24,90
versandkostenfrei*

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Gebundenes Buch

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges entstand die "Oder-Neiße-Linie", die heutige deutsch-polnische Grenze. Folge der "Verschiebung" der deutsch-polnischen Grenze nach Westen an Oder und Lausitzer Neiße waren Flucht und Vertreibung von etwa 10 Millionen Deutschen. Das vorliegende Buch von Michael Hartenstein beschäftigt sich im wesentlichen mit folgenden Fragen: Wie kam es zur Oder-Neiße-Linie? Wer wollte diese Grenze seit wann und aus welchen Gründen? Wer hat die Oder-Neiße-Linie tatsächlich als Staatsgrenze durchgesetzt und verwirklicht? War im Grunde Hitler schuld an der…mehr

Produktbeschreibung
In der Endphase des Zweiten Weltkrieges entstand die "Oder-Neiße-Linie", die heutige deutsch-polnische Grenze. Folge der "Verschiebung" der deutsch-polnischen Grenze nach Westen an Oder und Lausitzer Neiße waren Flucht und Vertreibung von etwa 10 Millionen Deutschen. Das vorliegende Buch von Michael Hartenstein beschäftigt sich im wesentlichen mit folgenden Fragen: Wie kam es zur Oder-Neiße-Linie? Wer wollte diese Grenze seit wann und aus welchen Gründen? Wer hat die Oder-Neiße-Linie tatsächlich als Staatsgrenze durchgesetzt und verwirklicht? War im Grunde Hitler schuld an der Oder-Neiße-Grenze und damit an der Vertreibung der Ostdeutschen? Gab es je eine Möglichkeit der Revision dieser Grenze? War die neue deutsch-polnische Grenze als gemeinsamer Beschluss der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges eine Folge der Potsdamer Konferenz? Der Autor stellt die Geschichte der Oder-Neiße-Linie erstmals zusammengefaßt von ihrer Vorgeschichte im 19. Jahrhundert bis zur völkerrechtlichen Anerkennung im Jahr 1990 dar. Schwerpunkt des Buches sind die Jahre 1939 bis 1950. Hartenstein kommt zu einem fundierten und pointierten Ergebnis, das der derzeitigen "offiziellen" Geschichtslesart in Deutschland und Polen nicht gerade entspricht: Die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens verbunden mit der "Umsiedlung" war keine Polen bei der Potsdamer Konferenz verordnete alliierte Lösung eines Grenzproblems, sondern die energisch betriebene Verwirklichung von lange bestehenden und öffentlich formulierten Zielen des polnischen Nationalismus. Der von Deutschland verlorene Zweite Weltkrieg öffnete mit Hilfe der Sowjetunion der Verwirklichung dieser polnischen Ziele ab Jahresbeginn 1945 Tür und Tor.
  • Produktdetails
  • Verlag: Lau-Verlag; Olzog
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 286
  • Erscheinungstermin: März 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 154mm x 29mm
  • Gewicht: 525g
  • ISBN-13: 9783957680372
  • ISBN-10: 3957680379
  • Artikelnr.: 40140407
Autorenporträt
Der Autor: Dr. Michael Hartenstein, Jahrgang 1964, studierte als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung Geschichte, Historische Geographie und Staatsrecht in Bonn und promovierte über nationalsozialistische Raum-, Siedlungs- und Landschaftsplanung im Osten. Hartenstein lebt und arbeitet heute in Österreich.
Rezensionen
Besprechung von 06.01.2007
Verschärfte Botschaft
Michael Hartenstein widmet sich wieder der Oder-Neiße-Linie

Mit Geschichtsdarstellungen auf aktuelle politische Diskussionen einzuwirken reizt manchen Autor und Verlag. Dabei wird nicht gescheut, jahrealte Thesen neu aufzuwärmen. Anhaltende Diskussionen um die Einrichtung eines nationalen "Zentrums gegen Vertreibungen" in Berlin kommen gerade recht, das Bild von dem Oktroy der alliierten Siegermächte zu korrigieren, die 1945 die Oder-Neiße-Linie vereinbarten, deutsche Ostgebiete unter polnische Verwaltung stellten und somit Schuld für Vertreibung der deutschen Bevölkerung tragen. Damit wird Kritik aus Polen begegnet, die Deutschen könnten eine selektive Erinnerungskultur betreiben und ein falsches Geschichtsbewusstsein produzieren. Nicht erst in jüngster Zeit bedienen sich polnische Politiker antideutscher Ressentiments zur eigenen Profilierung und belasten die bilateralen Beziehungen. Doch Michael A. Hartenstein publiziert hier kaum Neues. Bis auf das Eingangs- und Schlusskapitel entspricht der Text seiner 1997 veröffentlichten Schrift "Die Oder-Neiße-Linie. Geschichte der Aufrichtung und Anerkennung einer problematischen Grenze" - ohne es zu vermerken. Abgedrucktes Kartenmaterial ist identisch, Quellen- und Literaturverzeichnis sind auf dem Stand von vor zehn Jahren und älter, mit Ausnahme einiger neu aufgenommener Titel, die keineswegs den zeitgeschichtlichen Forschungsstand widerspiegeln.

Vorrangig geht es dem Autor darum, seine Behauptung von der Mitschuld des polnischen Nationalismus an der Entstehung der Grenzlinie zu untermauern. Mit ausführlichen Zitaten aus polnischer Literatur, Publizistik und Wissenschaft wird belegt, wie im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts das Streben der Polen nach Wiederherstellung eines eigenständigen Staates mit weitreichenden Expansionsvorstellungen nach Westen auf deutsche Reichsgebiete einherging. Infolge des Versailler Vertrages von 1919 bekam Polen durch erzwungene Abtretungen Teile der preußischen Provinzen Posen, Westpreußen, Niederschlesien und Ostpreußen. Danzig wurde "Freie Stadt". Die Siegermächte entsprachen zumeist Forderungen der polnischen Nationaldemokraten, beschnitten jedoch Polens Ostgrenze zu Russland an der Curzon-Linie. Deutsche Revisionsansprüche mündeten in den Hitler-Stalin-Pakt mit Plänen zur erneuten Teilung Polens. Aber schon vor Kriegsbeginn 1939 liebäugelten Anhänger der Piastenzeit unter Diplomaten und Militärs mit territorialen Ausdehnungen nach Ostpreußen und Breslau zur Schaffung eines Groß-Polen. Darin sieht Hartenstein den Beweis, dass der polnische Nationalismus und Stalins Annexion ostpolnischer Gebiete die eigentlichen Urheber der Oder-Neiße-Linie waren und nicht Hitlers Angriff auf Polen oder alliierte Entscheidungen.

Mitte 1944 vereinbarte Stalin hinter dem Rücken der Londoner Exilregierung mit polnischen Kommunisten in Moskau die "Westverschiebung", der Churchill und Roosevelt aus Nachgiebigkeit in Jalta und Potsdam 1945 zustimmten. Mit Billigung Stalins begannen in den eroberten Gebieten bis zur Oder und Neiße im Juni/Juli Säuberungsaktionen und Vertreibungen der deutschen Bevölkerung sowie Neubesiedlungen mit teils aus deren ehemaligen Ostgebieten vertriebenen Polen. Das Deutschen wie Polen zugefügte Leid wird kaum thematisiert, dafür aber umso ausführlicher geschaffenes Unrecht und materielle Überkompensation durch die bis zum Abschluss eines deutschen Friedensvertrages den Polen unterstellten Gebiete jenseits von Oder und Neiße. Auf den Vier-Mächte-Konferenzen der Nachkriegszeit unterblieb die endgültige Klärung der deutschen Ostgrenze, primär weil keine Einigung über Reparationen zustande kam und nicht weil sie kaum mehr revidierbar war.

Weit hinter bekanntem Wissensstand bewegt sich auch die oberflächlich geratene Wiedergabe der Diskussionen um die Grenzfrage von den fünfziger Jahren bis zur deutschen Einheit 1990. Kein Wort über die Hintergründe des Görlitzer Abkommens von 1950, in dem die DDR die Oder-Neiße-Grenze völkerrechtlich anerkannte. Bundeskanzler Adenauer wollte wie alle seine Nachfolger darüber erst bei konkreten Aussichten auf die Wiedervereinigung entscheiden. Dass er schon 1952 und später Helmut Kohl das Problem nur im gesamteuropäischen Kontext für lösbar hielten, bleibt unerwähnt, ebenso weitere triftige Gründe, die bei der endgültigen völkerrechtlichen Grenzanerkennung auch noch eine Rolle spielten.

Im abschließenden Kapitel zeichnet Hartenstein die teils in dieser Zeitung geführte Diskussion über das "Zentrum gegen Vertreibung" und die Restitution von Eigentum nach. Darin verschärft er seine Botschaft: Schuld an der Vertreibung der Deutschen ist die Grenzziehung, neben der Sowjetunion vom polnischen Nationalismus betrieben. Das unterminiert den nationalen Mythos von Polen als ewiges Opfer zwischen Deutschland und Russland und das nationale Selbstbild vom Volk widerständiger Helden.

HANNS JÜRGEN KÜSTERS

Michael A. Hartenstein: Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie. "Westverschiebung" und "Umsiedlung" - Kriegsziele der Alliierten oder Postulat polnischer Politik? Olzog Verlag, München 2006. 271 S., 24,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Im Osten nichts Neues. Was in Michael A. Hartensteins Buch geschrieben steht, kennt Hanns Jürgen Küsters schon aus anderer Quelle. Aus Hartensteins 1997 veröffentlichter Schrift "Die Oder-Neiße-Linie" und aus den in den Zeitungen geführten Debatten um das Berliner "Zentrum gegen Vertreibung". Richtig ungehalten scheint der Rezensent über das Publizieren von zehn Jahre alten Erkenntnissen, Karten- und Quellenmaterial, die mit dem neuesten Stand der Forschung nichts zu tun haben. Neu verfasste Eingangs- und Schlusskapitel genügen ihm nicht. Die These des Autors zur Rolle des polnischen Nationalismus bei der Grenzziehung möchte Küsters so, ohne Einbezug aktuellen Wissens, offenbar nicht mehr hören.

© Perlentaucher Medien GmbH