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Frankreich ist mehr als nur der große Nachbar Deutschlands. Es ist ein Land, das sich vom Erbfeind zum vertrauten Partnerland gewandelt hat, das nach dem Brexit als Pfeiler Europas so wichtig ist wie nie zuvor. Und es ist seit jeher ein Sehnsuchtsland der Deutschen, die seine Eleganz und seinen Stil, die Küche und Kultur bewundern. Aber Frankreich steckt in der Krise: Der Niedergang der Wirtschaft, politische Skandale und Stagnation, der Aufstieg des rechtsradikalen Front National, soziale Spannungen und islamistische Attentate haben das Selbstbewusstsein der Grande Nation erschüttert. Ulrich…mehr

Produktbeschreibung
Frankreich ist mehr als nur der große Nachbar Deutschlands. Es ist ein Land, das sich vom Erbfeind zum vertrauten Partnerland gewandelt hat, das nach dem Brexit als Pfeiler Europas so wichtig ist wie nie zuvor. Und es ist seit jeher ein Sehnsuchtsland der Deutschen, die seine Eleganz und seinen Stil, die Küche und Kultur bewundern. Aber Frankreich steckt in der Krise: Der Niedergang der Wirtschaft, politische Skandale und Stagnation, der Aufstieg des rechtsradikalen Front National, soziale Spannungen und islamistische Attentate haben das Selbstbewusstsein der Grande Nation erschüttert.
Ulrich Wickert ist der bekannteste Frankreich-Experte Deutschlands, jahrelang berichtete er als Auslandskorrespondent aus Paris, lebt bis heute neben Hamburg auch in Südfrankreich. 'Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen' ist das Resümee seiner lebenslangen Faszination und Auseinandersetzung mit einem Land, das uns so vertraut scheint, aber doch viele Geheimnisse birgt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • Artikelnr. des Verlages: 0050217
  • Seitenzahl: 287
  • Erscheinungstermin: 12. September 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 134mm x 27mm
  • Gewicht: 424g
  • ISBN-13: 9783455502176
  • ISBN-10: 3455502172
  • Artikelnr.: 48187776
Autorenporträt
Wickert, Ulrich
Ulrich Wickert, geboren 1942, ist einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands. Er war als Korrespondent in den USA und Frankreich tätig, außerdem langjähriger Anchorman der Tagesthemen. Er lebt in Hamburg und Südfrankreich, wo er neben Kriminalromanen auch politische Sachbücher schreibt. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen unter anderem die Bestseller Vom Glück, Franzose zu sein, Gauner muss man Gauner nennen und Der Ehrliche ist der Dumme. In seiner erfolgreichen Krimiserie um den Richter Jacques Ricou erschien zuletzt Das Schloss in der Normandie (Hoffmann und Campe 2015). Seit ihrer Gründung ist Wickert Secrétaire perpétuel der Académie de Berlin, die den kulturellen Austausch zwischen Frankreich und Deutschland fördert.
Rezensionen
"In dieser Mischung aus Reflektion und Bettgeflüster entsteht auf 285 Seiten ein Sittengemälde der Fünften Republik." Stefan Schröder Darmstädter Echo, 15.09.2017
Besprechung von 10.10.2017
Im Korsett
Ulrich Wickert versucht, Frankreich zu erklären
Deutsche „Liebeserklärungen“ an Frankreich gibt es en masse, und Deutsche, die ihren Landsleuten das Nachbarland erklären wollen, nicht weniger. Dass Ulrich Wickert unter ihnen zu den intimen Kennern des Landes gehört, steht außer Frage. Allerdings auch, dass er hier in den Ton verfällt, der die meisten deutschen Bücher über Frankreich prägt, nämlich den der Bewunderung für eine als geradezu monolithisch betrachtete „französische Kultur“, mit der man anderen, zumal den eigenen Landsleuten, das leuchtende Beispiel eines Volkes selbstbewusster Individualisten („Dass Franzosen Individualisten seien, ist nun wirklich kein Klischee“) geben könne. Vor diesem Hintergrund lassen sich alle anderen Aussagen über den Franzosen umso leichter vermitteln, auch wenn bei ihnen nicht mehr so ganz klar ist, ob sie wirklich kein Klischee sind.
Wickert schreibt über den Niedergang der Intellektuellen, über die französische Küche und viel (vielleicht zu viel) über Emmanuel Macron. Das Thema „französische Frauen“ darf nicht fehlen: So stellt er fest, der französische Mann zolle ihnen „Respekt, ohne weitere Hintergedanken“, während „der Deutsche nur zielgerichtet denkt: Wie kriege ich die Frau ins Bett. Er muss ja Leistung bringen.“ Die deutschen Frauen, so wird dem Leser hier klar, sehnen sich womöglich nach einem so einfühlsamen Troubadour wie Dominique Strauss-Kahn. Und wenn Wickert betont, dass „die Franzosen keinen Staatspräsidenten wählen würden, der nicht über eine geschliffene Sprache sowie eine historische und kulturelle Bildung verfügt“, fragt man sich, wie die Präsidentschaften Jacques Chiracs und Nicolas Sarkozys so schnell in Vergessenheit geraten konnten.
Die Falle des Klischees schnappt bei Büchern über Frankreich, gerade mit einem solchen Titel, sehr schnell zu. Das war ähnlich bei dem bisher wirkmächtigsten Frankreich-Buch eines Deutschen, nämlich Friedrich Sieburgs „Gott in Frankreich?“ von 1929. Dass es auch anders geht, hat Peter Scholl-Latour gezeigt und – in leiseren Tönen – Karl-Heinz Götze mit „Süßes Frankreich?“ Dabei ist das, was Wickert über französische Eigenheiten schreibt (Götze sprach seinerzeit von „Mythen des französischen Alltags“), durchaus einleuchtend und gar nicht so schwer zu verstehen, wie es der einem Tucholsky-Zitat entlehnte Titel des Buches suggeriert – was mitunter daran liegt, das Entscheidendes weggelassen wird. So gibt es in der Tat einen catholicisme zombie, mit dem Wickert in Anlehnung an Emmanuel Todd die katholisch-konservativen bis reaktionären französischen Integristen meint. Daneben, ja vor allem darüber hinaus spielt die katholische Kirche in Frankreich indes durchaus eine Rolle, und zwar eine progressive, denkt man nur an ihre Positionen während des vergangenen Wahlkampfs oder – historisch – an einige (zugegebenerweise nicht alle) französische Bischöfe, die während der deutschen Besatzung ihre Ablehnung des Antisemitismus deutlich zeigten – deutlicher als mancher, der später sozialistischer Präsident wurde und von Wickert als Lichtgestalt gepriesen wird.
Wickerts zweifellos interessante Blicke auf Frankreich, die durch seine Vernetzung mit Tout Paris an Tiefenschärfe gewinnen, lassen letztlich im Dunkeln, weshalb man dieses Land lieben sollte. Dabei gibt es unzählige Gründe, im besten Sinne des Wortes begeistert zu sein: Denn mehr als jedes andere Land zeigt Frankreich dem östlichen Nachbarn das andere seiner selbst, und der deutsche Blick auf Frankreich – dieses Land, mit dem einen so vieles verbindet und von dem einen noch mehr trennt – kann die Relativität jedes national geprägten Selbstverständnisses vor Augen führen. Dass und warum viele Franzosen dies mit Blick auf ihre Nachbarn inzwischen ähnlich sehen, davon ist in Wickerts Buch nichts zu lesen – schade!
CLEMENS KLÜNEMANN
Es bleibt im Dunklen, warum
man dieses Land lieben sollte.
Dabei gäbe es Gründe genug
Ulrich Wickert:
Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen.
Verlag Hoffmann und
Campe, Hamburg 2017.
287 Seiten, 22 Euro.
E-Book: 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 07.10.2017
Happy End
Am Anfang steht die Kaltmamsell: Ulrich Wickert feiert Frankreich.

Von Michaela Wiegel

Als Sehnsuchtsort der Deutschen ist Frankreich seit einiger Zeit verschollen. Das vom Terror heimgesuchte und von der Dauerwirtschaftskrise zermürbte Land wirkte bis vor kurzem, als sei es direkt Michel Houellebecqs düsteren Vorahnungen entsprungen. Über solche skeptisch-sorgenvolle Wahrnehmung des Nachbarn setzt sich Ulrich Wickert nun mit erfrischendem Enthusiasmus hinweg. In seinem Buch knüpft er an die vernachlässigte Tradition der beglückten Frankreich-Kenner an, die Autoren wie Joseph Roth, Friedrich Sieburg, Stefan Zweig und Kurt Tucholsky prägten. Auf Letzteren geht auch der Titel des Buches zurück. 1929 schrieb Tucholsky: "Den Deutschen muss man verstehen, um ihn zu lieben; den Franzosen muss man lieben, um ihn zu verstehen."

Anders als Tucholsky, dessen Frankreich-Lob immer ein Leiden an Deutschland einschloss, nähert sich Wickert dem Nachbarland nicht aus der Warte des Heimatkritischen. Seine Betrachtungen zu Frankreich sind die eines europäischen Weltenbummlers, der stolz darauf ist, an der Seine ebenso heimisch zu sein wie an der Alster. Wickerts Verbindung zu Tucholsky ist subtiler und liegt im wohlwollenden Blick, den er auf die raffinierte Kultur, die feinsinnige Lebensart und den guten Geschmack der Franzosen richtet.

Im Titel schwingt schon die Überzeugung des Autors mit, dass Frankreich eigentlich nur mit dem Herzen gut zu sehen sei. Diese Grundeinstellung prägt Wickerts Streifzüge durch "Tout-Paris", zu denen er die Leser hinzu bittet, im niemals eingebildeten Ton des geselligen Flaneurs. Im Traditionsrestaurant "Chez Lipp" am Boulevard Saint-Germain etwa wartet Roland Dumas auf ihn, Résistance-Kämpfer, Anwalt, Künstlerfreund, ehemaliger Außenminister und Verfassungsratspräsident. Dumas verkörpert wie kein anderer die moralische Dekadenz der Mitterrand-Ära, die zugleich die journalistische Blütezeit des Autors in Paris markiert (von 1984 bis 1991 leitete er das ARD-Studio in der französischen Hauptstadt).

Nun aber entzieht sich Wickert elegant der Rolle des Tugendwächters. Das Dickicht aus Liebschaften, Korruption und Macht, das sich um Dumas rankte, war besser in einem seiner Krimis zur Leuna-Affäre aufgehoben. Wickert beschreibt mit feinfühliger Distanz den betagten Lebemann, der zum Mittagessen mit seiner sechzig Jahre jüngeren russischen Gespielin Svetlana bittet. Die Zeilen zeugen von einer gewissen Faszination, mit welcher Ungeniertheit Dumas seine Mätresse ausführt.

Wickert (Jahrgang 1942) hat in seinen Korrespondentenjahren bis zur deutschen Wiedervereinigung noch das in sich ruhende, selbstbewusste Frankreich kennengelernt, das nicht an sich zweifelte. Seine besten Kontakte reichen in diese Zeit zurück. Gelungen sein Porträt des Schriftstellers und heimlichen Literaturpapstes Jean d'Ormesson, dessen Aura sich besser kaum beschreiben ließe. Wickert lässt den fast gleichaltrigen Altpräsidenten Valéry Giscard d'Estaing erzählen, wie er Jean d'O. bei einem der "goûters d'enfants" kennenlernte, zu dem sich die Kinder aus gutem Hause in der Vorkriegszeit bei Kakao und Kuchen in einem der vornehmen Appartements von Paris trafen. Man glaubt die schweren Teppichböden und blitzenden Kronleuchter zu sehen, die Lackschuhe der Knaben, die Rüschenkleider der Mädchen und die steife Schürze der Kaltmamsell. Nörgler würden einwenden, dass es immer wieder Männer sind, aus denen Wickert sein neustes Frankreich-Puzzle zusammensetzt. Aber der Autor ist viel zu schlau, nicht schon eine Antwort parat zu haben. Er zitiert den Salon-Intellektuellen Bernard-Henri Lévy: "Frankreich ist ein altes gallisches Macho-Land."

Kann sich Frankreich verändern? Auf diese Frage hat Wickert nur eine Antwort: Emmanuel Macron wird es richten. Der Autor kann seine Begeisterung über den "märchenhaften Aufstieg" des jungen Mannes nicht verbergen. Er schreibt dem 39 Jahre alten Präsidenten das Vermögen zu, als "universeller" Revolutionär nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa zu erneuern. "Mit der Revolution Europas (wird) auch diesmal wieder Paris von ganz allein die politische und moralische Führung zufallen", schreibt er. Diese gewagte These hätte Wickerts Vorbild Kurt Tucholsky wahrscheinlich gefallen. Der schrieb als Peter Panter 1924: "In Frankreich hat kein wichtiges historisches Ereignis stattgefunden, das nicht von Paris ausgegangen oder in Paris beendet worden wäre. Diese Stadt hat alles schon gehabt, und nichts kann sie mehr in Erstaunen setzen. Aber bleiben wird, für absehbare Zeit, das sich ewig verjüngende, alte, neu erstehende und unsterbliche Paris."

Ulrich Wickert: "Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen".

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2017. 288 S., geb., 22,- [Euro].

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