Was einmal war - Lillie, Sophie

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In diesem Buch finden sich auf knapp 1500 Seiten detaillierte Darstellungen der Arisierung und der Verschleppung der Kunstsammlungen von 148 jüdischen Familien in Wien. Zwei Jahre lang hat die Autorin akribisch recherchiert und Material zusammengetragen. Hunderte Bilder, tausende Fußnoten sowie ein Namens- und Ortsregister unterstreichen den lexikalischen Charakter dieses Buches. Sophie Lillies Recherchen und ihre unglaublichen Bemühungen bilden die Grundlage zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten der Provenienzforschung. Das Buch erzeugte bereits bei seinem erstmaligen Erscheinen vor fünf…mehr

Produktbeschreibung
In diesem Buch finden sich auf knapp 1500 Seiten detaillierte Darstellungen der Arisierung und der Verschleppung der Kunstsammlungen von 148 jüdischen Familien in Wien. Zwei Jahre lang hat die Autorin akribisch recherchiert und Material zusammengetragen. Hunderte Bilder, tausende Fußnoten sowie ein Namens- und Ortsregister unterstreichen den lexikalischen Charakter dieses Buches. Sophie Lillies Recherchen und ihre unglaublichen Bemühungen bilden die Grundlage zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten der Provenienzforschung. Das Buch erzeugte bereits bei seinem erstmaligen Erscheinen vor fünf Jahren eine immense Resonanz, national wie international. Die Dokumente der enteigneten Kunstsammlungen Wiens bezeugen nicht nur einen systematischen und durch einen hoch bürokratisierten Enteignungsapparat erst möglichen Raubzug, der politisch wie wirtschaftlich einen festen Platz im NS-Regime einnahm. Sie legen auch das Ausmaß seiner Unmenschlichkeit bloß, mündete doch die Vernichtung privaten Lebens in Vertreibung und Ermordung. Die in die Sammlerporträts einfließenden Erzählungen von Nachkommen, die den Geist ihrer Eltern und Großeltern mit in das Exil gerettet haben, gewähren Einblick in das Schicksal zahlreicher Familien, deren Kunstsammlungen einst den gesellschaftlichen Aufstieg des assimilierten jüdischen Bürgertums ebenso wie dessen Akkulturation symbolisierten. Sophie Lillie zeichnet, wo dies möglich ist, den Weg zahlreicher Kunstobjekte bis in die Gegenwart nach.
  • Produktdetails
  • Die Bibliothek des Raubes Bd.8
  • Verlag: Czernin
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 1439
  • Erscheinungstermin: November 2003
  • Deutsch
  • Abmessung: 244mm x 170mm x 66mm
  • Gewicht: 1730g
  • ISBN-13: 9783707600490
  • ISBN-10: 3707600491
  • Artikelnr.: 08995993
Autorenporträt
Sophie Lillie, Mag., geboren 1970 in Wien, freie Provenienzforscherin seit 2001. Studium der Kunstgeschichte, 1995 bis 2001 für die Israelitische Kultusgemeinde im Bereich Restitution tätig, zuletzt als Leiterin der Anlaufstelle für jüdische NS-Verfolgte. Kreisky-Preis 2003.
Rezensionen
Besprechung von 06.10.2003
Ein gigantischer Raubzug
Was jüdischen Kunstsammlern in Wien entrissen wurde
Dem Wiener Wollwarenindustriellen David Goldmann glückte unmittelbar nach dem „Anschluss” Österreichs im März 1938 unter Zurücklassung sämtlicher Vermögenswerte die Flucht ins Ausland. Kurz darauf wurden die wertvollsten Teile seiner bedeutenden Kunstsammlung, darunter je ein Ölgemälde von Peter Paul Rubens und von Parmigianino, in das „Zentraldepot” des Kunsthistorischen Museums verbracht. Was von Goldmanns Kunstbesitz nicht für das geplante „Führer-Museum” in Linz reserviert wurde, gelangte in die Bestände österreichischer Museen oder wurde 1939 in seiner Wohnung durch das Auktionshaus Dorotheum versteigert.
Wie im Fall Goldmann wurden Hunderte größere und kleinere Kunstsammlungen nach 1938 zerschlagen und ihren Besitzern entzogen. Für ihr Buch „Was einmal war” hat die Kunsthistorikerin Sophie Lillie in zeitaufwändiger Kleinarbeit rund 150 solcher Sammlungen detailliert erfasst und damit dem Vergessen entrissen. Anspruch auf Vollständigkeit erhebt sie – schon wegen der Fülle des bislang nur bruchstückhaft aufgearbeiteten Quellenmaterials – nicht.
Die meisten der von ihr porträtierten Personen waren Vertreter des assimilierten jüdischen Bürgertums. Die Kunstobjekte, mit denen sie ihre Salons und Geschäftsräume schmückten, symbolisierten den wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg ihrer Besitzer. Die von Lillie verwendeten Verzeichnisse stammen aus den in der NS-Zeit für Juden obligaten „Vermögensanmeldungen”, aus Katalogen und Ausfuhrgesuchen sowie „Sicherstellungsbescheiden” des Magistrats.
Das Quellenmaterial verweist gleichzeitig auf die Vielzahl der in den gigantischen Raubzug eingebundenen Instanzen und Personen, darunter die damalige Zentralstelle für Denkmalschutz, die Gestapo und die „Verwaltungsstelle für jüdisches Umzugsgut” sowie die „Vermögensverkehrsstelle”; aber auch konventionelle Behörden wie die Finanzämter waren involviert. Ein beträchtlicher Teil der Kunstobjekte wurde über Auktionshäuser und den Handel veräußert. In der Kunsthandelsbranche, in der Diskretion selbstverständlich ist, verloren sich die Spuren der Werke besonders rasch.
Hoch im Kurs standen bei den NS-Machthabern Vertreter der deutschen und österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Nur eine kleine, dafür umso engagiertere Minderheit unter den Sammlern hatte die Bedeutung zeitgenössischer Maler in der Ära ihrer Entstehung erkannt und gefördert. Während die Avantgarde in Deutschland von den Nationalsozialisten als „entartet” eingestuft wurde, stießen Werke der österreichischen Moderne, die inzwischen eine enorme Wertsteigerung erfahren haben, bei ihnen eher auf Desinteresse. So wurde zu einem in einer Sammlung enthaltenen Mappenwerk lapidar vermerkt: „250 Blatt Schiele, Kokoschka etc., ohne Verkaufswert”.
Sophie Lillie hat den umfangreichen Inventarlisten knappe, aber berührende Einleitungstexte vorangestellt. Sie geben Aufschluss über die Biographien der Eigentümer und das Schicksal der jeweiligen Sammlungen. Angesichts der Tatsache, dass eine systematische Aufarbeitung des Themas NS-Kunstraub in Österreich erst in Ansätzen begonnen hat, kann Lillies Buch als unverzichtbare Grundlage für weitere Untersuchungen betrachtet werden. Die Autorin hat bewusst in Kauf genommen, dass ihr Buch keine endgültigen Ergebnisse präsentieren kann und viele Fragen aufwirft, ohne sie eingehend zu beantworten.
GABRIELE ANDERL
SOPHIE LILLIE: Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens. Czernin Verlag, Wien 2003. 1450 Seiten, 69 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Eine "unverzichtbare Grundlage" für weitere Untersuchungen des NS-Kunstraub in Österreich ist dieses Buch der Kunsthistorikerin Sophie Lillie, lobt Rezensentin Gabriele Anderl, auch wenn die Autorin, bewusst und schon wegen der Fülle des bislang nur bruchstückhaft aufgearbeiteten Quellenmaterials, keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Lillie hat, wie man erfährt, "in zeitaufwändiger Kleinarbeit" rund 150 der nach 1938 von den Nationalsozialisten enteigneten und zerschlagenen Wiener Kunstsammlungen "detailliert erfasst" und "damit dem Vergessen entrissen" - denn ein beträchtlicher Teil der Kunstobjekte wurde sogleich über Auktionshäuser und den Handel veräußert, wie Anderl berichtet, und in der Kunsthandelsbranche, in der Diskretion selbstverständlich ist, hätten sich die Spuren der Werke darum besonders rasch verloren. Ihren umfangreichen Inventarlisten hat die Autorin außerdem, erfährt man von Anderl, "knappe, aber berührende" Einleitungstexte vorangestellt. Die meisten der Sammler, so berichtet die Rezensentin weiter, über deren Biografien diese Texte Auskunft geben, waren Vertreter des "assimilierten jüdischen Bürgertums". Über seinen engeren Zweck hinaus, so hebt Anderl schließlich noch hervor, kommt diesem Handbuch und dem darin versammelten Quellenmaterial auch noch das Verdienst zu, auf die Vielzahl der "in den gigantischen Raubzug" eingebundenen Instanzen und Personen zu verweisen.

© Perlentaucher Medien GmbH
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