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Hauptkommissar Tabor Süden fährt in sein Heimatdorf, um das Grab seiner Mutter zu besuchen. Die Reise in die Vergangenheit nimmt eine unerwartete Wendung, als ihn ein Lehrer, dessen Tochter seit einem Jahr vermisst wird, um Hilfe bittet. Obwohl Süden für den Fall nicht zuständig ist, kann er sich der neuen Herausforderung nicht entziehen...
"Ani weiß, bedrängte Seelenzustände zu schildern wie zurzeit kein zweiter deutschsprachiger Autor von Kriminalromanen." Hamburger Abendblatt
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Produktbeschreibung
Hauptkommissar Tabor Süden fährt in sein Heimatdorf, um das Grab seiner Mutter zu besuchen. Die Reise in die Vergangenheit nimmt eine unerwartete Wendung, als ihn ein Lehrer, dessen Tochter seit einem Jahr vermisst wird, um Hilfe bittet. Obwohl Süden für den Fall nicht zuständig ist, kann er sich der neuen Herausforderung nicht entziehen...

"Ani weiß, bedrängte Seelenzustände zu schildern wie zurzeit kein zweiter deutschsprachiger Autor von Kriminalromanen." Hamburger Abendblatt
Autorenporträt
Ani, FriedrichFriedrich Ani wurde 1959 in Kochel am See geboren. Er schreibt Romane, Kinderbücher, Gedichte, Hörspiele, Drehbücher und Kurzgeschichten. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet: Als bisher einziger Autor erhielt Ani den Deutschen Krimipreis in einem Jahr für drei Süden-Titel gleichzeitig. 2010 folgte der Adolf-Grimme-Preis für das Drehbuch nach seinem Roman "Süden und der Luftgitarrist". 2011 wurde der Roman "Süden" mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, ebenso wie 2014 sein Roman "M", der wochenlang auf der KrimiZEIT-Bestenliste stand. Friedrich Ani ist Mitglied des Internationalen PEN-Clubs und lebt in München.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.05.2011

Undichte Paare, bepelzte Passanten
In seinem neuen Roman „Süden“ lässt Friedrich Ani seinen Hauptkommissar nach Bayern zurückkehren – in ein München, das ganz und gar nicht leuchtet
Man kann einen Menschen mit einem Trommelfeuer aus Fragen zum Reden bringen. Oder mit hartnäckigem Schweigen – das ist die Methode, auf die Tabor Süden sich versteht. So etwa, als er Ilona Zacherl gegenübersitzt. Seit zwei Jahren vermisst sie ihren Mann Raimund, einen Wirt aus Sendling. Von einer Fahrt in die Innenstadt, wo er Elektroutensilien besorgen wollte, ist er nicht mehr heimgekommen. Die Polizei hat die Suche längst aufgegeben. Jetzt soll die Detektivagentur, bei der Süden angeheuert hat, es noch einmal versuchen. Aber so recht mit der Sprache heraus, warum das für sie überhaupt wichtig ist, will Ilona nicht. Bis sie schließlich, zermürbt von Südens massiger Präsenz zugibt: Ja, der Raimund hat sich vor seinem Verschwinden merkwürdig verhalten. Ja, da gab es eine andere Frau.
Sieben Jahre lang hat Tabor Süden in Köln ein tristes Leben gefristet. In „Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel“, dem 2005 erschienenen und bislang letzten Band aus der Reihe über den Münchener Hauptkommissar, hatte Friedrich Ani seinen ebenso schwermütigen wie trinkfreudigen Helden den Dienst quittieren und aus München fliehen lassen. Jetzt ist er zurückgekehrt. Zunächst aus einem privaten Grund: Südens Vater, der seit dreieinhalb Jahrzehnten verschollen ist, hat sich plötzlich telefonisch bei ihm gemeldet und erklärt, er halte sich in der bayerischen Hauptstadt auf. Also streift Süden nun rastlos durch die Straßen und hält Ausschau nach einem Mann, den er nicht mehr kennt. Und zugleich ermittelt er im Umfeld von Raimund Zacherl, welche Gründe es für dessen Untertauchen geben könne.
Das Herzstück des Romans sind die langen, oft mehrere Kapitel währenden Gespräche, die Süden mit den Menschen führt, die ihm bei seiner Suche nach dem Wirt weiterhelfen sollen. Vernehmungen oder Verhöre kann man diese komplexen Verquickungen von Zuhören, Reden, Trinken und Schweigen nicht nennen. Eher fühlt man sich an psychotherapeutische Sitzungen erinnert: Wahrheiten kommen ans Licht, aber unendlich mühsam und schmerzlich, auf gewundenen Wegen. Und auch der geduldige Ermittler kommt dabei nicht immer ungeschoren davon. Vieles von dem, was Süden hört, zwingt ihn dazu, die zahlreichen Verluste und Niederlagen seines eigenen bisherigen Lebenswegs zu rekapitulieren.
So faszinierend diese verbalen Ringkämpfe zu lesen sind, wünscht man sich manchmal doch, der Autor hätte in ihnen ein wenig seltener dem Wunsch nachgegeben, sprachlich brillieren zu wollen. „Kein Laut aus seinem Mund“, sagt Ilona über Raimund. „Jede Bewegung von mir, jeder Gang an ihm vorbei zog mich nach unten, als wären Eisengewichte an meinen Füßen.“ Eine Frau, die wahllos mit Männern schläft, sagt: „Ich bin schon dicht im Kopf, da läuft nichts raus. Aber es läuft auch nichts rein.“ Egal, wohin er sich wendet, überall begegnet Süden Leuten, die gerne poetisch-existentialistische Bonmots von sich geben. Das ist nicht nur unwahrscheinlich, es nivelliert auch die Unterschiede zwischen den Figuren, die auf diese Weise etwas zu sehr dazu dienen, der Tristesse des Detektivlebens einen Spiegel vorzuhalten.
Als Porträt eines Münchens, das nicht leuchtet, ist der Roman dennoch fesselnd; in seinen besten Momenten erinnert er an Wolfgang Koeppens „Tauben im Gras“. Den „von sich selbst gedoubelten, beringten und bepelzten Passanten“ auf der Maximiliansstraße gilt nur ein kurzer, höhnischer Seitenblick. Anis Anteilnahme gehört den Einsamen, Verzweifelten und Verlassenen, deren Schicksale er im mäandernden Verlauf von Südens Ermittlungen wie nebenbei auffächert.
Da ist ein Radiotechniker, der durch einen dummen Zufall unschuldig ins Gefängnis gerät und darüber seinen Verstand verliert; da ist ein zwölfjähriger Junge, der tagelang darauf wartet, dass seine alleinerziehende Mutter wieder nach Hause kommt – das ist herzzerreißend geschrieben. „Süden“ ist kein Genrestück, das nach den Weihen der höheren Literatur schielt, sondern einfach ein guter Roman, in dem einige der Dinge passieren, die auch in Krimis üblich sind.
CHRISTOPH HAAS
FRIEDRICH ANI: Süden. Roman. Droemer Knaur Verlag, München 2011. 368 Seiten, 19,99 Euro.
Schön, wieder zu Hause zu sein,
endlich wieder Leute aufspüren,
die „Raimund Zacherl“ heißen
Fühlt mit den Verlorenen: Friedrich Ani. Foto: Alessandra Schellnegger
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