Eine Geschichte der Kulturkritik - Bollenbeck, Georg

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Allgemeiner Verfall, Entfremdung und Vermassung, die Herrschaft des Geldes, der Technik und der Medien: das sind bis heute die Themen der Kulturkritiker. Auch wenn die Traditionen dieses Denkens bis in die Antike zurückreichen, beginnt die eigentliche Zeit der Kulturkritik erst mit der Aufklärung. Auf der Suche nach einer anderen, besseren Moderne erzählen die Kulturkritiker Geschichten vom Verlust. Georg Bollenbeck geht es um die Eigenart dieses unterschätzten und faszinierenden Denkens, das bis heute ungebrochen ist. Er lotet das Spektrum einer provokanten Dauerkommentierung der Moderne in…mehr

Produktbeschreibung
Allgemeiner Verfall, Entfremdung und Vermassung, die Herrschaft des Geldes, der Technik und der Medien: das sind bis heute die Themen der Kulturkritiker. Auch wenn die Traditionen dieses Denkens bis in die Antike zurückreichen, beginnt die eigentliche Zeit der Kulturkritik erst mit der Aufklärung. Auf der Suche nach einer anderen, besseren Moderne erzählen die Kulturkritiker Geschichten vom Verlust. Georg Bollenbeck geht es um die Eigenart dieses unterschätzten und faszinierenden Denkens, das bis heute ungebrochen ist. Er lotet das Spektrum einer provokanten Dauerkommentierung der Moderne in allen ihren scharfsinnigen und problematischen Zeitdiagnosen aus.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1768
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 318
  • Erscheinungstermin: September 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 124mm x 24mm
  • Gewicht: 305g
  • ISBN-13: 9783406547966
  • ISBN-10: 3406547966
  • Artikelnr.: 22804294
Autorenporträt
Prof. Dr. Georg Bollenbeck lehrt am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Gesamthochschule Siegen.
Rezensionen
Besprechung von 03.01.2008
Das Fortschrittsversprechen
Kulturkritik: Georg Bollenbeck versachlicht die Diskussion
Irgendwie ist die Kulturkritik suspekt. Das gilt auf der Ebene ihrer Aussagen, die gern einmal in extremistische Gefilde abschweifen, aber auch auf der Ebene der Form. Kulturkritik ist weder Literatur noch Journalismus, weder Philosophie noch Wissenschaft oder Religion. Was aber ist sie dann? Als Bedeutungshistoriker, der sich mit der Erforschung von Denkhaltungen, Trivialmythen und „Pathologiebegriffen” einen Namen gemacht hat, ist Georg Bollenbeck nun der Frage nach den diskursiven Grundzügen der Kulturkritik nachgegangen. Der Siegener Germanist regt an, Kulturkritik als „Reflexionsmodus der Moderne” zu begreifen, als „unterschätzten” Reflexionsmodus zudem. Der Vorschlag ist fruchtbar schon deshalb, weil er seinen Gegenstand nicht vorschnell abfertigt. Bollenbeck bleibt gelassen und verfährt beschreibend. Seine Studie kreist um die Frage, wie die Kulturkritik es in den verschiedenen Epochen angestellt hat, Sinn zu bilden, Mentalitäten zu bedienen und Orientierungen vorzugeben.
Und das bis heute. Ausdrücklich und mit Recht wehrt Bollenbeck den Eindruck ab, er liefere ein Stück Ideengeschichte fürs Archiv. Die Kulturkritik begleitet die Moderne von Beginn an, und bis in die Gegenwart hinein benennt sie Risiken und Verluste. Was einst linke wie rechte Kulturkritiker dem „Westen” vorhielten: dass er kalt sei, prinzipienlos und gierig, das tönt heute als tausendfaches Echo aus allen Weltwinkeln zurück.
In seinem weit ausholenden Begriffspanorama stellt Bollenbeck einem epochenübergreifenden Konzept von Kulturkritik ein enges Begriffsverständnis gegenüber, das sich polemisch, und das heißt: mal widerstrebend, mal überbietend auf die europäische Aufklärung bezieht: Aufklärung über die Aufklärung. Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, wie sehr die geläufige Diffamierung der Kulturkritik als „gegenaufklärerisch” die Sache verfehlt. Das Gegenteil ist richtig: Indem die Kulturkritik Erwartungen und Erfahrungen vergleicht und Bilanz zieht, nimmt sie das Fortschrittsversprechen, mit dem die Neuzeit einst angetreten war, ernster als diese selbst.
Dass Bollenbeck dann schließlich neben dem weiten und dem speziellen Begriff von Kulturkritik eine spezifisch deutsche Version ins Spiel bringt, vermag weniger zu überzeugen. Die Nationalisierung scheint doch selbst eine kulturkritische Strategie zu sein, um Werthaltungen kollektiv zu besetzen und sie anderen abzusprechen. Angesichts der Urteilssicherheit, mit der dieses Buch die Diskussion versachlicht und endlich die richtigen Fragen stellt, wäre der Rückgriff auf den ideologiekritischen Schlagabtausch vergangener Tage gar nicht nötig gewesen. RALF KONERSMANN
GEORG BOLLENBECK: Eine Geschichte der Kulturkritik. Von J. J. Rousseau bis Günther Anders. Verlag C. H. Beck, München 2007, 320 Seiten, 14,95 Euro.
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Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Besprechung von 31.10.2007
So ging Kulturkritik

"Kulturkritik" erinnert an vergangene Zeiten. Zwar hat man es in zeitdiagnostischen Versuchen mitunter immer noch mit den für sie typischen Verlustgeschichten und Pathologiebefunden zu tun. Aber zum erreichten historischen Bewusstsein gehört, dass der Mangel an normativ noch plausibel zu machenden Verankerungen für große kritischen Gesten keinen Raum mehr lässt. Werden sie trotzdem geübt, hält man bei der Anverwandlung von Bestandteilen des kulturkritischen Repertoires erst recht auf tiefgründige Distanz zu den Vorgängern. Georg Bollenbeck führt vor, wie solches Abstoßen bei Autoren wie Lukács, Heidegger oder Adorno funktionierte. Der einschlägig bestens ausgewiesene Germanist und Kulturwissenschaftler weiß gut, dass die Zeit der großen kulturkritischen Würfe vorbei ist. Aber die "stimulierende Kraft kulturkritischen Denkens" streicht er trotzdem hervor. Seine "Geschichte der Kulturkritik" führt die Diskursanalyse in überzeugender Form vor: bei aller Distanz doch interessiert an ihrem Gegenstand und in dessen Beschreibungen pointiert, trocken und knapp. (Georg Bollenbeck: "Eine Geschichte der Kulturkritik". Von Rousseau bis Günther Anders. C. H. Beck Verlag, München 2007. 319 S., br., 14,95 [Euro].) hmay

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Georg Bollenbecks "Geschichte der Kulturkritik" zeigt dem Rezensenten nicht nur, dass die umfassende klassische Kulturkritik heute der "partikulären Dauerkritik" gewichen ist, sondern auch, dass in der Rückschau Neugewichtungen möglich sind. So lässt sich Oliver Pfohlmann staunend Schiller als kulturkritischen Vordenker verkaufen und schaut zu, wie Bollenbeck Schopenhauer kurzerhand aus der Riege der Kulturkritiker ausschließt. "Erhellend", findet er, und "lesbar" dazu. Wenn ihm weitere Differenzierungen auch durchaus möglich erscheinen.

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