Goethe als Chemiker - Schwedt, Georg
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Zum Goethe-Jahr 1999 erscheint eine Biographie J.W. von Goethes, in der mit Hilfe neuer Quellenanalysen die bedeutende Rolle, die die Chemie in der Zeit in seiner Vorstellungswelt gespielt hat, dargestellt wird. Es gelingt dem Autor nachzuweisen, daß Goethe tatsächlich selbst chemisch experimentiert hat und seine Untersuchungen nach dem heutigen Forschungsstandard protokollierte.
Mit 78 Jahren bekannte Goethe: "Die Naturwissenschaft, besonders die Chemie, ist so lebendig, daß man auf die angenehmste Weise wieder jung wird."Daß Goethes Beschäftigung mit der Chemie sich nicht auf
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Produktbeschreibung
Zum Goethe-Jahr 1999 erscheint eine Biographie J.W. von Goethes, in der mit Hilfe neuer Quellenanalysen die bedeutende Rolle, die die Chemie in der Zeit in seiner Vorstellungswelt gespielt hat, dargestellt wird. Es gelingt dem Autor nachzuweisen, daß Goethe tatsächlich selbst chemisch experimentiert hat und seine Untersuchungen nach dem heutigen Forschungsstandard protokollierte.
Mit 78 Jahren bekannte Goethe: "Die Naturwissenschaft, besonders die Chemie, ist so lebendig, daß man auf die angenehmste Weise wieder jung wird."Daß Goethes Beschäftigung mit der Chemie sich nicht auf alchimistische Salonexperimente beschränkte, belegt diese ungewöhnliche Biographie zum Goethe-Jahr 1999.
Georg Schwedt folgt den Spuren des Chemikers Goethe in dessen Werken, Briefen, Tagebüchern und naturwissenschaftlichen Schriften. Das erstaunliche Ergebnis: Goethe war auch in der Chemie seiner Zeit weit voraus. Er förderte nicht nur die Entwicklung der Chemie als eigenständige Wissenschaft. Er experimentierte auch selbst, und die Aktualität seiner Ansätze ist durch moderne Untersuchungen bestätigt.
Goethe und die Chemie: eine wahrhaft spannende Verbindung. Georg Schwedt beschreibt sie ausgesprochen interessant und unterhaltsam. Chemiker und Goethe-Liebhaber können sich auf eine ebenso anregende wie informative Lektüre freuen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Springer, Berlin
  • 1998.
  • Erscheinungstermin: 15. September 1998
  • Deutsch
  • Abmessung: 248mm x 167mm x 30mm
  • Gewicht: 715g
  • ISBN-13: 9783540643548
  • ISBN-10: 3540643540
  • Artikelnr.: 07645958
Autorenporträt
Georg Schwedt, geb. 1943, studierte Chemie in Göttingen und promovierte an der Universität Hannover. Im Anschluss übernahm er eine Abteilungsleitung am Chemischen Untersuchungsamt Hagen, habilitierte sich 1978 in Analytischer Chemie an der Universität Siegen, und wurde, nach einer Professur für Analytische Chemie in Göttingen, Direktor des Instituts für Lebensmittelchemie und Analytische Chemie der Universität Stuttgart. Von 1987-2006 war er Professor für Anorganische und Analytische Chemie an der TU Clausthal. Seit seiner Emeritierung ist er an der Universität Bonn tätig. Georg Schwedt entwickelte das Schülermitmachlabor SuperLab und ist mit seinen zahlreichen Experimentalvorträgen u. a. zur Lebensmittelchemie bundesweit bekannt. Zweimal wurde er vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Förderprogramm Wissenschaft im Dialog ausgezeichnet. Er ist Autor zahlreicher Sach- und Lehrbücher.
Inhaltsangabe
Annäherung an den Natur(er)forscher Goethe.- 1 Die Chemischen Experimente Des Jungen Goethe.- Student in Leipzig.- Alchemistische Experimente im Elternhaus.- Goethe in Straßburg.- Die Reise in das Elsaß und nach Saarbrücken.- Literatur zu Kapitel 1.- 2 Geochemische Ansichten und Reisebilder.- Goethes erste Harzreise im Winter 1777.- Besuche in der Baumannshöhle bei Rübeland.- Einfahrt in das Erzbergwerk Rammelsberg.- Im Mineralienkabinett des Apothekers Ilsemann in Clausthal.- Die Reise in die Schweiz 1779.- Zweite und Dritte Harzreise 1783 und 1784 -geognostisch und geochemisch.- Die Reise nach Italien 1786 bis 1788.- Von Karlsbad zum Brenner.- Die Besteigungen des Vesuvs.- Geologisch-Chemisches auf Sizilien.- Rückkehr nach Neapel und die Flammen des Vesuvs.- Goethe und der Ilmenauer Bergbau.- Neptunismus versus Plutonismus.- Erdbrände, Naturfeuer und Glutspuren in Böhmen.- Geochemisches über die "Zinnformation".- Goethes Bekenntnisse zur Geognosie - aus dem ungeschriebenen Roman der Erde.- Literatur zu Kapitel 2.- 3 Die "Chemischen Anfangsgründe" in Weimar.- Der Hofapotheker Bucholz.- Goethes chemische Berater Siewer, v. Einsiedel und Büttner.- Die Chemie im 18. Jahrhundert.- Phlogistontheorie und antiphlogistische Chemie.- Göttling in Weimar - der spätere erste Chemieprofessor in Jena.- Der Hofapotheker Hoffmann.- Der Physiker Seebeck.- Alexander Scherer in Weimar.- Redaktion eines chemischen Journals im Schloß Belvedere.- Johann Schweigger und sein Journal.- Literatur zu Kapitel 3.- 4 Die Chemie An Der Universität Jena.- Die Chemie vor Göttling.- Göttling als Chemieprofessor in Jena (1789-1809).- Johann Wolfgang Döbereiner.- Osann - ein bedeutender Schüler Döbereines.- Das chemische Laboratorium.- Döbereiners Stöchiometrie.- Die Pharmazeuten und Chemiker Goebel und Wackenroder.- Literatur zu Kapitel 4.- 5 Chemikerbesuche und Goethes Angewandte Chemie.- Bei Goethe zu Besuch: Berzelius und seine Schüler.- Ferdinand Friedlieb Runge zu Besuch in Jena.- Bei den Gmelins in Tübingen und Göttingen.- Goethe bei Lichtenberg in Göttingen.- Angewandte Gaschemie - Goethe und die Luftballone.- Leucht-und Wassergas.- Zu Besuch in chemischen Fabrik Fikentscher in Marktredwitz.- Kunckels Glasmacherkunst.- Chemische Balneologie.- Die Dunsthöhle zu Pyrmont.- Die Schwefelquellen von Bad Berka.- Die Silberprobe zu Ilmenau.- Persischer Stahl.- Verzuckerung von Stärke.- Literatur zu Kap. 5.- 6 Das Stoffliche in Goethes Farbenlehre.- Zur Entstehungsgeschichte der Farbenlehre.- Zur Geschichte der Farbenlehren - Vom Philosophen Aristoteles bis zum Chemiker Ostwald.- Die Chemiker im historischen Teil der Farbenlehre - vom Altertum bis in das 17. Jahrhundert.- Chemiker des 18. Jahrhunderts im II. historischen Teil der Farbenlehre.- Goethes Farbenlehre in der Brockhaus Enzyklopädie -1838 und 1968.- Die Farbenlehre im "Handwörterbuch der Naturwissenschaften".- Gottfried Benn und Werner Heisenberg zu Goethes Farbenlehre.- Chemische Farben.- Grundlegende Definitionen.- Anorganische Pigmente, Pflanzenfarben und Tinten.- Färbetechniken und Bleichkunst.- Notizen zu den Pflanzenfarben.- Versuche zum mineralischen Chamäleon.- "Versuche mit der Berliner Lauge und den Metallkalken".- Zur Farbenchemie des Silbers und seiner Verbindungen.- Literatur zu Kap. 6.- 7 Chemisches in Goethes Dichtungen.- Cagliostros Stammbaum in der "Italienischen Reise".- Kosmetische Chemie im Roman "Wilhelm Meister".- Die Wahlverwandtschaften und die chemische Affinitätslehre.- Göttlings chemisches Probierkabinett.- Die Chemie des Doktor Faustus.- Literatur zu Kapitel 7.- 8 Biographien.- Bibliographie.- Monographien.- Spezielle Literatur zum Thema "Goethe und die Chemie".- Personenregister.- Bildnachweis.

Annäherung an den Natur(er)forscher Goethe.- 1 Die Chemischen Experimente Des Jungen Goethe.- Student in Leipzig.- Alchemistische Experimente im Elternhaus.- Goethe in Straßburg.- Die Reise in das Elsaß und nach Saarbrücken.- Literatur zu Kapitel 1.- 2 Geochemische Ansichten und Reisebilder.- Goethes erste Harzreise im Winter 1777.- Besuche in der Baumannshöhle bei Rübeland.- Einfahrt in das Erzbergwerk Rammelsberg.- Im Mineralienkabinett des Apothekers Ilsemann in Clausthal.- Die Reise in die Schweiz 1779.- Zweite und Dritte Harzreise 1783 und 1784 -geognostisch und geochemisch.- Die Reise nach Italien 1786 bis 1788.- Von Karlsbad zum Brenner.- Die Besteigungen des Vesuvs.- Geologisch-Chemisches auf Sizilien.- Rückkehr nach Neapel und die Flammen des Vesuvs.- Goethe und der Ilmenauer Bergbau.- Neptunismus versus Plutonismus.- Erdbrände, Naturfeuer und Glutspuren in Böhmen.- Geochemisches über die "Zinnformation".- Goethes Bekenntnisse zur Geognosie - aus dem ungeschriebenen Roman der Erde.- Literatur zu Kapitel 2.- 3 Die "Chemischen Anfangsgründe" in Weimar.- Der Hofapotheker Bucholz.- Goethes chemische Berater Siewer, v. Einsiedel und Büttner.- Die Chemie im 18. Jahrhundert.- Phlogistontheorie und antiphlogistische Chemie.- Göttling in Weimar - der spätere erste Chemieprofessor in Jena.- Der Hofapotheker Hoffmann.- Der Physiker Seebeck.- Alexander Scherer in Weimar.- Redaktion eines chemischen Journals im Schloß Belvedere.- Johann Schweigger und sein Journal.- Literatur zu Kapitel 3.- 4 Die Chemie An Der Universität Jena.- Die Chemie vor Göttling.- Göttling als Chemieprofessor in Jena (1789-1809).- Johann Wolfgang Döbereiner.- Osann - ein bedeutender Schüler Döbereines.- Das chemische Laboratorium.- Döbereiners Stöchiometrie.- Die Pharmazeuten und Chemiker Goebel und Wackenroder.- Literatur zu Kapitel 4.- 5 Chemikerbesuche und Goethes Angewandte Chemie.- Bei Goethe zu Besuch: Berzelius und seine Schüler.- Ferdinand Friedlieb Runge zu Besuch in Jena.- Bei den Gmelins in Tübingen und Göttingen.- Goethe bei Lichtenberg in Göttingen.- Angewandte Gaschemie - Goethe und die Luftballone.- Leucht-und Wassergas.- Zu Besuch in chemischen Fabrik Fikentscher in Marktredwitz.- Kunckels Glasmacherkunst.- Chemische Balneologie.- Die Dunsthöhle zu Pyrmont.- Die Schwefelquellen von Bad Berka.- Die Silberprobe zu Ilmenau.- Persischer Stahl.- Verzuckerung von Stärke.- Literatur zu Kap. 5.- 6 Das Stoffliche in Goethes Farbenlehre.- Zur Entstehungsgeschichte der Farbenlehre.- Zur Geschichte der Farbenlehren - Vom Philosophen Aristoteles bis zum Chemiker Ostwald.- Die Chemiker im historischen Teil der Farbenlehre - vom Altertum bis in das 17. Jahrhundert.- Chemiker des 18. Jahrhunderts im II. historischen Teil der Farbenlehre.- Goethes Farbenlehre in der Brockhaus Enzyklopädie -1838 und 1968.- Die Farbenlehre im "Handwörterbuch der Naturwissenschaften".- Gottfried Benn und Werner Heisenberg zu Goethes Farbenlehre.- Chemische Farben.- Grundlegende Definitionen.- Anorganische Pigmente, Pflanzenfarben und Tinten.- Färbetechniken und Bleichkunst.- Notizen zu den Pflanzenfarben.- Versuche zum mineralischen Chamäleon.- "Versuche mit der Berliner Lauge und den Metallkalken".- Zur Farbenchemie des Silbers und seiner Verbindungen.- Literatur zu Kap. 6.- 7 Chemisches in Goethes Dichtungen.- Cagliostros Stammbaum in der "Italienischen Reise".- Kosmetische Chemie im Roman "Wilhelm Meister".- Die Wahlverwandtschaften und die chemische Affinitätslehre.- Göttlings chemisches Probierkabinett.- Die Chemie des Doktor Faustus.- Literatur zu Kapitel 7.- 8 Biographien.- Bibliographie.- Monographien.- Spezielle Literatur zum Thema "Goethe und die Chemie".- Personenregister.- Bildnachweis.
Rezensionen
Besprechung von 10.08.1999
Und mit eiligem Bestreben sucht sich, was sich angehört
Ein Lesebuch für Grund- und Leistungskurs: Georg Schwedt erzählt von Goethes Experimenten mit der Chemie

"Hätt' ich mich mit den Naturwissenschaften nicht abgegeben, so hätt' ich die Menschen nie kennen lernen", bekannte der alte Goethe einmal. Denn der unfassliche Mensch ist die höchste Steigerung des unbegreiflichen Lebens, das er dennoch begreifen möchte. Die gesamte Natur als ein Wirkendes, Werdendes, sich Entwickelndes ist ein Lebendiges, das der Mensch unweigerlich auf sich selbst bezieht, um eine Übersicht zu gewinnen über seine Stellung im Zusammenhang aller lebendigen Kräfte. Es war die Freude am Lebendigen des Daseins, das Goethe zu dem dauernden "Hinstarren auf die Natur" drängte. Eine Freude, die sich bewußt blieb, nie die Phänomene rein sehen zu können, weil der beobachtende Mensch sich ihnen nur anzunähern vermag, durch den Staub hinweg, den er vor ihnen aufwirbelt. Die Allgegenwart des Lebens und die Allbildlichkeit desselben läßt sich nicht in Worte fassen. Durch Worte sprechen wir weder die Gegenstände noch uns selbst aus. Symbole, Gleichnisse, Analogien veranschaulichen das Wahre, dessen Abglanz wir nur wahrnehmen. Die "Wahlverwandtschaften" sind seine berühmteste Gleichnisrede über die Anziehung, Abstoßung und Verwandlung, über Freiheit und Bestimmung, wie sie chemischen Stoffen nicht anders als der Seele widerfährt. Denn alles Existierende ist nur ein Analogon alles Existierenden, das in steter Bewegung schwankt.

Georg Schwedt, der "Goethe als Chemiker" behandelt, hat eine hohe Achtung vor dem gegenständlichen Denken dieses Betrachters der lebendigen Natur. Er folgt den Lebensspuren Goethes und entwickelt darüber eine Geschichte der Chemie innerhalb der Geschichte eines individuellen Lebens. Er hält sich an Goethes wissenschaftliche Devise: Ich lehre nicht, ich erzähle, und bestätigt darüber Goethes Vermutung, dass die Geschichte einer Wissenschaft, gebrochen durch ein Individuum, eben die Wissenschaft ist, die Veranschaulichung ihrer Fragen, Antworten, Methoden und Zwecke. Der junge Goethe wollte die Geheimnisse der Natur im Zusammenhang kennen lernen. Dabei blieb es ein Leben lang, angefangen mit Experimenten in alchimistischer Tradition, die sich dann zu wissenschaftlichen Versuchen läuterten unter dem Einfluß der sich verwissenschaftlichenden Naturbetrachtung. Er begann als Dilettant und eroberte sich nach und nach, ein geborener Pendant, der er war, wie er stolz bekannte, die strengen Methoden der zeitgenössischen Naturkunde. Freilich wollte er immer ein Liebhaber bleiben, ein Liebhaber des Lebendigen, der ein- und ausatmenden Natur. Ihn störte eine mathematische Begrifflichkeit, die Starrheit der Formeln, er suchte nach seinen eigenen Ausdrucksformen, was ihm gelang, von der Wissenschaft aber kaum gedankt wurde. Mit treuer Andacht vor dem Detail vereinzelte er die zu beobachtenden Phänomene, schied, trennte. zergliederte, um von der Anschauung zum Begriff zu gelangen. Aber zugleich verlangte es nach neuen Verbindungen, nach Ideen, nach lebenserfüllten Synthesen.

Er zweifelte, ob ein Jahrhundert, das sich vor Synthesen fürchtet, auf dem rechten Weg sein könne, gerade bei chemischen Bemühungen, die von ausgebreitetster Anwendung und damit von grenzenlosem Einfluss auf das Leben sind. Das Nutzbare, das Anwendbare verwarf er nicht, ganz im Gegenteil, darin erkannte er Vorteile für das Leben. Ihn interessierten Mineralwässer, Medikamente, die Gewinnung von Zucker aus Runkelrüben, Stickstoffdüngung, Gasbeleuchtung, selbst Versuche, mit Zucker und kohlensaurem Natron den herben Saalewein in kräftig moussierenden Champagner zu verwandeln. Die Chemie für das praktische Leben umgriff auch Kosmetika, derer sich der Mann von fünfzig Jahren in den "Wanderjahren" bedient. Der Kaufmannsgeist wehte auch den Staatsbeamten an, der an die Produktion auf Chemie beruhender "Lebenshilfen" dachte. Ganz abgesehen davon, dass er mit Sorgfalt sich um zu berufende Professoren und den akademischen Nachwuchs wie dessen Förderung kümmerte, nicht zuletzt auch aus dem ureigensten Bedürfnis, anregende, ihn unterrichtende Gesprächspartner zu finden, die seine wissenschaftliche Phantasie belebten, da nur eine methodisch geschulte Einbildungskraft der Natur gewachsen sein konnte.

Unter den Chemikern suchte er Genialität mit praktischer Tendenz, und gerade darüber machte er die Chemie sehr populär in Weimar. Schiller sah anfänglich im Naturtreiben der Weimarer Sekte eine gewisse kindliche Einfalt der Vernunft, bis er ahnte, dass dem durchaus Ideen zu Grunde lagen. Zuweilen legte der erhabene Sinn Goethes das Große in das Leben und suchte es nicht darin. Er liebte den Granit, das Symbol alles Beständigen, in dem er das Urgestein vermutete. Ihm waren mitten in einer revolutionären Zeit Vulkane ungemütlich, überhaupt Theorien einer Weltentstehung, die gleichsam Vorgänge in einer "vermaledeiten Polterkammer" systematisierten. Sein geplanter Roman der Erde sollte die ruhigen Verwandlungen schildern, die allem Natürlich-Lebendigen, wie bei Ovid, zu einem neuen Glück verhelfen. Mit der Poesie hob die Weltdeutung und Welterklärung an, zur Poesie sollte der trennende wissenschaftliche Geist wieder zurückfinden. In seinen späten Werken, vor allem im Faust II, verbergen sich im lyrischen Gewand die Ergebnisse seines forschenden Staunens. Georg Schwedt setzt sie in Beziehung zu dem mathematischen Geist naturwissenschaftlicher Forschung, wie sie diesen ergänzen, selbst dort, wo sie ihm nicht genügen können. Er legt keine systematische Analyse vor, er stellte ein Lesebuch zusammen, das bis in entlegenste Bezüge die Funktion der Chemie in Goethes Leben verdeutlicht und damit eine überraschende Annäherung an den Dichter und Wissenschaftler erlaubt, der wie alles Lebendige kein Eins, immer ein Vieles ist. "Immer wechselnd, fest sich haltend,/nah und fern und fern und nah;/So gestaltend, umgestaltend. -/Zum Erstaunen bin ich da."

EBERHARD STRAUB

Georg Schwedt: "Goethe als Chemiker". Springer Verlag, Heidelberg 1998. 382 S., 26 Abb., geb., 79,- DM.

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Aus den Rezensionen: "Pionier. Goethe und die Naturwissenschaften - Sprache und Gefühl treffen auf Neugier und Forschergeist. Der Autor, Professor der Chemie, studiert und zitiert Goethes gesammelte Werke und Schriften, Tagebücher und Briefe bis hin zu seinen eigenen naturwissenschaftlichen Texten. ... Die Zitate sind dabei genauso frisch und anregend zu lesen, wie sie vom Autor klug ausgewählt und in ihre Zeit historisch eingeordnet sind. Fazit: ein ganz anderer, neuer Blick auf die Geschichte der Chemie."