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Die Revolte von 1968 hat in keiner deutschen Stadt solche Spuren hinterlassen wie in Frankfurt am Main. Die Forderungen der außerparlamentarischen Opposition und der Studenten der Goethe-Universität sind nicht nur im gesellschaftlichen Leben bis heute spürbar, sondern bestimmen auch die Kultur maßgeblich mit.
50 Jahre danach erinnern sich in diesem Buch mit Claus-Jürgen Göpfert und Bernd Messinger prominente Zeitzeugen wie der Politiker Daniel Cohn-Bendit, der Verleger KD Wolff und der Schriftsteller Peter Härtling an das turbulente, ereignisreiche Jahr in Frankfurt am Main. Sie lassen die
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Produktbeschreibung
Die Revolte von 1968 hat in keiner deutschen Stadt solche Spuren hinterlassen wie in Frankfurt am Main. Die Forderungen der außerparlamentarischen Opposition und der Studenten der Goethe-Universität sind nicht nur im gesellschaftlichen Leben bis heute spürbar, sondern bestimmen auch die Kultur maßgeblich mit.

50 Jahre danach erinnern sich in diesem Buch mit Claus-Jürgen Göpfert und Bernd Messinger prominente Zeitzeugen wie der Politiker Daniel Cohn-Bendit, der Verleger KD Wolff und der Schriftsteller Peter Härtling an das turbulente, ereignisreiche Jahr in Frankfurt am Main. Sie lassen die Ereignisse Revue passieren, reflektieren aber auch die großen Irrtümer und ideologischen Verirrungen der Zeit.

Die Frage, was von den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen der 68er geblieben und was heute im Zeichen des Rechtspopulismus wieder bedroht ist, erörtern die Autoren in einem ausführlichen Interview mit Daniel Cohn-Bendit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schöffling
  • Seitenzahl: 302
  • Erscheinungstermin: 5. September 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 141mm x 30mm
  • Gewicht: 456g
  • ISBN-13: 9783895616655
  • ISBN-10: 3895616656
  • Artikelnr.: 48138938
Autorenporträt
Claus-Jürgen Göpfert, geboren 1955 in Wiesbaden, arbeitet seit 1976 er als Journalist für Rundfunk und Print, u. a. bei der Frankfurter Neuen Presse, seit 1985 ist er Redakteur bei der Frankfurter Rundschau und leitet heute die Ressorts Frankfurt und Rhein-Main.

Bernd Messinger, geboren 1952, studierte u.a. bei Jürgen Habermas. In dieser Zeit engagierte er sich als Studentenvertreter im AStA der Frankfurter Goethe-Universität. Er war Landtagsabgeordneter der Grünen und Vizepräsident im Hessischen Landtag, später arbeitete er im Presseamt der Stadt Frankfurt und war Büroleiter der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.02.2018

Die Wölfe von Bockenheim

In Frankfurt, der heimlichen Hauptstadt des deutschen Westens, spielte die Revolution die erste Geige: Warum, das besprechen Claus-Jürgen Göpfert und Bernd Messinger mit Zeitzeugen von 1968.

Mit der Zeitchiffre Achtundsechzig wird das Phänomen einer sich international artikulierenden Jugendrevolte in Verbindung gebracht. Dabei lassen sich jeweils nationale, gar lokale Besonderheiten ausmachen. Das Empfinden einer übernationalen Gemeinsamkeit, vornehmlich im politischen Westen, dürfte auf ein eigentümliches Phänomen zurückgehen: auf das Lebensgefühl im Zeitkäfig, die empfundene Blockierung eines Zukunftshorizonts. Solche Behinderung ging aus dem allgegenwärtigen, nuklear bewehrten Ost-West-Gegensatz hervor. In fortwährender Erwartung eines Eintritts von Apokalypse war Zeit stillgestellt.

Unterhalb solcher Sistierung entwickelte sich gleichwohl ein Zeitempfinden ungestümer lebensweltlicher Beschleunigung - angetrieben von den mechanisierten Ikonen individueller Fortbewegung, der Ästhetisierung und Erotisierung von Geschwindigkeit und begleitet von einer rhythmisch exaltierten Körperlichkeit. Die gegenläufige Verzahnung zweier miteinander unverträglicher Zeitempfindungen führte zu einer kulturellen Krisis, in deren Folge der Zeitkäfig zersprang. Dafür kommt die Jahreschiffre Achtundsechzig zu stehen - jedenfalls im politischen Westen. Im politischen Osten galt es einen realen, einen politischen Käfig aufzusprengen. Zaghafte Versuche in Warschau und Prag, sich im ikonischen Jahr westliche Freiheiten zu erkämpfen, wurden niederkartätscht.

Das deutsche Achtundsechzig stand nicht zuletzt im Zeichen der Vergangenheit, womit die Zeit des Nationalsozialismus gemeint war - ihre krisengeschüttelte Weimarer Vorgeschichte wie ihre als unerlöst erlebte bundesrepublikanische Nachgeschichte eingeschlossen. Der Ansturm auf die Bollwerke einer als stillgestellt empfundenen Zeit wurde mit Kulissen und Requisiten ebenjener Vergangenheit ausstaffiert. So rückte die oppositionelle Rhetorik zu der von der Großen Koalition 1966 betriebenen Notstandsgesetzgebung diese in die Nähe des Ermächtigungsgesetzes, wie vieles am Protestgebaren sich als Art nachholender Widerstand kostümierte. Widerstand zur falschen Zeit und am falschen Ort. Dabei konnte es recht handgreiflich zugehen. Im Extremfall radikalisierte sich eine derart verstehende Resistenz terroristisch.

Dass Frankfurt am Main zu einem Epizentrum der mit dem Jahr 1968 verbundenen Ereignisse werden konnte, war einer besonderen Konstellation der Milieubildung geschuldet. Ihr Humus fügte sich aus verschiedenen Komponenten - materiellen, kulturellen, geistigen. Dazu zählt in erster Linie die topographische Lage der Stadt als Verkehrsmittelpunkt des Weststaates - zu Lande das Frankfurter Kreuz, für die Lüfte der Rhein-Main-Flughafen.

Mit Letzterem eng verzahnt war die amerikanische Air Base. Hinzu trat das dem amerikanischen Militär zur Verfügung stehende IG-Farben-Gebäude, der amerikanische Militärrundfunk AFN, der die letzten Hits von jenseits des Atlantiks und den britischen Inseln verbreitete; die für das allgemeine Publikum "off limits" deklarierten Tempel der amerikanischen Konsumkultur, das auf GIs ausgerichtete Nachtleben im Bahnhofsviertel. Dann die Universität, das unter einem geneigten sozialdemokratischen Kultusminister wiederhergestellte Institut für Sozialforschung, das neu etablierte Sigmund-Freud-Institut, die Niederlassungen jüdischer Restitutionsorganisationen, herausragende Verlagshäuser, die Buchmesse, überregionale Zeitungen mit traditionsreichen Feuilletons, der Hessische Rundfunk, das experimentelle Theater am Turm, der Jazz, die Zentrale der IG Metall, die Bundesbank, der Auschwitz-Prozess. Frankfurt reüssierte insgeheim als Hauptstadt des nach Westen verschobenen Teils Deutschlands.

Das intellektuelle Milieu der Revolte setzte sich wesentlich zusammen aus Neuankömmlingen und Zugereisten - angezogen von einer in der eher mittleren Großstadt auf engstem Raum wirkenden herausragenden Personen und Persönlichkeiten sowie Ehrfurcht gebietender Institutionen erzeugten sozio-kulturellen Dichte. Es war die Phase der Endmoräne des Zweiten Weltkrieges und die hohe Zeit einer an der globalen Peripherie des Kalten Krieges heiß auflodernden Gewalt - zwischen dem Schatten von Auschwitz und der Aktualität Vietnams. Dieser Konstellation entsprang eine Vorstellung von Aufbruch in eine neue, in eine utopisch angefachte Zeit. Für viele war Frankfurt zum Ort eines politischen Konversionserlebnisses geworden.

Die von Claus-Jürgen Göpfert und Bernd Messinger verfasste, durch Interviews mit vormaligen Akteuren angereicherte, eher kursorisch angelegte Milieustudie über 1968 in Frankfurt dokumentiert jene Erlebnislage. Die Anziehung, die von Frankfurt ausging, war vielen mehr gewesen als im hergebrachten Sinne intellektuell. Der dort beheimateten Kritischen Theorie wurde in der Deutung einer als Kapitalismus verstandenen verrätselten Moderne eine gleichsam spirituelle Bedeutung zugeschrieben. Dass es auf dem Höhepunkt der Revolte zur trennenden Entfremdung zwischen den Vätern der Theorie und ihren rebellischen Schülern kam, war wesentlich dem Abgrund der zwischen ihnen stehenden Geschichtserfahrung geschuldet.

In ihrer Darstellung stellen die Autoren drei für das Frankfurter Milieu charakteristische Protagonisten heraus: Der bei einem Autounfall tödlich verunglückte Hans-Jürgen Krahl stammte aus der nordhessischen Provinz und wurde seines rhetorischen, Denken und Sprechen in eins verschmelzenden Talents wegen (Th.W. Adorno: "In Krahl, da hausen die Wölfe") nicht ganz ohne Ironie als "Robespierre von Bockenheim" verehrt. Von ihm ging echter Zauber aus. Allerdings wurde dieser von der aufkeimenden Frauenbewegung öffentlich gebrochen.

K.D. Wolff, im ikonischen Jahr SDS-Vorsitzender und tätiger Vermittler der amerikanischen Protesterfahrung in die Bundesrepublik hinein ("Von Berkeley nach Berlin") hat sich später, nach dem Schwinden der Bewegung, als Verleger allseits anerkannte Verdienste um die Bewahrung literarischer Tradition erworben. Und selbstredend Daniel Cohn-Bendit, den die Aura des Pariser Mais nach Frankfurt trug. Er war der große Sprengmeister des Zeitkäfigs gewesen. Und das, was seither unter der Zeitchiffre Achtundsechzig verstanden wird, wurde zur Hefe im Teig einer neuen Zeit. Frankfurt wurde zu einem ihrer ganz großen Epizentren.

DAN DINER.

Claus-Jürgen Göpfert und Bernd Messinger: "Das Jahr der Revolte". Frankfurt 1968.

Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2017. 304 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Wenn der Partisan mit dem Parmesan . . .
Altachtundsechziger in Jubiläumslaune: Frankfurt als zweites Protest-Zentrum

Das fünfzigjährige Jubiläum der Revolte von 1968 wirft seine Schatten voraus. Viel ist über dieses Jahr und die nach ihm benannte Generation geschrieben worden. Vieles stammt dabei aus der Feder von milde und nostalgisch gestimmten Veteranen. So verhält es sich auch bei vorliegendem Buch, das von einem Journalisten der "Frankfurter Rundschau", Claus-Jürgen Göpfert, und dem Grünen-Politiker Bernd Messinger vorgelegt wird. Zwar waren beide zur Tatzeit noch Schüler, sie haben aber in der Zeitung, welche die Bewegung mit der größten Sympathie verfolgte, und der Partei, welche das Erbe der Bewegung antrat, ihr Berufsleben verbracht und verleugnen eine erkennbare Nähe nicht.

Mit Frankfurt beleuchten sie das neben West-Berlin zweite Zentrum der Proteste. Aufgrund der "Frankfurter Schule" überstrahlte die Mainmetropole zumindest intellektuell noch die geteilte Hauptstadt. Freilich wird die Distanz zwischen Theodor W. Adorno und den Wortführern des SDS schon in den Fotografien, die das Buch auszeichnen, überdeutlich. Hier der melancholisch blickende Citoyen mit Hut und Krawatte, dort der "Robespierre aus Bockenheim", Hans-Jürgen Krahl, mit ungewaschenen Haaren und problematischer Frisur. Adorno hielt so gar nichts von Aktivismus, von Teach-ins und egalitärer Seminargestaltung, sein Mitstreiter Max Horkheimer verteidigte sogar den Vietnamkrieg. Und Jürgen Habermas brachte die Formel vom "linken Faschismus" auf, welcher er bald wieder zu relativieren suchte.

Frankfurt wurde allerdings nicht nur wegen der "Frankfurter Schule" zu einem Zentrum der Bewegung. Auch die Anwesenheit von 40000 amerikanischen Soldaten und ihren Familien, das amerikanische Hauptquartier im I.G.-Farben-Haus, heute Sitz der Goethe-Universität, und das Generalkonsulat in Wurfweite zur Universität prädestinierten die amerikanischste Stadt Deutschlands zum Protest gegen den Vietnamkrieg. Der Brutalismus der Stadtplanung mit der wirtschaftsgetriebenen Erschließung des Westends ("Fingerplan") und eine lebhafte, mit dem Studentenprotest sympathisierende Kulturszene taten ein Übriges, um Protestpotential anzuziehen und zu verdichten. Die Autoren möchten nun "die wirklichen Geschehnisse wieder in Erinnerung" rufen, da "vieles von dem, was damals tatsächlich geschah ... fünf Jahrzehnte später in einem Mythos zu verschwimmen" drohe. Um diesem ehrgeizigen Ziel gerecht zu werden, glauben sich die Verfasser tatsächlich primär auf Zeitzeugenbefragungen stützen zu können. Dagegen wird das einschlägige, aus den Quellen gearbeitete Buch von Manfred Kittel "Marsch durch die Institutionen? Politik und Kultur in Frankfurt nach 1968" (F.A.Z. vom 26. November 2011) nicht einmal zur Kenntnis genommen. Auch ohne dass man ausführliche Reflexionen über den Quellenwert von Zeitzeugen und die Überschreibung von Erinnerung anstellt, lässt sich schnell erkennen, dass ein Interview mit Daniel Cohn-Bendit wohl kaum dazu taugt, einen Mythos zu hinterfragen. So sagen dann die Fotos von "Dany le Rouge" auf der einen Seite und Krahl und KD Wolff auf der anderen Seite wesentlich mehr über die damalige Zeit aus als deren Erinnerungen: dort aktivistischer Hedonismus, hier kalte Theorie.

Was aber erfährt man über die heutige Erinnerungskultur führender Achtundsechziger? Bei allen Stimmen ist eine gewisse Melancholie und Distanz erkennbar. Der spätere Terror der RAF als ein Erbe der Bewegung wird nicht mehr verharmlost oder beschönigt, die Attraktivität von Massenmördern wie Mao oder Pol Pot kann keiner mehr erklären, und "Gewalt gegen Personen" haben angeblich alle der Befragten damals abgelehnt, zumindest, wie Arno Widmann, aus taktischen Gründen.

Die Gewalt gegen Polizisten wird im Buch aber durchaus thematisiert. Über die im Zusammenhang mit Joschka Fischers Vergangenheit vieldiskutierte Demonstration im Mai 1976 anlässlich des Selbstmordes von Ulrike Meinhof heißt es: "Molotow-Cocktails flogen, einer genau in ein Polizeiauto, ein Polizist, Jürgen Weber, stürzt brennend und schreiend aus dem Wagen. Er überlebt schwer verletzt, mehrere Demonstranten wurden festgenommen, auch Joschka Fischer, der aber nach zwei Tagen wieder freigelassen wurde." Vieles spricht dafür, dass Fischer am Abend zuvor den Einsatz von Molotowcocktails gebilligt hat, und Weber machte ihn moralisch für sein Schicksal als Schwerbehinderter verantwortlich. Warum haben die Autoren hier nicht weiter recherchiert?

Neue Ergebnisse bringt dieser Band also nicht. Die Stärken des Buches liegen vielmehr in den Porträts der Protagonisten der Bewegung. Der aktivistische Cohn-Bendit wird neben den intellektuellen Krahl gestellt, der charismatische Dutschke neben den sarkastischen Matthias Beltz. Insofern bleibt es bei einer starken Selbstbespiegelung, die Honig aus dem neuen Feindbild des Rechtspopulismus zu saugen versucht. Dieser hat jedoch die Protestgeste von den Achtundsechzigern übernommen, die nun das juste milieu zu verteidigen haben. Das kann keine schöne Aufgabe für jeden sein, der mal wirklich "dagegen" war. Da verweist der ehemalige SDS-Vorsitzende KD Wolff dann doch lieber auf die "schönste Hölderlin-Ausgabe der Welt", welche sein Stroemfeld Verlag heute verlegt.

"Dieses Buch ist notwendiger denn je", schreiben die Autoren in ihrem Vorwort. Das ist reichlich übertrieben. Wer aber wissen will, wie Altachtundsechziger im Gespräch ausschließlich mit anderen Altachtundsechzigern das Jahr 1968 heute sehen, erhält in diesem Band Auskunft. Für alle anderen gilt die letztgültige Einsicht von Matthias Beltz: "Partisan und Parmesan/Wo sind sie geblieben/Partisan und Parmesan/Alles wird zerrieben".

PETER HOERES.

Claus-Jürgen Göpfert/Bernd Messinger: Das Jahr der Revolte - Frankfurt 1968. Schöffling & Co Verlagsbuchhandlung, Frankfurt am Main 2017. 304 S., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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