Sphären 1. Blasen - Sloterdijk, Peter
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Peter Sloterdijk unternimmt in seinem auf drei Bände angelegten Werk Sphären nichts Geringeres als den Versuch, die Geschichte der Menschheit zu erzählen. Dabei geht er von der einfachen Frage aus: Wo leben die Menschen, nachdem sie wissen, daß sie auf einer Kugel, einem Globus, zu Hause sind? Um sich einer Beantwortung dieser Frage anzunähern, entwickelt Peter Sloterdijk den Begriff der Sphären und spannt einen faszinierenden, perspektivenreichen Bogen von den frühesten Kulturen bis in unser globales Zeitalter.
Dies erste Buch dieser Sphären-Trilogie handelt von mikro-sphärischen Größen,
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Produktbeschreibung
Peter Sloterdijk unternimmt in seinem auf drei Bände angelegten Werk Sphären nichts Geringeres als den Versuch, die Geschichte der Menschheit zu erzählen. Dabei geht er von der einfachen Frage aus: Wo leben die Menschen, nachdem sie wissen, daß sie auf einer Kugel, einem Globus, zu Hause sind? Um sich einer Beantwortung dieser Frage anzunähern, entwickelt Peter Sloterdijk den Begriff der Sphären und spannt einen faszinierenden, perspektivenreichen Bogen von den frühesten Kulturen bis in unser globales Zeitalter.

Dies erste Buch dieser Sphären-Trilogie handelt von mikro-sphärischen Größen, die Blasen genannt werden. Sie bilden die Basismoleküle der starken Beziehung. Peter Sloterdijks Analyse macht sich an die noch nie unternommene Aufgabe, das Epos der immer schon verlorenen und doch nie spurlos getilgten Zweieinigkeiten zu erzählen. "Wir durchqueren, mit der Einsicht in unsere unvermeidliche begriffliche Hilflosigkeit als einzigem sicheren Begleiter, Landschaften des prä-objektiven Daseins und der vorgängigen Beziehungen. Auf der Durchreise durch die ausweichende Unterwelt der Innenwelt entfaltet sich, wie eine klingende Landkarte, das phantomhafte Bild von einem flüssigen und auratischen Universum - ganz aus Resonanzen und Schwebstoffen gesponnen; in ihm bleibt die Urgeschichte des Seelischen zu suchen."
  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp
  • 13. Aufl.
  • Seitenzahl: 648
  • Erscheinungstermin: Mai 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 123mm x 37mm
  • Gewicht: 640g
  • ISBN-13: 9783518410226
  • ISBN-10: 3518410229
  • Artikelnr.: 07584271
Autorenporträt
Peter Sloterdijk, 1947 in Karlsruhe geboren, ist dort seit 1992 Professor für Philosophie und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung und seit 2001 deren Direktor. Seit 2002 leitet er zusammen mit Rüdiger Safranski die ZDF-Sendung "Im Glashaus - Das Philosophische Quartett". 2005 erhielt er den Sigmund-Freud-Preis, 2001 den Christian-Kellerer-Preis für die Zukunft philosophischer Gedanken und 1993 den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik. 2008 wurde Peter Sloterdijk mit dem Cicero Rednerpreis und dem Lessing-Preis für Kritik ausgezeichnet. 2013 erhielt er den Ludwig-Börne-Preis.
Inhaltsangabe
INHALT DES ERSTEN BANDES

Vorbemerkung 11

Einleitung:
Die Alliierten oder: Die gehauchte Kommune 17

Vorüberlegung: Innenraum denken 83

1 Herzoperation oder:
Vom eucharistischen Exzeß 101

2 Zwischen Gesichtern
Zum Auftauchen der interfazialen Intimsphäre 141

3 Menschen im Zauberkreis
Zur Ideengeschichte der Nähe-Faszination 211

Exkurs i: Gedankenübertragung 269

4 Die Klausur in der Mutter
Zur Grundlegung einer negativen Gynäkologlie 275

Exkurs 2: Nobjekte und Unbeziehungen
Zur Revision der psychoanalytischen
Phasenlehre 297

Exkurs 3: Das Prinzip Ei
Verinnerlichung und Umhüllung

Exkurs 4: "Im Dasein liegt eine wesenhafte
Tendenz auf Nähe."
Heideggers Lehre vom existentialen Ort 336

5 Der Urbegleiter
Requiem für ein verworfenes Organ 347

Exkurs 5: Die schwarze Plantage
Notiz über Lebensbäume und
Belebungsmaschinen 402

6 Seelenraumteiler
Engel - Zwillinge - Doppelgänger 419

Exkurs 6: Sphärentrauer Über den Nobjektverlust und die Schwierigkeit,
zu sagen, was fehlt 466

Exkurs 7: Über den Unterschied zwischen einem
Idioten und einem Engel 479

7 Das Sirenen-Stadium
Von der ersten sonosphärischen Allianz 487

Exkurs 8: Analphabetenwahrheiten
Notiz über oralen Fundamentalismus 532

Exkurs 9: Von wo an Lacan sich irrt 543

8 Mir näher als ich selbst
Theologische Vorschule zur Theorie des
gemeinsamen Innen 549

Exkurs 10: Matris in gremio.
Eine mariologische Grille 632

Übergang: Von ekstatischer Immanenz 639

Abbildungsnachweise 646
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.08.2004

Der Dämon der Ausschweifung
Jetzt kommt er zur Ruhe: Peter Sloterdijks Sphären-Trilogie entpuppt sich als eine Philosophie für Leser
Das Sphären-Projekt von Peter Sloterdijk sprengt die Dimensionen. Zweieinhalbtausend Druckseiten umfasst das gesamte, nun vollendete Werk. Darüber darf gestaunt werden. Gewiss, der Drang zur Monumentalität war unter Theoretikern immer wieder zu beobachten, besonders im späten 19. Jahrhundert, als man noch ganze „Völkerpsychologien” aufeinander stapelte oder sich die Weltstellung des Menschen in tief zerklüfteten „Mikrokosmen” vor Augen führte. Der wahre Referenztext der Sphärologie entstammt jedoch nicht der Tradition des Enzyklopädismus, sondern geht auf einen Autor zurück, dessen Name nun im Schlussteil der Sphären-Trilogie endlich fällt: Michel de Montaigne.
Es war Diderot, der bei Montaigne den Dämon der Ausschweifung am Werk sah - wenn es denn erlaubt ist, die Formulierung „diable de ramage” derart frei zu übersetzen. Man möchte das Wort jenen Kritikern in Erinnerung rufen, die sich ans Nächstliegende geklammert und den ersten beiden „Sphären”-Bänden die vermeintliche Unverträglichkeit von Kurzform und epischer Breite vorgehalten haben. Dabei hat bereits Diderot nachgewiesen, dass die Wucherung des Diskurses keine Nachlässigkeit ist, sondern die literarische Ausdrucksgestalt einer Skepsis, die den matt und glanzlos gewordenen Großbegriffen der metaphysischen Tradition misstraut. Auch Sloterdijks „Sphären” sind eine Sprachschöpfung aus dem Geist der Skepsis. Ihre zahllosen Exkurse und Abschweifungen dienen einzig und allein dem Zweck, die Konventionen der philosophischen Prosa zu unterlaufen und deren Aussagefähigkeit zu erneuern. Als Wortkünstler sucht Sloterdijk in die Tat umzusetzen, was die Philosophie noch selten so klar und entschieden von sich verlangt hat: den Ansprüchen der Zeitgenossenschaft zu genügen.
Die Sphärologie, wie Sloterdijk selbst sein Unternehmen nennt, will eine Theorie der Gegenwart sein. Offenbar hat dieser Autor eine Schwäche für aussichtslose Fälle. Wohl deshalb auch nimmt er es auf sich, von Zeit zu Zeit im Fernsehen den philosophischen Don Quijote zu geben, der schon mal vor laufender Kamera einen echten Gedanken entwickelt. Dennoch, oder eben darum gilt er als schwierig - ein Prädikat, das meinungsfeste Beobachter dazu einlädt, sich von den Sorgfaltspflichten der Lektüre entbunden zu fühlen. Der Schlagabtausch über die berühmt-berüchtigte Elmauer Rede („Menschenpark”), der seinerzeit mit dem Start des Sphären-Projekts unglücklich zusammenfiel, legte bei einigen Kritikern bestürzende Leseschwächen frei.
Prickelnde Selbstauflösung
Die nunmehr vorliegenden „Schäume” bilden den mehrhundertseitigen Schlussteil einer philosophischen, mitunter romanhaften Reise, die 1998 begann. Schon damals war zu ahnen, worauf die Sache einmal hinauslaufen würde. Sloterdijk, der seinen Sprachfluss immer wieder durch Bildbeigaben unterbricht, eröffnete den ersten Band mit einer Genre-Szene im Stil von Greuze, auf der ein blond gelockter Knabe staunend einer Seifenblase nachblickt. Untermalt einerseits von der Beharrungskraft des Felsbrockens, auf dem er Platz genommen hat, sowie andererseits von der Hinfälligkeit der Tonscherben zu seinen Füßen spiegelt der Gesichtsausdruck des Kindes tiefe Ratlosigkeit. Der Bewunderung von Form und Farben widerstreitet die übermächtige Gewissheit, dass diese Herrlichkeit schon im nächsten Augenblick zu nichts vergehen wird. Seit alters symbolisiert die Seifenblase die irdische Pracht, die vergehen muss.
Um so bemerkenswerter, dass Sloterdijk just dieses Motiv als Explikationsmetapher der Gegenwart auserkoren hat - methodologisch offenbar einer Eingebung Benjamins folgend, wonach es die Aufgabe modernitätsbewussten Philosophierens sei, für die Darstellung der „intentionslosen Wirklichkeit” charakteristische Figuren und jene „Denkbilder” anzubieten, deren aufschließender Kraft nun auch das Sphären-Projekt vertraut. Betont werden muss an dieser Stelle sogleich: Die Denkbilder der Blasen und Schäume wählt Sloterdijk nicht obwohl, sondern weil sie Sinnbilder des Flüchtigen und der Zerbrechlichkeit sind.
Mit dem nun erfolgten Abschluss wird erkennbar, dass das gesamte Sphären-Projekt einen Prozess der Differenzierung beschreibt. Stellte der erste Band die Mikrostruktur der Blasen, das Verhältnis von Innen und Außen, von Einheit und Zweiheit in den Vordergrund, so schärfte der zweite den Blick für Formen und für die Kugelgestalt als dem ästhetisch-moralischen Formideal schlechthin. Der dritte Band knüpft hier an, wenn er die platonische Begeisterung für Gewölbe und Rundgestalten aufgreift und diese Faszinationsgeschichte über zahlreiche Stationen hinweg bis in die Gegenwart verfolgt. Den thematischen Sprung von der solitären Blase zum pluralen Schaum erleichtert die Einsicht des Verhaltensforschers Jakob von Uexküll, wonach sich die Mikrowelt eines jeden Lebewesens nicht etwa ausdehne wie eine einzige Seifenblase, sondern alles individuelle Leben in einer Art Spezialblase verharre, die wiederum mit anderen Blasen koexistiere - kurz: die mit anderen Blasen Schäume bilde. Unter dem Begriff „Schaum” aber darf man sich „Vielkammersysteme von Gaseinschlüssen in feste und flüssige Materialien” vorstellen, „deren Zellen durch filmartige Wände voneinander getrennt sind”.
Die Genauigkeit hat ihre eigene Komik, und Sloterdijk nimmt derlei Effekte gerne mit. Dabei ist es ihm ernst mit dem Schaum, dessen prickelnde Selbstauflösung für ihn eine eigene, antimetaphysische Pointe birgt. Der Schaum versinnbildlicht, kurz gesagt, die Flüchtigkeit der Geltungen in der Moderne, er ist die „Matrix der humanen Tatsachen insgesamt”, und die daraus gewonnene Schaumkunde oder „Aphrologie” - von griechisch áphros, Schaum - bildet die postmetaphysische und insofern zeitgemäße „Theorie kofragiler Systeme”.
Das ist launig formuliert. Sloterdijk liebt Übertreibungen, Provokationen, Pointen. Seine Angriffe auf das Justemilieu können allerdings auch mal danebengehen. So zeigt die leidenschaftliche Ablehnung der anthropologischen Mängelwesentheorie eigentlich nur, dass Sloterdijk den historischen Protagonisten dieser These, Johann Gottfried Herder, weder gelesen noch verstanden hat. Die resümierende Feststellung, Mensch sein bedeute „die erworbene Unfähigkeit, ein Tier zu bleiben”, ist schlicht und einfach Kokolores. Doch statt zu streichen, setzt Sloterdijk noch eins drauf: „Das verstehe, wer kann.”
Derlei Allotria sind verzeihlich, weil der philosophische Schriftsteller Peter Sloterdijk mit eigener Stimme spricht. Das ist heutzutage, trotz Montaigne, trotz Diderot und Nietzsche, keineswegs selbstverständlich. Die Sphären-Trilogie allerdings muss dergleichen von sich fordern, präsentiert sie sich doch als Beitrag zu einer „forschenden Kultur”, die, anders als die auf geläufige Muster vertrauenden Traditionskulturen, in eine Situation „permanenter Musterrevision” gestellt ist. Spracherprobung, Sprachkritik, Sprachfindung werden unter diesen Umständen zu elementaren Bedürfnissen einer Theorie, die erkannt hat, dass sie begriffsbildend und, im ursprünglichen Sinne des Wortes, poetisch werden muss. Sloterdijk, seine „Sphären” belegen es eindrucksvoll, ist um Einfälle nicht verlegen. Was er jetzt braucht, sind kluge Leser.
RALF KONERSMANN
PETER SLOTERDIJK: Sphären. Plurale Sphärologie. Band III : Schäume. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004. 916 Seiten, 29,90 Euro.
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