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16 Familien und Heime, das ist die nüchterne Bilanz der erst elfjährigen Olivia. Olivia fasst schwer oder gar kein Vertrauen, zu oft ist sie enttäuscht worden. Emotionale Nähe versetzt sie in Panik, und zugleich sehnt sie sich unendlich nach Liebe, Freundschaft und Familie. Doch wer sollte sie schon mögen, wütend und unberechenbar, wie sie ist? So ist Olivia zunächst irritiert, wie gelassen die Iveys reagieren, zu denen sie gerade gekommen ist. Das Leben mit ihnen könnte so schön sein. Doch je stärker Olivias Bindung wird, desto größer wird ihre Angst, dieses endlich gefundene Zuhause wieder…mehr

Produktbeschreibung
16 Familien und Heime, das ist die nüchterne Bilanz der erst elfjährigen Olivia. Olivia fasst schwer oder gar kein Vertrauen, zu oft ist sie enttäuscht worden. Emotionale Nähe versetzt sie in Panik, und zugleich sehnt sie sich unendlich nach Liebe, Freundschaft und Familie. Doch wer sollte sie schon mögen, wütend und unberechenbar, wie sie ist? So ist Olivia zunächst irritiert, wie gelassen die Iveys reagieren, zu denen sie gerade gekommen ist. Das Leben mit ihnen könnte so schön sein. Doch je stärker Olivias Bindung wird, desto größer wird ihre Angst, dieses endlich gefundene Zuhause wieder zu verlieren. Ein hochemotionales Jugendbuch und zugleich ein starkes Plädoyer für mehr Achtsamkeit.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: .545/25083, 545/25083
  • Seitenzahl: 218
  • Altersempfehlung: ab 13 Jahren
  • Erscheinungstermin: 22. Februar 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 142mm x 22mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783446250833
  • ISBN-10: 3446250832
  • Artikelnr.: 44192295
Autorenporträt
Sally Nicholls wurde 1983 in Stockton, England geboren. Sie studierte Philosophie und Literatur, ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie man später Geld damit verdienen könnte. In einem Schreibseminar verfasste sie ihren Debütroman Wie man unsterblich wird - mit nur 23 Jahren. Die Geschichte wurde gleich vom ersten Verlag angenommen, an den die Autorin sie schickte. Der Roman, 2008 in England und im selben Jahr bei Hanser schienen, war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 nominiert, wurde mit dem Waterstone Children's Book Prize und dem Jahres-LUCHS ausgezeichnet, und in 18 Sprachen übersetzt. Nach ihrem zweiten Jugendbuch bei Hanser, Zeit der Geheimnisse (2010), erschien 2014 Keiner kommt davon - eine Geschichte vom Überleben. 2016 folgte ihr neuer Jugendroman Wünsche sind für Versager. Sally Nicholls lebt in London.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Sally Nicholls "Wünsche sind für Versager" könnte wohl eine spannende, authentische Geschichte sein, wenn sich die Autorin auf das Erzählen konzentrieren und das Kommentieren sein lassen würde, meint Rezensentin Stephanie Jaeckel. Viel zu belehrend und absolut unglaubwürdig sei dieser Roman über ein misshandeltes 11-jähriges Mädchen, dass einsam und von ihrem Schicksal abgehärtet von Familie zu Familie weiter gereicht wird und nirgends ankommt. Bedauerlich, findet die Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 30.05.2016
Mutters Geruch löst Albträume aus

Nichts leichter, als einem Kind jedes Vertrauen zu nehmen. Sally Nicholls zeigt, wie schwer der Weg zurück ist. Und warum er nicht ungangbar ist.

Ein Gewehr, das im Theater an der Wand hängt, geht irgendwann auch einmal los, wissen wir seit Tschechow. Und darum liest man mit Unbehagen, wenn Olivia, die Erzählerin in Sally Nicholls' neuem Roman "Wünsche sind für Versager", von einem Diebstahl berichtet, den sie in der Kochecke ihrer neuen Schule verübt: Sie klaut "das größte Messer, das ich auftreiben konnte", und versteckt es zu Hause in der Kommodenschublade.

Olivia ist gerade mal elf Jahre alt, was man über ihrer Erzählung oft vergisst, sie berichtet von den Monaten, die sie bei ihrem Pflegevater Jim und dessen Familie irgendwo im ländlichen England verbringt, aber sie erzählt auch von all den Stationen, die sie bis dahin durchlaufen hat. Die kurzen Kapitel dieses Teils des Romans bilden eine Art Countdown, der mit "Zuhause Nummer 16" beginnt und mit "Zuhause Nummer 1 - Mum" endet, dort, wo die Geschichte des ungeliebten Kindes ihren Anfang genommen hat. Oder die der drei ungeliebten Geschwister, von denen es Olivia, die Älteste, am schwersten hat, weil sie gegenüber der aggressiven, alkoholkranken Mutter auch noch versucht, die jüngere Schwester Hayley und den Säugling Jamie zu schützen, so dass es mit ihrem eigenen Schutz nicht weit her ist. Als sich endlich das Jugendamt einschaltet, ist Jamie ganz schnell in einer Pflegefamilie verschwunden, und Olivia wird ihn nie wiedersehen. Sie hat noch die sanfte Hayley, die mit den wechselnden Bezugspersonen erheblich besser zurechtkommt als Olivia, und eines Tages werden auch die Schwestern getrennt: Hayley bleibt, Olivia wird weitergeschickt, und der Gedanke, dass keiner sie haben will, dass sie es nicht verdient hat, irgendwo aufgenommen zu werden, wird zur alles bestimmenden Grundlage ihrer Weltsicht.

So weit, so trist und wahrscheinlich auch so alltäglich. Was das aber bedeutet, zeichnet Sally Nicholls mit großem Einfühlungsvermögen, effizient und dabei ungemein literarisch, wenn sie Olivia erzählen lässt und so unaufdringlich zeigt, wie die Sichtweise derer ist, die ihr helfen wollen, und warum Olivias Überzeugung mit jedem Streit, mit jedem Austesten der Erwachsenen neue Nahrung bekommt. Nicholls führt vor, wie die besten ebenso wie die schlechtesten Absichten der Pflegefamilien mitunter dasselbe bewirken, dass eine harte Haltung ebenso schädlich sein kann wie bequemes Gewährenlassen und vor allem: wie schwer es ist, einem Kind, das tief vom Gegenteil überzeugt ist, zu vermitteln, dass man es liebt.

Denn was Olivia erlebt hat, holt sie ein, nicht nur das bei den diversen Pflege- oder Adoptiveltern Geschehene, sondern vor allem die Hölle in der Wohnung ihrer alkoholkranken Mutter. Das sind Erinnerungen, die ihr durch Kleinigkeiten ins Bewusstsein geraten können, etwa an dem Tag, als sie aus der Schule kommt und in Jims Wohnzimmer plötzlich Tabakrauch wahrnimmt: "Das machte mir furchtbare Angst. Zigaretten gehörten zum Geruch meiner Mum. Auf einmal war da eine Erinnerung, klar und deutlich. Wie sie manchmal die Arme nach mir ausgestreckt und gesagt hatte: ,Komm kuscheln, Liebling.' Dann dachte ich: Vielleicht hat sie mich doch lieb, und rannte zu ihr, damit sie mich in den Arm nahm, aber sie drückte mir die Zigarette auf dem Arm aus und lachte wie wahnsinnig." Das ist entsetzlich, und welche Folgen das für Olivia haben wird, enthüllt ihr Nachsatz: "Man sollte meinen, ich hätte irgendwann kapiert, wie das ablief, aber ich fiel immer wieder drauf rein."

Doch wer solche Erfahrungen macht und zugleich weiß, dass das Erlebte all dem widerspricht, wie die Welt geordnet sein sollte, verliert eben jeden Instinkt dafür, welchen Gesten und Worten man mit Zutrauen begegnen kann und welchen nicht. Die wechselnden Pflegefamilien tun ein Übriges, Olivias Vertrauen darauf, dass irgendein Heim von Dauer ist, zu untergraben. So dass bei jeder noch so freundlichen Ermahnung in Olivias Vorstellung der Satz mitschwingt: "Wenn nicht, dann werf ich dich raus."

Für einen Roman bedeutet eine solche Ausgangslage, wie Nicholls sie entwirft, gleich zwei Gefahren: Er könnte zu einem Dokument des Fatalismus werden, mit der Botschaft, dass sowieso alles gelaufen ist, wenn ein Leben schon derart anfängt. Das ungefähr wäre Olivias Sicht. Oder er könnte in eine Art Wunderheilung des Mädchens münden und die Geschichte erzählen, dass alles gut wird, wenn nur die richtigen Pädagogen mit den richtigen Rezepten kommen. Auch für diese Perspektive finden sich im Roman anfangs Protagonisten, die allerdings recht bald erkennen, dass die Sache so einfach nicht ist.

Nicholls jedenfalls umschifft das eine wie das andere und steuert notwendig auf ein zutiefst ambivalentes Ende zu. Sie zeigt, welche Chance der Aufenthalt auf Jims Hof für Olivia bedeutet, aber sie ist weit davon entfernt, den ruhigen Mann zu verklären, der ehrlich genug ist, unter der Belastung, die Olivia mit sich bringt, zu stöhnen. So sind es die anderen Kinder, die ihr anfangs Halt geben. Ist sie stachelig, und das ist sie oft, ziehen sich die Pflegegeschwister zurück, und weil Olivia daran liegt, nicht allein zu sein, wird sie allmählich friedlicher. Sie spielt mit dem gleichaltrigen Daniel Fußball und hilft der jüngeren Harriet, wenn sie auf dem Schulhof Probleme bekommt, nur dass auch hier ihre Angst, all dies wie eben auch alles zuvor eines Tages wieder zu verlieren, die Dinge ins Wanken bringt.

Sally Nicholls, geboren 1983, ist seit ihrem Debüt "Wie man unsterblich wird" eine der wichtigsten Stimmen im Kanon der internationalen Jugendliteratur. Jetzt, drei Bücher später, zeichnen sich bei aller Variationsfreude, die sie in den Themen ihrer Romane beweist, Konstanten eines beeindruckenden Werks ab: In ihrem Debüt ließ sie einen elfjährigen Krebspatienten das Tagebuch seiner letzten Monate führen (und erwies sich dabei gegenüber John Greens thematisch ähnlich gelagertem "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" als wesentlich glaubwürdiger), sie erzählte von Kindern, die unter dem Verlust ihrer Mutter leiden, oder von der Pest in England. Immer aber nahm sie die Perspektive derer ein, die als Kinder in einer Welt, in der auf Erwachsene nur schwer Verlass ist, ihren Weg finden müssen, zur Not auch gegen die Eltern und Erzieher. Das ist nicht neu in der Jugendliteratur, wurde aber kaum einmal mit dieser Konsequenz, diesem Mitgefühl und zugleich mit dieser erkennbaren Distanz geleistet - nie macht sie es sich und ihren Figuren leicht, es gibt keine einfachen Lösungen, aber es gibt zugleich auch immer Figuren, die verkörpern, dass es noch in den schwersten Zeiten einen Weg gibt, sich den Anforderungen mit Würde zu stellen.

Für Olivia heißt das, allmählich zu lernen, dass ihre Dämonen umso stärker sind, je mehr sie so tut, als beträfe sie das alles nicht. "Ich verschwand aus meinem Körper. Wohin ich ging, weiß ich nicht. Weit weg jedenfalls, an einen sicheren Ort. Als ich zurückkam, war Amelia nicht mehr da", heißt es in einem Moment äußerster Angst, und Nicholls zeigt ebenso einleuchtend, warum diese Technik verführerisch ist, wie auch, welche Folgen sie längerfristig hat.

Denn der Schatten jener Amelia, einer Kindsmörderin aus dem vergangenen Jahrhundert, die Olivia durch ihr Zimmer spuken hört, speist sich erkennbar aus den Erfahrungen, die das Mädchen gemacht hat. Und so richtet sich Olivias Kampf, in dem das Messer seine eigene Rolle spielt, am Ende in erster Linie gegen sich selbst.

TILMAN SPRECKELSEN

Sally Nicholls: "Wünsche sind für Versager".

Aus dem Englischen von Beate Schäfer. Hanser Verlag, München 2016. 224 S., br., 15,90 [Euro]. Ab 12 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Mit großem Einfühlungsvermögen, ... und dabei ungemein literarisch ... Sally Nicholls ... ist eine der wichtigsten Stimmen im Kanon der internationalen Jugendliteratur. ... drei Bücher später, zeichnen sich bei aller Variationsfreude, die sie in den Themen beweist, Konstanten eines beeindruckenden Werks ab ... In vier großartigen Jugendbüchern nahm sie immer die Perspektive derer ein, die als Kinder in einer Welt, in der auf Erwachsene nur schwer Verlass ist, ihren Weg finden müssen, zur Not auch gegen die Eltern und Erzieher. Das ist nicht neu in der Jugendliteratur, wurde aber kaum einmal mit dieser Konsequenz, diesem Mitgefühl und zugleich mit dieser erkennbaren Distanz geleistet - nie macht sie es sich und ihren Figuren leicht, es gibt keine einfachen Lösungen, aber es gibt zugleich auch immer Figuren, die verkörpern, dass es noch in den schwersten Zeiten einen Weg gibt, sich den Anforderungen mit Würde zu stellen. ...." Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.16

"Sally Nicholls hat eine widerständige und widerspenstige Heldin geschaffen. Ihr Buch ist keine leichte Kost - und unbedingt empfehlenswert." Judith Scholter, Die Zeit, 07.07.16

"Ein großartiges Buch, unbedingt empfehlenswert." Jürgen Reuß, Badische Zeitung, 21.06.16

"Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre für alle angehenden Erzieher und Sozialarbeiter werden ... Sally Nicholls ist eine Meisterin der Tiefe und der Einfühlsamkeit." Ulrike Schmoller, litterula.de, 20.04.16

"Absolute Leseempfehlung. Ich werde Wünsche sind für Versager noch lange in Erinnerung behalten." Sophie Bramberger, Buchblog: lizzynet.de, 17.03.16

"Ein tiefer Blick in eine Kinderseele, äußerst reflektiert erzählt aus der Perspektive einer Olivia, die vieles nicht vergessen wird und auch nicht vergessen kann. Aber die erkannt und verstanden hat und somit nicht mehr das hilflose Mädchen von damals ist. Vielleicht eben doch ein leises Happy End." Leni Fuchs, Eselsohr, 01.04.16

"Ein erschütternder Roman, der unter die Haut geht." Denise Racine, Pädagogisches Zentrum PZ.BS (www.edubs.ch), 16.09.16
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