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Im Dienste des KGB – das außergewöhnliche Leben der Fotografin Edith Tudor-Hart Berühmte Fotografin, Spionin für die Sowjetunion und alleinerziehende Mutter – Edith Tudor-Hart führte ein bewegtes Leben. Geboren und aufgewachsen in Wien, studierte sie während der Weimarer Republik am Bauhaus, später wurde sie wegen kommunistischer Umtriebe verhaftet und emigrierte nach England. Dort wurde sie mit ihren fotografischen Sozialreportagen bekannt und hatte engen Kontakt u.a. zu Anna Freud, Donald Winnicott und Kim Philby. Zugleich arbeitete sie im Auftrag des KGB und spielte die Schlüsselrolle bei…mehr

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Produktbeschreibung
Im Dienste des KGB – das außergewöhnliche Leben der Fotografin Edith Tudor-Hart Berühmte Fotografin, Spionin für die Sowjetunion und alleinerziehende Mutter – Edith Tudor-Hart führte ein bewegtes Leben. Geboren und aufgewachsen in Wien, studierte sie während der Weimarer Republik am Bauhaus, später wurde sie wegen kommunistischer Umtriebe verhaftet und emigrierte nach England. Dort wurde sie mit ihren fotografischen Sozialreportagen bekannt und hatte engen Kontakt u.a. zu Anna Freud, Donald Winnicott und Kim Philby. Zugleich arbeitete sie im Auftrag des KGB und spielte die Schlüsselrolle bei der Rekrutierung der »Cambridge Five«, des berühmtesten Spionagerings, den die Sowjetunion in Großbritannien unterhielt. Peter Stephan Jungk verfasst die lebendige Romanbiographie seiner Großtante, einer der wichtigsten österreichisch-britischen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. »Ein biographisches Meisterwerk!« Gerhard Roth

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, R, E, FIN, F, GR, H, IRL, I, HR, LR, LT, L, M, NL, PL, P, SK, SLO, S, GB ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 21.05.2015
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783104034232
  • Artikelnr.: 41960953
Autorenporträt
Peter Stephan Jungk

Peter Stephan Jungk, geboren 1952 in Santa Monica, Kalifornien, ist Autor zahlreicher Romane, darunter ›Tigor‹, ›Der König von Amerika‹, ›Die Reise über den Hudson‹ und ›Das elektrische Herz‹ sowie Drehbuchautor, Dokumentarfilmer und Übersetzer (u.a. Woody Allen und Thornton Wilder). Sein Roman über Walt Disney, ›Der König von Amerika‹, diente dem amerikanischen Komponisten Philip Glass als Vorlage für dessen neueste Oper ›The Perfect American‹. Jungk studierte am American Film Institute in Los Angeles und war 1977 Regieassistent von Peter Handke bei der Verfilmung von ›Die linkshändige Frau‹. 1987 erschien seine vielbeachtete Biographie von Franz Werfel (Fischer Taschenbuch Bd. 14975). Zuletzt war Peter Stephan Jungk Gastprofessor für Deutsche Literatur in den USA und Österreich. Er lebt mit seiner Frau, der Fotografin und Produzentin Lillian Birnbaum, in Paris, sein Dokumentarfilm über Edith Tudor-Hart (2017) hat große Beachtung gefunden.

Literaturpreise:

u.a.
Stefan-Andres-Preis 2001
Buchpreis der Salzburger Wirtschaft 2011

Rezensionen
ein äußerst fesselndes Buch Liza Soutschek Damals.online 20151007
Besprechung von 07.07.2015
Die Frau, die Kim Philby erfand
Im Dienst der Sowjets: Peter Stephan Jungk schreibt die Geschichte der Spionin Edith Tudor-Hart

Erst 2013 - die größte Schau ihrer Werke, die es jemals gegeben hatte. Vierzig Jahre nach ihrem Tod. Die Ausstellung im Wien Museum zeigte ihre frühesten Fotos aus dem Wien um 1930: das Subproletariat in Slums hinter Bretterzäunen, bettelnd auf den Straßen, dann ihre Sozialreportagen aus den Elendsquartieren Londons und dem walisischen Kohlerevier, Streiks und Hungermärsche in den dreißiger Jahren. Sie zählen zu den Hauptwerken der britischen Arbeiterfotografie.

Edith Tudor-Hart, geboren in Wien 1908 als Edith Suschitzky, hatte neben der Fotografie ein zweites Leben: als Agentin für den sowjetischen Geheimdienst KGB, für den sie den "Jahrhundertspion" Kim Philby anheuerte, der seinerseits vier Studienkollegen rekrutierte, die später hohe Funktionen im britischen Geheimdienst einnahmen und als "Cambridge Five" bis in die frühen sechziger Jahre Informationen an die Sowjets lieferten. Ein entfernter Verwandter, Peter Stephan Jungk -, "Edith war die Tochter des Bruders meines Großvaters mütterlicherseits" - hat nun ihre Lebensgeschichte zu Papier gebracht, so weit wie derzeit möglich jedenfalls, denn die Archive des KGB sind seit 1995 wieder so unzugänglich wie vor Gorbatschow.

Dennoch gelingt Jungk ein eindringliches Bild eines Lebens, das ihm nicht gefällt. Gleich zu Beginn fragt er die 1973 verblichene Tante: "Wozu das alles, in das du da hineingeraten bist? Hat es sich gelohnt?" Edith Suschitzky wächst in einer sozialdemokratischen Familie auf, die eine Arbeiterbuchhandlung betreibt, zu Hause werden Marx und Lenin gelesen, die Kinder sind in der sozialistischen Jugendbewegung, Sommerlager, politische Diskussionen.

Dass die Familie jüdisch ist, spielt im Alltag keine große Rolle, alle wissen nur von ihrer "Suschitzkynase . . ., dieser langen, ausgeprägt jüdischen, großen Nase mit kleinem Höcker". In den dreißiger Jahren habe jeder auf solche Merkmale geachtet, erinnert sich ein Verwandter Ediths, "es war, als ob man schwarzhäutig sei". Trotzdem sei aus ihr eine schöne, große Frau geworden, "sie hatte etwas von einer edlen Giraffe".

Edith verlässt die Schule mit sechzehn, will Kindergärtnerin werden, belegt einen Kurs bei Maria Montessori in London. Kaum zurück in Wien, lernt sie in der Buchhandlung der Familie Arnold Deutsch kennen, führendes Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation. Sie werden ein Liebespaar und bald auch Parteigenossen. Deutsch schenkt ihr, bevor er von der Partei nach Moskau abkommandiert wird, den Prototyp einer Rolleiflex-Kamera.

Nach einem Lehrgang am Bauhaus Dessau konzentriert sie sich auf die soziale Aussage ihrer Bilder, die Kamera als Waffe im Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Als sie später in Wales streikende Bergleute und Hungermärsche fotografiert, notiert sie: "Der Fotoapparat . . . wurde zu einem Instrument des Handelns. Man konnte damit Ereignisse beeinflussen."

Schon im Alter von dreiundzwanzig Jahren wird Edith Fotoreporterin und Österreich-Korrespondentin der sowjetischen Nachrichtenagentur Tass. Einer ihrer besten Freunde ist der Musikwissenschaftler und Pianist Georg Knepler, der jahrelang die Vorlesungen des Karl Kraus am Klavier begleitet hatte. 1933 kommt in Österreich das klerikal-faschistische Regime des Bundeskanzlers Dollfuß an die Macht: Zeitungszensur, Einschränkung des Versammlungsrechts, Verbot der sozialistischen und kommunistischen Parteien sind die Folgen. Edith agiert im Untergrund und wird festgenommen. Aus der Untersuchungshaft nach einem Monat entlassen, lernt sie bei einer Freundin Kim Philby kennen, Cambridge-Absolvent aus großbürgerlicher Familie, der sich vom Kommunismus angezogen fühlt. Der junge Mann gefällt ihr, aber sie hat ja gerade einen Geliebten, den jungen, linken englischen Arzt Alexander Tudor-Hart, den heiratet sie, bekommt einen englischen Pass und reist sofort nach London aus.

Auch Ediths Genosse und ehemaliger Freund Arnold Deutsch ist mittlerweile in der englischen Hauptstadt. Und Kim Philby, der aber jetzt wirklich und endlich in die Kommunistische Partei eintreten will. Edith und Arnold erklären ihm, dass er mit seinem bürgerlichen Hintergrund und Gehabe dem Kommunismus bessere Dienste erwiese, wenn er draußen bliebe, im Staatsdienst Karriere machte und den KGB mit Informationen versorge. Und so kommt es. Ab 1941 arbeitet Philby im Auslandsgeheimdienst MI6, beauftragt, ausländische Agenten aufzuspüren, also Leute wie ihn selbst.

Statt dessen verrät er westliche Agenten, die im Osten eingesetzt sind. Nach Kriegsende wird Philby sogar Leiter der britischen Spionageabwehr, dann Erster Sekretär der britischen Botschaft in Washington, Secret Service-Verbindungsoffizier zu den Amerikanern, zuständig für die geheime Kommunikation zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Er informiert die Sowjets über die geplante amerikanische Kriegführung in Korea und hilft mit, antikommunistische Coups in den Ostblock-Ländern abzuwehren.

Noch eine zweite wichtige Quelle zapft die Fotografin an: Engelbert Broda, emigrierter Wiener Physiker und Chemiker, Kommunist, in Cambridge an Englands Atomforschung beteiligt, wird ihr Liebhaber. Ab 1942 gehen laufend Berichte über die Fortschritte des englischen und amerikanischen Atomprogramms nach Moskau. Nur deshalb sind die Sowjets schon 1949 im Besitz einer Bombe, einer exakten Kopie der amerikanischen. Broda wurde zeitlebens nicht enttarnt. Sein Bruder Christian, der sich früh vom Kommunismus losgesagt hatte, wurde in den siebziger Jahren Bruno Kreiskys Justizminister.

Privat läuft für Edith Tudor-Hart alles schief. Die Ehe mit Alexander hält nur einige Jahre, der gemeinsame Sohn ist psychisch schwer krank und fristet sein gesamtes Leben in Kliniken und Anstalten. Der britische Geheimdienst verdächtigt Edith, es gibt Hausdurchsuchungen, Verhöre, aber keine Beweise. Dennoch bekommt sie ein Berufsverbot als Fotografin. Mit einem kleinen Antiquitätenladen hält sie sich über Wasser. Aus Moskau kommt keine Hilfe. 2015 wundert sich ihr Großneffe Peter Stephan Jungk: "Du hast diesem Höllenregime die Treue gehalten, dein Leben lang. Wie konntest du?"

MICHAEL SCHROTT

Peter Stephan Jungk: "Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart". Geschichte eines Lebens.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015. 320 S., geb., 22,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 29.07.2015
Dunkelkammer im Kopf
Peter Stephan Jungk erzählt das Leben der Edith Tudor-Hart, die eine engagierte Fotografin war und eine Sowjetagentin
Ein Autor recherchiert für ein Buch. Es soll von seiner Großtante handeln, weshalb er nach Moskau gefahren ist. Denn sie war eine glühende Kommunistin und erfolgreiche Agentin für den sowjetischen Geheimdienst. Er versucht vergeblich, neue Informationen, ganz und gar Unbekanntes über sie aus den Moskauer Archiven zu fischen. Es ist kein Hinkommen.
  An einem späten Nachmittag, da ist es schon dunkel, steht er auf dem Lubjanka-Platz und schaut auf das frühere Hauptquartier des KGB, bis 1991, im Jahr des Zusammenbruchs der Sowjetunion, ein ockerfarbener Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, ein Zentrum des Horrors und des Machtmissbrauchs – Verhöre, Folterungen, schlimmste Folgen des Stalinismus. Später liegt der Autor auf dem roten Sofa seines Mietzimmers: „Du hast diesem Höllenregime die Treue gehalten, dein ganzes Leben lang. Wie konntest du? Edith? Hörst du mich? Siehst du mich? Edith Suschitzky?“
  Sie ist bekannt geworden als Edith Tudor-Hart, also unter dem Familiennamen ihres ersten Mannes, eines englischen Arztes. Ihr Großneffe, der ihr Leben recherchiert, ist der Schriftsteller und Übersetzer Peter Stephan Jungk, der Sohn des bekannten Zukunftsforschers Robert Jungk, der bei den Recherchen immer wieder auf den Namen seines Vaters stößt, ganz gut bekannt in kommunistischen Kreisen, und er hofft, daraus keine Schlüsse ziehen zu müssen. Er ist aber nicht etwa ständig moralisch entsetzt über seine Großtante, weil er wohl immer mehr erkennen muss, dass es über das Verhalten des Einzelnen nicht besonders viel zu verstehen gibt in den Zeiten der Ideologien, wenn alle alles angeblich doch verstanden haben.
  Edith Tudor-Hart, geborene Suschitzky, die in Wien aufwuchs und schon als 18-Jährige, also 1926, Mitglied der kommunistischen Jugendbewegung wurde und später ihr Leben zum großen Teil in England verbrachte, gilt heute vor allem als große Fotografin. Eigentlich hatte sie sich die Kamera als Waffe im Kampf gegen eine ungerechte Welt ausgesucht. Rückblickend schreibt sie später: „Der Fotoapparat hörte auf, ein Instrument zum Aufnehmen von Ereignissen zu sein und wurde stattdessen ein Instrument des Handelns: Man konnte damit Ereignisse beeinflussen.“
  Es ging um sozialkritische Fotografie. Ihre Bilder über die Lage des Proletariats, von denen einige im Buch zu sehen sind, protestierten gegen Armut, Ausgrenzung und Unterdrückung. Sie zeigen die Slums des Lumpenproletariats in Wien um 1930, 1935 streikende Bergleute oder von der kommunistischen Partei organisierte Hungermärsche der Arbeitslosen in Wales, Hakenkreuze am Fenster einer Wiener Hausfront, dort, wo die Sonne nicht mehr hinreicht und der Schatten beginnt, folglich sehr düstere Bilder, mit denen sie nicht nur Engagement, sondern auch Professionalität bewies. Edith Tudor-Hart hatte am Bauhaus in Dessau Fotografie studiert.
  Sie erscheint im Selbstporträt mit Zigarette als introvertierte Frau, in dunkle Gedanken versunken, bedroht von Depressionen, ein sehr ernster Mensch, der
sein Glück immer im Auftrag suchte, im
Widerstand gegen den Lauf der Welt in jener Zeit, speziell gegen die Nationalsozialisten.
  Sie entstammte einer linken Familie, in der man Marx und Lenin las. Die Brüder Suschitzky betrieben in Wien einen linken Buchladen und den Anzengruber-Verlag, für vornehmlich sozialistische Werke. Der Vater war schwer depressiv und erschoss sich, als 1934 nach der blutigen Zerschlagung der Arbeiterbewegung unter Kanzler Dollfuß alles, wofür er ein Leben lang gekämpft hatte, zusammenbrach.
  Edith Tudor-Harts Heimat war nicht Wien und auch nicht England, sondern die Partei. Parteien verwandeln nicht selten denkende Menschen in Mitglieder. Ihre Arbeit für den Geheimdienst der Sowjetunion aber setzte ihren unbedingten Glauben voraus, den einzig richtigen Weg gewählt zu haben. Sie hatte auch ein besonderes Talent zum Anwerben von Agenten entwickelt, wozu der später weltberühmte Spion Kim Philby gehörte, der auch im Kino Berühmtheit erlangte, im „dritten Mann“ mit Orson Welles.
  Ihr Privatleben verlief glücklos und zutiefst enttäuschend, berichtet Jungk sehr detailliert. Sie vereinsamte zunehmend. Aber man spürt deutlich, dass sie immer mehr den Diensten gehörte. Wie sollte sie auch noch die Schicksalsschläge aushalten? Ihr erster Mann kehrte 1939 aus dem Spanischen Bürgerkrieg zurück, zerstört und alkoholsüchtig. Der gemeinsame Sohn Tommy: ein Autist und ein so schwerer Fall, dass ihn selbst der berühmte Psychoanalytiker Donald W. Winnicott, zu dem sie eine unglückliche Liebe entwickelt hatte, weiterreichte. Außerdem musste sie immer fürchten, enttarnt zu werden. Geld war ständig knapp. Sie war bekannt mit Anna Mahler, Gustav und Alma Mahlers Tochter, die sie nach Hitlers Einmarsch in Österreich als Emigranten in England traf. Oder mit Anna Freud, Sigmunds Freuds Tochter.
  Aber nach ständigen Krisen stand sie schon mit 44 Jahren, schreibt Peter Stephan Jungk, „gleichsam vor den Ruinen ihres Lebens“. Der letzte sichere Grund unter ihren Füßen war ihr entzogen worden: Stalins Tod 1953 erlebte sie als zusätzlichen tiefen Schock, wie den Verlust einer Vaterfigur, die sie seit ihrer Jugend begleitet hatte, „seit den Anfängen ihres Glaubens an die Durchsetzung einer Diktatur des Proletariats“.
  Aber der Kommunismus zeigte zunehmend sein wahres Gesicht. Die Fratze des Panzerkommunismus, und die linken Träume platzten. Die Auslöschung der Ungarischen Revolte 1956, 1968 die Zerschlagung des Prager Frühlings waren der Anfang vom Ende kommunistischen Herrschens. Die begabte Fotografin und überzeugte Agentin erholte sich nicht mehr, stürzte in Selbstzweifel und starb 1973 an Leberzirrhose. Ihre Ideologie – das war die Dunkelkammer in ihrem Kopf. Schon mit dem Eintritt in die Partei hatte sie sich aufgegeben.
  Der 1952 geborene, in Paris lebende Schriftsteller Peter Stephan Jungk, dessen Roman über Walt Disney, „Der König von Amerika“, Philip Glass als Vorlage für seine Oper „The Perfect American“ diente, Autor einer Biografie über Franz Werfel, verfolgt in „Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart“ das Leben seiner Großtante mit der Präzision eines Forschers und erzählt es zugleich wie einen spannenden Agententhriller. Die „Geschichten eines Lebens“, so der Untertitel, sind nicht nur eine Biografie, sondern zeigen das verhängnisvoll Absurde alles Ideologischen. Zugleich aber ist das Buch spannende Unterhaltung. Ein Glücksfall.
HELMUT SCHÖDEL
Der Fotoapparat war kein
Aufnahmegerät mehr, sondern:
ein Instrument des Handelns
Edith Tudor-Harts Heimat war
nicht Wien und auch nicht
England, sondern die Partei
Nach ständigen Krisen stand sie
schon mit 44 Jahren „gleichsam
vor den Ruinen ihres Lebens“
Ein Blick hinab vom Riesenrad im Wiener Prater, aufgenommen im Jahr 1931 von der Bauhaus-Studentin Edith Tudor-Hart.
Foto: Edith Tudort-Hart/Verlag S. Fischer
Peter Stephan Jungk:Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart. Geschichten eines Lebens. Biographie. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2015. 320 Seiten, 22,99 Euro. E-Book 19,99 Euro.
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