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Etwas ist zu Ende: eine Freundschaft, eine alte Liebe, eine Kindheit in der Vorstadt, eine Reise ans Meer, ein ganzes Leben. Etwas hat sich verschoben, unmerklich, und alles geht weiter, nichts wie es war.Zsuzsa Bánk erzählt von Menschen, die eines Tages einfach die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen. Von Larry, dem koksenden Dreizentnermann, der Gedichte schreibt, die so schön sind, dass sie niemand versteht. Von Lydia, die der Wind mitnimmt. Von Lisa, die für einen Nachmittag in das winzige italienische Bergdorf zurückkehrt, das ihre Mutter einst verließ - mitten im heißesten Sommer.…mehr

Produktbeschreibung
Etwas ist zu Ende: eine Freundschaft, eine alte Liebe, eine Kindheit in der Vorstadt, eine Reise ans Meer, ein ganzes Leben. Etwas hat sich verschoben, unmerklich, und alles geht weiter, nichts wie es war.Zsuzsa Bánk erzählt von Menschen, die eines Tages einfach die Tür hinter sich ins Schloss fallen lassen. Von Larry, dem koksenden Dreizentnermann, der Gedichte schreibt, die so schön sind, dass sie niemand versteht. Von Lydia, die der Wind mitnimmt. Von Lisa, die für einen Nachmittag in das winzige italienische Bergdorf zurückkehrt, das ihre Mutter einst verließ - mitten im heißesten Sommer.
  • Produktdetails
  • Fischer Taschenbücher Bd.17072
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 6. Aufl.
  • Seitenzahl: 152
  • Erscheinungstermin: 1. Mai 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 127mm x 17mm
  • Gewicht: 178g
  • ISBN-13: 9783596170722
  • ISBN-10: 3596170729
  • Artikelnr.: 21477253
Autorenporträt
Bánk, Zsuzsa
Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für »Unter Hunden« aus ihrem Erzählungsband »Heißester Sommer« erhielt sie den Bettina-von-Arnim-Preis. Zuletzt erschienen ihre Romane »Die hellen Tage« und »Schlafen werden wir später«.Literaturpreise:Open Mike-Preis 2000Jürgen-Ponto-Preis 2002aspekte-Literaturpreis 2002Deutscher Bücherpreis 2003Mara Cassens Preis 2003Bettina-von-Arnim-Preis 2003Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung 2004
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.11.2005

Von Lebenstrauer umrandet
Vollkommen verschwommen: Erzählungen von Zsuzsa Bánk

Darin besteht wohl das Wunder der Literatur: daß der Leser, der sonst vor allem in seine eigenen Belange verstrickt ist, voller Anteilnahme den Wegen fabulierter Existenzen folgt, mit denen ihn nicht mehr verbindet als ein paar Seiten guter Prosa.

Anna ist sehr wahrscheinlich Wissenschaftlerin. Sie hält sich in einer namenlosen, vermutlich osteuropäischen Stadt zu Kongreßzwecken auf. Sie spricht auch einmal im Radio. So wird eine frühere Freundin, Marti, auf sie aufmerksam und paßt sie dann bei einer öffentlichen Veranstaltung ab. In den nächsten Tagen trifft man sich wieder, Marti bringt Eltern und Geschwister mit, offenbar war das Verhältnis einmal sehr familiär. Nach Annas Abreise (zurück in den Westen?) schreibt man sich regelmäßig bedeutsame, heitere, eigentlich aber doch von Lebenstrauer umrandete Briefe. Irgendwann trifft bei Anna eine Todesnachricht ein: Martis ältere Schwester, Annas Jugendfreundin, ist an Krebs gestorben. Der Leser kratzt sich am Kopf - er hat das Gefühl, bei einer eigentlich nicht für ihn bestimmten Freundschaftsangelegenheit unfreiwilliger Zeuge gewesen zu sein. Diskreterweise vergißt man die Geschichte sofort.

Auch in der zweiten Erzählung geht es um eine Kindheits- und Jugendfreundin. Einst sind die Ich-Erzählerin und Lydia gemeinsam auf einem großen Trampolin herumgehopst. Mit achtzehn ist Lydia dann auf der Suche nach einem stilvolleren Leben nach London gegangen und ein selbständiges, stilvolles, magersüchtiges Mädchen geworden. Die Ich-Erzählerin besucht sie, um festzustellen: Nichts ist so, wie es einmal war. Da kann man seufzen über die gewissen Lydiamomente im Leben und sich über den Satzbau freuen. Ansonsten hat man auch Lydia im nächsten Moment wieder vergessen. Es wird nicht recht deutlich, warum man sich für sie interessieren soll.

Man hat viel erwartet vom zweiten Buch Zsuzsa Bánks, die mit ihrem Roman "Der Schwimmer" eines der stärksten deutschsprachigen Debüts der letzten Jahre vorlegte. Und allmählich wird man unruhig.

Es gibt viel Seelisches, aber keine Seelen in diesem Buch. In "Achtzehnter, vielleicht neunzehnter September" machen sich "Alex und ich" auf, um Christiane in der Psychiatrie zu besuchen. Man vermutet, nun werde erzählt, weshalb Christiane an diesen unerfreulichen Ort gelangte. Aber das bleibt ungewiß: "Daß Christiane hier ist, hat auch etwas mit Wasser auf Blech zu tun, mit Regen auf einem Dach, auf das Christiane vor Jahren klettern wollte, um zu springen." Erklärt wird wenig, alles soll unmittelbare Anschauung sein, feine Musik von Zeichen, Gesten und Gebärden. So erfährt man über Christianes gefärbte Haare mehr als über ihre depressive Psyche. Hohe Detailschärfe bei allgemeiner Verschwommenheit kennzeichnet diese Geschichten Zsuzsa Bánks, so daß auch die Details nicht mehr zum Leser sprechen. Gewiß: Das Wesentliche nicht zu sagen kann ein Kunstgriff sein. Leicht wirkt es aber auch nur: nichtssagend.

Etwas ist vorbei. Menschen, die sich einmal nahestanden, begegnen sich wieder und stellen fest, daß sie sich nun nicht mehr nahestehen. Das ist eine Grundidee, die Zsuzsa Bánk variiert - und es scheint zunächst, als könnte das eine ideale Vorlage für jenen Ton schwebender Melancholie sein, den viele Leser und Kritiker am "Schwimmer" schätzen. Leider funktioniert es diesmal nicht. Mit einer unangenehmen Gleichgültigkeit arbeitet man sich durch die zweifellos kunstfertig geschriebene Prosa von "Heißester Sommer". Was sollen uns zum Beispiel all diese weit zurückliegenden, unwiederbringlichen und seltenen Sommer, von denen behauptungsweise die Rede ist, wenn sie nicht auf eine Weise vergegenwärtigt werden, daß es zur Nachempfindung von etwas Kostbarem käme? In diesen Passagen fehlt den Geschichten etwas Entscheidendes: jenes darstellerische Einfühlungsvermögen, das als eine der herausragenden Qualitäten von Zsuzsa Bánks Roman gerühmt wurde und Voraussetzung lesender Anteilnahme ist.

Am meisten überzeugt die Titelgeschichte. Sie spielt irgendwo in den Bergen des italienisch-slowenischen Grenzlandes. Ein kleiner Ort, Schotterwege, Steinhäuser, Ziegen. "Ich", "meine Mutter" und "mein Bruder" sind mit Lisa dort hinaufgekommen, weil deren Großmutter, die dort ein karges bäuerliches Leben verbrachte, kürzlich verstorben ist. Es ist eine flüchtige poetische Begegnung mit einer archaischen Welt - einer Welt, die Lisas Mutter einst verlassen hat, "als sie alt genug war". In dieser Geschichte wird von Menschen erzählt, die für einen Nachmittag zusammenkommen und dann nie wieder. Vielleicht glückt gerade deshalb die riskante Verbindung von Viel- und Nichtssagendem. Hier gibt es keine Andeutungen, die von der Geschichte nicht gedeckt würden.

Da wollte man sich gerade doch noch ein wenig mit dem Buch anfreunden, aber dann muß man "Larry" lesen, die längste Erzählung, in der Zsuzsa Bánk offenbar Eindrücke ihrer Studienzeit in Washington verarbeitet. Der Gelegenheitspoet Larry, ein pittoresker Bohemien, hundertfünfzig Kilo schwer, steht im Zentrum der Geschichte, ohne ihr Gewicht geben zu können.

Es folgen New-York-Eindrücke mit Sylvie und Lea ("Weihnachtswald") und eine Mordgeschichte mit Julia und Eva, der Versuch einer lakonisch um eine unerhörte Begebenheit herumgebauten Story ("Blaulicht"). Ein eifersüchtiger Mann tötet seinen Nebenbuhler; zwei Frauen kommen sich darüber helfend näher. Das ist eher plakativ als suggestiv. Und nur weil die Figuren hartnäckig beim Vornamen genannt werden, ist man als Leser nicht schon vertraut mit ihnen. Sehr zu wünschen, daß Zsuzsa Bánk bald wieder ein Thema findet, das ihrem außerordentlichen stilistischen Vermögen angemessenere Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

WOLFGANG SCHNEIDER

Zsuzsa Bánk: "Heißester Sommer". Erzählungen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005. 156 S., geb., 15,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 27.09.2005

Das Geheimnis dünner Beine
Zsuzsa Bánk und ihr Erzählband „Heißester Sommer”
Während die meisten anderen mit Erzählungen anfangen, mit kleinen atmosphärischen Fallstudien, begann Zsuzsa Bánk gleich mit einem ausgewachsenen Roman. „Der Schwimmer” wurde landauf, landab wegen seiner eigentümlichen Sprache gelobt, da war so etwas Ungarisches, Sommerliches, Kindheitliches, mit all den Schattierungen von Vergangenheit und Melancholie. Jetzt aber, mit ihrem zweiten Buch, holt Zsuzsa Bánk just jene Erzählungen nach: kleine atmosphärische Fallstudien, wie wir sie in den letzten Jahren als Dutzendware ins Haus geliefert bekommen haben.
Wenn eine Geschichte gleich so anfängt, mit diesem wehmütig dahinplätschernden Vornamen-Sound, dann hat man das Gefühl, das schon viel zu oft gelesen zu haben: „Lisa und ich und die anderen”. So beginnt die Titelerzählung „Heißester Sommer”, und der Satz geht mit diesem allzu bekannten Sich-Verlieren in der Gegenwart weiter: „wir haben die Autobahn verlassen”. Wäre dieses Buch Ende der neunziger Jahre erschienen, hätte es noch am Anfang des neuen Generationenfeelings gestanden, wäre es im Judith Hermann-Sog mit geschwommen. Aber wenn so etwas im Jahr 2005 erscheint, wie wenn nichts gewesen wäre, ist man doch ein bisschen verblüfft.
In der Geschichte „Weihnachtswald” geht es um Lea und Sylvia. Lea geht Sylvia schon seit längerem auf die Nerven, bis nach New York ist sie vor ihr geflohen, aber an Weihnachten kommt sie trotzdem noch einmal zurück. Es gibt auch einmal eine reichlich verhedderte Gefühlsverbindung zwischen einer Eva und einer Julia, und ein anderes Mal besucht eine Carola ihre alte Freundin Becky im tief verschneiten Nordamerika und erlebt mit, wie diese sich mit Christopher auseinandergelebt hat.
Was will Lydia in London?
So belanglos das alles daherkommt, so bewusst ist es konstruiert. In „Lydia” geht es um eine geheimnisvoll anmutende Beziehung zwischen der Ich-Erzählerin und Lydia, sie sind zusammen aufgewachsen, haben zusammen gespielt, aber ziemlich früh beschließt Lydia, aus der dörflichen Idylle zu verschwinden und nach London zu ziehen. Nach einiger Zeit besucht die Ich-Figur Lydia dort, und es gibt im verhangenen, melancholischen Tonfall des Erzählens nur zwei, drei verborgene Hinweise darauf, was es mit Lydias vermeintlicher Unabhängigkeit und Eigenwilligkeit auf sich hat: sie hat fast nichts im Kühlschrank, sie isst nichts, und einmal zeigt ihr Kleid „noch so viel Bein, dass mir ein bisschen schlecht wird davon”. Die Magersucht steht nicht im Mittelpunkt, sie lugt eher wie zufällig vom Rand her herein, und das entspricht den klassischen Schemata solch einer Short Story: das Wesentliche wird ausgespart, um deswegen um so intensiver aufzuscheinen. Die knappe, sachliche Sprache verweist unentwegt auf ein großes Geheimnis, das in ihr liegt.
Die Crux dabei ist, dass das angedeutete Geheimnis sich doch niemals als so groß erweist, wie es zunächst scheint. So kommt es mitunter zu einer Art Geheimnis-Manierismus: in einer Geschichte tritt etwa eine Figur namens „Alex” auf, und erst mit der Zeit stellt sich heraus, dass es sich um eine weibliche handelt. Auch das Dreieck zwischen Lydia, Lydias Mutter und der Ich-Figur wird mit angehaltenem Atem immer wieder umkreist, ohne näher ins Auge gefasst zu werden. Es ist das Geheimnis des Lebens an sich, das hier immer wieder aufgerufen wird; aber letztlich bleibt doch nicht so viel davon übrig. Der beliebteste Zustand in Zsuzsa Bánks Geschichten ist nicht von ungefähr der schillernde Zwischenzustand der Pubertät, etwas Bedrohliches, das in die Kindheit hinüberleuchtet. Die Hunde, die ein furchteinflößender älterer Junge namens Kai ständig mit sich führt, sind eines der Bilder dafür. Und auch das Kokettieren mit kleinen lesbischen Beziehungen, mit mädchenhafter Erotik verliert allzu schnell seinen Reiz.
Dem generationsspezifischen Verlorenheitston, den irrlichternden Vornamen und der melancholischen Ziellosigkeit hat Zsuzsa Bánk noch etwas dunkel Ungarisches hinzugefügt, mit dem Dreiklang Apathie-Fernweh-Traurigkeit. Das macht die Sache ein bisschen exotischer, ohne dass sich Grundlegendes ändern würde. Und selbst die Ausreißversuche in ferne Weltgegenden fehlen nicht: New York - ein beliebter Topos für solche Auffüllungen innerer Leere durch geographische Extreme - , die nordamerikanische Provinz und Australien sind es hier. Einen spröden, sehnsuchtsvollen Ton hat Zsuzsa Bánk mitunter, eine Andeutung von etwas Tieferem. Aber was dann auf dem Blatt steht, ist doch nichts weiter als das x-mal schon Gehörte.
HELMUT BÖTTIGER
ZSUZSA BÁNK: Heißester Sommer. Erzählungen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005. 152 Seiten, 15,90 Euro.
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