Touch the Sound - A Sound Journey with Evelyn Glennie - Dokumentation
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Evelyn Glennie ist als Solo-Perkussionistin ein Weltstar der klassischen Musik. Das Hören beschreibt die Musikerin als "den Klang berühren" - denn Glennie hat in ihrer Kindheit ihr Gehör weitgehend verloren. Sie musste lernen, den Körper als Resonanzraum
Bonusmaterial
DVD-Ausstattung / Bonusmaterial: - Unveröffentlichte Sequenzen: Rhythm Fusion, Santa Cruz - Different Drums, Belfast - Being an artist: Evelyn Glennie - Drum Session: Fred Frith, Evelyn Glennie - The Bowmaker, Japan - The Shakuhachi Maker, Japan - Making of - Booklet (12 Seiten)…mehr

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Produktbeschreibung
Evelyn Glennie ist als Solo-Perkussionistin ein Weltstar der klassischen Musik. Das Hören beschreibt die Musikerin als "den Klang berühren" - denn Glennie hat in ihrer Kindheit ihr Gehör weitgehend verloren. Sie musste lernen, den Körper als Resonanzraum

Bonusmaterial

DVD-Ausstattung / Bonusmaterial: - Unveröffentlichte Sequenzen: Rhythm Fusion, Santa Cruz - Different Drums, Belfast - Being an artist: Evelyn Glennie - Drum Session: Fred Frith, Evelyn Glennie - The Bowmaker, Japan - The Shakuhachi Maker, Japan - Making of - Booklet (12 Seiten)
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 DVD
  • Hersteller: 375 Media; Piffl
  • Gesamtlaufzeit: 100 Min.
  • Erscheinungstermin: 25. November 2005
  • FSK: ohne Alterseinschränkung gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
  • Untertitel: Deutsch, Französisch
  • Bildformat: 4:3, PAL
  • EAN: 4015698789485
  • Artikelnr.: 20136363
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.11.2004

Wir sind das Geräusch
"Touch the Sound", ein Dokumentarfilm über Evelyn Glennie

Wer in einem japanischen Restaurant nach neuen Stäbchen fragt, ist entweder pingelig oder ungeschickt. Evelyn Glennie ist sichtlich keines von beidem, und ihr Wunsch hat auch nichts mit dem Essen zu tun. Der freundlich verwunderte Barkeeper jedenfalls rückt auch noch ein paar Gläser heraus, nimmt stoisch ihre Bitte nach etwas Schepperndem entgegen - "vielleicht eine Dose?" - und wird mit einem strahlenden Lächeln belohnt. Als sie alles beisammen hat, gruppiert sie ihre Accessoires um sich herum und haut glücklich mit den Stäbchen auf alles, was sie in der Nähe vorfindet. Daß ihr die Dose dabei wegzurollen droht, kümmert sie wenig.

Andere Gäste wären für ein solches Verhalten vermutlich achtkantig aus der Bar geflogen, Glennie erntet statt dessen rauschenden Beifall der Besucher. Denn die junge Frau ist eine der allerbesten Perkussionisten der Welt, sie spielt mit den interessantesten Partnern seit vielen Jahren aufregende Platten ein, und ihr neugieriges Klangexperiment in der japanischen Bar ist nur der Auftakt einer Veranstaltung, in der sie mit einer Pianistin und einem Geiger improvisiert. Thomas Riedelsheimer hat Glennie ein Jahr mit der Kamera (und einer Reihe exzellenter Aufnahmetechniker) begleitet, er filmt sie in Köln und New York, in Schottland, Japan und Kalifornien, er sieht ihr zu, wenn sie unterrichtet, läßt sie von ihrer Familie erzählen oder beobachtet sie bei Improvisationen mit anderen Musikern.

So ist denn auch Glennies Zusammenarbeit mit dem Avantgarde-Gitarristen Fred Frith in der Alten Fabrik in Dormagen der Bezugspunkt, auf den Riedelsheimers Filmporträt immer wieder zurückkommt. Dabei spielt der Ort naturgemäß seine eigene Rolle: Frith streicht mit dem Bogen über Stromleitungen und lauscht lange den Klängen hinterher, Glennie schaut gebannt fliegenden Papierbahnen zu, wie sie den großen Schacht hinunterflattern. Die Perkussionistin postiert sich in einigem Abstand von Frith, der zupft an den verkürzten Saiten einer liegenden Gitarre herum, während Glennie verschiedene Resonanzkörper betastet, fühlt, streichelt und schließlich kräftig mit den Händen bearbeitet - einmal muß auch Frith' Rücken dafür herhalten.

Es sind Glennies Hände, denen Riedelsheimers Interesse gilt, die er in Nahaufnahmen einfängt und umkreist, aber auch ihre nackten Füße, mit denen sie unruhig die Vibrationen aufnimmt. Denn die Perkussionistin ist in ihrer Kindheit fast vollständig ertaubt, und es ist der sanften Beiläufigkeit dieses großen Films geschuldet, daß diese Tatsache und ihre Folgen genau insoweit ausgebreitet wird, wie es für die Musik Glennies eine Rolle spielt: Die Künstlerin erzählt von ihrem ersten Perkussionslehrer, der ihr gezeigt hat, wie sensibel man mit den Händen Tonschwingungen ertasten kann. Wir sehen sie in einer Musikklasse für Hörgeschädigte beim Unterrichten, und das einzige Mal, daß sie in diesem Filmporträt Hilfe braucht, ist kurioserweise ein Moment in ihrem eigenen Büro: als nämlich ihr Anrufbeantworter seine Nachrichten abspielt und ein Mitarbeiter sie wiederholen muß, damit Glennie sie von seinen Lippen liest.

Das Zusammenspiel von Frith und Glennie (wie auch die Improvisationen der Künstlerin mit anderen Musikern) entfaltet dabei eine ganz eigene Dramaturgie: Anfangs zögerlich, abwartend, dann flüssiger, selbstverständlicher - und der zunächst ganz intensive Blickkontakt wird immer weniger nötig, auch wenn er bis zum Ende die entscheidende Rolle zu spielen scheint.

Wo Glennie nicht als Musikerin gezeigt wird - und das sind nicht wenige Passagen -, setzt sie Riedelsheimer dem Geräuschteppich ganz unterschiedlicher Örtlichkeiten aus und fängt ihre Reaktion ein. Da ist der Lautsprecherklang japanischer Warenhäuser, Straßenlärm oder die Gischt vor der schottischen Steilküste, und es gehört zu den schönsten Momenten von "Touch the Sound", wie Glennie auf die Geräusche ihrer Umgebung lauscht oder gar mit ihnen arbeitet, wenn sie etwa der Antenne eines Funkgeräts thereminartiges Wabern entlockt. Riedelsheimers Bildsprache unterstreicht diese kreative Neugier auf die Welt, er fängt ganz großartige und selten gesehene Details ein, und daß der Film nicht nur seines Gegenstands halber, nicht nur des Geschicks wegen, mit dem er Glennie in Szene setzt, mehrfach bedeutend ausgezeichnet wurde (F.A.Z. vom 28. Oktober), leuchtet sofort ein. Daß er dennoch manchmal ein bißchen zu elegisch, zu sehr auf harmonische Bilder bedacht ist, läßt sich verschmerzen, auch wenn es manchmal der im Wind wiegenden Gräser, der perlenden Wassertropfen und der aufsteigenden Vögel etwas viel ist.

Was bleibt, ist das Porträt einer Musikerin, die Geräuschen nachspürt, wo immer sie welche findet, die sich auf unterschiedlichste Partner einzustellen weiß und dabei den eigenen Stil auf das schönste pflegt. "We are the sound", sagt sie am Ende. Ihr nimmt man das sofort ab.

TILMAN SPRECKELSEN

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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