24,99
versandkostenfrei*

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Gebundenes Buch

Was tut man, wenn man philosophiert? Nützt einem das etwas für das konkrete Leben?
Der bekannte Autor und Fernsehjournalist Gert Scobel sagt: ja! Philosophie hilft einem, besser durch das Leben zu kommen, glücklicher zu werden und die Welt klarer und genauer zu sehen. In seinem neuen Buch zeigt er dies auf unterhaltsame und verständliche Weise und schildert, was das Besondere des Philosophierens ausmacht. Er führt in Grundprinzipien des Denkens und in verschiedene Denkstile ein und öffnet den Werkzeugkasten philosophischer Methoden. Eine spannende, notwendige und aktuelle Klärung der Frage,…mehr

Produktbeschreibung
Was tut man, wenn man philosophiert? Nützt einem das etwas für das konkrete Leben?

Der bekannte Autor und Fernsehjournalist Gert Scobel sagt: ja! Philosophie hilft einem, besser durch das Leben zu kommen, glücklicher zu werden und die Welt klarer und genauer zu sehen. In seinem neuen Buch zeigt er dies auf unterhaltsame und verständliche Weise und schildert, was das Besondere des Philosophierens ausmacht. Er führt in Grundprinzipien des Denkens und in verschiedene Denkstile ein und öffnet den Werkzeugkasten philosophischer Methoden. Eine spannende, notwendige und aktuelle Klärung der Frage, was man tut, wenn man nachdenkt - und wozu das gut sein kann.
  • Produktdetails
  • Fischer Sachbuch
  • Verlag: S. Fischer
  • Seitenzahl: 586
  • Erscheinungstermin: 9. Oktober 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 146mm x 50mm
  • Gewicht: 838g
  • ISBN-13: 9783100702159
  • ISBN-10: 3100702158
  • Artikelnr.: 35686648
Autorenporträt
Scobel, Gert
Gert Scobel, 1959 geboren, studierte Philosophie und Theologie an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main und an der University of California in Berkeley. Er hatte mehrfach Lehraufträge, u.a. an der University of San Francisco. Zweimal erhielt er das EICOS-Stipendium, u.a. am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in München. Von 1995 bis 2007 moderierte er die 3sat-Sendung »Kulturzeit«. Von 2001 bis 2003 war er zudem Anchorman des ARD-Morgenmagazins. Von 2003 bis 2014 moderiert er die ZDF-Sendung »Sonntags - TV für's Leben«. 2004 bis 2008 leitete und moderierte Gert Scobel das Magazin »delta«, das im April 2008 von der Sendung »scobel« abgelöst wurde. Seitdem ist er verantwortlich für das Wissensmagazin »scobel«. Seit 2016 ist Gert Scobel zudem Professor für »Philosophie und Interdisziplinarität« an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Der Titel "Warum wir philosophieren müssen" lädt zu Missverständnissen ein, findet Eva Weber-Guskar. Gert Scobel hat nicht im Sinn, irgendwen dazu zu bewegen, sich doch noch mit Platon oder Wittgenstein auseinander zu setzen; vielmehr will er zeigen, dass Menschen gar nicht anders können, als zu philosophieren, erklärt die Rezensentin. In gewissen Umständen - vor großen Entscheidungen oder in Sinnkrisen zum Beispiel - fängt Mensch an zu grübeln und das eigene Wissen zu be- und hinterfragen. Um zeigen zu können, was dieses Grübeln denn sei, nimmt sich Scobel erst einmal mehr als vierhundert Seiten Zeit, um das Denken an sich zu beleuchten, berichtet die Rezensentin. Weber-Guskar hätte sich schon in dieser Passage etwas weniger bloßes Nebeneinander unterschiedlicher Positionen gewünscht, hält sich aber mit ihrer Kritik zurück. Über die explizit geäußerte Ablehnung der "akademisch arbeitenden Philosophen" wundert sie sich dann aber doch. Auch hier gelte Übung etwas. Und bei aller Freude Scobels am Denken und Schreiben, hätte sich die Rezensentin etwas mehr Mäßigung im Umfang gewünscht. Sie bezweifelt, dass ein "parforce-Ritt" durch die Physiologie der Gefühle oder eine Abschweifungen zu alten Asiaten wirklich nötig gewesen wären.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 23.01.2013
Was Schokolade mit Metaphysik zu tun hat

Der eine steuert auf eine Weisheitslehre zu, der andere kartiert Debattenterrain: Gert Scobel und Philipp Hübl führen auf unterschiedlichen Wegen in die Philosophie ein.

Der bekannte Fernsehmoderator und Wissenschaftsjournalist Gert Scobel hat ein Buch über "die Erfahrung des Denkens" geschrieben. Die Reise beginnt im Ohrensessel der Selbstbeobachtung, führt anhand der Theorien António Damásios zu neurowissenschaftlich geprägten Betrachtungen des Verhältnisses von Denken und Fühlen, widmet sich dann philosophischen Überlegungen zu einer Phänomenologie des Denkens, um schließlich nach Ausblicken auf anthropologische (Michael Tomasello) und psychologische (Gerd Gigerenzer) Forschungen in Erfahrungen einer meditativ-buddhistischen Unterschiedslosigkeit und des "Nichtdenkens" zu münden.

Scobel, ahnt man schnell, will nicht nur einen Überblick über ein aktuell vieldiskutiertes Feld geben, sondern will auf etwas hinaus. Und es ist wohl gerade die Mischung aus existentieller Meditation, Präsentation ungezählter philosophischer Gedanken wie wissenschaftlicher Befunde und Scobels Auftreten als Weisheitslehrer, die das Buch zu einer quälenden Lektüre macht.

Introspektionsübungen sollen den Leser auf die Spur des wahrnehmenden Selbst bringen: "Wo ist das Selbst, das Sie sicher auch wahrgenommen haben, das all dieses, was Sie wahrgenommen haben, tatsächlich wahrgenommen hat? Ist Ihnen der Gedanke gekommen, dass am Ende alles, was Sie wahrgenommen haben - ,draußen' und ,drinnen' -, im Grunde aus einer einzigen Quelle, Ihrem Geist, stammt - oder zumindest doch in Ihrem Geist, Ihrem Bewusstsein zusammenlaufen muss, damit Sie es - auch wenn es von ,draußen' kommt - wahrnehmen können?"

Zwei Konzepte führt Scobel so ein: den Bewusstseinsstrom des Psychologen William James sowie Kants "ich denke", das alle meine Vorstellungen begleiten können muss, um eine Einheit der Erfahrung zu begründen. Das Selbst, das der Leser introspektiv wahrgenommen haben soll - was der Rezensent entschieden bestreiten möchte -, macht dabei stark den Eindruck einer sprachlichen Substantialisierung, vor der eigentlich etliche philosophische Gewährsmänner Scobels , etwa der ausgiebig zitierte Wittgenstein, warnen.

Scobel weiß zwar um diese Einwände. Er schreibt das "denken" und "das philosophieren" mit der Begründung klein, dass es "das" Denken eigentlich nicht gebe, es handle sich schließlich um ein Tun, einen Vorgang. Doch bleibt diese Maßnahme völlig folgenlos, indem nun eben unverdrossen Behauptungen über "das denken" aufgestellt werden. Von Anfang an drängt sich so ein Eindruck auf: So genau darf man es mit diesem Text gar nicht nehmen. Für ein Buch über das Denken ist es freilich fatal, wenn der Leser besser nicht mitdenkt.

Aber was soll man tun, wenn man etwa mit durchaus aufwendigen philosophischen, neurowissenschaftlichen oder zen-buddhistischen Konzeptionen konfrontiert wird, aus denen dann mit Aplomb Schlussfolgerungen gezogen werden wie die, dass das sinnliche Erleben von Schokolade etwas anderes sei als das Denken an Schokolade? Oder wenn eine Liste von "Werkzeugen" des Denkens, mit der ein Teil über Regeln, Logik, Paradoxien, Unterscheidungen und noch manches andere mehr beschlossen wird, kunterbunt nebeneinander Positionen enthält wie: "die Analyse und Produktion von Mustern", "das Vergleichen von Gegenständen, Gedanken, Bildern und Gefühlen" sowie "das Miteinander-Sprechen (Kommunikation)".

Seit Aristoteles, schreibt Scobel, gilt der Satz vom Widerspruch: Eine Aussage kann nicht auf denselben Gegenstand zugleich zutreffen und nicht zutreffen. Das scheint ihm irgendwie nicht zu gefallen, und so setzt er zu einer höchst allgemeinen Eloge auf den Widerspruch an - oder, allen Ernstes, auf "Widersprüche gegen bestehende Theorien". Das ist natürlich schlichtweg eine Sinnverschiebung, denn jetzt meint "Widerspruch" nur noch einen Einwand oder einen Widerspruch zwischen Theorie und Daten, nicht mehr den logischen Selbstwiderspruch, was den Verfasser aber nicht weiter zu stören scheint: Von nun an bilden Widersprüche - nicht, dass man dies einmal am Beispiel vorgeführt bekäme - gleichsam das Ideal, an dem sich das Denken zu bewähren hat.

Irgendwie passt das zu der mystischen Vision, auf die das Buch am Ende hinausläuft: Scobels Darstellungen buddhistischen Denkens vermag der Rezensent nicht auf ihre Triftigkeit zu beurteilen; die Stoßrichtung aber, für die das Ankommen im Hier und Jetzt, die Konzentration auf das Atmen und die Erfahrung des "Nicht-denkens" in Anspruch genommen werden, ist klar: Logik und Rationalität sollen als zu enge und kleinmütige Veranstaltungen überführt werden. Wenn am Ende das "unterscheidende Denken und das gespaltene Bewusstsein in einem erwachten Geist und Körper zur Einheit" finden sollen, fragt sich der erschöpfte Leser allerdings, welche Einheit das denn sein könnte, wenn nicht die eines konturlosen Breis.

In Stil und Substanz geradezu das genaue Gegenteil hierzu bietet Philipp Hübl. Der in der analytischen Philosophie geschulte Stuttgarter Juniorprofessor gibt einen Überblick über die aktuellen Problemstellungen der theoretischen Philosophie zumal nordamerikanischer Provenienz, die sich eng an den Erkenntnissen der Naturwissenschaften entlangzutasten pflegt. Fühlen, Sprechen, Glauben, Träumen, Handeln, Wissen, Genießen, Denken, Berühren und Leben heißen die Komplexe, in die jeweils ein Kapitel anhand der derzeit diskutierten Argumentationsstränge einführt. Unter der Überschrift "Denken" behandelt Hübl die umstrittene Frage, worin denn das Bewusstsein bestehen könnte, wenn es einerseits konsequent durch die Maschen der neurowissenschaftlichen Versuche zu schlüpfen scheint, wir es uns andererseits aber auch nicht mehr einfach als immateriellen "Geist" vorstellen wollen - da sich dann die unbeantwortbare Frage auftäte, wie diese nichtkörperliche Substanz unser Verhalten beeinflussen, also körperliche Wirkungen hervorzubringen vermöchte. Der Autor klärt zunächst das Feld der Bedeutungen, die wir mit dem Ausdruck "Bewusstsein" verbinden - vom bloßen Wissen um einen Sachverhalt über die bewusste Absicht bis zu jener Erlebnisqualität, die darin besteht, wie sich etwas für uns "anfühlt". Darauf aufbauend, kann er dann die Bewusstseinsfrage in unterschiedlich schwerwiegende Problematiken zerlegen: die prinzipiell als lösbar zu denkende Aufgabe, informationsverarbeitende Systeme von menschlicher Komplexität zu entwickeln, und jene andere, die darin bestünde, das zu modellieren und nachzubauen, was wir meinen, wenn wir sagen, dass wir ein Bewusstsein von etwas haben.

Von neurologischen Befunden wie der Blindsicht (bei der die visuellen Signale empfangen, im Gehirn jedoch nicht zu Seheindrücken verarbeitet werden) über den Turing-Test bis zu John Searles Gedankenexperiment des chinesischen Zimmers stellt der Autor zentrale Argumente gut nachvollziehbar dar, so dass auch der nicht vorgebildete Leser problemlos sollte mitdenken können. Wenn Hübl das Bewusstsein am Ende als das in den Augen vieler Zunftvertreter derzeit größte philosophische Rätsel ausweist - weil es an das Gehirn gebunden, aber nicht auf es reduzierbar zu sein scheint -, wird nebenbei deutlich, dass der Autor bei aller Wissenschaftsnähe seines Philosophieverständnisses mitnichten zu jenen Naturalisten zählt, die alles auf Neuronen reduzieren wollen. Eher macht er sich lustig über die Mode, aus der unverzichtbaren neuronalen Grundlage aller menschlichen Aktivitäten flugs neue Disziplinen wie die Neuro-Ethik und das Neuro-Marketing zusammenzimmern zu wollen.

Ein gewisser Szientismus besteht allerdings in der Beschränkung der "guten" Philosophen auf solche, die "zum wissenschaftlichen Fortschritt beitragen" wollen - womit im Kontext der analytischen Philosophie die Naturwissenschaften gemeint sein dürften. So ist in diesem Buch zur theoretischen Philosophie von Sozial- und Kultur-, von praktischer und politischer Philosophie, von Hermeneutik und Gesellschaftskritik naturgemäß nicht die Rede, und die wenigen Bemerkungen zu europäischen Denkschulen zeugen von einer zuweilen schon skurrilen Abwehrhaltung. Wer sich bewusstmacht, dass das hier vorgestellte analytische Feld nur eine kleine Parzelle des philosophischen Ackers bildet, dem allerdings ist Hübls locker und luzide geschriebene Einführung wärmstens zu empfehlen.

MICHAEL ADRIAN

Gert Scobel: "Warum wir philosophieren müssen". Die Erfahrung des Denkens.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012. 586 S., geb., 24,99 [Euro].

Philipp Hübl: "Folge dem weißen Kaninchen ... in die Welt der Philosophie".

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2012. 346 S., br., 11,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Besprechung von 24.01.2013
Öfter mal grundsätzlich werden
Der Fernsehmoderator Gert Scobel führt unbekümmert aus, was für ihn Philosophie heißt und warum wir sie brauchen
„Warum wir philosophieren müssen“ – der Titel von Gert Scobels neuem Buch klingt zunächst streng und apodiktisch. Da will uns einer sagen, dass wir uns mehr Gedanken machen sollte, als wir es meistens tun; dass wir aufwachen sollten aus selbstverschuldeter Unmündigkeit und im Denken über uns hinaus wachsen – und vielleicht auch, dass mehr Philosophie gelehrt und gelernt werden sollte.
  Doch es ist ganz anders gemeint. Die These des Autors und Fernsehjournalisten mit eigener Sendung auf 3Sat lautet am Ende des Buches vielmehr: Wir, alle Menschen, könnten gar nicht anders, als zu philosophieren. Philosophie sei etwas „das notwendig zu uns gehört“. Um das einzusehen bedürfe es gar keiner „vollständigen Liste aller Definitionen von ,Philosophie‘“. Die Argumentation zur These ist also sehr „locker“, um es mal ebenso locker auszudrücken. Jeder habe schon mal philosophiert und werde immer wieder mal philosophieren, meint Gert Scobel. Denn philosophieren (das er in dem Buch gerne klein schreibt, weil es nicht die Philosophie gebe, sondern viele Weisen, sie zu betreiben) sei im wesentlichen nichts anderes, als sich mit gewissen Fragen zu beschäftigen: Ob es einen Sinn im Leben gebe, wie weit man die Welt erkennen könne, ob es ein einziges Fundament der Moral gebe, ob wir uns vorstellen könnten, eine Fledermaus zu sein usw. Während Profis sich damit jeden Tag beschäftigten, täten es die anderen eben nur ab und zu – besonders bei kritischen Momenten im Leben, bei großen Entscheidungen, schlimmen Erfahrungen und im Angesicht des Todes.
  Als einen unter vielen zitiert Scobel dazu den Philosophen Herbert Schnädelbach: „Philosophie ist eine Kultur der Nachdenklichkeit: wir philosophieren, wenn wir über unsere Gedanken, Meinungen, Überzeugungen und Handlungen nachdenken, ihnen hinterherdenken und dabei grundsätzlich werden“. Ähnlich versteht auch Scobel unter Philosophie die „systematische Befragung der alltäglichen Erfahrung“. Und diese sei allen jederzeit möglich. Dabei bezweifelt er übrigens, dass sie an den eigentlich dafür besonders gedachten Orten, an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Instituten, in dem Sinne noch stattfinde. Diese wiederholte, mal mehr, mal weniger explizite Kritik an akademisch arbeitenden Philosophen mag irritieren. Denn „grundsätzlich werden“ kann man in verschiedenen Graden, und es liegt nahe, dass der Anspruch dessen, wie weit man dabei gehen kann, stark differiert, je nachdem, ob man sich jeden Tag oder bei seinen drei großen Krisen im Leben daran wagt. Und das hat Auswirkungen darauf, welche Form Philosophie annimmt – gerade, wenn man sie so sehr so weit fasst.
  Nach Scobel heißt philosophieren also, über Dinge nachzudenken. Und um zu erklären, was denken ist (wieder gern kleingeschrieben!), braucht er die 440 Seiten vor dem Philosophiekapitel. Da findet man gewissermaßen viele Bücher in einem: Gedanken werden von Gefühlen unterschieden, also bekommen wir erklärt, was Gefühle sind, auch mit einem parforce-Ritt durch ihre Physiologie; Denken findet in Sprache statt und muss irgendwo beginnen, so erfährt der Leser etwas von Wittgenstein und etwas von Descartes; Denken läuft nicht ohne Regeln ab, und so geht der beredte Monolog, stets aufmerksam an ein „Sie“ gerichtet, weiter ins Feld der Logik oder bringt Bemerkungen zum griechischen Buchstaben Delta. Hier wird nicht ein Ansatz, als was Denken zu verstehen sei, im Einzelnen ausgeführt, sondern ein Panorama entworfen, auf dem einfach viele Dinge nebeneinander zu sehen sind.
  Wie in seinen vorherigen Büchern – über Weisheit eins, das andere über Vernunft und Glauben – bedient sich Scobel selbstverständlich und selbstbewusst der Literatur aus verschiedensten Disziplinen, von den Neurowissenschaften bis zu den alten asiatischen Denkern. Er schreibt, wie er spricht: geschmeidig und ohne Unterlass. Wiederholungen scheut er nicht, schließlich räumt er ja auch von Beginn an ein, man könne gern manchen Exkurs überspringen. Aus allem spricht eine große, unbekümmerte Freude am Gegenstand – dem Denken. Der Autor scheint selbst weit entfernt zu sein von den „verstörenden Seiten“ des Denkens, die er auch erwähnt: wenn dieses seine Werkzeuge erbarmungslos anwendet und einen von einer Unterscheidung zur nächsten, von einem Perspektivenwechsel zum anderen und damit in die Verzweiflung trägt.
  Eine zum guten Denken gehörende Tugend kann man aus der Lektüre dieser fast 600 Seiten womöglich mitnehmen: Ausdauer. Eine andere könnte der Autor vielleicht selbst noch kultivieren: Maßhalten.
EVA WEBER-GUSKAR
Gert Scobel: Warum wir philosophieren müssen. Die Erfahrung des Denkens. Verlag S. Fischer, Frankfurt 2012. 586 Seiten, 24,99 Euro.
Man braucht: Alltagserfahrung,
Freude am Denken und Ausdauer
Schreibt, wie er spricht: Gert Scobel.
FOTO: GABY GERSTER/S.FISCHER
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr