Modellfliegen - Möring, Marcel
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Mitten in der Arbeit an einem umfangreichen Roman fällt dem Autor Marcel Möring eines Morgens ein Satz ein, der ihn nicht mehr loslässt. Er unterbricht sein Projekt und wendet sich ganz diesem Satz zu. Dieser Eingebung verdanken wir eine wunderbare Novelle über einen zwölfjährigen Jungen, der seine Eltern, Modellflugzeuge und das Kochen liebt. Und so sitzen sie zu dritt einträchtig in der Küche und bauen für kleines Geld Modellflugzeuge zusammen. Denn für eine richtige Anstellung fehlt seinen Eltern die Bereitschaft, sich anzupassen.…mehr

Produktbeschreibung
Mitten in der Arbeit an einem umfangreichen Roman fällt dem Autor Marcel Möring eines Morgens ein Satz ein, der ihn nicht mehr loslässt. Er unterbricht sein Projekt und wendet sich ganz diesem Satz zu. Dieser Eingebung verdanken wir eine wunderbare Novelle über einen zwölfjährigen Jungen, der seine Eltern, Modellflugzeuge und das Kochen liebt. Und so sitzen sie zu dritt einträchtig in der Küche und bauen für kleines Geld Modellflugzeuge zusammen. Denn für eine richtige Anstellung fehlt seinen Eltern die Bereitschaft, sich anzupassen.
  • Produktdetails
  • Wagenbachs andere Taschenbücher (WAT) Nr.757
  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl: 128
  • Erscheinungstermin: 19. April 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 120mm x 10mm
  • Gewicht: 151g
  • ISBN-13: 9783803127570
  • ISBN-10: 3803127572
  • Artikelnr.: 44226098
Autorenporträt
Marcel Möring, geboren 1957 in Enschede in der Provinz Twente, lebt heute mit seiner Familie in Rotterdam. Seine Romane wurden mit zahlreichen Preisen prämiert und ins Deutsche übertragen.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.05.2016

NEUE TASCHENBÜCHER
Stilles
Küchentischglück
Aus einer fixen Schnapsidee wird ein rettender Plan: Als die Eltern des 12-jährigen David eines Tages ohne Arbeit dastehen, beschließt die Familie auf Vorschlag des Jungen, Geld mit dem Zusammenbasteln von Modellbauflugzeugen zu verdienen. Eine stille Phase des Glücks am Küchentisch beginnt, doch ebenso eine Zeit von Aufarbeitung und Veränderung. Denn die Ehe der Eltern, eines ehemaligen Piloten und einer pragmatischen und zugleich schwermütigen Krankenschwester, ist ähnlich fragil gekittet wie die Bauteile der Spielzeuge, die sie täglich zusammenkleben. Die schmale Novelle des niederländischen Autors Marcel Möring, Jahrgang 1957, entstanden als spontanes Zwischenprojekt, erzählt in leichter, präziser und kunstvoller Sprache aus der Perspektive des Jungen vom Wachsen und Erwachsenwerden. Vieles wird nur schlaglichtartig und episodenhaft angedeutet, fügt sich jedoch zum Schluss rund (vielleicht allzu rund, zu sehr konstruiert) zu einem Ganzen. Aus den verschiedenen, verschachtelten Erzählebenen entsteht so neben einer individuellen Familien- zugleich eine kleine holländische Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. 
TOBIAS SEDLMAIER
  
Marcel Möring: Modellfliegen. Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2016. 128 Seiten, 9,90 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Für Nico Bleutge ist der niederländische Autor Marcel Möring ein Meister "der Andeutung und des sinnlichen Details", worin für den Kritiker vielleicht sogar der Schlüssel zu dessen sensationellem Erfolg in seiner Heimat liegt. In "Modellfliegen" kann man sich über weite Strecken von dieser Meisterschaft überzeugen: Darin legt der Schriftsteller viele flüchtige Spuren und Eindrücke aus, die dennoch auf eine historische Darstellung abzielen. Im Bild einer doppelt belichteten Fotografie findet der Kritiker denn auch eine treffende Allegorie auf Mörings literarische Strategie, die einander überlagernde "Erinnerungsschichten" skizziert: Hinter der Schilderung einer Kindheit liegt die Erinnerung an die Schoah, vor der die Eltern geflohen sind. Die drohenden Kitschfallen umgeht der Autor mit einigem literarischen, von der Übersetzung behutsam vermitteltem Geschick, freut sich der Rezensent, der sich allerdings umso mehr darüber ärgern muss, dass der Autor sein kunstvoll errichtetes System der Andeutungen und Verwehungen am Ende durch eine zusätzliche, allzu gewaltsam in den Roman geholte Zeitebene ans Konkrete preisgibt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 04.09.2001

Segelflug über den Kanal
Schwellenerlebnisse: Marcel Möring bastelt Modelle

Vor drei Jahren hat Marcel Möring mit seinem Roman "In Babylon" Furore gemacht. In der so figuren- wie geschehensreichen Chronik einer jüdischen Familie bewährte er sich als virtuoser Schwadroneur; das Buch gleicht einem Turm von Babel aus Geschichten. Der magische Realist aus Rotterdam sieht sich selbst gern in der Nachfolge von Proust, Joyce und Faulkner. Mit etwas mehr Bescheidenheit: "In Babylon" ist ein außergewöhnliches Stück Literatur, dessen erzählerische Kraft über manche Mängel hinwegsehen läßt. Mit seinem neuen Werk "Modellfliegen" habe sich Möring nun auch als "Meister der kleinen Form" erwiesen, kündigt der Verlag an. Es soll nicht einfach eine Erzählung, sondern eine Novelle sein.

Welcher Mann würde sich nicht an die kriegerischen Basteleien seiner Kindheit erinnern? Da entstand unter mehr oder weniger geschickten Händen aus einem Haufen Plastikteilchen ein kleines grinsendes Kampfflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, ein Stuka, eine Spitfire oder Messerschmitt. Wo seid ihr geblieben, ihr regnerischen, klebstoffdünstenden Nachmittage des Modellbaus? So fragt sich Mörings Ich-Erzähler und beschwört eine eigenartige Familienidylle. Als er zwölf war (das muß so um 1970 gewesen sein), wurden Vater und Mutter auf einen Schlag arbeitslos. Der Vermieter, ein Spielzeughändler, konnte Abhilfe schaffen. Die Jungen seien zu faul geworden, behauptete er, ihre Modellflugzeuge selber zu bauen. So sitzt die Familie bald daheim um den Tisch und leimt Flieger zusammen, damit sie der Spielzeughändler hinterher mit leichtem Aufpreis verkaufen kann. "Mein Vater hatte ein Schnur durchs Zimmer gespannt, an die wir die fertigen Exemplare hängten. Die Frühstücksbar stand voll mit frisch bemalten Flugzeugen. Wir lebten in einer Luftblase, in der alles ruhig, geschützt und freundlich war. Der Tee stand auf dem Stövchen, Geräusche wehten zu den offenen Balkontüren herein."

Der bastelnde Vater entpuppt sich per Rückblende als waschechter Pilot, ein ehemaliger Kampfflieger in den Reihen Englands, wohin er bereits im zarten Alter von fünfzehn Jahren auf abenteuerliche Weise entkommen war: im Segelflugzeug, kurz bevor die Deutschen das Land besetzten. In den Niederlanden wurde nach Erscheinen des Buches darüber debattiert, ob dergleichen überhaupt technisch möglich sei. Die Antwort der Segelflugexperten, die Gleitwinkel und Sinkgeschwindigkeit mit der beträchtlichen Distanz verrechneten, lautete entschieden: Nein. Aber kann man in der Literatur nicht gegebenenfalls mit dem Tretboot zum Mond fahren?

Im zivilen Leben arbeitete der Vater dann als Sprühflieger in der Schädlingsbekämpfung. Damit er die Mutter, eine Krankenschwester, kennenlernen konnte, bedurfte es nur noch einer Bruchlandung auf dem Kartoffelacker. So spielt das Leben, wenn es die Verfilmung anstrebt: tollkühne Männer in abstürzenden Kisten und schöne Frauen, die sich in das Häufchen Menschenelend verlieben, um es bis zur Ehefähigkeit gesund zu pflegen.

Damit ist das Flugthema erschöpft, die Erzählung aber erst zu einem Drittel geschrieben. Jetzt täte ein wenig Ernsthaftigkeit gut; fünf Seiten über den Holocaust folgen; dann schlägt das Buch einen unerwarteten Haken in Richtung Künstlernovelle. Die Hauptfigur, der zwölfjährige David, interessiert sich plötzlich nicht mehr für Flugzeuge, sondern für kulinarische Höhenflüge. Schon manches Kochbuch hat der junge Feinschmecker studiert. Sein analytischer Gaumen schmeckt aus jedem Gericht leicht das zugrundeliegende Rezept heraus. Wir sehen zu, wie sich das Genie erstmals zu erkennen gibt, ein Bocuse als Bube.

Mit einem älteren Gourmet geht er ins beste Restaurant seines Städtchens und beschwert sich lauthals über das Essen: "Die Lammkoteletts sind viel zu lange gebraten. Sie sind unter einer typisch holländischen Mehlschwitze begraben. Im übrigen bin ich der Meinung, daß die Soße nicht à la minute zubereitet ist." Kurzerhand bittet ihn der Chef des Hauses zu einem Wettkochen an den Herd, wo sich der Profi neidlos geschlagen geben muß.

Im nächsten Kapitel lernt man Davids Großeltern kennen, zwei phantastische Gestalten. Es geht ans Erben. Der Junge wird testamentarisch schon mal zum Direktor eines großen Jagdreviers bestimmt. Nun wird ihm aber mulmig zumute, und er beruft sich defensiv auf sein Alter: "Ich bin zwölf." Darauf Großpapa: "Blödsinn. Ein Mann formt sich selbst in früher Jugend. Die Spielzeit ist vorbei. Portwein?" Am Ende outet sich der Erzähler beruflich. Er ist weder Pilot noch Meisterkoch oder Jagddirektor geworden, sondern hat den kleinen Laden des jüdischen Spielzeughändlers übernommen. Dort baut er mit den Kindern des Viertels Drachen, erzählt Märchen und ist mit seinen Gedanken oft "in weiter Ferne, in einer anderen Welt, vor langer Zeit, als die Menschen noch gut waren und die Sommer lang". Der Mann ist gerade vierzig, er klingt wie hundertvierzig.

Kein Zweifel, die Geschichte läßt viele Deutungen zu; es geht um Schwellenerlebnisse auf dem schwierigen Weg ins adoleszente Leben. An der Schwelle lauert hier jedoch das Geschwollene. Mancher symbolische Köder wird ausgelegt. Aber wir verzichten darauf anzubeißen. Die Schwächen von "In Babylon" - das Gesuchte, Unstrukturierte, Kunstgewerbliche - liegen in der Novellenform zutage, ohne daß der Leser durch das epische Füllhorn entschädigt würde.

WOLFGANG SCHNEIDER

Marcel Möring: "Modellfliegen". Novelle. Aus dem Niederländischen übersetzt von Helga van Beuningen. Luchterhand Verlag, München 2001. 124 S., geb., 29,80 DM.

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