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Wir haben zu allem eine Meinung, aber kaum noch Argumente - es wird Zeit für eine neue Aufklärungsbewegung! Michael Hampe zeigt, warum auch die Dritte Aufklärung nur eine Bildungsbewegung sein kann. Wir brauchen wieder gemeinsame kulturelle Projekte, aus denen Sinn und nicht nur Reichtum entsteht, um weder Gewalt, Grausamkeit noch Illusionen als Ersatz-Intensitäten in unserer Lebenserfahrung zu verfallen. Solche kollektiven Projekte und die mit ihnen einhergehenden Erfahrungen von Intensität entstehen aus Bildungsprozessen. Dabei geht es Hampe nicht um Elitenbildung. Es geht um den Erwerb…mehr

Produktbeschreibung
Wir haben zu allem eine Meinung, aber kaum noch Argumente - es wird Zeit für eine neue Aufklärungsbewegung! Michael Hampe zeigt, warum auch die Dritte Aufklärung nur eine Bildungsbewegung sein kann. Wir brauchen wieder gemeinsame kulturelle Projekte, aus denen Sinn und nicht nur Reichtum entsteht, um weder Gewalt, Grausamkeit noch Illusionen als Ersatz-Intensitäten in unserer Lebenserfahrung zu verfallen. Solche kollektiven Projekte und die mit ihnen einhergehenden Erfahrungen von Intensität entstehen aus Bildungsprozessen. Dabei geht es Hampe nicht um Elitenbildung. Es geht um den Erwerb einer gemeinschaftlichen Kreativität, die uns den Mut und die Mündigkeit verleiht, die Zukunft nicht einfach nur zu beobachten, sondern zu gestalten. "Und Verkünder kommender Paradiese und Höllen nach Hause zu schicken."
  • Produktdetails
  • Verlag: Nicolai Berlin
  • Seitenzahl: 96
  • Erscheinungstermin: 23. Oktober 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 202mm x 131mm x 15mm
  • Gewicht: 200g
  • ISBN-13: 9783964760029
  • ISBN-10: 3964760021
  • Artikelnr.: 53575881
Autorenporträt
Michael Hampe ist Professor für Philosophie an der ETH Zürich und lehrte zuvor in Dublin, Kassel und Bamberg. Er studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Psychologie und Biologie in Heidelberg und Cambridge. Zu seinen Arbeitsgebieten gehören Philosophie und Geschichte der Erfahrungswissenschaften, Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie Techniken der Selbsterkenntnis. Er schrieb u. a. "Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück" (2009) und "Tunguska oder Das Ende der Natur" (2011).
Rezensionen
Besprechung von 18.12.2018
An der Welt teilnehmen
Michael Hampe plädiert für wissensbasierte Aufklärung

Die Aufklärung ist fortsetzbar. Denn sie ist keine vergangene historische Epoche, sondern eine andauernde geistige Anstrengung. Eine Haltung, die der Geistesgenosse gegenüber seiner Zeit, die die Geistesgenossin gegenüber ihrer Umwelt einnimmt, um sie ambivalent beurteilen zu können. Bisher hat die Aufklärung zwei große Hochzeiten erlebt: in der griechischen Antike, unter Sokrates, als sich das Argument erstmals als Alternative zur Gewalt empfahl, und während des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts, als die Religion gegen die Vernunft eingetauscht wurde und die Wissenschaft zum orientierenden Leitstern aufstieg.

Heute, wo wir in einer Epoche "kultureller Ermüdung" leben, von Markt und Moral beherrscht werden und wieder autokratischen Rattenfängern hinterherlaufen, wächst die Sehnsucht nach einer neuen Aufklärungsbewegung. Zumindest bei Michael Hampe, dem Autor eines kurzen Essaybandes mit dem verheißungsvollen Titel "Die dritte Aufklärung". Hilary Putnam prägte diese Bezeichnung ursprünglich, um die empiristische Philosophie seines Kollegen John Dewey zu charakterisieren. Hampe nun wendet den Begriff programmatisch an und will darunter vor allem einen Aufruf an die menschliche Mündigkeit verstanden wissen.

Diese ist Ausdruck der altbekannten erkenntnistheoretischen Annahme, dass wir in einer "gemischten Welt leben, in der es sowohl Zufälle wie Notwendigkeiten und auch menschliche Absichten" gibt. Vater des Gedankens ist hier also einmal mehr ein gemäßigter Konstruktivismus, der seine Rechnung sowohl mit der Kontingenz als auch mit der Wahrheit macht. Und unterm Strich, nach allem diskursiven Hin und Her doch immer wieder auf die Dialektik als Lösung kommt. Jene berühmte "Dialektik der Aufklärung" eben, nach der die Ausbildung des Geistes nicht automatisch zu Wahrheit und Gerechtigkeit führt, sondern auch etwa die verantwortungslose Verbreitung von Kommunikations- und Waffentechnologien beziehungsweise den brutalsten Marktindividualismus zur Folge haben kann.

Hampe definiert seinen Gegenstand mit jener sympathischen Sorglosigkeit, die Professoren an den Tag legen können, wenn sie für das notorische "breitere Publikum", also frei von den Zwängen der Tagungsrhetorik und Antragsprosa schreiben. Als Ideale der Aufklärung hält er fest: intellektuelle Mündigkeit sowie Vermeidung von Grausamkeit und Illusionen. Geistige Bildung ist ihm kein Garant, aber mögliches Mittel, um ein kritisches Bewusstsein zu erlangen, sich als historisches Subjekt, also als Teilnehmer am Weltgeschehen zu fühlen.

Allein mit Meinungen kommt man nicht weit - nur gerade eben bis zur amerikanischen Präsidentschaft -, was auf Dauer wirklich zählt, ist Wissen. Zur Untermalung dieser Feststellung wählt Hampe ein einfallsreiches Metaphernpaar aus dem Kosmos des Konsumlebens: Meinung würde "hauchdünnen Plastiktüten in Supermärkten", Wissen hingegen "sorgfältig gefertigten Rindsleder-Reisetaschen" gleichen - was einem beim Verdeutlichen so eben in den Kopf kommt oder möglicherweise auch beim schweifenden Blick durch die Denkerklause ins Auge fällt.

In jedem Fall ist Hampes Essay zupackend geschrieben. Man spürt die Lust auf Leidenschaft beim Autor, der in seinem Fazit noch einmal emphatisch zu einer Aufklärung aufruft, die nicht nur beschreibt, sondern auch interveniert. Der Aufgeklärte müsse Pragmatiker und ein "Teilnehmer an der Welt" sein, wobei etwas nebulös bleibt, was für eine Art der "Beteiligung" hier genau gemeint sein könnte. Gegner werden auch ausgemacht, und zwar in all jenen, die der Sehnsucht nach Intensität und Intervention den Glauben an ein übergeordnetes Schicksal oder zumindest natürliches Gesetz entgegenhalten.

"Notwendiges Denken" ist für Hampe gefährlich unaufgeklärtes, spenglerianisches, damit "protofaschistisches" Denken. Natürlich: Bei einem Essay muss die Anordnung klar und polemisch sein, aber wer oben von Dialektik und kritischem Wissen spricht, kann unten nicht meinungsplatte Platitüden liefern. Theologie ist nicht einfach nur Determinismus und Vernunft nicht alles, was vieldeutig klingt. "Keine Maschine kann uns bilden" - dieser Ausruf allerdings trifft ins Schwarze unserer Zeit. Für das naive Vertrauen darauf, dass die Algorithmen es schon richten werden und uns eine blühende Datenzukunft bevorsteht, hat dieses Büchlein kein Verständnis. Keine Künstliche Intelligenz kann den menschlichen Geist ersetzen, lautet die Kernthese. Daher brauchen wir eine Aufklärung 3.0. Und zwar sofort.

SIMON STRAUSS

Michael Hampe:

"Die Dritte Aufklärung".

Nicolai Verlag, Berlin 2018. 96 S., geb., 20,- [Euro]

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Michael Hampe konstatiert nicht so sehr eine Krise der Demokratie als eine Krise der Aufklärung, schreibt die Göttinger Philosophin Eva Weber-Guskar in ihrer Rezension. Drei Etappen der Aufklärung sehe er, die wichtigste sei die sokratische, die die Grausamkeit durch das Argument, den Streit in Begriffen, ersetzt habe. Kant ist dann Nummer 2 und Hampe, wenn man's recht versteht, Nummer 3. Seine Idee sei die "Befreiung von einem mythischen Geschichtsverständnis". Die Menschen müsste verstehen, dass sie es sind, die Geschichte machen, auch wenn es andere Aspekte wie den Zufall gibt. Nicht ganz folgen mag die Rezensentin dem Autor in seiner "Absetzung von der Praxis des Erzählens". Erst durch Erzählen werde der Geschichte doch Sinn gegeben - übrigens habe Hampe dies in früheren Büchern sehr gut gezeigt. Aber im wesentlichen stimmt sie Hampe zu: Aufklärung erkennt, dass es einen Weg aus der Grausamkeit gebe - wenn man ihn bewusst und kollektiv beschreite.

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