Der Tag des Herrn - Wendebourg, Nicola

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Gott als Richter - diese biblisch zentrale Vorstellung bereitet dem modernen Menschen Schwierigkeiten. Die Studie untersucht die neutestamentlich breit belegte Erwartung eines "Tages", an dem Gott bzw. Christus die Welt richten wird. Momente der Kontinuität zur alttestamentlichen und frühjüdischen Tradition werden ebenso sichtbar wie christologisch motivierte Neuakzentierungen. Die Autorin befragt die Endtagserwartung mit ihren zum Teil anstößigen Seiten auf ihre theologische Bedeutung einst und jetzt hin und gibt Impulse für einen sachgemäßen Umgang mit der biblischen Rede vom Endgericht.…mehr

Produktbeschreibung
Gott als Richter - diese biblisch zentrale Vorstellung bereitet dem modernen Menschen Schwierigkeiten. Die Studie untersucht die neutestamentlich breit belegte Erwartung eines "Tages", an dem Gott bzw. Christus die Welt richten wird. Momente der Kontinuität zur alttestamentlichen und frühjüdischen Tradition werden ebenso sichtbar wie christologisch motivierte Neuakzentierungen. Die Autorin befragt die Endtagserwartung mit ihren zum Teil anstößigen Seiten auf ihre theologische Bedeutung einst und jetzt hin und gibt Impulse für einen sachgemäßen Umgang mit der biblischen Rede vom Endgericht.
  • Produktdetails
  • Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament Bd.96
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht; Neukirchener
  • Seitenzahl: 404
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 404 S. 0 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 154mm x 37mm
  • Gewicht: 655g
  • ISBN-13: 9783788718886
  • ISBN-10: 3788718889
  • Best.Nr.: 10417915
Autorenporträt
Cilliers Breytenbach, geb. 1954, Dr. theol., ist Professor für Neues Testament mit Schwerpunkt Literatur, Religion und Geschichte des Urchristentums an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin und Honorarprofessor für Neues Testament an der University of Stellenbosch (Südafrika). Bernd Janowski, geb. 1943, Dr. theol., ist emeritierter Professor für Altes Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Hermann Lichtenberger, Dr. theol., ist Professor für Neues Testament und Antikes Judentum an der Universität Tübingen und Leiter des Instituts für Antikes Judentum und Hellenistische Religionsgeschichte.
Rezensionen
Besprechung von 22.09.2004
Wie wird das jüngste Gericht?
Schaun wir mal: Nicola Wendebourg malt uns die letzten Dinge aus

Ein Kruzifix im Gerichtssaal hat für mich immer etwas Bewegendes, ebendeshalb weil Gerechtigkeit unter Menschen oft nur spurenweise besteht. "Ja, gibt es denn überhaupt keine Gerechtigkeit in der Welt?" oder "Wann wird es endlich Gerechtigkeit geben?" - das möchten oft Menschen wissen, die damit nach der Existenz Gottes fragen. Und so, wie die Welt ist, kann es sich dabei immer nur um Zukunft handeln. Die Theologen nennen das Eschatologie, die erwartete Aufrichtung einer Ordnung und Richtigstellung aller Welt. In der ganzen Bibel heißt dieser Zeitpunkt "der Tag" (des Herrn, des Gerichtes und so weiter).

Nun hat man freilich in der liberalen Theologie sowie in der entsprechenden Seelsorge das Thema Gericht kleingeschrieben. Prominente Theologen beider Konfessionen behaupten in diesem Sinne heute noch, keine der Aussagen Jesu über das Gericht sei "echt". Jesus habe davon gar nicht gesprochen, denn das Thema Gericht passe nicht zum Evangelium. Leider ist das noch immer im wesentlichen der Stand der Forschung - ein ärmliches Zeugnis theologischer Zirkelschließerei und ein Alarmsignal dafür, wie Seelsorger bisweilen um jeden Preis den Menschen nachlaufen. Wer vom Gericht redet, muß Autorität besitzen; wer sich davon nicht zu reden getraut, der gibt auch zu, daß es ihm am Bewußtsein seiner (in diesem Fall ja: geliehenen) Autorität mangelt.

Dieses ist der Ansatzpunkt der Arbeit von Nicola Wendebourg. Sie wendet sich damit nicht nur gegen die Wohlfühlkirche, sondern auch gegen eine im Schlepptau Marburger Theologie verbreitete Tendenz, die Perspektive religiöser Aussage ganz auf das Jetzt zu konzentrieren und über die Zukunft zu schweigen. Jeder kennt das von Predigten her. Hatte die Zeltmission alter Art von Gericht und Hölle geschwärmt, so war und ist die neuere Predigt vom evangelikalen Lager bis weit hinein in die Volkskirche bestimmt von dem Ansatz "Jetzt oder nie!" oder vorsichtiger: "Es gibt ein Leben vor dem Tode!" Doch das ist noch immer nur die halbe Miete. Wo bleibt ein entspannt-angespanntes Verhältnis der Predigt und Seelsorge zum Gericht?

Man halte sich vor Augen: Es gab in den letzten fünfzig Jahren Theologen, die meinten, Christen seien gegen jedes Gericht gefeit. Dagegen betont Wendebourg im Sinne des Neuen Testaments: Solange die Geschichte andauert, besteht für die Christen die Gefahr, hinter ihre Bestimmung von Gott her zurückzufallen. Das gilt auch dann, wenn man im Blick auf 1 Kor 5,5 (damit wenigstens sein Innerstes gerettet werde) sagen muß, daß der Mensch von sich aus seine schon geschehene Verwandlung durch Gott nicht gänzlich ungeschehen machen kann.

Der zweite Punkt, der dieser Arbeit Gewicht verleiht, ist die Bedeutung des Judentums. In ihrem Studium in Heidelberg und bei Peter von der Osten-Sacken in Berlin hat die Verfasserin gelernt, daß sich Neues Testament nicht apologetisch auf Kosten des Judentums betreiben läßt. Auch hier bestehen gerade im Gerichtsdenken der Volkskirche größte Lücken und Vorurteile. Noch immer lebt die Meinung, der Gott des Alten Testaments sei der Gott von Leistung, Rache und Zorn. Erst im Neuen Testament gebe es Gnade, Vergebung und Liebe. Wahr ist hingegen, daß die Gerichtsaussagen des Neuen Testaments mindestens genauso grausam sind wie die des Alten. Latent antijüdisch ist auch die leicht widerlegbare Meinung, Juden (gerade die zur Zeit Jesu) hätten das Gericht nur für andere, nicht aber für sich selbst erwartet. Denn man unterstellt so einen religiösen Chauvinismus, vor dem dann wiederum sich das Christentum nur wohltuend abheben kann. Gericht hat etwas mit Ordnung zu tun, nicht mit blinder Rache. Implizit antijüdisch war auch die überholte Trennung von Eschatologie und Apokalyptik, als sei Eschatologie nichts als eine edle Gesinnung à la Marburg, Apokalyptik dagegen kruder, objektivierender jüdischer Materialismus. Und: Nirgends findet sich auch nur die Spur einer präzisen Terminangabe.

Die Arbeit räumt mit jeder Art Antijudaismus in den Gerichtsaussagen gründlich auf, ohne zu vergessen, wo die spezifisch christlichen Elemente liegen. Hier wird es besonders spannend, und das Gesagte ist auch neu: Erstens ist die Mittlerrolle Jesu Christ im Gericht weit stärker ausgeprägt als die jeder anderen jüdischen Mittlerfigur. Solche Figuren waren der Menschensohn als Richter nach den Henochbüchern, der Messias als militärischer Helfer im Endgericht, die fürsprechende Rolle der Erzväter und Michael als Fürsprecher, als Wiegemeister an der Seelenwaage und als Anwalt der Menschen.

Zum zweiten ist typisch christlich die unüberholbare Bedeutung des Geschicks Jesu in der Geschichte von Gott und Mensch, ganz im Sinne von Römer 5: Das Größere, Wichtigere ist schon gesehen, dagegen ist der Rest ein Pappenstiel. Und schließlich drittens: In der endzeitlichen Rolle besteht eine etwa neunzigprozentige Deckungsgleichheit zwischen den Funktionen Jesu und seines himmlischen Vaters. Diese Beobachtungen sind wichtig, weil die Endzeithoffnung nur das spiegelt, was auch sonst in den Evangelien von Jesus in seinem Verhältnis zu Gott gilt und was für die liberale Theologie stets ein großes Problem war. Die Eschatologie spiegelt auch hier nur den sehr archaisch-christlichen Grundansatz: Jesus ist wie Gott.

Da die Verfasserin den "Tag" in den Mittelpunkt stellt, hat sie jedenfalls von der Sequenz "Dies irae" gehört. Doch ob sie sie kennt? Ihre Darstellung ("mit drastischen Worten von Strafe") erweckt den Eindruck, als sei dieses eine harte Gerichtsschilderung. Doch man höre, was darin auch noch vorkommt: "Jesus, König, groß und mächtig,/ der du rettest, die verloren,/ rette mich, du Gnadenquell.// Jesus, bitte, nicht vergessen:/ wegen mir bist du gekommen,/ halt mich fest an diesem Tag!// Bist mir rastlos nachgelaufen,/ für mein Heil am Kreuz gestorben,/ Laß die Müh' nicht sinnlos sein!// Der Maria freigesprochen/ und den Schächer selbst erhörte,/ du gibst Hoffnung auch für mich// Demut läßt mich leise bitten/ und mein Herz ist voller Reue/ laß mein Ende selig sein". Das allermeiste ist auch hier Bitte um Erbarmen.

Andererseits wendet die Verfasserin die ökumenistische Formel von der "versöhnten Verschiedenheit" einfach auf das Verhältnis gegenwärtiger jüdischer und christlicher Endzeithoffnungen an. Vielleicht ist das doch eine Überforderung. Ich kann mir vorstellen: Wäre ich Jude, könnte ich nicht von gehabter Versöhnung reden, dächte ich mit Paulus, so würde ich eher von "zu versöhnender Verschiedenheit" reden. Auch so weit kann ich nicht gehen, zu sagen "versöhnbare Verschiedenheit", denn das Ob und Wie weiß nur der Herrgott.

KLAUS BERGER

Nicola Wendebourg: "Der Tag des Herrn". Zur Gerichtserwartung im Neuen Testament auf ihrem alttestamentlichen und frühjüdischen Hintergrund. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2003. 404 S., geb. 64,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Klaus Berger sieht in Nicola Wendebourgs theologischer Studie über den "Tag des Herrn" einen Ansatz, der die heutzutage praktizierte "Wohlfühlkirche" liberaler Theologen seiner Meinung in Frage stellt, die Eschatologie beim Wort nimmt und nach dem Ende, dem Leben nach dem Tod, nach der göttlichen Ordnung fragt, die gemeinhin mit dem Stichwort der "Tag des Herrn" oder der "Tag des Gerichts" gemeint ist. Es gebe sogar viele Theologen, die behaupteten, Jesus habe nie von Gericht gesprochen, empört sich Berger; solche Theologen verwiesen dann auch stets darauf, dass der alttestamentarische Gott des Judentums sowohl Rache, Zorn wie auch die Gerichtsbarkeit verkörpere. Alles falsch, meint Berger. Es sei ein großer Verdienst von Wendebourgs Studie, mit dieser Art von Antijudaismus aufzuräumen und Jesus' Mittlerrolle im jüngsten Gericht herauszuarbeiten. In diesem Punkt kann Berger der Verfasserin nur zustimmen, trotzdem mag er ihr in der Verwendung der Formel von der "versöhnten Verschiedenheit" jüdischer und christlicher Endzeitvorstellungen nicht folgen. Ob diese wirklich versöhnbar sind, das weiß nur der Herrgott, schließt der Rezensent sybillinisch.

© Perlentaucher Medien GmbH