Afrika und die deutsche Sprache
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Zentrales Anliegen dieses Buches ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Rassismus und Sprache eng miteinander verknüpft sind. Viele heute gebräuchliche Begriffe haben eine kolonialistisch geprägte, rassistisch wirkende Bedeutungsgeschichte, die auch heute noch zum Ausdruck kommt. Anliegen des Buches ist es aufzuzeigen, wie Begriffe zu Afrika im weitesten Sinne rassistisch gebraucht und welche Konzepte mit ihrer Benutzung transportiert werden. Das Buch soll Menschen zum Nachdenken anregen, die meinen, längst reflektiert zu sprechen. Vielen ist nicht bewusst, dass Begriffe wie…mehr

Produktbeschreibung
Zentrales Anliegen dieses Buches ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Rassismus und Sprache eng miteinander verknüpft sind. Viele heute gebräuchliche Begriffe haben eine kolonialistisch geprägte, rassistisch wirkende Bedeutungsgeschichte, die auch heute noch zum Ausdruck kommt. Anliegen des Buches ist es aufzuzeigen, wie Begriffe zu Afrika im weitesten Sinne rassistisch gebraucht und welche Konzepte mit ihrer Benutzung transportiert werden. Das Buch soll Menschen zum Nachdenken anregen, die meinen, längst reflektiert zu sprechen. Vielen ist nicht bewusst, dass Begriffe wie "Mischling", "Schwarzer Kontinent", "primitiv" oder "Häuptling" einen diskriminierenden Gehalt haben.
Im Hauptteil des Buches können über 30 kolonial und rassistisch geprägte Begriffe nachgeschlagen werden, mit denen Afrika und Schwarze bezeichnet werden. In ergänzenden Beiträgen wird die Wechselwirkung von Rassismus und Sprache diskutiert sowie mit einer exemplarischen Analyse eines Zeitungsartikelsvorgeführt, wie sich auch unabhängig von rassistischen Begriffen der rassistische Diskurs sprachlich manifestiert.

Das Buch ist geeignet für die politische Bildung und Wissenschaft und möchte nicht nur Personen in multiplikatorischen Positionen wie etwa Lehrer/innen, Schulbuchautor/innen, Verlage, Wissenschaftler/innen und öffentliche Institutionen erreichen.

Unter Mitarbeit von:
Marlene Bauer, Andriana Boussalas, Katharine Machnik und Kathrin Petrow
  • Produktdetails
  • Verlag: Unrast
  • Artikelnr. des Verlages: 2379213
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 264
  • Erscheinungstermin: 31. März 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 141mm x 27mm
  • Gewicht: 290g
  • ISBN-13: 9783897714243
  • ISBN-10: 3897714248
  • Artikelnr.: 12098968
Autorenporträt
Arndt, Susan
Susan Arndt ist Professorin für Englische Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth. Sie arbeitet kultur- und literaturwissenschaftlich zur Kritischen Weißseinsforschung und zu Rassismus in Deutschand. Weitere Arbeitsschwerpunkte beinhalten postkoloniale (Literatur)Theorien, afrikanische Diasporas und feministische Literaturen in Afrika.

Hornscheidt, Antje
Lann Hornscheidt ( 1965 als Antje Hornscheidt in Velbert) ist auf dem Gebiet der Linguistik und Skandinavistik akademisch tätig. Hornscheidt hatte bis zum 1. Dezember 2016 die Professur für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin inne.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 07.01.2005

Neues vom Sklavenmarkt
Übertrieben politisch korrekt? Ein Buch zu kolonialen Überbleibseln in der Sprache
Im vergangenen November berichtete der amerikanische Mediävist Patrick Geary in der historischen Online-Zeitschrift „H-Soz-u-Kult” über den 45. Deutschen Historikertag in Kiel. Beiläufig erwähnte er als besonders positiv, dass es dort, im Gegensatz zu US-amerikanischen Gepflogenheiten auf den jährlichen Treffen der American Historical Association , keinen „slave market” gegeben habe, auf dem jüngere Historiker auf der Suche nach einer Stelle gehandelt worden wären.
Wenige Tage später antwortete die Historikerin Michelle Moyd in dem Internetforum „H-German” und verwahrte sich gegen die Verwendung des Begriffes „Sklavenmarkt”, da die - zumindest im nordamerikanischen Kontext - mit diesem Ausdruck verbundenen Assoziationen von „Gewalt und Enthumanisierung . . . mit dem Verlust von Familienangehörigen, sozialen Kontakten” und allem anderen, was einer versklavten Person lieb und teuer sei, verbunden sei. Sie fragte, Warum die Bezeichnung „Sklavenmarkt” im deutschen Kontext offenbar nicht als provokativ empfunden worden sei, und erklärte dies mit der Ausblendung der deutschen kolonialen Vergangenheit aus der nationalen deutschen Meistererzählung. Wäre statt eines Bildes aus der Sklaverei ein Bild aus dem Holocaust verwendet worden, so Moyd, hätte es einen breiteren Aufschrei gegeben. Ihr antwortete wiederum der Wirtschaftshistoriker Scott M. Eddie und wies darauf hin, dass es üblich sei, derartige Werbeveranstaltungen für Jobsuchende ironisierend mit Bezeichnungen aus anderen Bereichen zu belegen. Er finde am Ausdruck „Sklavenmarkt” nichts Verwerfliches und warne davor, derartigen Begrifflichkeiten eine überragende Bedeutung zuzuschreiben.
Im Grunde stellt dies ein Paradebeispiel für die mangelnde Sensibilität im Umgang mit der Sprache dar, wie sie Susan Arndt und Antje Hornscheidt in ihrer Sammlung auf Afrika bezogener Begriffe aufzeigen; auch die Ablehnung jeglicher Kritik an einem wenig reflektierten Sprachgebrauch durch den Verweis auf übertriebene political correctness ist fast lehrstückhaft.
Denn Ausdrücke wie „slave market” gibt es auch im Deutschen als Überbleibsel einer Zeit, in der sich die Europäer die Welt unterwarfen. Meist unreflektiert verwendet, transportieren Ausdrücke wie „Ich bin doch nicht dein Neger” oder „Hier sieht es aus wie bei den Hottentotten” versteckt die koloniale Ordnung in sich und perpetuieren so die Diskriminierung des Kolonisierten auch Jahrzehnte nach dem Ende der formellen deutschen Kolonialherrschaft.
Denn „Worte können sein wie winzige Arsendosen”, meinte Victor Klemperer einst: „Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.” Susan Arndts und Antje Hornscheidts Versuch der Entgiftung durch Sichtbarmachung ist lange überfällig. Wer denkt denn schon daran, dass er, wenn er von „Mulatten” spricht, Menschen mit Mauleseln, also mit einer Kreuzung aus Pferd und Esel vergleicht, die unfruchtbar ist. Und ob „Eingeborene” oder „Entwicklungsland”, ob „Mischling” oder „Mohr”, positive Konnotationen ruft keines der Beispiele hervor.
Da Kolonialismus bekanntlich im Kopf entsteht und über die formelle Fremdherrschaft hinaus auch eine bestimmte Codierung der Welt bedeutet, werden durch den unachtsamen Gebrauch von Begriffen auch Unterordnungsverhältnisse und rassistische Vorstellungen transportiert. Manche mögen wie Scott Eddie einwenden, dass diese Betrachtung zu pingelig sei, es ist jedoch zumindest nicht von der Hand zu weisen, dass Ideologie und Sprache auf das Engste verbunden sind. Dies bewusst zu machen, ist keine kleine Leistung, und allein dafür lohnt sich die Lektüre dieses Buches.
JÜRGEN ZIMMERER
SUSAN ARNDT, ANTJE HORNSCHEIDT (Hrsg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Unrast-Verlag, Münster 2004. 266 Seiten, 16 Euro.
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Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Eine Debatte unter amerikanischen Historikern im vergangenen November darüber, warum in Deutschland die Verwendung des Wortes "Sklavenmarkt" im Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt für Junghistoriker nicht als provokativ empfunden werde, ist für Rezensent Jürgen Zimmer ein "Paradebeispiel für die mangelnde Sensibilität im Umgang mit der Sprache". Als "lange überfällig" begrüßt er daher die Sammlung auf Afrika bezogener Begriffe von Susan Arndt und Antje Hornscheidt, die das Deutsche auf seine kolonialen Restbestände untersucht. Schließlich, so Zimmer, gebe es Ausdrücke wie "slave market" auch im Deutschen "als Überbleibsel einer Zeit, in der sich die Europäer die Welt unterwarfen". Er verteidigt die Untersuchung auch gegen den Vorwurf, "zu pingelig" zu sein. Denn Kolonialismus, so Zimmer, entstehe im Kopf. Ausdrücke wie "Ich bin doch nicht dein Neger" versteckten die koloniale Ordnung in sich und diskriminierten den Kolonisierten auch noch Jahrzehnte nach dem Ende der Kolonialherrschaft. Zur Bekräftigung zitiert der Rezensent Victor Klemperer, der Worte mit Arsendosen verglich: "Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da."

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