug gegen die Türken? D er Sieg vor Tunis - Realität und Propaganda - Karl V. und Suleiman der Prächtige- Chaireddin der Rote - Triumph als neuer Scipio Africanus - Rückkehr in den mächtepolitischen Alltag - Das Ende des Kreuzzugsplans und die Katastrophe 1541 vor Algier - Eine gemischte Bilanz im Ringen der Weltmächte 9. Leyes Nuevas 1542 - oder der Streit um die Seelen und das Gold der Indios Reichtum und Prestige aus dem amerikanischen "Goldkastilien" - Das Reich der Inkas und die Inseln der Gewürze - Um Recht und Ordnung in den neuen Besitzungen - Besinnung auf Gottes Gebot der Menschlichkeit - Las Casas gegen Sepúlveda - der erste freie Disput über Kolonialpolitik - Der realpolitische Vorrang Europas 10. Mühlberg 24. April 1547 - und der geharnischte Reichstag von Augsburg 1547/48 Veni, vidi, Deus vicit -- Triumph des Miles christianus - Schonung des Luthergrabes in Wittenberg und Demütigung des Landgrafen in Halle - D
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.04.2020

Der Mann mit dem Januskopf
Widersacher Luthers und doch sein Bruder im Geiste: Heinz Schilling porträtiert Karl V. als Kaiser zwischen Mittelalter und Neuzeit

Am 18. Juni 1547 erlitt der hessische Landgraf Philipp in Halle die Demütigung seines Lebens. Im Thronsaal der Moritzburg, wo Kaiser Karl V. nach seinem Sieg über die Truppen der protestantischen Reichsfürsten bei Mühlberg Hof hielt, wollte sich der Landgraf, der ebenfalls Luthers Lehren anhing, seinem Monarchen öffentlich unterwerfen, um daraufhin wie üblich begnadigt zu werden. Als Philipp allerdings nach der Verlesung seiner Abbitte durch den hessischen Kanzler vor Karls Thron kniete, machte dieser keine Anstalten, ihm die zugesagte Ehrenbezeugung zu erweisen. Nachdem er eine Weile gewartet hatte, erhob sich der Landgraf ungeduldig und trat mit ausgestreckter Hand auf den Kaiser zu, um das Zeremoniell abzukürzen.

Der Kurfürst von Brandenburg, der den nahenden Affront spürte, stellte sich ihm in den Weg, während der Herzog von Alba, Karls Feldherr, rasch Philipps Hand ergriff und ihn aus dem Saal führte. Beim abendlichen Schachspiel in Albas Quartier erfuhr der Landgraf zu seinem Schrecken, dass er Karls Gefangener war. Die nächsten fünf Jahre verbrachte er unter strenger Bewachung im Tross des Kaisers, bis ihn die Fürstenbeschwörung befreite, die Karl V. durch sein herrisches Auftreten provoziert hatte.

Es ist eine der seltenen historischen Szenen, in denen zwei unterschiedliche Weltbilder und Herrschaftstraditionen - hier: die frühabsolutistische des spanisch-burgundischen Reiches, das Karl geerbt hatte, und die feudale der deutschen Reichsfürsten - exemplarisch aufeinandertreffen, und es ist einer jener Momente, in denen Heinz Schillings Biographie des Kaisers, "dem die Welt zerbrach", am anschaulichsten wirkt. Schillings Buch ist, so gesehen, ein Werk aus dem Geist seiner Zeit, denn es führt wie das Geschichtsfernsehen, für das der Autor als Berater (etwa bei "Wir Deutschen") gearbeitet hat, von einem großen Auftritt zum anderen. Nur dass die Reflexionen der Geschichtswissenschaft dazwischen mehr Raum einnehmen, als der Flachbildschirm je zulassen könnte. So denkt Schilling schon in einem frühen Kapitel resümierend über die "Janusköpfigkeit" von Karls Kaisertum nach, das noch in der sakralen Herrschaftstradition des Mittelalters verwurzelt, aber schon vom neuzeitlichen Machtkonzept, sprich: vom Machiavellismus, angesteckt gewesen sei. Karl habe "eine zutiefst anachronistische Idee der Einheit" gerade in jenem Augenblick verfolgt, da die ideelle Einheit Europas mit der Reformation endgültig zerbrochen sei. Allerdings, so muss man ergänzen, wurde das Programm eines Universalkaisertums, wie es Karl in Wort und Tat verfocht, eben nicht von ihm selbst, sondern von seinem Kanzler Mercurino Gattinara formuliert, dem Schilling nur eine knappe Skizze widmet. Die Frage, wie viel von Karls Politik das Werk seiner Berater und wie viel tatsächlich sein eigenes war, hängt über jeder Lebensbeschreibung dieses Kaisers. Misst man ihn an seinen wichtigsten Widersachern, dem deutschen Mönch Martin Luther und dem französischen König Franz, dann war Karl der Leviathan seiner Zeit. Legt man als Maßstab dagegen die Pläne an, die er zwischen seiner Inauguration als Herzog von Burgund im September 1515 und seiner Krönung zum römischen Kaiser fünfzehn Jahre später entwarf, ist er auf ganzer Linie gescheitert. Weder der Kreuzzug gegen die Osmanen noch die Wiederherstellung der Einheit der christlichen Kirche, von der er bis zuletzt träumte, wurden Wirklichkeit. Bei seinem Tod im Kloster von Yuste war Europa tiefer gespalten als bei seiner Geburt achtundfünfzig Jahre zuvor.

Die Gründe für dieses Scheitern kann man, wie es Fernand Braudel am Beispiel von Karls Sohn Philipp II. von Spanien getan hat, anhand von Bevölkerungszahlen und Flottengrößen, Handels- und Steuervolumina ermitteln, aber Schilling ist kein Freund von Strukturgeschichten. Ihn interessiert Karls Persönlichkeit, und je stärker sie sich entzieht, desto eindringlicher blickt der Historiker in den Nebel aus Briefen, Denkschriften, Selbstaussagen, Anekdoten und Zeitzeugnissen, um darin die Umrisse eines Charakters zu erspähen. Die Figur, die sich aus diesen Überlieferungswolken hebt, bekommt allerdings nur selten so scharfe Konturen wie in dem Augenzeugenbericht des Stralsunder Bürgermeisters Sastrow, der mitleidlos beschreibt, wie der Kaiser beim Essen "die Schüssel unters kin (sic!) zog", weil er seine Mahlzeit wegen der angeborenen Deformation seiner Kinnlade und fortschreitenden Zahnausfalls nur noch schlürfend verrichten konnte. Aber ein roter Faden dieses im Dauermodus der Repräsentation gelebten Lebens wird dennoch sichtbar.

Es ist die unaufhörliche, beinahe familiäre, durch Lehrer und Beichtväter vermittelte Beziehung des Monarchen zu Gott. Noch als Herrscher eines Weltreichs erkundigt sich Karl, "ob es gottgefällig sei, Memoiren zu schreiben". Seine Erwiderung auf Luthers Auftritt beim Reichstag zu Worms, in der er alle Mächte der europäischen Tradition gegen den abtrünnigen Augustinermönch ins Feld führt, verfasst er mit eigener Hand. Als 1541 Karls Versuch, die muslimische Festung Algier zu erobern, in einem Seesturm scheitert, nimmt er die Niederlage als Zeichen, sich verstärkt um die Kirchenreform zu kümmern. Aber sein Reformwille bricht sich an den realen Verhältnissen des Klerus.

Erst muss sich Karl mit einem Medici-Papst, dann mit einem Pontifex aus dem Haus Farnese herumschlagen. Sein eigener universaler Anspruch schrumpft in diesen Konflikten zum partikularen. Ein unehelicher Sohn Pauls III. wird im Auftrag von Karls mailändischem Statthalter ermordet. Durch die Gefangennahme Franz I. bei Pavia zwingt er Frankreich zur Herausgabe seines Erblands Burgund, nur um es bald darauf wieder zu verlieren. Moritz von Sachsen, mit dem er sich vor Mühlberg gegen dessen protestantische Verwandtschaft verbündet hat, fällt ihm drei Jahre später in den Rücken.

Karls Enttäuschung über die Kette diplomatischer und militärischer Rückschläge, verschärft durch seinen fortschreitenden körperlichen Verfall, ist so gewaltig, dass er sich zu dem bis dahin undenkbaren Schritt entschließt, als Kaiser, spanischer König und burgundischer Herzog abzudanken. Die Abschiedszeremonien in Brüssel werden zum Schwanengesang eines Zeitalters. Schillings Darstellungskunst zeigt sich daran, dass er solche Schlüsselsituationen stets im Licht der Quellen betrachtet. So zitiert er den Satz eines anonymen Chronisten, Karls Abschiedsrede hätte "die Steine zu Verwunderung und Mitleid bewegen können", aber auch den Bericht des Geheimsekretärs Eraso über die tagelangen Aktenstudien Karls mit seinem Sohn Philipp, die dem Ereignis vorausgingen. Unter Philipp II. steigerten sich Zeremoniell und Bürokratie zu unmenschlicher Perfektion. Sein Staat war die Verwirklichung der Universalmonarchie, von der Karl geträumt hatte, als Schreckbild.

Karl V., als Carlo Quinto in Spanien ein Teil des Nationalmythos, kommt in der deutschen Gedächtniskultur nur als Kontrahent von Luther vor. Das spiegelt sich auch in der Geschichtsschreibung. Die erste wissenschaftlich fundierte Biographie verfasste Karl Brandi im Nationalsozialismus, die derzeit gültige Darstellung ist Alfred Kohlers Studie von 1999. Heinz Schillings Buch macht ihr diesen Rang jetzt streitig, auch deshalb, weil es von deutlich größerer Sympathie für seinen Gegenstand getragen ist. Kohlers Urteil, Karl sei "arrogant, selbstgefällig und selbstgerecht" gewesen, würde Schilling nie unterschreiben. Stattdessen schildert er Karls Schwächen und Ticks - etwa das Sammeln von Uhren - ebenso gerührt wie seine letzten Tage in Yuste. Die längste Bildinterpretation widmet er nicht wie üblich Tizians Reiterbildnis, sondern dessen spätem "Sieg der Dreifaltigkeit", auf dem Karl vor seinem Schöpfer kniet, "in einem reformierten Himmel" (Schilling) ohne Heilige und Märtyrer. Der Erzbischof von Toledo, der dem Sterbenden das Kruzifix reicht, landet alsbald vor einem Inquisitionsgericht. Für Schilling, dessen jahrzehntelange wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Zeitalter der Reformation an vielen Stellen dieses Buch spürbar ist, war Karl nicht Luthers Feind, sondern sein heimlicher Bruder im Geiste. Nur wusste er es nicht oder wollte es nicht wissen. Sein Biograph weiß es besser.

ANDREAS KILB.

Heinz Schilling: "Karl V." Der Kaiser, dem die Welt zerbrach.

C. H. Beck Verlag, München 2020. 457 S., Abb., geb., 29,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für historisch minder Informierte bringt Andreas Kilb die entscheidende Information erst am Schluss: In Deutschland kennen wir Karl V. höchstens als Gegenspieler Luthers. Insgesamt erzählt er die Geschichte des Herrschers nach, der hier eher als Scheiternder dargestellt wird, und die Einheit von Kirche und Europa nicht erreichte, die er wiederherstellen wollte. Der Kritiker lobt den Fokus der Darstellung auf biografische und politische Schlüsselszenen, wenn auch mit einem kleinen Seitenhieb auf Schillings Beratungstätigkeit beim Geschichtsfernsehen. Immerhin, "anschaulich" werden Leben und Politik geschildert. Am Ende seiner Besprechung ironisiert der Rezensent ein wenig die von Schilling vorgestellte Auffassung, dass Luther und Karl V. zwar politische Gegner, sich geistig aber nahe verwandt gewesen seien.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Eine erfrischend lebendige, tiefgründige und lesenswerte Darstellung über Karl V." spektrum.de, Theodor Kissel "Heinz Schilling ist mit seiner Biographie zu Karl V. etwas Besonderes gelungen. Man lernt nicht nur die Höhen und Tiefen des mächtigen Herrschers kennen, sondern auch der Mensch dahinter wird sichtbar. (...) Eine spannend geschriebene Biographie, die zudem lehrreich ist. Was will man mehr?" Bayern2 Diwan, Andreas Trojan "Diese hochaktuelle Kaiser-Biografie liest in Karl V. die Grundkonstanten des heutigen Europa heraus: Macht ist ohne Ohnmacht nicht zu haben. Und: Eine Einheitsherrschaft, gar einen Einheitsstaat duldet dieser Kontinent nicht." Platz 1 der Sachbuchbestenliste Literarische WELT "(Heinz Schilling), einer der führenden deutschen Historiker für die frühe Neuzeit, versteht es, uns Karl V. und seine Zeit neu nahezubringen." Literarische Welt, Marc Reichwein "...die derzeit gültige Darstellung ist Alfred Kohlers Studie von 1999. Heinz Schillings Buch macht ihr diesen Rang jetzt streitig, auch deshalb, weil es von deutlich mehr Sympathie für seinen Gegenstand getragen ist. (...) Für Schilling, dessen jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Zeitalter der Reformation an vielen Stellen dieses Buches spürbar ist, war Karl nicht Luthers Feind, sondern sein heimlicher Bruder im Geiste." Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Kilb "Heinz Schilling hat ihm (Karl V.) hier ein würdiges Denkmal gesetzt." SWR2, Konstantin Sakkas "Ein von stupendem Wissen seines Verfassers getragenes, wärmstens zu empfehlendes Buch." Mittelbayerische Zeitung "Wer die klugen Passagen zu Karl in Schillings Luther-Buch gelesen hat, weiß: Hier kommt eine Korrektur des eindimensionalen Bildes, das man sich von diesem Kaiser macht." Die literarische Welt, Matthias Heine…mehr