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Die Frage nach dem guten Leben ist eine Grundfrage der Philosophie. Eine klassische Antwort liefert der Hedonismus: Ein gutes Leben ist ein Leben, das überwiegend aus lustvollen Erfahrungen besteht. Dieser Antwort wurde immer schon mit großen Vorbehalten begegnet. Dem Hedonismus wurde und wird vorgehalten, er rede einer egoistischen Lebenshaltung der Lustmaximierung das Wort und setze den Menschen durch die Reduktion des Guten auf Lust dem Tier gleich. Dieser Reduktionismus habe zudem zutiefst kontraintuitive und damit inakzeptable Implikationen. Ihm zufolge komme es nur darauf an, ob sich…mehr

Produktbeschreibung
Die Frage nach dem guten Leben ist eine Grundfrage der Philosophie. Eine klassische Antwort liefert der Hedonismus: Ein gutes Leben ist ein Leben, das überwiegend aus lustvollen Erfahrungen besteht. Dieser Antwort wurde immer schon mit großen Vorbehalten begegnet. Dem Hedonismus wurde und wird vorgehalten, er rede einer egoistischen Lebenshaltung der Lustmaximierung das Wort und setze den Menschen durch die Reduktion des Guten auf Lust dem Tier gleich. Dieser Reduktionismus habe zudem zutiefst kontraintuitive und damit inakzeptable Implikationen. Ihm zufolge komme es nur darauf an, ob sich eine Erfahrung gut oder schlecht anfühlt, unabhängig davon, ob sie eine Basis in der Realität hat oder lediglich auf Einbildung beruht. "Hedonismus und das gute Leben" zeigt auf, warum diese Kritik unberechtigt ist und warum es gute Gründe für den Hedonismus gibt. Vor allem, wenn die Frage nach dem guten Leben ohne Rückgriff auf metaphysische oder religiöse Annahmen beantwortet werden soll.
  • Produktdetails
  • Verlag: Mentis-Verlag
  • Best.Nr. des Verlages: .4165497, 795
  • Seitenzahl: 381
  • 2017
  • Ausstattung/Bilder: 2013. 390 S. 23.
  • Deutsch
  • Abmessung: 234mm x 157mm x 28mm
  • Gewicht: 577g
  • ISBN-13: 9783897857957
  • ISBN-10: 3897857952
  • Best.Nr.: 36671667
Autorenporträt
Andreas Bachmann, geb. 1962, Studium der Philosophie, Germanistik und Anglistik in Zürich. Nach Abschluss des Studiums 1994 Tätigkeit als freier Journalist und Produzent von Dokumentar- und Schulungsfilmen. Seit 2002 Geschäftsführer des Ethikbüros "Ethik im Diskurs" in Zürich. Seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schweizerischen Bundesamt für Umwelt BAFU. Zuständig für den Themenbereich Umweltethik. Forschungsschwerpunkte: Ethische Aspekte neuer Technologien (Nanotechnologie, Human Enhancement), Demenzethik, Umweltethik und Umweltpolitik, Naturalismus und Werte
Rezensionen
Besprechung von 21.05.2013
Zuerst kommt das Rechnen und dann die Moral
Lustkalküle und Klugheitsregeln für strenge Buchhalter: Andreas Bachmann versucht eine ambitionierte Verteidigung des übel beleumundeten Hedonismus

Hedonismus hat nicht nur in der Philosophie einen schlechten Ruf. Für viele ein Synonym für ungehemmte Lustbefriedigung unsolidarischer Egoisten, sehen andere in ihm den Imperativ der Konsumgesellschaft: Nehmt heute, was ihr kriegen könnt, wer weiß, was morgen ist. Wenn Konsum zur Pflicht wird, das Wirtschaftswachstum zu befördern, wird die alte Tugend des Maßhaltens zum Laster. Konservative Sorge um die geistigen Werte des Menschen und eher linke Kritik an den Verführungen der Warenwelt verbinden sich zu Warnungen vor hedonistischen Exzessen. Aber jede These provoziert ihre Gegenthese. Vertritt der Hedonismus, der Genuss und Lust zum höchsten Wert erklärt, nicht doch das Recht des Einzelnen, selbst zu bestimmen, wie er leben wolle, unbekümmert um Ermahnungen politischer, religiöser oder philosophischer Autoritäten, sorgsam zwischen den höheren Bedürfnissen des Geistes und den niederen des Körpers zu unterscheiden?

Nun ist eine umfangreiche Studie erschienen, die den Hedonismus gegen den Vorwurf verteidigt, er rede durch sein Prinzip egoistischer Lustmaximierung einer moralisch verwerflichen Lebenshaltung das Wort. Schroff wird in ihr der Primat hedonistischer Werte gegenüber moralischen Normen postuliert. Dem Autor geht es nicht darum, einen Kompromiss oder eine Balance zwischen beiden Sphären zu finden. Moralische Normen und Werte haben gegenüber hedonistischen, so eine Kernthese des Buches, nur eine instrumentelle Funktion. Die Klugheit gebietet es, sich an ihnen zu orientieren.

Andreas Bachmann verficht einen quantitativen oder, in seiner Terminologie, prudentiellen Hedonismus: Ethik reduziert sich für ihn auf eine Anleitung zur Berechnung von Lust und Freude sowie zur Vermeidung von Schmerz. Entscheidend sind nicht die Qualität der Lust - sogar Sadismus ist als "erfahrene Freude prudentiell positiv zu bewerten" -, sondern einzig ihre Dauer und Intensität. Es ist einsichtig, dass damit moralische Werte und Normen den prudentiellen "nicht mehr prinzipiell übergeordnet" sind. Zwar könne man nicht in jeder Situation frei entscheiden, ob man seinen prudentiellen Interessen folge oder moralisch handele, denn einmal akzeptiert, seien Normen verpflichtend, allerdings nicht als Imperative, sondern als Klugheitsregeln.

Nun kann man sicherlich darüber streiten, ob es "Konfliktsituationen geben kann, in denen jemand moralische Erwägungen zu Recht zugunsten seines prudentiellen Eigeninteresses zurückstellt". Aber eine Philosophie, die keine kategorischen Normen aufstellt und aufstellen will, muss Kriterien benennen, in welchen Fällen das Eigeninteresse schwerer wiegt als moralische Rücksichtnahme. Im Verzicht auf ein Entscheidungsverfahren zur Bestimmung des für ein Individuum prudentiell Guten oder Besten glaubt Bachmann eine Stärke der Theorie zu sehen, die konsequent auf religiöse und metaphysische Annahmen verzichte.

Doch auch in der Philosophie ist das Lob der Askese nicht immer ein Zeichen von Enthaltsamkeit. Die vermeintliche metaphysische Zurückhaltung passt schlecht zum anthropologischen Ideal, jeder Mensch solle den "prudentiellen Gesamtwert" seines Lebens bestimmen, indem er die Freudeerfahrungen addiere und die Schmerzerfahrungen davon subtrahiere. Anders als wohlmeinende Ratgeber zur Lebenskunst, die immer noch den Büchermarkt überschwemmen, unternimmt Bachmann gar nicht erst den Versuch, den kalkulatorisch-buchhalterischen Impetus zu verbergen.

In seinem Buch finden sich zwar manche scharfsinnige Begriffsanalysen, über das intrinsisch Gute, über Evidenz und Erfahrung, über den ontologischen Status neurophysiologischer Zustände, doch seine Empfehlungen für ein gutes, glücklichen Leben sind ähnlich trivial wie jene der Ratgeberliteratur. Statt nach den historischen, kulturellen, sozialen Bedingungen unterschiedlicher Glückserwartungen und Glückserfüllung zu fragen, bleibt es bei der Auskunft, es scheine "gewisse anthropologisch fest verankerte Quellen von Glück zu geben, die gleichsam mit praktischer Notwendigkeit Glückserfahrungen hervorrufen".

Wie viele an analytischer Philosophie Geschulte vertraut Bachmann allzu sehr seiner Intuition, ohne zu bedenken, wie stark lebenspraktische Überzeugungen sich verändert haben und sich verändern. Wenn der Hedonismus noch aktuell ist, dann nicht wegen der Kritik an religiöser oder esoterischer Spiritualität. Eine Ethik, die universalistische Werte postuliert, ohne das Glücksstreben des Einzelnen zu ignorieren, bleibt ein philosophisches Desiderat. Der prudentielle Hedonismus vermag diese Aufgabe aber so wenig zu lösen wie eher verschwiemelte Bücher zur "Philosophie der Lebenskunst".

GERD SCHRADER

Andreas Bachmann: "Hedonismus und das gute Leben".

Mentis Verlag, Münster 2013. 381 S., br., 42,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Andreas Bachmann verteidigt in seiner Studie "Hedonismus und das gute Leben" den Hedonismus gegen den Vorwurf, bloß die "ungehemmte Lustbefriedigung unsolidarischer Egoisten" zu bezeichnen, berichtet Gerd Schrader, der sich von der Argumentation des Autors nicht wirklich überzeugen lässt. Bachmann setzt die Moral zur bloßen Erfüllungsgehilfin von Lustgewinn und Leidvermeidung herab, weil er meint, so ohne Metaphysik auszukommen, erklärt Schrader. Wie sich aber der Lustgewinn zu historisch konkreten, letztlich kontingenten Glückserwartungen verhält, dazu schreibt Bachmann wenig, bemängelt der Rezensent. Und wo er die gute Lebensführung unter hedonistischem Vorzeichen beschreibt, ist Bachmann leider nicht viel tiefgründiger "als wohlmeinende Ratgeber zur Lebenskunst", bedauert Schrader.

© Perlentaucher Medien GmbH