Stalking

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Stalking - Möglichkeiten und Grenzen der Intervention: Eine Einleitung Julia Bettermann Auswirkungen von Stalking aus Sicht der Betroffenen Isabel Wondrak Zur Psychologie des Stalkings Hans-Georg W. Voß Assessing and Managing Risk in Stalking Situations Paul Mullen/Rachel MacKenzie Stalking in Fällen häuslicher Gewalt Rebecca Löbmann Star-Stalker: Prominente als Objekt der Obsession Jens Hoffmann Stalking und häusliche Gewalt in lesbischen Beziehungen Constance Ohms Strafrechtlicher Schutz vor Stalkern und deren Strafverfolgung in Deutschland de lege lata Volkmar von Pechstaedt…mehr

Produktbeschreibung
Stalking - Möglichkeiten und Grenzen der Intervention: Eine Einleitung Julia Bettermann Auswirkungen von Stalking aus Sicht der Betroffenen Isabel Wondrak Zur Psychologie des Stalkings Hans-Georg W. Voß Assessing and Managing Risk in Stalking Situations Paul Mullen/Rachel MacKenzie Stalking in Fällen häuslicher Gewalt Rebecca Löbmann Star-Stalker: Prominente als Objekt der Obsession Jens Hoffmann Stalking und häusliche Gewalt in lesbischen Beziehungen Constance Ohms Strafrechtlicher Schutz vor Stalkern und deren Strafverfolgung in Deutschland de lege lata Volkmar von Pechstaedt Reaktionsmöglichkeiten der Zivilgerichte auf Stalking nach dem Gewaltschutzgesetz Stephanie Gropp/Volkmar von Pechstaedt Falldarstellungen aus Hamburger Kriminalakten Susanne Ritter-Witsch Das Stalking-Projekt der Polizei Bremen Rolf Oehmke Coaching für die Opfer - Die Entstehung einer moderierten Selbsthilfegruppe Edith Eva Tholen Stalkingforum: Forum für Opfer und Angehörige - Infos und Hilfe zur Selbsthilfe Mika Pilath Über die Bedeutung des Telefons im Leben und Werk der Künstlerin Petra Heitkötter Petra Heitkötter Modellprojekt zur Implementierung eines Kompetenzzentrums für Gewaltopfer in Hamburg Dragana Seifert, Barbara Franke, Axel Heinemann, Klaus Püschel, Wilm Mudrack Der Stalker in uns oder: Das hostile Begehren des Selben im Anderen. Zur Metapsychologie des "stalking subject Ulrich Kobbé Männliche Opfer - über eine vorsätzliche Wahrnehmungslücke in der viktimologisch-kriminologischen Forschung Hans-Joachim Lenz
Rezensionen
Besprechung von 23.04.2004
Wacht auf, Verfolgte dieser Erde
Wahnsinn inklusive: Ein Überblick zum Phänomen des "Stalking"

Dieses Buch dürfte der schnellste Tagungsband aller Zeiten sein, denn ausgeliefert wurde er unmittelbar nach der Kriminologischen Studienwoche zum Thema "Stalking", die vom 22. bis zum 26. März dieses Jahres in Hamburg stattgefunden hat. Nun hätten wir von einem Unternehmen, das den schönen Namen "Verlag für Polizeiwissenschaft" trägt, gar nicht mehr erwartet als Freundschaft und Hilfe, schon gar nicht Schnelligkeit jedenfalls. Aber Rezensenten lassen sich gern verwöhnen und bedanken sich deshalb ihrerseits mit rascher Lektüre und ebensolcher Niederschrift.

Das Thema des Buches hat jedenfalls lange genug warten müssen, bevor es auch in Deutschland als Problem erkannt wurde: "Stalking" bezeichnet die wiederholte Verfolgung und Belästigung eines Menschen durch einen anderen, und die Übernahme dieses Begriffs aus der Jagdsprache (dort bezeichnet das Verb das "Anpirschen") in den englischen Sprachgebrauch und dann ins Deutsche brauchte tatsächlich etliche Jahre. Die im Buch vertretenen Autoren sind sich denn auch noch keineswegs einig über Begriffsgeschichte, bezeichnetes Phänomen oder auch nur Gegenmaßnahmen, doch immerhin ist die Souveränität des kriminologischen Diskurses schon so groß, daß niemand sich dazu herabläßt, an den zweifellos international prägendsten Gebrauch des Wortes "Stalker" zu erinnern, den ihm Andrej Tarkowski durch seinen gleichnamigen Film aus dem Jahr 1979 angedeihen ließ.

Anlaß für die nun einsetzende deutsche Diskussion des Phänomens ist die 2002 erfolgte Inkraftsetzung des Gewaltschutzgesetzes, das auch Stalking sanktioniert. Allerdings nicht in ausreichendem Maße, wie Volkmar von Pechstaedt bemängelt. Der Rechtsanwalt, der wie nahezu alle Autoren des Bandes für sich in Anspruch nimmt, die deutsche Diskussion über Stalking höchstpersönlich eröffnet zu haben, hat sich auf die Vertretung von entsprechenden Verfolgungsopfern spezialisiert, und er hat gravierende Einwände gegen die prozessuale Praxis, die in den zwei Jahren der Gültigkeit des Gewaltschutzgesetzes noch keine einheitliche Handhabung herausgebildet hat. So etwas muß einen an Berechenbarkeit richterlicher Praxis interessierten Advokaten natürlich besonders ärgern, aber die Fallgeschichten, die Pechstaedt seinen Ausführungen beigibt, lassen in der Tat erkennen, daß die Wirkung von Stalking auf die Verfolgten bislang wohl unterschätzt wurde.

Aber da ist ja noch der Psychologe Ulrich Kobbé, der in seinem Beitrag mahnt, daß man sich als Opfer mal nicht so haben solle. Der "Opferdiskurs", den Kobbé in der Stalking-Debatte (und damit unausgesprochen im ganzen restlichen Buch) am Werk sieht, sei hysterisch. "Diese ethisch-moralisch durchaus angreifbare Reaktionsweise tendiert dazu, den Stalker zu entmenschlichen und verdinglicht zu behandeln, ohne dabei die ethische Problematik seiner selbstgerechten Position des moralisierenden Recht-Habens zu erkennen, geschweige denn zu reflektieren." Heißt ins Deutsche gebracht: Regt euch nicht auf, ein kleiner Stalker steckt in uns allen, besonders in Dir, Leser, also laßt sie ruhig gewähren, ist ja alles nicht so schlimm.

Man kann kaum umhin, Kobbé einen eigenen Verfolger auf den Hals zu wünschen, auf daß er seine Toleranz belegen möge. Zumal er eher die Opfer für therapiebedürftig hält als die Täter. Dankenswerterweise scheint er damit ziemlich allein zu stehen. So hat die Kriminalbeamtin Susanne Ritter-Witsch aus ihrer Praxis einen Fall zu bieten, wo eine Frau, die ihre Beziehung zu einem Mann beendet hatte und dann von diesem verfolgt und belästigt wurde, nach beider Versöhnung eine Paartherapie mit dem Stalker begonnen hat, die der Therapeut jedoch bald für überflüssig erklärte, weil nur der Mann therapiebedürftig sei. Das spricht für die Psychologie. Aber solange man Autoren wie Kobbé auf Fragen wie "Macht nicht Stalking als Hybris des Subjekts, als exzessives ,passage à l'acte', das Extrem(e) jeder allgemeinen intersubjektiven Ordnung transparent? Steht nicht die quasi subversive Verwerfung der sozialen Konventionen gerade im Dienste der Aufrechterhaltung derselben Ordnung? Ist denn nicht in der beziehungsstrukturell angelegten intersubjektiven Überschreitung und besitzergreifenden Nähe just das garantiert, was wir zur einerseits Abgrenzung und Differenzierung, andererseits Identifizierung und Selbstfindung benötigen?" nicht dreimal kräftig "Nein" entgegenbrüllt, liegt etwas im argen in Deutschlands Diskussionskultur.

Der Rest des Buches - und das sind immerhin rund 275 Seiten - ist dagegen interessant, wenn auch bisweilen etwas redundant. Auch fragt man sich, was der Aufsatz zu "Männlichen Opfern" von Hans-Joachim Lenz darin zu suchen hat, wenn Stalking dort mit keinem Wort erwähnt wird. Aber da zuvor Constance Ohms recht abenteuerliche Differenzierungen zwischen heterosexuellen und lesbischen Stalkern vorgenommen hat, wollen wir einmal glauben, daß Männer es schwer haben. Auch so etwas muß wohl mal gesagt werden.

Aber wenn man dann erfährt, daß Stalker im Schnitt wesentlich älter sind als andere Delinquenten, daß ihr Anteil unabhängig ist von sozialer Zugehörigkeit und daß immerhin die Hälfte aller Stalker ihre Aktivitäten nach kurzer Zeit wieder einstellt und dadurch gar nicht erst in die Statistik eingeht, dann ergibt sich das Bild einer Verbrechensform - und um nichts anderes handelt es sich -, deren Umfang und Problematik noch immer nicht richtig erkannt worden sind. Deshalb ist das Buch trotz aller Mängel ein erfreuliches Pionierwerk, auch weil es manche Ratschläge für diejenigen enthält, die in ihrer dauerhaften Verfolgung doch etwas anderes erkennen wollen als das Äquivalent von "Fensterln" oder Kontaktanzeigen, wie Psychologe Kobbé vor sich hin plappert.

ANDREAS PLATTHAUS

Julia Bettermann, Moetje Feenders (Hrsg.): "Stalking". Möglichkeiten und Grenzen der Intervention. Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt am Main 2004. VI und 304 S., br., 24,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Interessant, wenn auch gelegentlich redundant - so charakterisiert Andreas Platthaus diesen "schnellsten Tagungsband aller Zeiten", der sich der Kriminologischen Studienwoche zum Thema "Stalking" vom 22. bis zum 26. März 2004 in Hamburg widmet. Stalking ist ein der Jagdsprache entlehnter Begriff fürs "Anpirschen" und bezeichnet die wiederholte Verfolgung und Belästigung eines Menschen durch einen anderen, erklärt Platthaus. Anlass der Debatte sei die Inkraftsetzung des Gewaltschutzgesetzes, das auch Stalking umfasst, aus dem Jahre 2002. Der Schnelligkeit der Edition des Bandes zum Trotz sei die Relevanz des Themas recht spät in Deutschland erkannt worden. Als wirklich störend in dem Band verbucht Platthaus nur die seines Erachtens abenteuerlichen Zwischenrufe des Psychologen Ulrich Kobbe. Zwar überzeugt den Rezensenten nicht jeder Beitrag, wie etwa der Aufsatz zu "Männlichen Opfern" von Hans-Joachim Lenz, in dem Stalking eigentlich gar nicht vorkomme. Aber das Buch bleibe "trotz aller Mängel ein erfreuliches Pionierwerk".

© Perlentaucher Medien GmbH