Klasse Burschen (eBook, ePUB) - Haslinger, Josef
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  • Format: ePub


Klasse Burschen, die Österreicher. Fröhlich verkünden sie den Glauben an das Gute in der Welt und zeigen stolz ihre Berge, Burgen und Barockkirchen her. Ein verantwortlicher Umgang mit seiner Geschichte aber fällt dem Land schwer. »Obzöner hat ein Land in Zeiten des Friedens noch nicht ausgesehen.« Zu dieser Überzeugung gelangt Josef Haslinger in seinen Essays, in denen er die gesellschaftliche und politische Lage Österreichs analysiert.…mehr

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Produktbeschreibung
Klasse Burschen, die Österreicher. Fröhlich verkünden sie den Glauben an das Gute in der Welt und zeigen stolz ihre Berge, Burgen und Barockkirchen her. Ein verantwortlicher Umgang mit seiner Geschichte aber fällt dem Land schwer. »Obzöner hat ein Land in Zeiten des Friedens noch nicht ausgesehen.« Zu dieser Überzeugung gelangt Josef Haslinger in seinen Essays, in denen er die gesellschaftliche und politische Lage Österreichs analysiert.

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  • Produktdetails
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Seitenzahl: 224
  • Erscheinungstermin: 26.06.2014
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783104032672
  • Artikelnr.: 41069032
Autorenporträt
Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt in Wien und Leipzig. Seit 1996 lehrt Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 1995 erschien sein Roman >Opernball<, 2000 >Das Vaterspiel<, 2006 >Zugvögel<, 2007 >Phi Phi Island<. Sein letztes Buch >Jáchymov< erschien im Herbst 2011. Haslinger erhielt zahlreiche Preise, zuletzt den Preis der Stadt Wien, den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels und den Rheingau Literaturpreis. 2010 war er Mainzer Stadtschreiber.

Literaturpreise:

Theodor Körner Preis (1980)
Österreichisches Staatsstipendium für Literatur (1982)
Förderungspreis der Stadt Wien (1984)
Stipendium des Deutschen Literaturfonds (1985)
Österreichisches Dramatikerstipendium (1988)
Elias Canetti-Stipendium der Stadt Wien (1993-94)
Stipendium des Deutschen Literaturfonds (1994)
Förderungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur (1994)
Preis der Stadt Wien und Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels (2000)
Mainzer Stadtschreiber (2010)
Rheingau Literatur Preis (2011)
Rezensionen
Besprechung von 27.04.2001
Haiders Zweikomponentenkleber
Josef Haslinger empört sich bis zum Schulterzucken

Es ist schön, daß sich auch Josef Haslinger öffentlich kritische Gedanken zum Weltenlauf macht. Weniger schön ist, daß weder er noch sein Verlag vor der verbreiteten Krankheit gefeit sind, die alles, was ein Schriftsteller an tagespolitischen "Interventionen" verfaßt, automatisch der nobleren Zweitverwertung in Buchform für würdig und wert befindet.

"Klasse Burschen" heißt Haslingers neuer Essay-Band, und ein wenig wird mit dieser Titelgebung wohl darauf spekuliert worden sein, daß der interessierte Leser auch von Haslinger Phänomene der österreichischen Seele oder Politik erklärt bekommen möchte. Darauf lassen jedenfalls Kapitelüberschriften wie "Der Haider-Wähler" oder "Das Phänomen Haider" schließen. Bei der Lektüre entpuppen sie sich allerdings entweder als Etikettenschwindel oder aber als Provokationen folgenden Inhalts: Man kann Österreich nicht verstehen, daher soll niemand Erkärungen erwarten. Oder was sonst soll man davon halten, wenn Haslinger unter dem Titel "Der Haider-Wähler" bloß traurig darüber sinniert, daß er noch nie einen solchen getroffen hat, weil sich Haider-Wähler offenbar bloß in der Wahlzelle bekennen? Und warum serviert er uns ein "Phänomen Haider"-Kapitel, hinter dem sich nichts anderes verbirgt als Haslingers Rezension vierer einschlägiger Haider-Erklärbücher?

Dabei scheint der Band mit einem Donnerschlag zu beginnen: Haslinger schildert den Tod seiner Tante, die aus Schreck darüber starb, daß sich eine der Donnerstags-Demonstrationen vor ihrem Haus, dem Karl-Marx-Hof, versammelte - sechsundsechzig Jahre zuvor hatte sie die Gefechte des österreichischen Bürgerkriegs am selben Ort miterlebt. Nun muß niemand befürchten, daß Haslinger den Tod seiner Tante den regierungskritischen Demonstranten des Jahres 2000 in die Schuhe schiebt. Das wird höchstens die "Kronen Zeitung" tun, sobald sie dieses Buch in die Hand bekommt - sie stellt Demonstranten ja gern als gemeingefährlich und nur des Wegsperrens würdig dar. Nein, Haslinger bezeichnet seine Tante als das "letzte Opfer des Bürgerkriegs", um daraufhin den schwierigen Umgang Österreichs mit seiner Nazi-Vergangenheit vom Jahr 1934 her zu erklären. Das ist nicht uninteressant und mag manchem deutschen Leser unbekannt sein - neu ist es wahrlich nicht. Seit mindestens zehn Jahren wird verstärkt auf den Umstand hingewiesen, daß in der österreichischen Arbeiterschaft der Zwischenkriegszeit der Haß auf die "bürgerlichen" Austrofaschisten viel größer war als auf die Nazis, die ja damals, genau wie die Sozialdemokraten, eine verfolgte, verbotene Partei waren. Den praktischen Nutzen dieses Wissens, seine Anwendbarkeit zur Erklärung der vielen Rätsel der österreichischen Gegenwart sind aber auch all die Austrofaschismus-Theoretiker vor Haslinger bisher schuldig geblieben.

Den Rätseln der österreichischen Gegenwart erliegt Haslinger jedenfalls so sehr, daß ihm die Sprache ausgeht und er sich nur noch auf Platitüden verlassen kann: "Das Phänomen Haider funktioniert wie ein Zweikomponentenkleber aus Solidarität und Hetze, der sich im Kopf des Wählers zu einer zähen, klebrigen Masse verdichtet." Wer Altbekanntes so zäh verdichtet, kann bald seine eigenen Sätze auf sich selbst anwenden: "So mancher, der sich Haider im medialen Licht nähern wollte, ging im medialen Regen nach Hause." Nun ja. Aber es geht hier nicht nur um Haider, sondern auch, zum Beispiel, um den Kosovo-Krieg. Oder um das Gedenkkonzert, das die Wiener Philharmoniker zum 55. Befreiungstag des Konzentrationslagers Mauthausen dortselbst gaben: Beethoven spielten sie, gar die "Ode an die Freude", und nicht nur Haslinger hat sich damals darüber moralisch empört.

Diesen beiden Essays sollte man sich am besten von Haslingers eigenem theoretischen Unterfutter her nähern: Nicht zufällig heißt ein Text ganz am Beginn des Buches "Die Schriftsteller und die Moral". An diesem Stück nun läßt sich, leider, das ganze Dilemma dieses Essay-Bandes ablesen. Denn erst holt Haslinger aus, denkt vorwärts, rückwärts und im Kreis: Wann haben die Künstler eigentlich begonnen, zur Beurteilung ihrer Werke bloß ästhetische anstatt moralischer Kriterien zuzulassen? Er versteht, sagt er, daß die Frage, was die Literatur eigentlich leisten solle, als naiv angesehen werde. Er verstehe auch, daß seit den Erfahrungen mit der DDR Autoren einen großen Bogen um politisches Engagement machten (hier versteht er mehr als wir). Dann bekennt er offenherzig: "Für mich persönlich wäre es eine gekünstelte Selbstkasteiung, in dem Augenblick, in dem ich an einem neuen Text schreibe, alle politischen und sozialen Konflikte zu vergessen, die mich formten und täglich umgeben." Und dann kommt - nichts mehr. Der Text "Die Schriftsteller und die Moral" bleibt allen Ernstes gedanklich hier stecken. Kein beherztes Plädoyer etwa für eine neue Moral in der Literatur, nein. Auch keines dagegen. Haslinger zuckt bloß verwirrt die Schultern.

Völlig offensichtlich tritt seine argumentative Unschärfe in dem Text über das Mauthausen-Konzert zutage. Ja, es mag furchtbar geschmacklos sein, an diesem Ort Beethoven zu spielen anstelle von Mozarts Requiem, wie Haslinger halbherzig vorschlug. Es mag auch unangenehm berühren, daß es einen Verein mit dem nicht ganz glücklich gewählten Namen "Mauthausen aktiv" gibt, der sich für diesen Festakt stark gemacht hat. Nur sollte man dabei nicht unterschlagen, daß in "Mauthausen aktiv" die ehemaligen Häftlinge organisiert sind, und wer will ihnen vorschreiben, wie man den Jahrestag ihrer eigenen Befreiung angemessen zu feiern hat? Die einzige Rolle, die einem hier sonst noch offenstünde, ist die eines Vormunds der Ermordeten. Wie hätten sie sich diese Feier gewünscht? Haslinger scheint es genau zu wissen: So nicht. Er schwingt die plumpe Keule der Empörung und schreibt das Ereignis zu einem nationalen Skandal hoch: "Dieses Konzert war ein Affront durch und durch."

Das Problem mit Josef Haslinger ist, daß viele seiner "moralischen Positionen" ja an sich vernünftige, humanistische sind, so sehr, daß man ihnen weitere Verbreitung in seinem Heimatland wünschen würde. Um so grimmiger stimmt es, wenn er sie so naiv, so achtlos, so angreifbar präsentiert und damit jenen Zynikern scheinbar recht gibt, die ethische Grundsätze und politische Sensibilität für das Hobby heilloser Idealisten halten.

EVA MENASSE

Josef Haslinger: "Klasse Burschen". Politische Essays. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001. 256 S., geb., 34,- DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 07.07.2001
Österreichs Wunde
„Klasse Burschen” – 22 Essays von Josef Haslinger zur Lage seines Landes
Seit Erfindung der Autorschaft im 18. Jahrhundert war die Rolle des Schriftstellers noch nie so fragwürdig wie heute. Die ausdifferenzierte Gesellschaft unter der Vorherrschaft elektronischer Medien bringt den Autor in eine schwierige Lage. Während er als Person für die Vermarktung seiner Bücher immer wichtiger wird, verliert seine Stimme in der öffentlichen Meinungsbildung an Gewicht. Das mag für jeden Autor schmerzlich sein, für denjenigen allerdings, der seine Arbeit als politische versteht, wird es zur Existenzfrage. Was er sagt, ist nicht mehr bedeutend, nur dass er etwas sagt. „Erregbarkeit”, formulierte Peter Sloterdijk anlässlich des publizistischen Aufschreis über die sogenannte Elmauer Rede, „ist heute die erste Bürgerpflicht.”
Was aber geschieht mit dem Politischen? Welchen Begriff davon haben Gesellschaften, deren Stabilität darauf beruht, dass sich die medial vermittelten Erregungspotentiale gegenseitig in Schach halten?
Die Essays des Österreichers Josef Haslinger sind politische Essays. Oder genauer: Es sind Essays eines Schriftstellers, der seine Arbeit in einen gesellschaftlichen Kontext stellt. Kein Bewohner des Elfenbeinturms – Hausdurchsuchung im Elfenbeinturm (1996) hieß der letzte der mittlerweile vier Essaybände Haslingers –, sondern ein analytischer Beobachter seines Landes und einer zudem, der auch jenseits des Schreibens aktiv wird. Josef Haslinger gehört zu den Gründern von „SOS Mitmensch”, einer antirassistischen Aktionsgruppe, die sich 1992 gegen die restriktive Ausländerpolitik Österreichs zusammenschloss. Das Asylgesetz, unschmeichelhafter Vorläufer für die „Drittländerregelung” anderer europäischer Staaten, war da bereits in Kraft.
Der Band enthält 22 Essays aus den letzten acht Jahren, die alle bereits in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind. Mit anderen Publikationen dieser Art teilt auch dieser Essayband das Problem, dass das aus aktuellem Anlass Geschriebene zwar in der Tagespresse als fundierte Analyse auffällt, mit Abstand und als Summe gelesen aber gelegentlich ermüdet. Man wünscht sich mehr Begriffsarbeit und weniger Wiederholungen.
Dennoch lohnt die Lektüre, weil man immer wieder auf Erkenntnisse stößt, die zumal für den deutschen Leser interessant sind. Wer das österreichische Parteienwesen und damit den Aufstieg Haiders verstehen will, muss, so Haslingers gewichtigste These, die Rolle des Bürgerkriegs von 1934 erkennen. Haslinger nennt ihn die „nie geheilte historische Wunde Österreichs”, die die jahrzehntelange Verdrängung des Nationalsozialismus erst in ihrem ganzen Ausmaß plausibel macht. „Man konnte nicht über den Nationalsozialismus sprechen, weil man sonst über den Bürgerkrieg von 1934 hätte sprechen müssen.”
Das Phänomen Haider
So lehrreich die Geschichtsstunden sind, die Haslinger dem Leser erteilt – auch in Hinsicht auf die Waldheim-Affäre, die Genese des Mitteleuropa-Gedankens (und seine schnelle Verabschiedung zugunsten ökonomischer Vorteile, genau in dem Moment, wo es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Ernst geworden wäre), den Kriegen am Golf und auf dem Balkan –, spannend wird es erst bei der Analyse des „Phänomens Haider”. Allerdings zeigt sich dort auch die Widersprüchlichkeit von Haslingers Position.
Der Essay „Das Phänomen Haider”, zuerst im Februarheft der Literaturen erschienen und als Rezension von vier Neuerscheinungen zu Haider angelegt, beschreibt auf kluge und zugleich sehr unaufgeregte Weise ein merkwürdiges Phänomen: dass alle Versuche, den Erfolg Haiders zu erklären, am Ende nicht zu dessen Demontage führen, sondern zu einer ungewollten Aufwertung. Die analysierten Verfahrensweisen werden automatisch als Fähigkeiten aufgefasst. Die dann fast schon wieder bewunderungswürdig sind. Haslinger versucht diese Falle zu umgehen, indem er den realen Politiker Jörg Haider vom „Phänomen Haider” unterscheidet. Haider sei vielleicht gar nicht „jener souveräne Demagoge, der sich mit dem Charisma eines Volksschauspielers tiefenpsychologischer Einsichten, rhetorischer Figuren und der Techniken des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP) bedient. Vielleicht ist er einfach jener Politiker, der sich den Regeln der ,Gemütserregungskunst’ (Novalis), die in Österreich aus der Poesie der Kronen-Zeitung abgeleitet sind, am weitesten angepasst hat.” Was bedeutet das?
Die reale Person Jörg Haider, auf internationalen Druck nach Kärnten abgeschoben, sieht momentan eher wie das Opfer ihrer Medienpräsenz aus. Haslinger befürchtet (und beschwört) die Rückkehr Haiders. Das ist verständlich. Aber vielleicht lohnt der Gedanke, dass der reale Politiker tatsächlich von seiner Medieninszenierung ausgestochen worden ist: weil sie besser funktioniert als es eine Person je könnte. Dann wäre es interessant, Haslingers Analyse weiterzutreiben. Was geschieht eigentlich mit dem Begriff des Politischen, wenn es möglich ist, dass politische Machtinteressen in die „Aufreger-Ästhetik zeitgenössischer Medien” transformiert werden können. Bleiben sie von dieser Transformation unberührt? Am Ende nämlich ist das „Phänomen Haider” viel symptomatischer als uns lieb sein kann. Nicht für eine bestimmte politische Richtung, sondern für das Verschwinden des Politischen überhaupt – beziehungsweise seine grundlegende Transformation. Aber genau darin könnte auch eine Chance stecken, eine Chance zumal für denjenigen, der sich als politischer Schriftsteller versteht. Denn dieses neue Feld muss ja definiert und beschrieben werden.
Josef Haslinger geht diesen Weg seit vielen Jahren. Vom Essayband Politik der Gefühle (1987) bis zu den Romanen Opernball (1995) und Vaterspiel (2000). Er wäre prädestiniert dafür, diesem neuen Typus des engagierten Schriftstellers Profil zu geben.
MEIKE FESSMANN
JOSEF HASLINGER: Klasse Burschen. Essays. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2001. 220Seiten, 34Mark.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Österreich hat mehr Intellektuelle aufzubieten, die auch tatsächlich etwas zu sagen haben, als die Bundesrepublik, meint Uwe Schütte. Das liegt seiner Ansicht nach unter anderem an Jörg Haider, den Haslinger in seinem vierten Essayband weniger als Person denn als Phänomen ergründet, das der Autor bis zum Bürgerkrieg von 1934 zurückverfolgt. Besonders gefällt Schütte die Kontrastierung des politischen Geschehens in Österreich durch Beobachtung des Auslands: da schaut einer über den Tellerrand, lobt Schütte, und begegnet z. B. einem anderen Rechtspopulisten, nämlich George Bush im Wahlkampf; oder Haslinger grüble über die Europäische Gemeinschaft nach, die er für eine hehre kulturelle Idee und ein pragmatisches Zweckbündnis zur Wahrung ökonomischer und sicherheitspolitischer Interessen halte. Der Band versammelt Texte aus den letzten acht Jahren, die Schütte allesamt spannender findet als den zuletzt von Haslinger vorgelegten Roman.

© Perlentaucher Medien GmbH