Die geheime Welt der Bauwerke - Agrawal, Roma
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Wir arbeiten in ihnen, spazieren über sie und fahren durch sie hindurch: Dass Hochhäuser dem Sturm trotzen, Brücken und Tunnel dem Verkehr und der Schwerkraft standhalten, ist jedoch nicht selbstverständlich, sondern fast ein Wunder - und der Kunst der Ingenieure zu verdanken. Roma Agrawal, die Westeuropas zweithöchsten Wolkenkratzer plante, weiht uns ein in die Geheimnisse der Statik. Auf ihrer reich illustrierten Reise durch die Geschichte der Gebäude erzählt Agrawal, wie Materialien Bauweisen revolutionierten, warum beispielsweise die wichtigste Errungenschaft des Römischen Reichs der…mehr

Produktbeschreibung
Wir arbeiten in ihnen, spazieren über sie und fahren durch sie hindurch: Dass Hochhäuser dem Sturm trotzen, Brücken und Tunnel dem Verkehr und der Schwerkraft standhalten, ist jedoch nicht selbstverständlich, sondern fast ein Wunder - und der Kunst der Ingenieure zu verdanken. Roma Agrawal, die Westeuropas zweithöchsten Wolkenkratzer plante, weiht uns ein in die Geheimnisse der Statik. Auf ihrer reich illustrierten Reise durch die Geschichte der Gebäude erzählt Agrawal, wie Materialien Bauweisen revolutionierten, warum beispielsweise die wichtigste Errungenschaft des Römischen Reichs der Ziegelstein war. Das erste populäre Sachbuch über das Bauen, geschrieben von einer der führenden Ingenieurinnen unserer Zeit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: .505/26030
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 261
  • Erscheinungstermin: 20. August 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 154mm x 29mm
  • Gewicht: 474g
  • ISBN-13: 9783446260306
  • ISBN-10: 3446260307
  • Artikelnr.: 52360410
Autorenporträt
Agrawal, Roma
Roma Agrawal, geboren 1983 in Mumbai, ist Physikerin und Bauingenieurin. Der Telegraph schrieb über sie, sie sei "die neue weibliche Stimme der Wissenschaft, die es schafft zu zeigen, dass Ingenieurskunst cool ist". Sie gilt als profilierteste britische Vertreterin der "Women in Science"-Bewegung und hat von Brücken, über Türme bis zu Westeuropas höchstem Wolkenkratzer "The Shard" in London alles Mögliche entworfen. Für ihre Arbeit erhielt sie diverse Preise, u.a. den "Women in Construction Award Engineer of the Year" (2014) und den "Diamond Award for Engineering Excellence"(2015).
Rezensionen
Besprechung von 07.09.2018
Aus der Welt der Traumverwirklicher

Roma Agrawal ist Bauingenieurin und als solche die Ausnahme in einer Männerwelt. Nun gibt sie Einblick in Geschichte und Gegenwart ihres Berufes. Zug- und Druckspannung sind garantiert.

Am Morgen des 16. Mai 1968 will sich die Londonerin Ivy Hodge einen Tee machen. Als sie den Gasherd mit einem Streichholz anzündet, kommt es zu einer Explosion, die die Außenwände ihrer Wohnung absprengt und die Ecke des zweiundzwanzigstöckigen Wohnturms Ronan Point, in dem Hodge in der achtzehnten Etage wohnt, zum Einsturz bringt. Vier Menschen bezahlen mit dem Leben, weil ein Gasboiler defekt war. Am Einsturz dieses windigen Nachkriegsplattenbaus, dessen tragende Elemente fahrlässig notdürftig miteinander verbunden waren, erklärt Roma Agrawal eindrücklich, warum heute ein umfassender Sicherheitsanspruch zum Tragen kommt, wenn es um die Statik von Gebäuden geht. In Zeiten, in denen Häuser mit mehr als achthundert Meter Höhe gebaut werden, sind die korrekte Berechnung von Winddruck und Schwingungen überlebenswichtig.

Die Autorin, 1983 in Indien geboren, ist vom Fach. Sie hat eine makellose Laufbahn hingelegt. Kindheit in New York, Jugend in Mumbai, Spitzname an der Schule "Professorin", Lieblingsfächer Mathematik und Physik, Berufswunsch Astronautin oder Architektin. Mit fünfzehn von ehrgeizigen Eltern nach London zum Schulabschluss geschickt, Studium in Oxford, im Alter von zweiundzwanzig Jahren die erste Anstellung als Bauingenieurin. Ihr erstes Projekt: eine Fußgängerbrücke über die Autobahn in Newcastle. So gut wie immer ist die einzige Frau in einer Männerwelt. Ihren bislang größten Auftrag erledigte sie als Mitglied im Konstruktionsteam des Londoner Hochhauses The Shard, mit 310 Metern das derzeit höchste Haus in Europa.

Agrawal ist eine Vertreterin der unbedingten Machbarkeit - für sie gibt es nichts, was ein Ingenieur nicht bauen kann. Als Lehrerin wäre sie eine Traumbesetzung. Sie hat ein Händchen dafür, anhand von einfachen Modellen und Zeichnungen die Grundprinzipien der Bauphysik und der Konstruktion zu erklären. Sie macht das in einem Ton, den amerikanische Bedienungen haben, wenn sie die Speisekarte erläutern, also niedrigschwellig. Das dürfte der Mehrheit der Leser zugutekommen, die nicht täglich mit Druck- und Zugspannung, Reibung, Platten- und Pfahlgründungen, Katenoiden und Tragwerksplanung zu tun haben.

Von Japan über Mexiko und Berlin nach Istanbul und von den Ägyptern bis in die Gegenwart führt das schlanke Buch zu wichtigen Bauwerken und Erfindungen der Baukunst. Wir lernen, dass die Ziegel der Indus-Zeit schon die gleichen Proportionen wie die heute verwendeten hatten und dass die Kuppel des Taj Mahal durch Chuna zusammengehalten wird, einer Mischung aus Branntkalk, zermahlenen Muscheln, Marmorstaub, Gummi, Zucker, Fruchtsaft und Eiweiß. Hier, wie an vielen anderen Beispielen, zeigt sich das Ingenium der meist namenlosen Baumeister über die Jahrhunderte. Nach den Pyramiden und den griechischen Tempeln brachten es die Römer mit der Erfindung des Betons - opus caementicium - zu neuer Meisterschaft, die mit ihnen für Jahrhunderte verschwand. Die aus diesem Stoff gefertigte Kuppel des Pantheons hält schon zweitausend Jahre, was, wie Agrawal glaubt, bei modernen Gebäuden eher nicht der Fall sein wird. Den Römern gelang es mit Hilfe von Puzzolan sogar Brückenfundamente zu gießen, die unter Wasser aushärteten. In ihre zehnstöckigen insulae pferchten sie die Massen, 45 000 dieser Wohnblöcke gab es im dritten nachchristlichen Jahrhundert in der Hauptstadt, aber nur zweitausend Villen, die gehobene Form des Einfamilienhauses.

Filippo Brunelleschis Florentiner Domkuppel ist ein weiterer Meilenstein, dessen Entstehung hier freilich nicht zum ersten Mal nacherzählt wird. Der wirkliche Schub in die Höhe kommt spät, im neunzehnten Jahrhundert durch Henry Bessemers Verfahren, das es erlaubt, Stahl industriemäßig herzustellen. Die Erfindung des Bewehrungsstahls durch den französischen Gärtner Joseph Monier ermöglicht, Beton in jede nur denkbare Form zu gießen. Und im zwanzigsten Jahrhundert gelingt die Verlagerung der Kräfte auf ein Außenskelett, zu sehen paradigmatisch am John Hancock Center in Chicago oder am Centre Pompidou in Paris. Da Hochhäuser nur funktionieren, wenn es Lifte gibt, verdanken sie ihre Existenz auch Elisha Otis und seiner Erfindung des Sicherheitsaufzugs.

Die Autorin pflegt eine Leidenschaft für Brücken; im Lichte der eingestürzten Genueser Brücke registriert man ihre Begeisterung für Schrägseilbrücken mit gemischten Gefühlen. Agrawal taucht in Abwasserkanäle, beobachtet, wie Singapur Regenwasser sammelt, um von Malaysia unabhängig zu werden, besucht eine Spannbandbrücke in Japan, erläutert das Prinzip von Schiffshebewerken. Und sie porträtiert ihr Vorbild, die amerikanische Autodidaktin Emily Warren Roebling, die Mann und Sohn maßgeblich unterstützte: Ohne sie wäre die Brooklyn Bridge nicht fertig geworden. Woran eine Gedenktafel erinnert, mit einem Satz, den man heute anders formulieren würden: "Hinter jeder großen Leistung steht die selbstlose Hingabe einer Frau."

Trotz ihrer noch jungen Jahre blickt Roma Agrawal gern in die Geschichte. Wer den ersten Tunnel unter der Themse preist, könnte auch einen Blick auf die Erbauer des neuen Gotthard-Tunnels werfen. Stellenweise klingt das sehr nach History Channel, wenn "die Bevölkerung gebannt" auf ein Bauwerk starrt. Für die schon begonnen habende Zukunft mit neuen Materialien wie Graphen, Baurobotern, 3D-Druck gibt sie gerade einmal sechs abschließende Seiten aus - da hätte man gern mehr erfahren, was Ingenieure heute zu leisten imstande sind, wie Glasbauer und Tragwerkskonstrukteure die Herausforderungen immer spektakulärer Architektenpläne umsetzen.

Und so gern sie auch Beton streichelt - dass der Geruch von frisch gegossenem Beton etwas Wunderbares ist, verrät sie ihren Lesern nicht. Ebenso wenig, wie es sich anfühlt, in The Shard zu leben. Wie "gut" das Wohnklima in solchen Beton-Stahl-Glastürmen wirklich ist, davon vermittelt sie keinen Eindruck, wohl aber von ihrer gemauerten Wohnung aus viktorianischer Zeit. Vielleicht sollte man über einen befristeten Residenzzwang für Architekten und Ingenieure von Neubauten nachdenken.

HANNES HINTERMEIER

Roma Agrawal:

"Die geheime Welt der

Bauwerke".

Aus dem Englischen von Ursula Held.

Carl Hanser Verlag,

München 2018.

262 S., Abb., geb, 24,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 23.10.2018
Die Infrastruktur
der Wunder
Schön, klar, stabil: Roma Agrawals
„Die geheime Welt der Bauwerke“
Roma Agrawal ist 35 Jahre alt, stammt aus Indien, lebt in London und arbeitet als Bauingenieurin. Sie hat eine elegante Hängebrücke für Fußgänger in Newcastle geplant und an dem Londoner Hochhaus „The Shard“ mitgearbeitet, dem zurzeit höchsten Bauwerk Westeuropas. Und sie hat ein Buch geschrieben, das so etwas werden könnte wie Ernst Gombrichs „Kurze Weltgeschichte für junge Leser“, nur dass es bei ihr fast noch um ein bisschen mehr geht. „Die geheime Welt der Bauwerke“ heißt es auf deutsch, der englische Titel ist präziser und schöner: „Built. The hidden stories behind our structures“. Tatsächlich sind diese Geschichten nicht nur in der Art von Bauten verborgen, die als Architektur wahrgenommen werden, sondern in der kompletten Infrastruktur einer modernen, städtischen Umwelt.
Agrawal beschreibt die Grundlagen dessen, was einem im Alltag meistens völlig selbstverständlich und gegeben vorkommt. Ihr Buch lehrt, was für ein grandioses Wunder es ist, dass Häuser halten, Flüsse überbrückt werden können, Fahrstühle fahren, Wasser trinkbar aus der Leitung kommt und die Straße nicht mehr riecht wie eine Kloake. Diese Wunder haben zum Teil noch genau benennbare Menschen vollbracht, die man heute unter dem Berufsbild des Ingenieurs zusammenfasst. Agrawals Buch ist eine Ode auf den notorischen Optimismus dieser Leute, die da, wo Architekten schöne Dinge entwerfen, einerseits überall erst einmal Probleme sehen, die der Sache prinzipiell und hartnäckig im Wege stehen, Last- und Zugkräfte, Druck, Wind, die Weichheit des Bodens und ähnliches, dann aber mit diesen Problemen Judo treiben und sie in Lösungen verwandeln. Die wiederum sind dann oft noch schöner als das, was sich ein Architekt beim Entwurf zusammenfantasiert, weil sie die Unabweisbarkeit des Zweckdienlichen in sich tragen.
Es gehörten und gehören deutlich mehr Männer dazu als Frauen, und Agrawal erzählt von sonderbaren Situationen, wenn sie als Planerin die insgesamt recht männlich geprägte Welt der Bauwagen mit ihren anzüglichen Spindfotos und dergleichen betritt. Aber sie verweist darauf, dass sie auch weibliche Vorbilder gefunden habe – Emily Warren Roebling zum Beispiel, ohne deren Tatkraft, Organisations- und Verhandlungsgeschick die Brooklyn Bridge in New York nicht zustande gekommen wäre.
Die Art, wie dort an den Brückenfundamenten gearbeitet wurde, nämlich in eisernen Luftkästen, die unter Wasser auf dem Grund aufsaßen, erzählt etwas von der heroischen Komponente, die das angeblich von der Trockenheit der Mathematik umflorte Ingenieurswesen auch immer hat. Roeblings Mann wurde krank und fast wahnsinnig unter den Bedingungen da unten, nicht alle Arbeiter überlebten. Ingenieurtechnische Meisterleistungen sind immer auch mit Opfern verbunden gewesen, die insofern wirklich tragisch waren, als sie das Leben ja einfacher und ungefährlicher machen wollten. Dass Dinge funktionieren, dass sie halten, dass sie stehen bleiben, dass wir sie benutzen können, ohne weiter darüber nachzudenken, wie das kommt, welchem Wurm das Prinzip des maschinellen Tunnelbaus abgeschaut wurde, oder was genau alles nötig war, damit unser Wasser frisch aus der Wand kommt und das Abwasser geruchlos aus unseren Städten wieder verschwindet, oder was getan werden muss, damit die neuen Superhochhaustürme nicht im Wind schwingen wie Grashalme: Das alles sind Geschichten, die am Ende immer auf ein Lob der verblüffenden Einfachheit hinauslaufen. Und Agrawal schreibt das auch so auf, dass es selbst ein Leser verstehen muss, der seinen kompletten Mathe- und Physikunterricht geschwänzt hat.
Dass sie dabei immer mal wieder bei anekdotischen Geschichtchen von ihrer indischen Mutter oder von ihrer Liebe zum Kuchenbacken ausgeht (zum Beispiel, um zum Backen von Ziegeln zu kommen), ist in dem Zusammenhang vielleicht so etwas wie der Stuck, den die Lektoren ihr vergessen haben auszureden, wenn sie ihn ihr nicht sogar erst eingeredet haben. Davon sollte sich aber keiner abhalten lassen. Dahinter scheinen immer gleich die schönen, klaren, logischen Linien der stabilen Struktur auf – wie in einem Architekturentwurf, nachdem ihn die Ingenieurin unter ihrem Stift hatte.
PETER RICHTER
Roma Agrawal: Die geheime Welt der Bauwerke. Aus dem Englischen von Ursula Held. Carl Hanser Verlag, München 2018. 352 Seiten, 24 Euro.
Welchem Wurm wurde das
Prinzip des maschinellen
Tunnelbaus abgeschaut?
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"Hoch spannend, im wahrsten Sinne!", Art 02.19 "Schön, klar, stabil (..) Ihr Buch lehrt, was für ein grandioses Wunder es ist, dass Häuser halten, Flüsse überbrückt werden können, Fahrstühle fahren, Wasser trinkbar aus der Leitung kommt..." Peter Richter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.18 "Nach der Lektüre dieses Buches ist man (...) nicht nur um viel Faktenwissen reicher - man betrachtet auch die Bauwerke, die einen umgeben anders als zuvor: voller Respekt. Und der gilt auch Roma Agrawal. Was für ein Buch!" Anne Kohlick, Dlf Kultur, 07.09.18 "Die (...) Ingenieurin (...) weiß auch anschaulich von ihrem Beruf zu erzählen (...) und nimmt uns mit auf eine Wanderung von der Antike bis heute rund um den Globus. Unterhaltsamer kann man die (...) Materie kaum vermitteln." Gerhard Mack, NZZ am Sonntag, 30.09.18 "Eine Bauingenieurin erzählt unterhaltsam von der Kunst, Brücken und Gebäude zu bauen (...) das Werk vermittelt ein grundlegendes Verständnis von der Materie und wird dem einen oder anderen Leser zu einem kompetenten Blick auf Bauwerke verhelfen." Katja M. Engel, Spektrum der Wissenschaft, 19.10.18