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Moses Mendelssohn bekämpfte antijüdische Vorurteile, stellte dies aber in den Rahmen seiner aufklärerischen Forderung nach Toleranz und Menschenrechten für alle Menschen überhaupt. Freilich bedarf auch das Judentum einer Überprüfung seiner Prinzipien: Das religiöse Bannrecht muß aufgegeben werden. Diese Thesen der Manasse-Vorrede von 1782 wurden im folgenden Jahr durch Jerusalem - der Titel ist ein Bekenntnis zum Judentum - rechtsphilosophisch begründet und durch eine Rekonstruktion des Wesens des Judentums ergänzt: Die jüdische Religion beruht nicht auf geoffenbarten übervernünftigen…mehr

Produktbeschreibung
Moses Mendelssohn bekämpfte antijüdische Vorurteile, stellte dies aber in den Rahmen seiner aufklärerischen Forderung nach Toleranz und Menschenrechten für alle Menschen überhaupt. Freilich bedarf auch das Judentum einer Überprüfung seiner Prinzipien: Das religiöse Bannrecht muß aufgegeben werden.
Diese Thesen der Manasse-Vorrede von 1782 wurden im folgenden Jahr durch Jerusalem - der Titel ist ein Bekenntnis zum Judentum - rechtsphilosophisch begründet und durch eine Rekonstruktion des Wesens des Judentums ergänzt: Die jüdische Religion beruht nicht auf geoffenbarten übervernünftigen Wahrheitslehren, wie das im Christentum der Fall ist, sondern auf denjenigen ewigen Wahrheiten, die von der Vernunft jedes Menschen erkannt werden können. Diese allgemeine Menschenreligion darf und kann nicht auf irgendeiner besonderen Offenbarung beruhen. Mangels verpflichtender Glaubensartikel ist also das Judentum - im Unterschied zum Christentum - von vornherein auf Gewissensfreiheit ausgerichtet. Allerdings gehören zum Judentum seine spezifischen Geschichtswahrheiten und insbesondere seine 'Zeremo nialgesetze', die den Juden von Gott geoffenbart wurden und denen sie unverbrüchliche Treue erweisen müssen.
Die Einleitung des Herausgebers zeichnet den Gedankengang von "Jerusalem" nach, geht auf zeitgenössische Reaktionen ein, weist auf die höchst kontroverse weitere Rezeptionsgeschichte hin und behandelt die wichtigsten neueren Forschungen.
  • Produktdetails
  • Philosophische Bibliothek Bd.565
  • Verlag: Meiner
  • Erscheinungstermin: September 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 126mm x 15mm
  • Gewicht: 205g
  • ISBN-13: 9783787319923
  • ISBN-10: 3787319921
  • Artikelnr.: 29745904
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.08.2005

Schrift und Wunder
Eine Neuausgabe von Moses Mendelssohns „Jerusalem”
Sehr spät erst hat man Moses Mendelssohns Werken und insbesondere der Schrift „Jerusalem” (1783) jene Anerkennung gezollt, die ihr gebührt. Es war der Philosoph und Rabbiner Alexander Altmann (1906-1987), der in Einzelstudien und vor allem in seiner monumentalen Biographie von 1973 den vermeintlichen „Seichbeutel” (Karl Marx) Mendelssohn als Denker und politischen Autor rehabilitierte. Seine „Jerusalem”-Edition von 1983 unterstrich dies eindrücklich.
Mendelssohn entwickelt auf engem Raum, nach einer klaren Kritik an Hobbes und Locke, einen Entwurf, der die Rechte des Staates begründet und sich dabei der Motive der klassischen Vertragstheorie bedient. In der Analyse des Verhältnisses von Kirche und Mensch formuliert Mendelssohn dann die Grenzen staatlicher und kirchlicher Macht. Der zweite Abschnitt ist eine dichte Thesenfolge, die sich auf mal mehr mal weniger komplexe Weise mit traditionellen und zeitgenössischen jüdischen Texten auseinander setzt. Dass das Judentum letztlich auf die Formel „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” hinauslaufe, will Mendelssohn ausdrücklich nicht als „Glaubensartikel” verstanden wissen.
Drei Elemente stünden im Zentrum seiner Religion: die nicht geoffenbarten „Religionslehren”, die sich auf Autorität und Wunder stützenden „Geschichtswahrheiten” und endlich die Gesetze, die durch „Wort und Schrift” offenbart wurden. Diese „Zeremonialgesetze” verweisen den menschlichen Verstand zum Teil auf ewige, zum Teil auf historische Wahrheiten. Mendelssohns „Jerusalem” endet mit der Toleranzforderung, dass der Staat die Freiheit in der Religionsausübung nicht einschränken dürfe.
Nach den Ausgaben von Altmann, Dominique Bourel und David Martyn, liegt jetzt eine weitere gewichtige Edition vor, die jedem Interessierten empfohlen sei. In der großartigen, weil sorgfältigen, klug einleitenden und mit zahlreichen Materialien versehenen, Ausgabe lässt sich jetzt Mendelssohns „Jerusalem” jetzt wieder entdecken.
THOMAS MEYER
MOSES MENDELSSOHN: Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum. Hrsg. von Michael Albrecht. Meiner Verlag, Hamburg 2005. 230 Seiten, 32 Euro.
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