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Der plötzliche Tod seiner ersten Frau Anfang 1962 löst bei Gottfried von Einem, einem der bedeutendsten Komponisten moderner Musik in Österreich, einen schweren Schock aus. Zwei Jahre vorher hat er die Zuneigung seiner damals 15-jährigen Nichte Andrea Liebrecht geweckt. Nun gesteht er ihr seine Liebe, schreibt ihr Brief um Brief. Bis 1965/66, als Einem seine zweite Frau kennenlernt, wirbt er um Andrea, die sich dadurch eher ausgezeichnet als bedrängt fühlt. Die Briefe hat er Andrea von Wiedebach, geborene Liebrecht, zur Veröffentlichung überlassen. Nun liegen sie vor - als Dokument einer obsessiven Liebesgeschichte.…mehr

Produktbeschreibung
Der plötzliche Tod seiner ersten Frau Anfang 1962 löst bei Gottfried von Einem, einem der bedeutendsten Komponisten moderner Musik in Österreich, einen schweren Schock aus. Zwei Jahre vorher hat er die Zuneigung seiner damals 15-jährigen Nichte Andrea Liebrecht geweckt. Nun gesteht er ihr seine Liebe, schreibt ihr Brief um Brief. Bis 1965/66, als Einem seine zweite Frau kennenlernt, wirbt er um Andrea, die sich dadurch eher ausgezeichnet als bedrängt fühlt. Die Briefe hat er Andrea von Wiedebach, geborene Liebrecht, zur Veröffentlichung überlassen. Nun liegen sie vor - als Dokument einer obsessiven Liebesgeschichte.
  • Produktdetails
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag
  • Artikelnr. des Verlages: 551/05650
  • Seitenzahl: 397
  • Erscheinungstermin: September 2013
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm x 149mm x 35mm
  • Gewicht: 614g
  • ISBN-13: 9783552056503
  • ISBN-10: 3552056505
  • Artikelnr.: 38152083
Autorenporträt
Gottfried von Einem, Komponist, geboren 1918 in Bern, gestorben 1996 in Oberdürnbach, Niederösterreich. Stationen in Bayreuth und Dresden. Ab 1946 lebte er in Österreich; 1948 bis 1951 Direktionsmitglied und nach 1955 Vorsitzender des Kunstrats der Salzburger Festspiele.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 08.10.2013

Betrüger
seiner selbst
Gottfried von Einem
hofiert seine blutjunge Nichte
„Mein Liebes, geliebte Feindin, unbe-stechlicher Spiegel! . . . Mein bedrohliches Ungeheuer, geliebte Andrea! . . .“ Das sind nur zwei von rund vierhundert Briefanreden eines Mannes von 44 Jahren an seine um 27 Jahre jüngere Nichte. Drei Jahre lang betet er sie an, umschmeichelt sie selbstquälerisch, kämpft um ihre Liebe, stürmisch, verzweifelt oder kokett – manchmal mit Hilfe von zwei und mehr Briefen an einem Tag. Der Mann ist der österreichische Komponist Gottfried von Einem (1918–1996). Mit der Oper „Dantons Tod“ nach Georg Büchner hatte er 1947 bei den Salzburger Festspielen internationales Renommee errungen, jetzt erlebt er die persönliche Tragödie seines ohnmächtigen Verlangens nach Leidenschaft, Verschmelzung, Rausch.
  Andrea von Wiedebach heißt die heute 69-jährige Adressatin jener Briefe, die für die Heranwachsende einen Lebensabschnitt bedeuteten. Der Briefschreiber steckt in einer Lebenskrise: Er will nach dem Tod seiner Frau den Schock der Leere bewältigen, indem er einem blutjungen Wesen sein Bewusstsein, seine Begierden, seine körperlichen und seelischen Nöte offenbart. Und er will ihr Mentor sein. Die Partnerin einer „ungewöhnlichen Liebe“ hat die Briefe auf ausdrücklichen Wunsch Einems gesammelt, der ihr auch die spätere Veröffentlichung erlaubte. Ihre Antwortschreiben an ihn fügt sie auszugsweise bei. Und durch Anmerkungen zu den Briefen will sie helfen, „die geistige Welt des Komponisten, der ebenso ein Mann des Wortes wie des Klanges war“, zu erschließen.
  Es sind Künstlerbriefe lodernder, wider-streitender Gefühle – doch auch der Eigeninteressen hinter dem furiosen Drang nach Liebe. Die Mitspielerin dieses amour fou macht sich im Abstand der Jahrzehnte darüber keine Illusionen. Von Einem habe mit den Briefen zwar Einblicke in sein eigenes vielfältiges Leben gegeben, doch habe er dabei „gleichsam sein Handwerk betrieben, indem er wie beim Vertonen seiner Opernfiguren den Text der Antwortschreiben abtastete, sich vorstellte, welche Stimmung herrschte, in die Zeilen hineinhörte und viele Möglichkeiten probierte, immer begierig nach weiterem Stoff“. Die junge Frau und sein haltloses Verlangen schaffen die Projektionsfläche für kreative Selbst- und Welterkenntnis. So ähneln diese Briefe intimen Tagebüchern.
  Zugleich sind sie ein kulturgeschichtliches Zeugnis der sechziger Jahre. Der Komponist neuer Musik in traditioneller Tonsprache war ein einflussreicher Mann im Musikbetrieb, jahrelang saß er im Direktorium der Salzburger Festspiele. Er wollte die Moderne im Festival etablieren, Bert Brecht nach Salzburg holen, vergebens.
  Die junge Frau, von „ständigen Zweifeln und Kämpfen in mir“ gepeinigt, erlebt eine Gratwanderung von mal freudiger, mal aufbegehrender Intensität. Irgendwann schreibt sie: „Manchmal denke ich, wir bringen uns gegenseitig um.“ Der Leser dieser Briefen fühlt sich manchmal wie ein Voyeur. So erleichtert ihn das Ende, die Trennung, der letzte ohnmächtige Versuch im Juli 1965: „Andrea, dürfen wir uns beide allein lassen?“ Monate zuvor war Einems komische Oper nach Nestroy herausgekommen, der Titel das eigene Psychogramm: „Der Zerrissene“. Im letzten Brief dann die niederschmetternde Erkenntnis: „Dass ich mich betrogen habe, weiß ich jetzt.“ Der Buchtitel führt die Obsession distanzierend zurück aufs Phänomen des Geistesblitzes, wie ihn der Künstler nötig haben mag: ein Zwei-Personen-Stück als bloßer Einfall.
WOLFGANG SCHREIBER
Gottfried von Einem: „Du und ich sind ein Einfall“. Briefe an Andrea. Herausgegeben von Andrea von Wiedebach. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2013. 399 Seiten, 24,90 Euro. E-Book 18,99 Euro.
„Manchmal denke ich, wir
bringen uns gegenseitig um.“
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Wolfgang Schreiber hat diesen Band mit Briefen Gottfried von Einems (1918-1996) an seine 27 Jahre jüngere Nicht freundlich aufgenommen. Die Briefe des österreichische Komponisten sind für ihn nicht nur Zeugnis einer leidenschaftlichen und obsessiven Liebe, bei dessen Lektüre sich der Leser immer wieder wie ein Voyeur fühle. Er sieht darin auch Künstlerbriefe, in denen die Angebetete des Künstlers zur "Projektionsfläche für kreative Selbst- und Welterkenntnis" wird. Darüber hinaus liest er den Band als kulturgeschichtliches Dokument der sechziger Jahre, das einen Eindruck davon vermitteln, wie der einflussreiche Komponist - Mitglied im Direktorium der Salzburger Festspiele - versuchte, die Moderne im Festival zu etablieren.

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