Die NATO - Varwick, Johannes
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Sechzig Jahre NATO - eine kritische Bilanz
1949 als reines Verteidigungsbündnis in der Zeit des Kalten Krieges geschlossen, gab es in der NATO gravierende Veränderungen, insbesondere seit dem Zusammenbruch des Kommunismus. Die Allianz dient den Mitgliedstaaten nicht mehr nur als Verteidigungsbündnis, sondern versteht sich in zunehmendem Maße als militärisch-politische Organisation, die die Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten wahren und zugleich weltweit für friedliche stabile Verhältnisse sorgen soll. Nimmt die NATO immer mehr die Aufgaben einer Weltpolizei wahr, die ihr gar nicht zustehen?…mehr

Produktbeschreibung
Sechzig Jahre NATO - eine kritische Bilanz

1949 als reines Verteidigungsbündnis in der Zeit des Kalten Krieges geschlossen, gab es in der NATO gravierende Veränderungen, insbesondere seit dem Zusammenbruch des Kommunismus. Die Allianz dient den Mitgliedstaaten nicht mehr nur als Verteidigungsbündnis, sondern versteht sich in zunehmendem Maße als militärisch-politische Organisation, die die Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten wahren und zugleich weltweit für friedliche stabile Verhältnisse sorgen soll. Nimmt die NATO immer mehr die Aufgaben einer Weltpolizei wahr, die ihr gar nicht zustehen? Wer entscheidet über die Wahl der Mittel, die von ihr eingesetzt werden? Wie sieht die Zukunft der Allianz in einer Welt aus, die zunehmend von Gefahren bedroht ist, die die bisherigen nationalen Grenzen überschreiten? Johannes Varwick stellt Geschichte, Struktur und Strategie der NATO dar und fragt nach der Zukunft des Bündnisses in einer sich wandelnden globalen Welt.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.1831
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 200
  • Erscheinungstermin: 14. März 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm
  • Gewicht: 205g
  • ISBN-13: 9783406568091
  • ISBN-10: 3406568092
  • Artikelnr.: 23280978
Autorenporträt
Johannes Varwick ist Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Europäische Integration und internationale Organisationen an der Christian Albrechts-Universität zu Kiel. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Sicherheits- und Außenpolitik.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.06.2008

Die Nato
Geschichte und Zukunft

Am 4. April 1949 unterzeichneten die Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada sowie zehn europäische Staaten den Nordatlantikvertrag. Damit verließ Washington endgültig die seit dem Jahr 1800 verfolgte Linie der strikten Nichteinmischung in die politischen und militärischen Angelegenheiten Europas. Der "Kalte Krieg" sorgte in Europa für die Erweiterung des Bündnisses, zu dem seit 1952 auch die Türkei zählt. Obgleich militärische Bündnisse lediglich über eine begrenzte Lebensdauer verfügen, weil sich Bedrohungsperzeptionen sowie Interessenlagen der Partner schnell verändern, kam es selbst nach dem Ende des "Kalten Krieges" nicht zur Auflösung. Vielmehr erleichterten die Bereitschaft und die Fähigkeit der Nato, sich schnell von einem Bündnis kollektiver Verteidigung zu einer zuverlässigen internationalen Sicherheitsorganisation zu verändern, die Aufnahme weiterer Mitgliedstaaten aus dem aufgelösten Warschauer Pakt.

Johannes Varwick zeichnet den Verlauf und die Veränderungen in der Geschichte des nordatlantischen Bündnisses auf knappem Raum einprägsam nach. Darüber hinaus stellt er nach einer gekonnten Analyse der aktuellen, komplizierten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der EU Überlegungen zur Zukunft des Bündnisses an. Dazu werden zwei Modelle vorgelegt: Im ersten Modell entwickelt sich die Nato zu einer "Zwei-Pfeiler-Allianz", in der sich die EU und die Vereinigten Staaten als gleichwertige Partner verstehen. Im engeren regionalen Umfeld könnte die EU Sicherheitsprobleme durchaus eigenständig beheben, für den Notfall aber stünden die amerikanischen Kräfte zur Unterstützung bereit. Zu klären bliebe dabei allerdings, welche Form die integrierte Militärstruktur - in die zurückzukehren Frankreichs Präsident Sarkozy angekündigt hat - einnehmen und wie die Arbeitsteilung zwischen Nato und EU konkret aussehen solle. Um in den Vereinigten Staaten als gleichberechtigt angesehen zu werden, so fordert der Autor zu Recht, bedürfe es allerdings auf europäischer Seite einer mit größerem finanziellen Engagement betriebenen und wirklich gemeinsam getragenen ESVP. Im zweiten, verständlicherweise weniger detailliert beschriebenen Modell werden Bruch und Zerfall des nordatlantischen Bündnisses antizipiert, so dass sich die Vereinigten Staaten und die EU schließlich sogar zu strategischen Rivalen entwickeln könnten.

REINER POMMERIN

Johannes Varwick: Die Nato. Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei? C. H. Beck Verlag, München 2008. 220 S., 12,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 06.04.2009

Totgesagte leben länger
Die Nato ist 60 geworden – und hat wohl noch viel vor sich
Wie oft ist sie nicht schon totgesagt oder totgeschrieben worden? Und doch feierte die Nato gerade ihren 60. Geburtstag. Pünktlich zum Jubiläum hat sich Frankreich zu einer vollständigen Rückkehr in die transatlantische Allianz entschieden. Auch für die Staaten Südost- und Osteuropas, die noch nicht Mitglied sind, scheint sie attraktiv wie nie: Kroatien und Albanien wurden soeben aufgenommen, Georgien und die Ukraine stehen vor der Tür. Selbstbewusst tritt die Nato gegenüber Russland auch in Sachen Raketenabwehr auf. Der Bukarester Gipfel 2008 unterstützte nicht nur das amerikanische Projekt in Polen und Tschechien, sondern kündigte darüber hinaus den Aufbau eines eigenen Systems zur Verzahnung mit dem US-Raketenschild an. „Tote” verhalten sich anders.
Dennoch bleibt die Frage, wie sich die Nato in den nächsten Jahrzehnten strategisch ausrichten wird. Um sie zu beantworten, hat Johannes Varwick in einem kompakten und analytisch dichten Band die Geschichte des Bündnisses untersucht, um aus ihr Handlungsszenarien abzuleiten. Der an der Universität Kiel lehrende Politologe hält die neuen Sicherheitsbedrohungen für derart vielschichtig, dass ihm eine automatische Reaktion der Nato wie im Fall einer Verletzung der Integrität des Bündnisgebietes nicht denkbar erscheint. Dies hat weitreichende Folgen, wie bereits täglich in Afghanistan zu sehen ist: Zum einen ist auch in Zukunft eine geschlossene Haltung aller Bündnispartner eher unwahrscheinlich. Und die künftigen Operationen der Nato dürften daher von einem flexiblen und unterschiedlichen Engagement der Mitgliedstaaten geprägt sein.
Wenn es zum anderen jedoch eine Art Verpflichtung zur Intervention geben würde, wäre die Nato nach Varwicks Einschätzung nicht nur rein materiell überfordert. Auch politisch – innen wie außen – ergäbe dies einen enormen Sprengsatz. Denn je schwächer ein von Interventionsplänen betroffenes Land ist, desto mehr wird es tendenziell auf das Nichteinmischungsgebot im Völkerrecht verweisen. Vor allem die Länder der südlichen Hemisphäre, die sich als potentielle Objekte solcher Aktionen sehen, wehren sich bereits heute gegen derartige aus ihrer Sicht neokolonialistische Absichten des Nordens. Das Ringen um eine effektive Friedensmission im Sudan führt dies bereits seit sechs Jahren vor Augen.
Doch auch in den Nato-Staaten selbst gibt es starke Widerstände gegen Auslandseinsätze. Am Beispiel des Kosovo-Krieges verdeutlicht Varwick, dass es in demokratischen Staaten kaum möglich ist, öffentliche Unterstützung selbst für gut begründbare Interventionen zu finden. Fällt dennoch eine solche Entscheidung, so hat der Bombenkrieg gegen Serbien gezeigt, dass eine heterogene Allianz wie die Nato strukturell zur Kriegführung zumindest nur eingeschränkt geeignet ist. Eine Analyse, die für den weiteren Einsatz in Afghanistan wenig Gutes erwarten lässt.
Eigenverantwortung Europas
Bereits die Operationen auf dem Balkan haben für Varwick die Frage aufgeworfen, ob die Nato bei ihrer zunehmenden Involvierung in Stabilisierungsmissionen entsprechende Fähigkeiten entwickeln sollte. Es fehlen ihr bislang Kräfte, die einen militärischen Auftrag auch dann erfüllen können, wenn vor Ort wenig Unterstützung zur Verfügung steht. Pläne zum Aufbau einer „Nato Stabilization and Reconstruction Force” gehen von der Überlegung aus, dass der Nato zwar eine große Zahl an Kampftruppen zur Verfügung steht, die heute erforderlichen Einheiten aber nicht in Form von schnell verfügbaren Kräften bereitgehalten werden. Die Erfahrungen in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan haben zudem gelehrt, dass man mit längerfristigen Engagements rechnen muss, es den Nato-Staaten aber schwerfällt, die Truppen tatsächlich bereitzustellen – und das nicht nur im militärtechnischen Sinne.
Im Hinblick auf die Präsidentschaft Barack Obamas erscheint Varwicks Prognose für die zukünftigen transatlantischen Sicherheitsbeziehungen nicht unwahrscheinlich: Europa und die Europäische Union werden mehr für ihre eigene Sicherheit verantwortlich sein als jemals zuvor. Daher wird die europäische Politik die Voraussetzungen verbessern müssen, diese neue Rolle auch auszufüllen. Die wirklich schwierigen Debatten über die Zukunft der Integration wie auch der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik stehen der EU erst noch bevor.
Auch wenn Varwick viele Fragen der künftigen transatlantischen Arbeits-
teilung unbeantwortet lassen muss: Allein die Tatsache, dass die Nato ihr strategisches Konzept aus dem Jahr 1999 aktualisieren will zeigt, dass die Allianz so leicht nicht totzusagen oder totzuschreiben ist. THOMAS SPECKMANN
JOHANNES VARWICK: Die NATO. Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei? C. H. Beck Verlag, München 2008. 200 Seiten, 12,95 Euro.
Ein Soldat des deutschen Isaf-Kontingents bei Faisabad in Afghanistan. Die Sicherheits- und Aufbaumission steht unter Führung der Nato. Foto: dpa
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Einen "kompakten" und "analytisch dichten" Band über die Geschichte der Nato hat Johannes Varwick anlässlich des 60. Geburtstags des Bündnisses geschrieben, lobt Rezensent Thomas Speckmann. Vor allem das Problem der Auslandseinsätze, die ein längerfristiges Engagement erfordern, habe der Autor sehr differenziert beleuchtet. Wie die Erfahrungen in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan gezeigt hätten, wären entsprechende Truppen tatsächlich nicht schnell genug verfügbar. Ebenso habe Varwick die zukünftigen Sicherheitsbeziehungen zu den USA und die Notwendigkeit Europas, Eigenverantwortung zu übernehmen, thematisiert. Der Rezensent hätte sich aber gerade in diesem Bereich etwas mehr Antworten erhofft.

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