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Der erbarmungsloseste Roman des 20. Jahrhunderts

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Produktbeschreibung
Der erbarmungsloseste Roman des 20. Jahrhunderts

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  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
  • Erscheinungstermin: 1. November 2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783644023918
  • Artikelnr.: 37467962
Autorenporträt
Louis-Ferdinand Céline (eigentlich Louis-Ferdinand Destouches), geboren 1894 in Asnières, meldete sich freiwillig zum Ersten Weltkrieg und wurde verwundet, studierte Medizin, war Armenarzt in einer Pariser Vorstadt, bevor er als Romancier und Essayist bekannt wurde. Seine bekanntesten Werke: «Reise ans Ende der Nacht», «Tod auf Raten», «Guignol's Band I/II». War wegen antisemitischer Pamphlete umstritten, floh gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nach Dänemark und wurde in Abwesenheit wegen Kollaboration zum Tode verurteilt, später rehabilitiert. Céline starb 1961 in Meudon.

Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 11.03.2008

Die ganze Erde hätte ich auskotzen können
In dem Antihelden und Ich-Ich-Ich-Erzähler Ferdinand Bardamu hat sich Louis-Ferdinand Céline ein dunkles Alter Ego entworfen. Er erkennt die Abnutzung der Menschen, den Geruch der Schlachtfelder. Ein großes Hörspiel inszeniert die Finsternis des Textes Von Wilhelm Trapp
Wie Blitze aus einem unerhellbaren Dunkel fahren diese Bilder ins Hirn. An Hieronymus Bosch fühlt man sich erinnert, an seine Nachtstücke wie etwa das „Jüngste Gericht” in der Alten Pinakothek, aus dem, in einem sich ins Ortlose verlierenden Nachtland, einsame Verdammte grellbunt herausstechen: eitel und grausam noch in ihrer Hölle bizarrer Torturen, bleiben sie befangen in einer quälerischen Lust – die von der des Betrachters gar nicht ohne weiteres zu trennen ist.
Das große Hörtableau, das Ulrich Lampen (Regie) und Michael Farin (der den Text eingerichtet hat) aus Louis-Ferdinand Célines Epochenroman „Reise ans Ende der Nacht” von 1932 gemacht haben, mutet an wie die Tonspur zu einer Bosch´schen Szenerie. Denn Célines hochkonzentrierte Sprachszenen leuchten – während die Geschichte noch kaum fassbar ist – in enormer Bildhaftigkeit aus dem Geräuschnebel heraus: Da fährt eine „U-Bahn, angefüllt mit brabbelndem, zuckenden Fleisch”.
Oder, aus dem Afrika-Kapitel: „Die Filzläuse der Truppe quälen die Nonnen genauso wie alle anderen. Um sich besser kratzen zu können, heben sie ihre Röcke hinter dem Wandschirm, wo der Tote vom Vormittag liegt und vergebens versucht zu erkalten, so heiß ist selbst noch ihm.” Was hier alles aufblitzt und ineinander schlingt – der Sex zum Parasiten zum Voyeurismus eines Toten, den eine letzte, geile Hitze nicht loslässt –, diese dichte Verschlingung geht weit über das Obszöne hinaus. In solch existenziellen Allegorien legt Céline den Energiekern seines Schreibens, seiner Menschen frei, schneidet auf den tiefsten, dunkelsten Punkt ihrer Seelen: Eine unlösbare Verknotung von Qual, Sex, Tod, Lust.
Ferdinand Bardamu heißt der Held und Ich-Erzähler des Romans, oder eher: der Antiheld und Ich-Ich-Ich-Erzähler. Seine Subjektivität ist radikal, aber auch blass, denn wer weiß schon, was dieser von einer trostlosen Kraft Getriebene wirklich sucht und will? In die flandrischen Schützengräben des Ersten Weltkriegs verschlägt es den Medizinstudenten fast zufällig. Er wird verwundet, kommt in die Psychatrie, lebt in Paris, geht dann nach Togo, in die USA und schließlich zurück nach Frankreich, um Armenarzt zu werden.
Die fünf Hörkapitel orientieren sich an diesen bedeutungsschweren Wegmarken, an denen Bardamu stets Ähnliches erlebt. Er trifft Menschen, liebt die Eine oder Andere (seine positivste Regung ist seine allerdings recht fidele Begehrlichkeit) und findet überall Zynismus und Gemeinheit: „Wenn man länger an einem Ort bleibt, dann entblößen sich die Dinge und Menschen immer mehr, sie faulen und fangen an zu stinken, eigens für einen selbst.”
So physisch und sinnlich Céline allerdings das Unmittelbare schildert, so unklar bleiben die großen Bögen. Der Titel spottet, mit zielhaftem Reisen hat Bardamus Weg nichts zu tun: „,Nach Afrika!’, dachte ich einfach. ,Je weiter weg, desto besser.’” Genaueres, warum er plötzlich in der Kolonie sein Unglück sucht, erfährt man nicht.
Nicht zuletzt in dieser Unübersichtlichkeit besteht die titelgebende, aus den Menschen selber quellende Nacht – deren Schatten, Schemen und Gespenster dem Hörspiel eine riesige atmosphärische Dunkelkammer eröffnen. Unvermittelt tauchen da Stimmen aus dem Geräuschgrund auf, der oft eher isolierend zwischen den Figuren liegt, sie zuweilen sogar überlappt, statt als klare akustische Kulisse zu dienen. Es ist anfangs nicht ganz leicht zu hören, auf Dauer aber umso fesselnder, dass die Bearbeitung die Finsternis des Textes keineswegs abmildert, sondern mit eigenen, akustischen Mitteln wiedergibt. Der Rhythmus der Gedanken und Geschehnisse wird in einen tiefen, fluchtenreichen Klangraum übersetzt, dem mal nahe, flüsternde, mal ferne Stimmen fast körperliche Dichte verleihen.
Diese Geschichte ist ein Erinnerungsstrom, aber ein unreiner, der oft ins erlebende Präsens springt und ganze Szenen direkt wiedergibt. Um dies zu harmonisieren, wurden ähnliche Nebenrollen gleich besetzt. Helmut Stange etwa leiht seinen gequetscht leidenden Ton allen älteren Männergestalten – ein Kunstgriff, der ihre typenhafte Archaik unterstreicht. Die schwierige Erzählperspektive Bardamus (warum überhaupt erzählt er?) dagegen wurde raffiniert auf zwei Schauspieler aufgeteilt: Auf Felix und Florian von Manteuffel, Vater und Sohn, deren hörbare Verwandtschaft einerseits den doppelten Blick des Protagonisten verklammert – und andererseits seine Zerrissenheit nur verdeutlicht. Dieser Mensch hat keine Mitte, die unverdauten Schrecken werden so schlimm erinnert, wie sie erlebt wurden. Selbst die eher konventionellen Begleitklänge (Afrika-Trommeln, Jazz in Detroit) sind so getaktet, dass sie wie eine innere Wiederholungschleife klingen.
Bardamu, das ist nicht zuletzt eher eine Haltung als ein Charakter, eine Haltung, die sich gern sentenzhaft manifestiert: „Das Elend ist riesig, es nimmt dein Gesicht her und wischt damit den Dreck auf wie mit einem Putzlumpen.” „Die ganze Erde hätte ich auskotzen können.” Das sind so Bardamu-Sätze, deren umgangsprachliche Drastik 1932 das Stilrepertoire der französischen Literatur revolutionierte. Siebzig Jahre mussten die deutschen Leser darauf warten, bis 2003 Hinrich Schmidt-Henkels gerühmte Übersetzung die alte, von der Zensur der Dreißiger Jahre verstümmelte deutsche Version ablöste. Schockieren kann uns diese neue „Reise” zwar nicht mehr, doch kein Zufallshörer (der Bayerische Rundfunk hat produziert) dürfte diesen Text auf 75 Jahre schätzen. Erahnbar bleibt seine Sprengkraft, wenn man bedenkt, dass Proust gerade zehn Jahre tot war und Thomas Mann als Lordsiegelbewahrer der deutschen Klassik an der Joseph-Tetralogie schrieb, als Céline seinen Bardamu etwa derart schlimm vor Fieber schnattern lässt, „dass meine klapprige Pritsche rappelte wie unter einem Dauerwichser.”
So expressionistisch und surreal diese Nachtreise anmutet, so wenig ist sie einfach nur das provokante Spiel eines Avantgardisten. Die Urszene des Ferdinand B. liegt in den Kriegserlebnissen des Ferdinand C., der selbst traumatisiert aus dem Krieg kam, der ebenfalls in Afrika, den USA und Paris lebte und als Arzt praktizierte. In Bardamu hat Céline ein dunkles Alter Ego entworfen: sein Antiheld hat im Krieg jene spürhundhafte Prägung erlitten, die ihn den Blut- und Leichengeruch der Schlachtfelder, die Abnutzung der Menschen und den Verbrauch der Überflüssigen an allen Enden Welt erkennen lässt.
Trotz seines Pessimismus ist dieser vehemente Antikriegsroman keineswegs zynisch, er hat sogar zärtliche Momente. Zur seiner Geliebten Molly hat Bardamu „ein ganz besonderes Zutrauen, ein Gefühl, das bei angstgeplagten Menschen an die Stelle der Liebe tritt.” Ein Zutrauen, wie es die Tiere empfinden. In solchen Stellen offenbart sich die Blickverschiebung nach ganz unten, sozusagen in die Scheißhausperspektive (eine entsprechende Szene ist im Hörspiel gekürzt). Bardamu ist der literarische Katalysator, durch den Céline die Gemeinheit seiner Zeit in stechende Prosa übersetzt, die heller einfach nicht sein konnte. Und seine Zeit ist auch unsere Zeit: „Ich seh sie ganz genau vor mir, die Zukunft: Wie eine Sexorgie ohne Ende. Und dazwischen Kinofilme”. Ein Michel Houellebecq hat hier weitergemacht. Doch so wie Céline hatte bis dahin keiner ins Seelendunkel der kleinen, zerschundenen Menschen geleuchtet.
Louis-Ferdinand Céline
Reise ans Ende der Nacht
Regie: Ulrich Lampen; mit Felix von Manteuffel, Florian von Manteuffel, u. v. a., Der Hörverlag, München 2008,
5 CDs, 280 Min., 29,90 Euro.
Bei angstgeplagten Menschen tritt Zutrauen an die Stelle der Liebe
„Wenn man länger an einem Ort bleibt, dann entblößen sich die Dinge und Menschen immer mehr, sie faulen und fangen an zu stinken, eigens für einen selbst.” – Louis-Ferdinand Céline um 1955 Foto: Roger Viollet/Getty Images
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Ein Übersetzungs-Meisterwerk. FAZ

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensentin Christiane Zintzen sagt dem dunklen Roman von Ferdinand Celine über den Ersten Weltkrieg eine immense Wirkungskraft nach. Ein zeitloser, grenzenüberschreitender Roman, der einer "akustischen Realisierung entgegendrängt", so Zintzens Urteil. Das Hörspiel des Bayerischen Rundfunks unter der Regie von Ulrich Lampens hat die Rezensentin nicht enttäuscht: in ihrer szenischen Ausarbeitung bleibe die Erzählung genauso intensiv wie die Vorlage, das schnelle Tempo werde von diversen perkussiven Leitmotiven getragen. Die erlebende und die reflexierende Erzählstimme des Protagonisten Bardamus, so berichtet Zintzen, werden auf zwei Personen verteilt: Felix von Manteuffel und sein Sohn Florian Manteuffel machen die doppelte Ebene des Romans durchaus überzeugend, resümiert Zintzen.

© Perlentaucher Medien GmbH