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Die Trilogie des aus Polen stammenden, bis zu seinem Tod viele Jahre lang an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrenden Historikers Jacob L. Talmon (1916-1980) zur Geschichte der 'totalitären Demokratie' war für die Rekonstruktion der intellektuellen Geschichte der totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts bahnbrechend. Während sich die Bände 1 und 2 auf die geistige Genealogie des Linkstotalitarismus konzentrieren, umfasst Band 3 den Links- wie den Rechtstotalitarismus. Nur die beiden ersten Bände wurden in deutscher Sprache veröffentlicht und sind seit langem vergriffen. Sie werden…mehr

Produktbeschreibung
Die Trilogie des aus Polen stammenden, bis zu seinem Tod viele Jahre lang an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrenden Historikers Jacob L. Talmon (1916-1980) zur Geschichte der 'totalitären Demokratie' war für die Rekonstruktion der intellektuellen Geschichte der totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts bahnbrechend. Während sich die Bände 1 und 2 auf die geistige Genealogie des Linkstotalitarismus konzentrieren, umfasst Band 3 den Links- wie den Rechtstotalitarismus. Nur die beiden ersten Bände wurden in deutscher Sprache veröffentlicht und sind seit langem vergriffen. Sie werden nun in einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Weise neu herausgegeben. Der 1980 kurz nach dem Tod Talmons in englischer Sprache erschienene 3. Band wurde erstmals ins Deutsche übertragen.
  • Produktdetails
  • Wege der Totalitarismusforschung
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
  • Seitenzahl: 1746
  • Erscheinungstermin: 10. April 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 256mm x 181mm x 144mm
  • Gewicht: 3745g
  • ISBN-13: 9783525310120
  • ISBN-10: 3525310129
  • Artikelnr.: 30195180
Autorenporträt
Backes, Uwe
geb. 1960Studium der Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft und Germanistik an der Universität Trier1987 Promotion zum Dr. phil. ('Extremismus in demokratischen Verfassungsstaaten. Elemente einer normativen Rahmentheorie')1997 Habilitation Universität Bayreuth ('Liberalismus und Demokratie - Antinomie und Synthese. Zum Wechselverhältnis zweier politischer Strömungen im Vormärz')1997/98 Feodor Lynen-Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am 'Centre d'Étude de la Vie Politique Française' (CEVIPOF), Paris1998/99 Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Forschungsaufenthalte in Washington D.C. und London)seit März 1999 Stellvertretender Direktor am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresdenseit 2004 apl. Prof. am Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Dresden Gastprofessuren in Innsbruck, Paris-Nanterre, Eichstätt, Nancy und Straßburg
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 29.08.2013

Der Gegner ist immer das Reich des Bösen
Er kannte die totalitäre Gefahr der Demokratie: Zur Wiederentdeckung des Historikers Jacob L. Talmon

In den Jahren 1937/38 schreibt ein einundzwanzigjähriger Geschichtsstudent an der Hebrew-University in Jerusalem eine Seminararbeit über die Französische Revolution und den Terror der Jakobinerdiktatur, während Moskau in großem Stil Schauprozesse gegen Dissidenten anstrengt. Es ist der aus Polen stammende Jacob Leib Flajszer, später Talmon, der mit dieser Seminararbeit sein Lebensthema finden wird: die Geschichte der totalitären Demokratie.

Ein bewegtes und besonders durch den Zweiten Weltkrieg geprägtes Leben führt den jungen Historiker 1940 mit einem Stipendium an die Sorbonne in Paris und - auf der Flucht vor den einrückenden Deutschen - nach London. An der London School of Economics and Political Science, die aufgrund der Luftangriffe ins Peterhouse-College nach Cambridge umziehen musste, verfasst Flajszer/Talmon 1943 seine Dissertation über "The Doctrine of Poverty" ("Die Armutslehre"). Diese leider bisher unveröffentlicht gebliebene Arbeit untersucht die Dynamik christlicher Armutsbewegungen im Hochmittelalter und stellt den mentalitätsgeschichtlichen und methodischen Grundstock für die drei Bände der Geschichte der totalitären Demokratie dar.

Der erste Band, "Die Ursprünge der totalitären Demokratie", ist in London 1952 bei Secker & Warburg erschienen. Wenige Jahre später folgte die Studie über den "Politischen Messianismus". Die beiden ersten Bände der Trilogie, die 1980 kurz vor dem frühen Tod des herzkranken Talmon mit dem Band über den "Mythos der Nation und die Vision der Revolution" einen späten Abschluss fand, wurden rasch ins Deutsche übersetzt, da Talmon in dieser Zeit für Furore in der historischen Zunft sorgte. Sie sind heute längst vergriffen. Der dritte Band war bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden.

Diesem Desiderat hat nun Uwe Backes, stellvertretender Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung in Dresden, zusammen mit einem Team aus Übersetzern und Historikern Abhilfe geschaffen. In einer sorgfältigen Edition liegen die ersten beiden Bände wieder, der dritte erstmals auf Deutsch vor. Gerade am dritten Band hat Talmon, der 1949 kurz nach der Gründung des Staates Israel an die Jerusalemer Universität als Professor für "Modern History" zurückgekehrt war, besonders hart über fast zwei Jahrzehnte gearbeitet. In dieser Zeit unternahm Talmon zahlreiche Forschungsreisen, die ihn 1972/73 auch zu Karl Dietrich Bracher an die Universität Bonn führten.

Talmons Anliegen ist es, die historischen Linien im Stile einer philosophischen Geschichtsschreibung zu ziehen, um die Grundlagen der "totalitären Demokratie" freizulegen. Dieser eigentlich in sich widersprüchliche Demokratie-Begriff zeigt die historische Sprengkraft, die seiner Entwicklung seit dem achtzehnten Jahrhundert innewohnt. Sie ließ neben der liberalen Entwicklungslinie, die ein politisches System nach der, so Talmon, "Trial and error"-Methode hervorgebracht hat, auch eine totalitäre Linie erstarken. Auf grausame Weise hat sie sich in den großen Totalitarismen, Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus, entladen. Die totalitäre Demokratie gründet ihre Lehre "auf der Annahme einer alleinigen und ausschließlichen Wahrheit in der Politik", so Talmon ganz zu Anfang seiner Trilogie.

Diese totalitäre Seite der Demokratie untersucht Talmon in besonderer Weise: Für sie ist schon früh ein politischer Messianismus prägend, der von seinen Gefolgsleuten unbedingte Nachfolge erfordert. "Dieses Buch ist keine Ideengeschichte. Es hat ein Ideenklima, eine Geisteshaltung, man kann sagen, einen Glauben zum Gegenstand", charakterisiert Talmon zu Beginn des zweiten Bandes die Stoßrichtung seiner Forschung. Auch ohne die Utopie und den "Mythos der Nation" kommt die totalitäre Demokratie nicht aus. Im abschließenden Band schreibt Talmon: "Der nationale Mythos der unterdrückten Nationen entwickelte sich zu einer Mischung aus Nostalgie nach vergangenem Ruhm und der Vision einer nicht minder glorreichen Restauration, der eine spirituelle Wiedergeburt und eine gerechte soziale Ordnung Dauer verliehen."

Sowohl die Aufklärung in ihren frühen Ausprägungen als auch der Idealismus in seinen verschiedenen Ansätzen bei Fichte und Hegel sind nach Talmon prägend für die Entwicklung der Demokratie in ihren beiden Entwicklungsströmen, also auch für die totalitäre. Hier ist es vor allem das Vergeistigen von Politik und Nation, das katalytisch für die totalitären Entwicklungen war. Jacob L. Talmon steht mit diesem Ansatz zwischen Hannah Arendts Forschungen zum Totalitarismus, der ihr zufolge von Terror und Ideologie gespeist wird, und Eric Voegelin, der im innerweltlichen Abschluss irdischer Reiche den Weg zu den "politischen Religionen" geebnet sieht.

Uwe Backes gibt in seiner Einleitung einen guten Überblick über die in Deutschland bisher weitgehend unbekannte Vita Talmons, über dessen wenig erforschtes Werk und über die Wirkung seiner philosophisch reflektierten historischen Forschungen. In den frühen Jahren des Ost-West-Konflikts hat Talmon, ähnlich wie später Abbott Gleason oder Michael Burleigh, den Glutkern des Kalten Krieges - in Ausweitung des "Mythos der Nation" - in der unbedingten Überzeugung der absoluten Richtigkeit der Position des eigenen Blocks gesehen. Egal, welcher Ausrichtung der gegnerische Block auch sein mag: Er ist das "Reich des Bösen".

Talmons "Geschichte der totalitären Demokratie" ist von großem Wert für die aktuelle Totalitarismusforschung, da sie mit dem Konzept des "politischen Messianismus" auch religiöse Deutungsmuster in der Forschung berücksichtigt. Sie bietet damit eine neue Interpretation der Gefolgschaft totalitärer Regime und der fast gläubigen Anhängerschaft an sie. Diesen Ansatz verfolgt auch Hans Maier in seinen Forschungen zu den "politischen Religionen". Umso dankenswerter ist es, dass mit der Neuausgabe von Uwe Backes das Hauptwerk eines philosophisch denkenden Historikers wieder zugänglich gemacht wird - eines Typs Historiker, wie ihn die Geschichtsforschung gerade in Bezug auf die Analyse moderner Totalitarismen heute weitgehend vermisst.

HANS OTTO SEITSCHEK

Jacob L. Talmon: "Die Geschichte der totalitären Demokratie".

3 Bde., Hrsg. von Uwe Backes. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2013. 1746 S., geb., 175,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Großen Dank möchte Hans Otto Seitschek dem Herausgeber Uwe Backes sagen, der mit den drei Bänden von Jacob L. Talmon laut Seitschek das Hauptwerk eines philosophisch arbeitenden Historikers und damit eines seltenen Typs innerhalb der Geschichtsforschung wieder zugänglich macht. Für den Rezensenten heißt das konkret: Dem Leser ist es möglich, die Widersprüchlichkeit des Begriffs "totalitäre Demokratie" zu erfahren deren Grundlagen zu erkennen und ferner mit dem hier aufgegriffenen Konzept des "politischen Messianismus" religiöse Deutungsmuster in die Totalitarismusforschung aufgenommen zu finden. Biografische Details zu Talmon nebst einer Vorstellung von dessen weiterem Wirken runden die gelungene Ausgabe laut Seitschek ab.

© Perlentaucher Medien GmbH