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Der "Homo Sociologicus" ist einer der wichtigsten und einflussreichsten sozialwissenschaftlichen Texte der letzten 50 Jahre. Zur Neuauflage ist ein neues Vorwort von Lord Ralf Dahrendorf angefügt.

Produktbeschreibung
Der "Homo Sociologicus" ist einer der wichtigsten und einflussreichsten sozialwissenschaftlichen Texte der letzten 50 Jahre. Zur Neuauflage ist ein neues Vorwort von Lord Ralf Dahrendorf angefügt.

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  • Produktdetails
  • Verlag: VS Verlag für Sozialw.
  • Seitenzahl: 126
  • Erscheinungstermin: 09.12.2007
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783531902166
  • Artikelnr.: 37337794
Autorenporträt
Professor Lord Ralf Dahrendorf ist weltweit anerkannter Sozialwissenschaftler. Er war u.a. Direktor der London School of Economics, Bundestagsabgeordneter, Mitglied der Europäischen Kommission und Mitglied des englischen Oberhauses. Zurzeit ist er am Wissenschaftszentrum Berlin tätig.
Inhaltsangabe
- Vorwort zur Neuauflage

- Homo Sociologicus
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.01.2007

Wie man seine Rolle findet
Ralf Dahrendorfs Longseller der Sozialwissenschaften "Homo Sociologicus" erscheint mit einem neuen Vorwort des Autors

Nach einer Regel, von der es nur wenige Ausnahmen gibt, haben sich die großen soziologischen Publikationserfolge den fachlichen Argwohn, der sie begleitet, auch wirklich verdient. Der soziologische Bestseller huldigt jenem Aufregungsbedarf der Massenmedien, dem er nach allgemeiner Gewöhnung an seine phantasievollen Thesen auch selber anheimfällt. Der soziologische Longseller wiederum pflegt seine Erfolge dem Umstand zu danken, dass er sich, gegen alle Fachkritik, als Lehrbuch zu behaupten vermag.

Für diesen zweiten Typ von Karriere ist das rollentheoretische Buch von Ralf Dahrendorf ein gutes Beispiel. Geschrieben vor bald fünfzig Jahren, hat es soeben - ohne Eingriffe in den Text, dafür mit einem neuen Vorwort des Autors - die 16. Auflage erreicht. Das Vergnügen, das die Lektüre des schlanken Bandes noch immer bereitet, sei den Studenten gegönnt; nur sollten sie immer auch die Kritik lesen, die Dahrendorfs Argument auf sich zog und über die er in einem Anhang des Buches fair referiert.

In der Soziologie pflegt man jede Person als Mitglied verschiedener Gruppen zu sehen und ihre Handlungen folglich als bezogen auf ihre diversen Mitgliedschaftspflichten. Je spezifischer die Erwartungen ausfallen, die eine soziale Gruppe an ihre Mitglieder richtet, um so sinnvoller wird es, sie mit dem Begriff der sozialen Rolle zu analysieren. Der Rollenbegriff meint ja genau dies: einen Komplex von sozial unterstützten Erwartungen, die ihren Adressaten aber nicht komplett, sondern nur in Ausschnitten seines Verhaltens engagieren. Jede Person spielt folglich verschiedene Rollen, und immer gibt es Grenzen dessen, was man als Vater oder als Lehrer zu tun oder zu lassen hat.

Dahrendorf sieht die Affinität des Rollenbegriffs zu einer Gesellschaft mit starker Arbeitsteilung und pluralistisch gebrochener Gruppenloyalität. Aber er befürchtet, dass das Konzept bei realistischer Interpretation seines Sinnes in ein Lob des sozialen Konformismus ausarten könnte. Der Mensch als passives Anhängsel seiner sozialen Rollen - diese Perspektive erscheint dem politischen Liberalen als unvereinbar mit menschlicher Freiheit. Um diese vor der Soziologie zu retten, empfiehlt er den Soziologen, den Rollenbegriff so zu verstehen, wie manche Ökonomen es mit dem allwissenden "homo oeconomicus" halten: als eine empirisch unzutreffende Prämisse, die nur durch ihre Erklärungsleistung zu rechtfertigen sei. Der Rollenbegriff wäre demnach diejenige Unwahrheit, ohne die man zur soziologischen Wahrheit nicht vordringt.

Unwahr, also wahr? Zur Auflösung dieser Paradoxie wird Kant bemüht: Das Reich der sozialen Notwendigkeit sei mit dem Reich der individuellen Freiheit nur so lange unvereinbar, wie man zwischen Erscheinung und Ding an sich, empirischem und intelligiblem Charakter nicht unterscheidet. Diese Auflösung des Problems ist ein Vorschlag für interdisziplinäre Arbeitsteilung: Themen humanen Stolzes wie Originalität oder Individualität seien den Philosophen zu überlassen. Den Einwand von Helmut Plessner, auf diese Weise komme man über die Ideologie der Innerlichkeit nicht hinaus, hat Dahrendorf stets akzeptiert.

Die Nähe einer realistisch verstandenen Rollentheorie zu sozialem Konformismus und individueller Gesichtslosigkeit, gegen die das Buch angeht, ist aber Dahrendorfs eigene Erfindung. Der Rollenbegriff leistet mehr, als nur das konforme oder ausdrucksschwache Handeln verständlich zu machen. Schon die Erwartungen, die zu einer einzelnen Rolle zusammengefasst werden, können sich widersprechen und tun es zumeist. Regelmäßig muss gegen mindestens eine dieser Erwartungen verstoßen werden, und in der Frage, welche es ist, erfährt man etwas über die Person selbst - denn gerade diese Entscheidung lässt sich ja nicht gut der Rolle zurechnen. Für das Verhältnis zwischen verschiedenen Rollen gilt dies erst recht: Sagt man von einem Ehemann, er sei "mit seinem Beruf verheiratet", dann folgt dies weder aus der Berufsrolle noch aus derjenigen des Ehemannes. Vielmehr charakterisiert es die individuelle Person, und zwar unter dem Aspekt, welcher dieser beiden Rollen sie im Falle eines Konfliktes den Vorrang gibt.

Inkompatibel ist der Rollenbegriff weder mit abweichendem oder neuartigem Handeln noch mit persönlicher Selbstdarstellung. Er eignet sich dazu, diese beiden Sachverhalte auch soziologisch zu analysieren, während Dahrendorf sie lediglich mystifizieren kann, und er war in beiden Funktionen auch schon in Gebrauch, als der Autor seinen Text schrieb. Nicht ohne Grund hat Friedrich H. Tenbruck ihm daher vorgehalten, die Theorie nicht zu verstehen, gegen die seine Warnung sich richtet. Mindestens diesen Einwand sollte jeder Student kennen, der das Buch heute zur Hand nimmt.

ANDRÉ KIESERLING

Ralf Dahrendorf: "Homo Sociologicus". Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle. 16. Auflage. Verlag Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, 126 S., br., 14,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Der soziologische Longseller [...] pflegt seine Erfolge dem Umstand zu danken, dass er sich, gegen alle Fachkritik, als Lehrbuch zu behaupten vermag. Für diesen [...] Typ von Karriere ist das rollentheoretische Buch von Ralf Dahrendorf ein gutes Beispiel. Geschrieben vor bald fünfzig Jahren, hat es soeben - ohne Eingriffe in den Text, dafür mit einem neuen Vorwort des Autors - die 16. Auflage erreicht. Das Vergnügen, das die Lektüre des schlanken Bandes noch immer bereitet, sei den Studenten gegönnt [...]." Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2007

"Ralf Dahrendorfs vor bald einem halben Jahrhundert erschienenen ?Homo Sociologicus' ein klassikverdächtiges Buch zu nennen, wäre eine Untertreibung. [?] Der schmalen Schrift ist es nicht unwesentlich zu verdanken, dass der Begriff der sozialen Rolle auch in der deutschsprachigen Soziologie heimisch hat werden können [?]." Neue Zürcher Zeitung, 01./02.07.2006

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als "Klassiker" lobt Rezensent Uwe Justus Wenzel Ralf Dahrendorfs Essay von 1958, dessen 16. Auflage er hier nun anzeigt. Dem Buch sei es unter anderem zu verdanken, dass der amerikanische Fachbegriff der "sozialen Rolle" auch in der hiesigen Soziologie durchgesetzt wurde. Was die neue Edition jedoch für den Rezensenten besonders bemerkenswert macht, ist Dahrendorfs Vorwort, in dem er sich mit fünf Jahrzehnten Rezeptionsgeschichte seines Buches in Deutschland befasst. Hier allerdings stellt Wenzel gelegentlich eine Tendenz Dahrendorfs fest, die Interpretationen von einst, besonders aus den sechziger Jahren etwas "verblassen" zu lassen, weil sie ihm mitunter als Fehldeutungen erschienen sind, und er sich gegen "falsche Freunde" und "Falsche Gegner" gleichermaßen absetzen wolle. Insgesamt ergänzen sich Dahrendorfs Reflexionen zur Wirkungsgeschichte seines "frühen Wurfes" aus Sicht des Rezensenten zu einer kleinen Geschichte dieser inzwischen salonfähig gewordenen akademischen Disziplin. Sehr plastisch zeige sich zudem, wie in der Soziologie methodische Probleme politisch-moralische Probleme überlagern können.

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"Ein verständlich geschriebenes Buch, das auch Fachfremden einen guten Zugang ermöglicht:" managerSeminare, 150-2010 Pressestimmen zur Vorauflage: "Das Vergnügen, das die Lektüre des schlanken Bandes noch immer bereitet, sei den Studenten gegönnt [...]." Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2007 "Ralf Dahrendorfs vor bald einem halben Jahrhundert erschienenen 'Homo Sociologicus' ein klassikverdächtiges Buch zu nennen, wäre eine Untertreibung. [...] Der schmalen Schrift ist es nicht unwesentlich zu verdanken, dass der Begriff der sozialen Rolle auch in der deutschsprachigen Soziologie heimisch hat werden können [...]." Neue Zürcher Zeitung, 01./02.07.2006