Die Vielfalt religiöser Erfahrung - James, William
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William James' 20 Edinburgher "Gifford-Vorlesungen über natürliche Religion" aus den Jahren 1901/02 haben die Entwicklung der Religionspsychologie nachhaltig geprägt. James, der nach eigener Aussage selbst über "keine lebendige Empfindung eines Verkehrs mit Gott" verfügte, interessierte sich für die religiöse Erfahrung des Einzelnen. Bereinigt man sie um die "wertlosen Erfindungen der dogmatischen Scholastik", so lassen sich einerseits Gesetzmäßigkeiten des religiösen Lebens beobachten. Andererseits zeigt sich aber auch eine Vielfalt, die als Quelle der Chancen für den Einzelnen zu begreifen…mehr

Produktbeschreibung
William James' 20 Edinburgher "Gifford-Vorlesungen über natürliche Religion" aus den Jahren 1901/02 haben die Entwicklung der Religionspsychologie nachhaltig geprägt. James, der nach eigener Aussage selbst über "keine lebendige Empfindung eines Verkehrs mit Gott" verfügte, interessierte sich für die religiöse Erfahrung des Einzelnen. Bereinigt man sie um die "wertlosen Erfindungen der dogmatischen Scholastik", so lassen sich einerseits Gesetzmäßigkeiten des religiösen Lebens beobachten. Andererseits zeigt sich aber auch eine Vielfalt, die als Quelle der Chancen für den Einzelnen zu begreifen ist.
In einem einleitenden Essay skizziert Peter Sloterdijk William James als "natürlichen Verbündeten derer, die Gründe haben, sich durch Interesse an der Religion von der Religion selbst zu emanzipieren".
  • Produktdetails
  • Verlag der Weltreligionen Taschenbuch Bd.21
  • Verlag: Verlag Der Weltreligionen Im Insel Verlag
  • Artikelnr. des Verlages: 72021
  • Seitenzahl: 586
  • Erscheinungstermin: 15. September 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 108mm x 32mm
  • Gewicht: 403g
  • ISBN-13: 9783458720218
  • ISBN-10: 3458720219
  • Artikelnr.: 40866657
Autorenporträt
James, William
William James (1842-1910) lehrte von 1876 bis 1907 an der Universität Harvard Psychologie und Philosophie. Zusammen mit Charles Sanders Peirce gehört er zu den Vätern des philosophischen Pragmatismus, daneben wirkte er bahnbrechend in der modernen empirischen Psychologie.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.08.1998

Nur was Erfolg hat, darf sich Wahrheit nennen
William James dachte nach Kant mit Kant um Kant herum

In dem 1982 im Dietz Verlag, Berlin, erschienenen, von Mitarbeitern der Sektion Marxistisch-Leninistische Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena erstellten "Philosophenlexikon" von tausend Seiten glänzen die amerikanischen Pragmatisten durch Abwesenheit. Das spiegelt auf krasse Weise die negative Einstellung, die, von Ausnahmen abgesehen, auch in der alten Bundesrepublik gegenüber dieser Philosophie vorherrschte. Blockiert wurde die Rezeption auf der einen Seite durch die Ideologie des Marxismus, auf der anderen durch die Tradition des deutschen Idealismus. Die Personalunion beider Theorieformationen war, besonders in Westdeutschland, bekanntlich keine Seltenheit. Das ist inzwischen etwas anders geworden. Auf der verzweifelten Suche nach einer tragfähigen Philosophie der Praxis entdeckte man endlich auch in Deutschland den amerikanischen Pragmatismus. Während in der englischsprachigen Philosophie heftige Debatten darüber stattfinden, welcher Version des Pragmatismus man den Vorzug geben sollte, ist man hierzulande allerdings noch nicht einmal bei dessen aktuellen Grundfragen angekommen.

In der renommierten Serie "The Cambridge Companion", in der jeder Einzelband eine Sammlung von Beiträgen international bekannter Gelehrter zu einem einzelnen Philosophen präsentiert, liegt jetzt der Band über William James (1842 bis 1910) vor. James, der von 1876 bis 1907 in Harvard Psychologie und Philosophie lehrte, hat durch seine Publikationen und Vorträge bewirkt, daß der Pragmatismus im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg weltweit bekannt wurde. Die Beiträge des mustergültig komponierten Bandes decken das ganze Spektrum von James' Gedankenwelt ab, einschließlich der Religionsphilosophie, Ethik und politischen Philosophie sowie der Kontroversen mit Zeitgenossen und der Beziehung zu seinem Bruder, dem Romancier Henry James.

Der Pragmatismus verdankt seine Entstehung einer Auseinandersetzung mit Kant. Dessen Lehre vom "Primat der praktischen Vernunft" erhält darin eine von Kant nicht gesehene Bedeutung. Wenn die praktische Vernunft gegenüber der theoretischen wirklich die höhere ist und sie wirklich das Recht hat zu postulieren und ethische Postulate wirklich Gültigkeit haben, dann muß, so die neue These, das Postulieren auch zum Erkennen führen, ja dessen eigentliche Grundlage sein, denn das Postulieren kann gar nicht auf das Gebiet der Ethik beschränkt werden. Aus dieser Annahme folgt für James die Gesamtheit seiner Theoreme, von denen die spektakulärsten seine Lehre vom "Willen zum Glauben" ("The Will to Believe") und ganz besonders seine Lehre von der Wahrheit waren, die die zeitgenössische Philosophie in helle Aufregung versetzten.

In dem vorliegenden Band setzt sich Hilary Putnam mit dieser Wahrheitstheorie auseinander. James ordnete den Begriff der Wahrheit dem Begriff des Interesses unter und verwies darauf, daß der Suche nach wahren Aussagen kein anderes Motiv zugrunde liegt als der Wille der Menschen zum Überleben durch Anpassung an die Umwelt. Putnam zeigt, daß James als Realist durchaus an der alten Formel von der Wahrheit als Übereinstimmung von Gedanke und Wirklichkeit festhalte, dieser Relation aber eine neue und gerade für die gegenwärtige Diskussionslage aktuelle Deutung habe zukommen lassen.

Richard Rorty wirft James vor, die von ihm betriebene Privatisierung der Religion laufe auf eine Zerstörung jeder intellektuellen Verantwortlichkeit hinaus. Was James darauf geantwortet hätte, kann man aus dem Beitrag von Ruth Anna Putnam über James als Moralisten und Philosophen der Öffentlichkeit schließen. Überraschend ist die Entdeckung, wie deutlich schon in seinem ersten großen Werk, den "Principles of Psychology" (1890), fast alle wichtigen Themen anklingen. Dazu ist der Beitrag von Gerald E. Myers der beste Kommentar.

James' religionspsychologisches Hauptwerk "The Varieties of Religious Experience" (1902) ist vom Insel Verlag in der Übersetzung von Eilert Herms und Christian Stahlhut jetzt wieder aufgelegt worden. Das klassische Werk behandelt die religiöse Erfahrung als psychischen Prozeß und den religiösen Glauben in seiner Funktion für das Gesamtsystem der Überzeugungen des Menschen. Der Nachweis von Gesetzmäßigkeiten des religiösen Lebens soll die Pluralität religiöser Erfahrungen nicht auflösen, sondern verständlich machen. James entdeckt Übereinstimmungen zwischen Charakterstrukturen und Frömmigkeitsformen und der Bedeutung unbewußter Faktoren im Leben des Menschen.

Das Vorwort von Peter Sloterdijk trägt den Titel "Chancen im Ungeheuren. Notiz zum Gestaltwandel des Religiösen in der modernen Welt". Am Leitfaden des Begriffes und des Phänomens der Säkularisation zeigt Sloterdijk in scharfer Linienführung, wie durch die Erhebung der Welt zum gegensatzlosen Inbegriff des Seienden - im Unterschied zum Seinsmodell der klassischen Metaphysik mit seiner triadischen Relation von Gott, Welt und Mensch/Seele - das, was er "das Ungeheure" nennt, seinen Anfang nimmt, "ein außenloses, nur in sich selbst transzendierendes Weltganzes". Das erinnert an ähnliche Formulierungen in Nietzsches "Wille zur Macht": "Was mir die Welt ist? Ein Ungeheuer von Kraft, ohne Anfang, ohne Ende, die sich nicht verbraucht, sondern nur verwandelt - vom Nichts umschlossen als von einer Grenze, ein Meer in sich selber stürmender und flutender Kräfte" und so weiter. Erst in diesem begrifflichen Rahmen konnte jene Pragmatisierung des Religiösen Ereignis werden, die die Religionsphilosophie von James auszeichnet.

Nach James hat der Mensch ein unveräußerliches Recht darauf, sein Leben aus den Überzeugungen zu führen, die ihn schon jetzt zu höchstem Einsatz seiner Person zu bringen vermögen. Denn das ständig unter Handlungszwang stehende Menschenleben ist zu kurz, um immer erst die Ergebnisse objektiver Forschung abzuwarten. In diesem Sinne ist der Wille zum Glauben kein geistiger Luxus, sondern eine Überlebensnotwendigkeit. In diesen lebensphilosophischen Kontext rückt James auch den religiösen Glauben. Sloterdijk schließt seine ausgezeichnete Einführung mit nachdenklich stimmenden kulturkritischen Überlegungen ab, in denen er James' Kampf für den Empirismus "als Gesinnung unbedingter Offenheit für die Weite der ganzen Erscheinungswelt" mit der Einstellung "der deutschen Idealismus-Beamten" vergleicht. Spätestens an dieser Stelle wird erkennbar, warum James' Pragmatisierung des Wahrheitsbegriffs, wonach wahr ist, was im Leben Früchte trägt, in der Tat eine weise Maßnahme genannt zu werden verdient. KLAUS OEHLER

Ruth Anna Putnam (Hrsg.): "The Cambridge Companion to William James". Cambridge University Press, Cambridge 1997. 406 S., br., 14,95 Brit. Pfund.

William James: "Die Vielfalt religiöser Erfahrung". Eine Studie über die menschliche Natur. Aus dem Amerikanischen von Eilert Herms und Christian Stahlhut. Mit einem Vorwort von Peter Sloterdijk. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1997. 582 S., geb., 64,- DM.

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