Chronik der Gefühle, 14 Audio-CDs - Kluge, Alexander
42,45 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
21 °P sammeln

    Audio CD

In der »Chronik der Gefühle« hat Alexander Kluge alle seine Erzählungen versammelt und begreift sie als Einheit: Basisgeschichten und Lebensläufe. Sprachgewaltig und bildhaft, zurückhaltend und elliptisch schildert Kluge Erfahrungen und Begegnungen, die Menschen machen. Was bewegt den Fried hofsgärtner im Zweiten Weltkrieg? Was die junge Chinesin bei einer Internet-Recherche zur europäischen Oper? Worin besteht die Verbindung von fünf Frauen aus der Betriebsküche Harms & Co.? Und wie ambivalent sind die Gefühle einer Frau nach 37 Jahren Ehe? In Alexander Kluges Erzählungen verweben sich…mehr

Produktbeschreibung
In der »Chronik der Gefühle« hat Alexander Kluge alle seine Erzählungen versammelt und begreift sie als Einheit: Basisgeschichten und Lebensläufe. Sprachgewaltig und bildhaft, zurückhaltend und elliptisch schildert Kluge Erfahrungen und Begegnungen, die Menschen machen. Was bewegt den Fried hofsgärtner im Zweiten Weltkrieg? Was die junge Chinesin bei einer Internet-Recherche zur europäischen Oper? Worin besteht die Verbindung von fünf Frauen aus der Betriebsküche Harms & Co.? Und wie ambivalent sind die Gefühle einer Frau nach 37 Jahren Ehe? In Alexander Kluges Erzählungen verweben sich persönliche Erlebnisse mit Zeitgeschichte, es geht ihm um das Einzelschicksal genauso wie um kollektive Lebensprogramme. »Die Gefühle«, sagt er im Vorwort zu seinem Werk, »sind überall, man sieht sie nur nicht. Die Gefühle beleben (und bilden) die Institutionen, sie stecken in den Zwangsgesetzen, in den glücklichen Zufällen, agitieren an Horizonten, bewegen sich über diese hinaus in Galaxien. Sie finden sich in allem, was uns angeht.« Und: »Was die Menschen brauchen in ihren Lebenläufen, ist Orientierung. So wie Schiffe navigieren.« Das Hörspiel folgt der Kapitelstruktur der zweibändigen Chronik und erzählt vielstimmig von der Komplexität menschlicher Lebensläufe, von den Handlungsspielräumen und Möglichkeiten jedes Einzelnen, von Scheinveränderungen und realen Metamorphosen. Im Gespräch mit dem Regisseur Karl Bruckmaier reflektiert Alexander Kluge Passagen der Chronik.
  • Produktdetails
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
  • Gesamtlaufzeit: 729 Min.
  • Erscheinungstermin: 25. August 2009
  • ISBN-13: 9783888975882
  • Artikelnr.: 26359099
Autorenporträt
Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, promoviert 1956 zum Dr. jur., Schriftsteller und Filmemacher. 1966 erhält er als erster Deutscher nach dem Krieg den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig für 'Abschied von Gestern'. Gründung des Ulmer Instituts für Filmgestaltung 1962. Bis Mitte der achtziger Jahre veröffentlicht Kluge 14 Spielfilme, er schreibt vier Bände mit Geschichten und setzt zusammen mit Oskar Negt die Kritische Theorie philosophisch-soziologisch fort. Seit 1988 sorgt Kluge in so genannten Kulturfenstern im Privatfernsehen ständig für Überraschungen: In 20 Jahren entstehen ca. 1500 Stunden Sendezeit mit Gesprächen und neuen TV-Formaten wie 'Facts & Fakes'. Er wird 2001 mit dem Bremer Literaturpreis und 2003 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 12.10.2009

DAS HÖRBUCH
Gleich fällst du hin
Sanfte Getriebenheit: Alexander Kluges „Chronik der Gefühle”
Vor zwei Jahren hatte sich der Regisseur Karl Bruckmaier an ein ähnliches Mammutprojekt gewagt: An die Hörspielfassung von Peter Weiss’ „Ästhetik des Widerstands”. Ein, wie sich angesichts seines jüngsten Projekts zeigt, vergleichsweise eher simples Unterfangen. In Alexander Kluges „Chronik der Gefühle” nämlich, dem soeben als Hörbuch veröffentlichten 14teiligen Hörspiel, hatte es Bruckmaier mit einer unvergleichlichen Vielzahl an Geschichten, Themen und Figuren zu tun. Auch war aufgrund des 2000seitigen Ausgangstexts eine radikale Auswahl- und Kürzungsarbeit zu leisten. Und doch wirkt die Hörspielversion der „Chronik der Gefühle” beinahe noch souveräner als die der „Ästhetik des Widerstands”. Selten hat man so leichtfüßig arrangierte zwölf Stunden gehört.
Bruckmaier, bekannt für seine minimalistische Hörspiel-Ästhetik, hatte sich bislang der Verwendung von musikalischen und geräuschhaften Elementen fast völlig enthalten. In der „Chronik der Gefühle” nun setzt er sie dagegen ganz unbeschwert ein: Er lässt Regen prasseln, wenn vom Regen die Rede ist, inszeniert einen Dialog als Partygespräch mit entsprechendem Hintergrundrauschen und lässt auch die Schuhabsätze einer Opernsängerin erklingen, wenn eine des Weges läuft. Man denke sich das Klackern an dieser Stelle hinzu: „Hier eilt die Opernsängerin heran. Sie wird heute Abend die Rolle der Tosca singen. Da sie untersetzt ist, trägt sie hochhackige Schuhe. In sich, unbeachtet, trägt sie ein kleineres Gefühl mit Namen: ,Gleich fällst du hin’. Es liegt verborgen unter der leidenschaftlichen Hingabe, der Mordlust im ausweglosen Moment, die zur Rolle der Tosca gehören.”
Die Oper hat Alexander Kluge immer fasziniert, und so hat auch Karl Bruckmaier in seiner Hörspieladaption dieser Faszination Platz eingeräumt: Oper ist nicht nur immer wieder Thema, musikalisch werden die vierzehn Teile des Hörspiels überdies von Melodiefragmenten aus Richard Wagners „Götterdämmerung” interpunktiert, „mal kammermusikalisch, mal fast atonal, Sound gewordene Gefühlspartikel im Teilchenbeschleuniger Hörspiel”, wie Bruckmaier in seinem Begleittext schreibt.
Der schwangere Feldherr
Außerdem leitet – angelehnt an Kluges „Minutenfilme” – jeweils ein „Minutensong” (komponiert unter anderem von Elliott Sharp, Bananafishbone und Schorsch Kamerun) jeden der 14 Hörspielteile ein. Immer wieder auch hört man das Surren und Klacken eines Diaprojektors, „Abbildung 3” oder „Abbildung 5” heißt es dann, worauf eine Bildbeschreibung folgt. Berührungsängste mit dem visuellen Teil des Kluge’schen Werks kennt Bruckmaier nicht; nicht „Kunst” will er machen, sondern seiner Vorlage gerecht werden.
Dazu gehört auch, dass er den Autor häufig zu Wort kommen lässt. Mal in Form von Interviewausschnitten, dann wieder als Vortragenden seiner eigenen Texte. Was wäre das Kluge-Werk schließlich ohne die Kluge-Stimme? Das ständige, nervöse „ja?” und „nich?”, jene sanfte Getriebenheit, jener Enthusiasmus, über den Kluge hin und wieder fast zu stolpern scheint – um dann doch wieder die Kurve zu kriegen. Eine Zungenakrobatik, bei der die Vokale zerdehnt und die Konsonanten aufgeweicht werden, erlaubt es ihm. So wird etwa aus einem „beschäftigte sich” ein „beschäftesche sich”.
Es ist keine glatte Könner-Stimme, und gerade darum lauscht man ihr gern, so gern wie den anderen Sprechern. So bringen unter anderem Ilja Richter, Peter Fricke und Hanns Zischler den unerschöpflichen Kluge’schen Geschichtenspeicher zum prechen: Ob es um die Bombardierung von Kluges Herkunftsort Halberstadt geht, um „Heidegger auf der Krim”, um den Mauerfall oder um die Besiedelung des Mars – Kluges historische Tiefenschärfe scheint unbestechlich, seine Fantasie überbordend, seine Assoziationskraft endlos. Dabei könnte man überall einhaken, widersprechen oder doch wenigstens zu bedenken geben. Irgendwann aber stellt sich der Eindruck ein, dass man im Vergleich zu Kluge im Grunde eigentlich gar nicht denkt, höchstens dumpf vor sich hin brütet.
Kluge ist ein Immerwacher, und es könnte einem dies geradezu unheimlich sein, würde nicht seine helle Gedankenschnelle, sein lichtes Wesen stets dagegen stehen, sein Witz, seine maßlose Neugierde, sein Hang zu den aufregenden Nebensächlichkeiten des Lebens, zu der fixen Idee des Napoleon-Bezwingers General Gebhard Leberecht von Blücher etwa, er sei schwanger (ihr ist einer der schönsten Teile des Hörspiels gewidmet).
So überraschend wie Kluges Gedanken und Erzählungen immer wieder sind, so überrascht auch Bruckmaiers Hörversion ein ums andere Mal – ohne es auf Überraschungseffekte abgesehen zu haben. Munter wechseln die Episoden zwischen Lesung, Dialog und Interview, mal gibt es eine Geräuschkulisse, mal gibt es keine. Alles in allem ein lebendiges, abwechslungsreiches und zuweilen äußerst lustiges Hörerlebnis also. Ein Projekt zudem, dass von Liebe und Respekt zeugt. Eine, wie der Regisseur bekennt, „Herzensangelegenheit” eben. TOBIAS LEHMKUHL
ALEXANDER KLUGE: Chronik der Gefühle. Hörspielbearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier. Sprecher: Ilja Richter, Peter Fricke, Hanns Zischler u.a. Antje Kunstmann Verlag, München 2009. 14 CDs, 58 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Einer echten Herzensangelegenheit hat Tobias Lehmkuhl da gelauscht. Die vielen überraschenden Momenten des 2000-seitigen Textes und Alexander Kluges Witz, seine besondere Diktion, Neugierde, Assoziationskraft und Tiefenschärfe sieht Lehmkuhl durch Karl Bruckmaiers Höradaption kongenial verwandelt, wenn nicht noch gesteigert. Dass der Regisseur Musik und Geräusche einsetzt und Episode, Lesung, Dialog und Interview einander abwechseln lässt, empfindet der Rezensent als Gewinn. Kluges "Minutenfilme" mit Minutensongs einzuleiten - eine tolle Idee, findet Lehmkuhl und erkennt darin keine Künstlichkeit, sondern den Versuch, der facettenreichen Vorlage gerecht zu werden. Ebenso wirkt auf ihn der Einsatz von Kluges Stimme. Keine Könner-Stimme, meint er. Aber ihre Getriebenheit und ihr Enthusiasmus macht sie für Lehmkuhl genauso hörenswert wie diejenige der anderen an diesem abwechslungsreichen Hörerlebnis beteiligten Sprecher.

© Perlentaucher Medien GmbH