Die Reformation in Europa - Rublack, Ulinka
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Wie, wann und warum wurden weite Teile Europas protestantisch? Was bedeutete dies für die politischen Strukturen und die Weltsicht der Menschen? Die Autorin analysiert, wie Luther ab 1517 an der Reformuniversität im abgelegenen Wittenberg zum Propheten einer neuen, folgenreichen Wahrheit wurde.

Produktbeschreibung
Wie, wann und warum wurden weite Teile Europas protestantisch? Was bedeutete dies für die politischen Strukturen und die Weltsicht der Menschen? Die Autorin analysiert, wie Luther ab 1517 an der Reformuniversität im abgelegenen Wittenberg zum Propheten einer neuen, folgenreichen Wahrheit wurde.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.60129
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 277
  • Erscheinungstermin: 1. Dezember 2003
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 126mm x 23mm
  • Gewicht: 252g
  • ISBN-13: 9783596601295
  • ISBN-10: 3596601290
  • Artikelnr.: 10629053
Autorenporträt
Rublack, Ulinka
Ulinka Rublack, geboren 1967, studierte in Hamburg und Cambridge und lehrt seit 1996 Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am St John's College in Cambridge/GB. Sie gehört zu den Begründerinnen des Cambridge Centre for Gender Studies. Zu ihren wichtigen Veröffentlichungen zählen u.a. "Magd, Metz' oder Mörderin. Frauen vor frühneuzeitlichen Gerichten" (1998), "Die Reformation in Europa" (2003), "Dressing Up: Cultural Identity in Renaissance Europa" (2010).
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.01.2004

Sonderangebote auf dem Marktplatz der Wahrheiten
Ulinka Rublack beschreibt die kulturellen Hintergründe der Reformation
Gewinnen kulturwissenschaftliche Methoden in der Geschichtsschreibung auch in Deutschland langsam an Boden, gilt dies für den Bereich der Christentumsgeschichte bislang nur eingeschränkt. Mit ihrer Darstellung „Die Reformation in Europa” hat die im englischen Cambridge lehrende deutsche Historikerin Ulinka Rublack einen Schritt in diese Richtung unternommen.
Gerade die Reformation ist mit zahlreichen protestantischen Gründungsmythen verbunden, die von den jeweiligen Gegenwartinteressen der Reformationshistoriker nicht unerheblich beeinflusst waren. Dem hält Rublack entgegen, die Reformation sei ein Geschehen, das aus der „zufälligen” Konstellation spezifischer Macht- und Selbstdarstellungspraktiken resultierte. Im 16. Jahrhundert sei die reformatorische Wahrheit nur ein Angebot auf dem Markt der Heterodoxie gewesen.
Die von Wittenberg und Genf ausgehende Reformationsbewegung hatte gegenüber den vielfältigen formlosen Reformbestrebungen allerdings einen wesentlichen Vorteil in ihrer macht- und institutionenpolitischen Verfassung. Dass es ausgerechnet in Wittenberg und Genf dazu kam, ist einer jener zufälligen, aber folgenreichen Begebenheiten: In der deutschen Kleinstadt trafen die ehrgeizigen Pläne des aufstrebenden Gelehrten Martin Luther und die politischen Ambitionen Friedrich des Weisen zusammen; In Genf wurden Jean Calvin nicht nur bereitwillig die institutionellen Ressourcen zur Gestaltung des gesamten Stadtlebens übergeben, sondern damit zugleich die Basis für zahlreiche internationale Kontakte zur Verfügung gestellt. An beiden Orten wurden diese guten Ausgangsbedingungen freilich auch genutzt, um sich mit prophetischer Selbststilisierung und erheblichem Organisationsgeschick an die Spitze der formlosen, vagabundierenden Reformbestrebungen der Zeit stellen und diese ordnen. Rublack zeigt, wie sich so die Reformation als Bewegung vom Charisma ihrer Führergestalten Luther und Calvin löste und über Europa, wenn auch nicht überall erfolgreich, verbreitete.
Einen besonderen Akzent setzen die alltagsgeschichtlichen Darlegungen. Berichte über lutherische Propheten und Wunderheiler sowie ihre zahlreichen Anhänger zeigen eine protestantische Volksfrömmigkeit, welche die Wahrheit der Religion weit weniger an der Reinheit der Verkündigung als vielmehr an der Bartlänge der Prediger bemaßen. Wenn damit aber lediglich gezeigt werden soll, wie „vormodern” und wenig „entzaubert” die von der Reformation geschaffene Weltsicht gegenüber heute war, werden offene Türen eingerannt. Hier wäre ein Vergleich mit zeitgleichen Strukturen katholischen und jüdischen Volksglaubens wesentlich sprechender. Das wiederum wäre eine weitere lohnenswerte und erfolgversprechende Aufgabe für eine vom kulturwissenschaftlichen Blick geleitete Untersuchung zur Reformationszeit.
FRIEDEMANN VOIGT
ULINKA RUBLACK: Die Reformation in Europa. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003. 274 Seiten, 12,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Klaus Harpprecht bespricht in einer Doppelrezension zwei Bücher zur Reformation. Die "luzide Studie" von Ulinka Rublack überzeugt ihn durch "Sorgfalt" und Zurückhaltung, wobei er erfreut feststellt, dass sie auch "unschuldigen" Lesern einen guten "Überblick" über diese Epoche bietet. Dabei bewegen sich die Ausführungen der in Cambridge lehrenden Tübingerin stets auf der Höhe ihrer Wissenschaft, betont der Rezensent angetan, der im selben Atemzug ihre "unverkrampfte und sensible Sprache" lobt. Dass sie ihren Lesern zudem keine "provokanten Thesen um die Ohren haut", die sie dann nicht belegen kann, nimmt Harpprecht zusätzlich für die Autorin ein.

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