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In Straßburg steht am Bahnhofsausgang plötzlich dieser Mensch neben dem Erzähler ("Suchen Sie auch ein Hotel?") und will ihm nicht mehr von der Seite weichen. Von Stund an wird der Basler Philosoph (Spinoza-Spezialist) von diesem Schwadroneur und angeblichen Musiker (wankelmütiger Schubert-Verehrer) so lange belagert, tyrannisiert, unter den Tisch getrunken und an die Wand geredet, bis es nur noch einen schrecklichen Ausweg gibt... Der Roman handelt von den verheerenden Konsequenzen, die sich ergeben können, wenn man einen Fremden nicht im entscheidenden Augenblick wieder loswird. Er erzählt…mehr

Produktbeschreibung
In Straßburg steht am Bahnhofsausgang plötzlich dieser Mensch neben dem Erzähler ("Suchen Sie auch ein Hotel?") und will ihm nicht mehr von der Seite weichen. Von Stund an wird der Basler Philosoph (Spinoza-Spezialist) von diesem Schwadroneur und angeblichen Musiker (wankelmütiger Schubert-Verehrer) so lange belagert, tyrannisiert, unter den Tisch getrunken und an die Wand geredet, bis es nur noch einen schrecklichen Ausweg gibt...
Der Roman handelt von den verheerenden Konsequenzen, die sich ergeben können, wenn man einen Fremden nicht im entscheidenden Augenblick wieder loswird. Er erzählt davon, wie sich der Alltag eines Menschen in kürzester Zeit fatal verändern kann. Ohne dass die Beteiligten spüren, auf welches Verhängnis sie sich zubewegen, nehmen die Dinge ihren Lauf.
Ein wunderbar abgründiger Roman, dessen Komik aus dem Schrecken stammt und dessen Musikalität die Ereignisse bis zuletzt in der Schwebe hält.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann und Campe
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: Februar 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 25mm
  • Gewicht: 362g
  • ISBN-13: 9783455058307
  • ISBN-10: 3455058302
  • Artikelnr.: 13308774
Autorenporträt
Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen an der Donau geboren und studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Dramaturg an den Theatern in Freiburg, Basel und Zürich. Er erhielt den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis sowie dem Thaddäus-Troll-Preis, außerdem den Alemannischen Literaturpreis, den Candide-Preis sowie den Preis der LiteraTour Nord. Im Jahr 2012 wurde ihm der Johann-Peter-Hebel-Preis verliehen, 2014 bekam er den Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis. Karl-Heinz Ott lebt in Freiburg.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.02.2005

Von der Unmöglichkeit, nein zu sagen
Der freie Wille im krummen Turm: Karl-Heinz Otts zweiter Roman erzählt von der feindlichen Übernahme eines Lebens

Würde man doch seine Lektüren ernster nehmen: nicht immer nur als Gedankenspiel, Zeitvertreib oder gar Fluchtfahrzeug aus dem stockenden Verkehr der Alltagsroutinen, sondern als Handlungsanleitung für ein besseres, klareres, freieres Leben. Dann reichte auch ein einziges Buch aus, das dann immer wieder auf deutlichere Wegbeschreibungen und Richtungsanweisungen abzuklopfen wäre: Hier geht's lang - von links nach rechts und von oben nach unten, zum besseren Verständnis des Daseins bitte umblättern! Haben es da professionelle Leser besser, jene, die in philosophischen Seminaren den immer gleichen Texten die immer gleichen Fragen stellen?

Der Erzähler in Karl-Heinz Otts neuem Roman, ein Philosophieprofessor an der Universität Basel, der mit seinen Studenten immer wieder über Spinozas paradoxer Negation der Willensfreiheit brütet, könnte sein Forschungsgebiet freilich auch zu ernst genommen haben. Während eines kurzen Aufenthalts in Straßburg macht der Gelehrte die zufällige Bekanntschaft eines ungewöhnlich aufdringlichen und verwahrlosten Sonderlings namens Friedrich Grävenich, der sich als Musiker vorstellt und den er von Stund an nicht mehr los wird: Gegen seinen Willen zwingt ihm der Fremde seine Nähe, ja seine Freundschaft auf, verwickelt ihn in die Geschichte der eigenen Irrungen und Wirrungen, nistet sich erst im Leben, dann in der Wohnung des Erzählers ein und läßt sich nicht mehr daraus vertreiben. Spinoza hin oder her: Der Spezialist wird seinen Spezi nicht mehr los.

Das ist schon die ganze Handlung des Romans - und doch nur die halbe Wahrheit. Denn was nach einer reichlich konstruierten Lehrstunde in angewandter Philosophie, einer praktischen Übung in Determinismus klingt, gerät Karl-Heinz Ott zu einem Meisterstück erzählerischer Dramaturgie und psychologischem Realismus. Die Straßburger Episode zu Beginn, die von einer harmlosen Hotelsuche zu einer wüsten Orgie eskaliert, läßt wie in einer Ouvertüre bereits alle Motive anklingen, die danach entfaltet werden. Schon beim ersten gemeinsamen Essen weiht ihn Friedrich in seine intimsten Geheimnisse ein, berichtet von seiner sexuellen Traumatisierung als Schüler in einem Knabeninternat oder phantastischen Zukunftsplänen, in denen eine Kameruner Prostituierte eine entscheidende Rolle spielt, von seiner Liebe zu Schubert und seiner sich offenbar täglich weiter zuspitzenden Lebenssituation, in der er vor der Entscheidung steht, seinen quälenden Brotberuf als Klavierlehrer im Mannheimer Konservatorium aufzugeben. "Wie um von vorne zu beginnen oder einen neuen Erzählstrang einzufädeln oder einen längst verlassenen wiederaufzunehmen, setzte er nach seinen kurzen Rauchpausen, tief Luft holend, mit einem stoßseufzergroßen ,Also' seine auseinanderlaufenden und sich überkreuzenden Geschichten fort, und jedesmal klang es aus seinem Mund, als wartete ich bereits ungeduldig auf immer neue Details und Lebenskapitel, die mir nicht vorenthalten werden sollten." Schließlich flüchtet der Erzähler heimlich aus dem Hotel, nicht ohne Friedrich zuvor eine falsche Adresse und Telefonnummer gegeben zu haben. Doch einige Monate später ist dieser dennoch am Apparat - um seinen Besuch in Basel anzukündigen.

Wie in einem Psychothriller entfaltet Ott die Geschichte einer Inbesitznahme, die paradoxerweise für ihr Opfer genauso vorhersehbar wie unvermeidlich ist. Mit einer Mischung aus Dreistigkeit und Naivität verschafft sich Friedrich im Leben des anderen Raum, saugt wie ein Seelenparasit dessen Intimsphäre aus und droht schließlich sogar seine bürgerliche Existenz im überschaubaren Mikrokosmos des Basler Universitätsmilieus zu vernichten. Immer mehr wird klar, daß Friedrich in ein Vakuum stößt und mit seiner Energie und passiv-aggressiven Rücksichtslosigkeit die Willensstärke ersetzt, die der Erzähler nicht aufbringt. So zeichnet der Roman die subtile Charakterstudie eines Mannes, der sehenden Auges ins Verderben läuft und trotz seiner exakten Selbstanalyse nicht in der Lage ist, den ungebetenen Gast einfach vor die Tür seiner Altstadtwohnung zu setzen. Innerhalb weniger Wochen wird sein Leben zum Trümmerhaufen; die Tage während jener hochsommerlichen Semesterferien beginnen mit einem gemeinsamen Katerfrühstück bei "Mister Wong" und laufen auf den Exzeß im "Krummen Turm", einer einschlägigen Trinkerstube, zu.

Die pragmatische Exfreundin Marie, die just zu der Zeit Urlaub in Indonesien macht, als sich das wohlgeordnete Basel in eine verrauchte, alkoholschwitzende Vorhölle verwandelt, verkörpert den gesunden Menschenverstand, der mit der Situation innerhalb einer halben Stunde fertig geworden wäre. Doch hinter der Handlungshemmung des Erzählers steckt mehr als nur falsch verstandene Höflichkeit oder Servilität. Die Unmöglichkeit, nein zu sagen, ist Symptom einer Identitätskrise, die von der Fassade einer kleinbürgerlichen Gelehrtenexistenz nur verdeckt wird. "Wo e Wille isch, isch e Waj" - der alemannische Sinnspruch in der Straßburger Brasserie verweist auf das Problem: Am Willen eben mangelt es, weil dahinter kein Ziel mehr steht. So wird der Erzähler zum Spielball seiner Umgebung, der von einem entsprechend kraftvollen Tritt aus der Bahn gekickt wird.

Eine Pointe dieses an psychologischen Kniffen so reichen Buchs ist, daß ja gerade Friedrich sein eigenes Leben überhaupt nicht in den Griff kriegt. Es bleibt bis zum dramatischen Crescendo am Schluß - der auch ganz unmetaphorisch auf einen Gipfel führt - offen, was von seinen ganzen Geschichten überhaupt der Wahrheit entspricht. (In Mannheim jedenfalls hat man noch nie von einem Musiker dieses Namens gehört.) Auch er ist ein Getriebener, der gar nicht anders kann, als jede Grenze zu überschreiten, so daß es von der Selbstbehauptung bis zur Selbstaufgabe buchstäblich nur ein kleiner Schritt ist.

Wer aber ist dieser Autor, der nun mit Ende Vierzig plötzlich ein derart kluges, ausgereiftes und virtuos erzähltes Buch vorlegt? Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen in Oberschwaben geboren und hat als Dramaturg an verschiedenen Bühnen gearbeitet. Schon sein schmaler, 1998 erschienener Erstling "Ins Offene" deutete an, welch ein erzählerisches Talent sich da abseits aller Moden und Betriebsamkeiten in der badischen Provinz entwickelt hat. Der eindringliche Rückblick auf eine dörfliche Kindheit, ausgelöst vom bevorstehenden Tod der Mutter, ist eines der schönsten Erinnerungsbücher der letzten Jahre, und die deutsche Gegenwartsliteratur ist ja an Vertretern dieses Genres nicht gerade arm. Schon damals bestach Otts klare, musikalische, aber nie gekünstelte oder umständliche Sprache, in der einfach jedes Wort an der richtigen Stelle steht. Nicht nur wegen seiner Herkunft kann man sich an Arnold Stadler oder Martin Walser erinnert fühlen, doch hat Ott einen eigenen, unverwechselbaren Ton; auf Klang und Rhythmus legt er ebenso großen Wert wie auf musikanaloge Prinzipien in der Komposition.

Und nun, sieben Jahre und damit für die Branche eine halbe Ewigkeit später, erscheint der Nachfolger, ebenfalls kein umfangreiches Opus, sondern schlicht ein kleiner, fast altmodisch gekonnter Roman, der eine einfache Geschichte perfekt erzählt. Ab dem zweiten Buch kann man vom "Werk" eines Autors sprechen. Nur in wenigen Fällen mit so gutem Grund.

Karl-Heinz Ott: "Endlich Stille". Roman. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2005. 208 S., geb., 17,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.03.2005

Der Nicht-Neinsager
Nervensägen erkennen ihre gefügigen Opfer schon von weitem: Karl-Heinz Otts sehr guter Roman „Endlich Stille”
Allein der Titel: „Endlich Stille”. Er wirkt wie ein Signal der Hoffnung auf den Berufsleser, der sich immer öfter bei dem Verdacht ertappt, die allseits unaufhörlich anschwellende Schriftstellerei sei zumindest in Teilen nur eine ambitioniertere Form der Geschwätzigkeit, potenziert durch das eigene Sekundärgeschwätz, perpetuiert durch das Zaudern aller Beteiligten, den Betrieb an irgendeiner Stelle durch ein vernehmliches Nein zu blockieren. Und prompt handelt dieser durchaus redselige kleine Roman, der freilich kein überflüssiges Wort enthält und in seiner soghaften Zielstrebigkeit eher Novellencharakter besitzt, von nichts anderem als vom Unvermögen, laut und deutlich nein zu sagen und damit eine erbarmungslose, in diesem Fall gar existenzbedrohende Schwadroniermaschine abzustellen.
So könnte ein Thriller beginnen: Ein Reisender in einer Frühlingsnacht, auf dem Weg von Amsterdam nach Basel in Straßburg aus dem Zug gestiegen, findet sich unversehens in Gesellschaft eines aufdringlichen Fremden, der ihm nicht mehr von der Seite weicht und dem er aus Gründen, die für ihn selbst im Dunkeln liegen, keinen Widerstand entgegenzusetzen vermag. Er lässt sich von dem Unbekannten, der ihm keineswegs sympathisch ist, wie betäubt zu allerlei Programmänderungen überreden, bezieht mit ihm ein Hotel und begleitet ihn in eine rustikale Gastwirtschaft, später in eine Bar und in ein Bordell. Sein klebriger Gefährte, eine stilvoll verlotterte Erscheinung und seinerseits nur auf der Durchreise, hat sich als Musiker vorgestellt, wenn auch mit dem Zusatz, er wolle den Beruf aufgeben. Dieser Mitteilung folgt im Laufe der gemeinsam durchzechten Nacht ein nicht mehr einzudämmender Strom von Geschichten, Erinnerungen, Meinungen, Behauptungen und Lebensproblemen, kurz: eine Suada von der Sorte, für die erst in neuerer Zeit der Ausdruck „jemanden vollschwallen” erfunden wurde.
Der zunehmend verwirrte und erschöpfte Zuhörer, Professor für Philosophie an der Basler Universität, lässt in seiner Eigenschaft als Erzähler allerdings keinen Zweifel daran, dass er für diese Opferrolle die ideale Besetzung ist. Nicht nur hat er vor der Abfahrt in Amsterdam den Ratgeber „Sechzehn Wege, das Nein zu vermeiden” erworben, obwohl er das Niederländische nicht beherrscht. Er bekennt dem Leser ferner, er habe den Straßburger Zwischenhalt auf dem Weg nach Basel eingeplant, „um die Ankunft dort noch ein wenig hinauszuzögern” und um ein Gourmetlokal aufzusuchen, in dem er mit seiner Ex-Geliebten Marie beim ersten und beim letzten gemeinsamen Elsass-Ausflug eingekehrt war. Was er über die gescheiterte Beziehung verrät, lässt auf ausgeprägte Konfliktscheu seinerseits schließen. Dass er Spinozas paradoxe Negation der Willensfreiheit zu seinem akademischen Spezialgebiet erkoren hat, vervollständigt das Bild des notorischen Nicht-Neinsagers, der einer Nervensäge wie Friedrich Grävenich - so heißt die lästige Reisebekanntschaft - unweigerlich ins Netz gehen muss.
Ein Fall von psychologischem Realismus? Die letzte Aufwallung von Willenskraft, die den schon ziemlich derangierten Philosophen dazu treibt, sich nach Angabe einer falschen Telefonnummer aus den Fängen des Schwätzers zu befreien und aus der Stadt zu flüchten, scheint dafür zu sprechen. Doch die Straßburger Episode verhält sich zu dem, was nun in Basel folgt, wie die Exposition zur Durchführung in der Sonatenform: Die Themen sind bekannt, aber die Entfaltung und spannungsvolle Zuspitzung steht erst noch bevor. Ein Typ wie Friedrich Grävenich lässt sich nicht abschütteln, er bleibt dem Erzähler auf den Fersen - und bringt es mühelos fertig, sich in dessen Wohnung einzunisten. Was bis dahin nur klug und komisch war, schlägt ins Surreal-Bedrohliche um, ohne an innerer Logik einzubüßen.
Die Anhänglichkeit des unwillkommenen Gastes, der sich in immer abenteuerlichere Widersprüche verstrickt, nimmt den Charakter einer Belagerung an, und seine Lebensgewohnheiten haben eine so starke Ausstrahlung, dass der ohnmächtige Spinoza-Spezialist sich in einem nie gekannten Zustand der Daueralkoholisierung, Verwahrlosung und Sozialphobie wiederfindet. Längst ist nicht mehr zu übersehen, dass der Erzähler und sein Schatten zwei komplementäre Lebenskrisen verkörpern, die wie Zahnräder ineinander greifen. Bald lassen sich die ersten Symptome eines Rollentauschs ausmachen: Immer öfter ist es der Philosoph, der nächtens delirierende Redeschwälle über seinen Begleiter ergießt, während jener schweigend seinen Gedanken nachhängt.
Es gibt indes auch Momente, in denen zwischen den beiden so etwas wie ein Dialog stattfindet. Stets geht es dabei um Musikalisches, insbesondere um Schuberts „Wandererfantasie”, die der Autor Karl-Heinz Ott, seines Zeichens Dramaturg und studierter Musikologe, in seiner Prosa unterschwellig mitklingen lässt. Die Atmosphäre dieser „gehetzten, endlos weitertreibenden und dabei wie auf der Stelle tretenden Musik mit ihren brüsken, zwischen Befriedung und Getriebensein hin- und hergerissenen Stimmungswechseln” durchdringt die Erzählung bis in kompositorische Details. Für diesen Kunstgriff verzeiht man dem Verfasser gern ein paar Stilmarotten, wie die fast parodistische Suche nach Synonymen für „sagen” nach einer direkten Rede (schönstes Beispiel: „schüttelte sie sich vor Freude”).
Die Wanderung führt am Ende auf einen Schweizer Berggipfel und mündet in ein dramatisches Finale. Danach ist endlich Stille. Und schon hofft man, Karl-Heinz Ott, der vor sieben Jahren mit seinem Debüt „Ins Offene” einiges Aufsehen erregte, möge sich bis zum nächsten Roman nicht wieder so lange in Schweigen hüllen.
Karl-Heinz Ott
Endlich Stille
Roman. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2005. 208 Seiten, 17,95 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

"Was diesen heiter-bedrohlichen Roman über die Macht der Diskurse und die Ohnmacht der verhinderten Neinsager zu einem staunenswerten Sprachkunstwerk macht, ist seine subtile musikalische Architektonik." Schreibt Rezensent Michael Braun, der sich in selbiger verlor und gar nicht anders konnte, als mit den Augen eines verschnarchten und zunehmend panischen - vor allem aber: konfliktscheuen - Basler Spinoza-Experten eine Geschichte zu erleben, die harmlos beginnt und zum Äußersten führt. Der Philosoph trifft auf einen Fremden von "rabulistischer Erbarmungslosigkeit", der des Professors Unfähigkeit zum Neinsagen ausnutzt, sich alsbald bei ihm einnistet und ihn in immer größere existenzielle Verzweiflung treibt. Und da, so der Rezensent, kommt die Form ins Spiel, Karl-Heinz Otts "hoch elaborierte Gedankenmusik", inspiriert von Schubert: Sie ziele "mit ihren oft weit ausgreifenden Satzperioden und Konjunktivkonstruktionen auf solche Entgrenzungs- und Schwebeeffekte, die den Helden aus seinen lebensweltlichen Verankerungen heben und in den Abgrund der Desorientierung stoßen". Und den Leser gleich mit. Kurzum, so der Rezensent: ein großartiger Roman mit enormer Gedankenfülle, das Zeugnis einer hohen sprachlichen Begabung. Spannend, komisch, grausam. Und zudem eine "Liebeserklärung" an Otts "alemannische Heimat" - Rheinknie, Basel, Straßburg.

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