-20%
15,99 €
Bisher 19,95 €**
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar
Bisher 19,95 €**
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum eBook verschenken
Als Download kaufen
Bisher 19,95 €**
-20%
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar
Abo Download
9,90 € / Monat*
*Abopreis beinhaltet vier eBooks, die aus der tolino select Titelauswahl im Abo geladen werden können.

inkl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Einmalig pro Kunde einen Monat kostenlos testen (danach 9,90 € pro Monat), jeden Monat 4 aus 40 Titeln wählen, monatlich kündbar.

Mehr zum tolino select eBook-Abo
Jetzt verschenken
Bisher 19,95 €**
-20%
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum eBook verschenken
0 °P sammeln

  • Format: PDF


Essen und Trinken im Mittelalter - hier geht es um ein grundlegendes Thema der Menschheit, grundlegend jedenfalls für Zeiten, die Nahrungsmittel nicht im Überfluss kannten, meist sogar Mangel litten. Ernst Schubert macht aus einem kulinarischen Thema eine umfassende Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Mittelalters. Er berichtet vom Fleisch und vom Metzger, vom Bier und vom Wein, vom Hering und vom Stockfisch, vom höfischen Festmahl ebenso wie von den kargen Speisen des gemeinen Mannes und der Hungersnot. Höchst anschaulich und immer nah an den Quellen erzählt, bürstet Ernst Schubert das…mehr

  • Geräte: PC
  • ohne Kopierschutz
  • eBook Hilfe
  • Größe: 10.91MB
Produktbeschreibung
Essen und Trinken im Mittelalter - hier geht es um ein grundlegendes Thema der Menschheit, grundlegend jedenfalls für Zeiten, die Nahrungsmittel nicht im Überfluss kannten, meist sogar Mangel litten. Ernst Schubert macht aus einem kulinarischen Thema eine umfassende Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Mittelalters. Er berichtet vom Fleisch und vom Metzger, vom Bier und vom Wein, vom Hering und vom Stockfisch, vom höfischen Festmahl ebenso wie von den kargen Speisen des gemeinen Mannes und der Hungersnot. Höchst anschaulich und immer nah an den Quellen erzählt, bürstet Ernst Schubert das Thema aber auch konsequent gegen den Strich, räumt mit vielen Vorurteilen der Ritterromantik und der Tournierspektakel auf. Die konkrete Realität, auch die Derbheit des täglichen Lebens ist ihm ein Anliegen, und da das Spektrum seiner Darstellung immens ist, wird so fast der ganze mittelalterliche Kosmos des Alltagslebens lebendig.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: wbg Philipp von Zabern
  • Seitenzahl: 443
  • Erscheinungstermin: 01.01.2016
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783805349833
  • Artikelnr.: 44432776
Autorenporträt
Ernst Schubert (1941-2006) war Professor für niedersächsische Landesgeschichte und Direktor des Instituts für historische Landesforschung an der Universität Göttingen. Bei der WBG erschienen von ihm u.a. "Im Schatten der Kathedrale< (zusammen mit Gerd Althoff und Hans-Werner Goetz) und >Essen und Trinken im Mittelalter< (Sonderausgabe 2010), >Räuber, Henker, arme Sünder< (2007).
Rezensionen
Besprechung von 16.01.2007
Die Weinkenner von heute wären entsetzt
Ernst Schubert über das üppige Fressen, das Reinheitsgebot und andere Ernährungslegenden über das Mittelalter
Nur wenige der heute so zahlreichen Mittelalterspektakel scheinen ohne die Inszenierung von vermeintlichen deftigen Mittelalterfressereien auszukommen. Meist wird dabei den Besuchern eine ferne Welt vorgegaukelt, in der gewaltige Mengen an gebratenem Fleisch verzehrt wurden, wozu man Bier und Wein in Strömen hat fließen lassen. Die Schlaraffenlandvisionen auf den Gemälden Pieter Brueghel des Älteren mit schlemmendem Volk haben wohl das Übrige zu dieser Vorstellung beigetragen.
Dabei war im Mittelalter weniger der in den Bart tropfende Bratensaft die Regel, sondern eher der durch Emmer-, Dinkel- oder Haferpamps bekleckerte Wollkittel. Wenn überhaupt – denn Hunger, langanhaltender Hunger, quälte oft die kleinen Leute, da es ausreichend Nahrung im Mittelalter nur für eine ganz dünne Oberschicht gab. „Hungersnot geht über alle Not”, hieß es daher jahrhundertelang. Sehr oft gesellten sich Mangelerscheinungen, durch fehlende Vitamine etwa, hinzu, weil frische Lebensmittel prinzipiell eine Ausnahme in den mittelalterlichen Holznäpfen waren.
Mit jenem Missverständnis einer rustikal-deftigen Ernährungspraxis des Mittelalters räumt der im vergangenen Jahr leider vierundsechzigjährig verstorbene Göttinger Mediävist Ernst Schubert in seinem letzten Buch in prinzipieller Weise auf. Dabei versucht er Ernährungsgeschichte, die ja zweifellos Teil einer Alltagsgeschichte ist, als einen Zugang zur Gesellschaftsgeschichte zu nutzen. Getreu Brechts Diktum „Erst kommt das Fressen, dann die Moral”, zeichnet er einen Blick von unten, bei welchem dem einfachen Volk ohnehin Schuberts ganze Sympathie gehört.
Die große Panscherei
Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert: „Das Essen”, „Das Trinken” und drittens dann, welchen Stellenwert „Essen und Trinken in den Lebensordnungen” einnahmen. Schubert vermag in seinem Werk Teile eines beeindruckenden Panoramas einer mittelalterlichen Ernährungskultur zu entrollen. Da er in seiner quellennahen Darstellung aber hauptsächlich deutsche Verhältnisse in den Blick nimmt, ist der Titel des Buches „im Mittelalter” eigentlich zu weit gefasst, und für einen Vergleich innerhalb des mittelalterlichen Europas reicht das ausgebreitete Material ohnehin nicht aus.
Besonders faszinierend ist das Buch jedoch in jenen Bereichen, in denen Schubert die Geschichte einzelner prominenter Nahrungsmittel nachzeichnet. Da geht es um die fundamentale Bedeutung des Salzes etwa, nicht nur als Würzmittel, sondern als Konservierungstoff. Man erfährt, welch gewaltiger Raubbau an Mensch und Natur in manchen Regionen nötig war, um an dieses lebensnotwendige Mineral zu gelangen. Oder der Leser erfährt von der großen Bedeutung des Weinbaus und -handels, der Köln immerhin zum „Weinhaus der Hanse” machte. Die Herstellung des Weines wird hier als schwere Plackerei geschildert, jenseits einer Winzerromantik mit pauswangigen Maiden, wie sie das 19. Jahrhundert erst erfand.
In seinem so interessanten wie unterhaltsamen Buch zertrümmert Ernst Schubert eine Reihe weiterer liebevoll tradierter Vorstellungen. Was man im Mittelalter zum Beispiel als Wein zu sich nahm, scheint mit dem Getränk, welches wir in der Gegenwart so lieben, allenfalls den Namen gemeinsam gehabt zu haben. Die Weinkenner von heute würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie wüssten, was man im Mittelalter alles mit dem Wein angestellt hat. Asche, Kalk oder Sand kamen hinein, um die Trübung zu lindern, und alles, was nur irgendwie süßen konnte, Honig, Harz oder Eigelb, sollte dem Gaumen schmeicheln. Mitunter wurde der Wein auch gekocht, um die Gärung abzubrechen und auf diese Weise noch ein wenig von der geschätzten Süße zu erhalten.
Auch das bei Biertrinkern bekannte Reinheitsgebot des Jahres 1516 ist eigentlich eine spätere Erfindung. Nicht die Reinheit des Bieres lag dem Gesetzgeber von damals, dem bayerischen Herzog Wilhelm IV., am Herzen, sondern sein Preis. Es sollte nichts hinein, was den Preis des Getränks hätte hochtreiben können: nämlich einen Pfennig für die Maß. Eigentlich war es also anfangs ein Preisbindungsgesetz, das dann lange Zeit ohne jede weitere Beachtung blieb. Erst Werbestrategen im 19. Jahrhundert formten die Legende, es sei schon seit langer Zeit in Bayern um ungepanschtes Bier gegangen.
Mitunter kann einen ja ein wenig der Hunger überkommen, wenn man in Büchern über das Essen liest. Sollte man sich am nächsten Wochenende nicht mal einen hübschen Braten machen? Doch die Lektüre von Schuberts faszinierender Studie hinterlässt eher einen Stoßseufzer: Gott sei Dank, dass man selbst von diesen scheußlichen Dingen, die da als Nahrungsmittel beschrieben werden und die zu erlangen unsere Vorfahren sich so quälen mussten, bislang keine hat zu sich nehmen müssen. OLAF B. RADER
ERNST SCHUBERT: Essen und Trinken im Mittelalter. Primus Verlag, Darmstadt 2006. 439 Seiten, 39,90 Euro.
Äußerst selten ging es im Mittelalter so saftig zu, wie es heute Mittelalterspektakel nahelegen. Foto: Stefan Malzkorn/Fotex
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
…mehr
Besprechung von 13.11.2006
Der rollende Siegeszug der Erbse
Am Tisch die ganze Gesellschaft: Ernst Schubert widmet sich dem Essen und Trinken im Mittelalter

Die Alltagsgeschichte ist tot - es lebe die Alltagsgeschichte! Wenn zwei Bücher über das gleiche Thema, noch dazu vom selben Autor innerhalb weniger Jahre publiziert, gegensätzliche Reaktionen hervorrufen, hat sich der Kritiker einmal geirrt oder der Verfasser dazugelernt. Ernst Schuberts "Essen und Trinken im Mittelalter" belegt sehr viel überzeugender als sein "Alltag im Mittelalter" von 2002 das Potential eines geschichtswissenschaftlichen Ansatzes, den manche von vornherein, andere nach Enttäuschungen verworfen haben. Das letzte Werk des Göttinger Mediävisten ist posthum erschienen und trägt die Signatur eines Vermächtnisses.

Der Titel des neuen Buches spielt mit den Erwartungen einer Leserschaft, die von der Mittelalterfolklore angesprochen wird oder wie Eskapisten der letzten beiden Jahrhunderte zur Mittelalterromantik neigt. Ihr erteilt Schubert eine Absage. Mittelalterliche Kochrezepte werde der "verehrte Leser" in seinem Buch nicht finden, bemerkt er lakonisch, vor allem sei die Vorstellung von einer vitaminreichen Küche irrig. Die heutige Ernährung sei gesünder; wer sich die Vergangenheit als ein auf Naturkost beruhendes Leben imaginiere, vergesse über den Bedingungen der Produktion die der Distribution und Konsumtion. Nur selten sei frische Ware - Gemüse, vor allem was Brot, Fleisch oder Fisch angehe - auf den Tisch gelangt. Wo das Salz zur Konservierung nicht ausreichte, hätten scharfe Gewürze den strengen Geschmack überalterter Lebensmittel verdecken müssen.

Das Mittelalter sei eine Welt der Armut gewesen. Nie konnte die Landwirtschaft einen Überfluß produzieren; kein Wort wiederholt Schubert in seinem Buch so oft wie das von der "knappen Nahrungsdecke", die für die Bevölkerung niemals ausgereicht habe. Im frühen Mittelalter seien Eicheln oder die Blätter der Eberesche, der Haselsträucher und des Weißdorns gemahlen und als Brei gegessen worden, und im Spätmittelalter entfielen achtzig Prozent der Einnahmen eines mittleren Haushaltes auf Essen und Trinken. Nichts habe deshalb die Jahrhunderte zwischen 500 und 1500 mehr geprägt als Tapferkeit, Arbeit und der "bewundernswert geführte Kampf um das Überleben".

Zementsack auf der Schulter

Dem Mittelalter gehört Schuberts Sympathie, weil er die Epoche mit den kleinen Leuten in ihrer täglichen Not identifiziert. Den Bauern in ihren Dörfern, den Handwerksburschen in der Stadt und den Fuhrleuten auf ihren holprigen Straßen weiß sich der Autor durch eigene Erfahrungen nah: Die Zentnerlasten der Tagelöhner in mittelalterlichen Salinen ließen ihn "als alternden Historiker erschrecken. Als Bauhilfsarbeiter konnte ich durchaus, die linke Hand in die Hüfte stemmend, auf der rechten Schulter Zementsäcke Leitern hochtragen. Das war einmal. Was machten nur die Salinenarbeiter im Alter, wenn sie es erlebten? Nichts davon ist überliefert."

Während hier das Mitleid die Differenz im Vergleich überbrückt, konnte auf dem Feld der Ernährungsgewohnheiten das Mittelalter geradezu die Gegenwart berühren oder wenigstens "bis kurz vor Aufkommen der Mittelalter-Festivals" andauern: "Es sei gestattet", schreibt Schubert zu zweifelhaften Fleischgenüssen, "daß ich mich an die billigen und schmackhaften sauren Nieren erinnere, die ich während meiner Würzburger Studentenzeit Anfang der sechziger Jahre in Würzburg in Gerings Bierstube verzehrte. Wo werden sie mir heute noch aufgetischt?" Auch der lange hochgeschätzte, aber schwierig zuzubereitende Schweinskopf, den im Mittelalter nicht einmal vornehme Häuser verschmähten, spiele seit den siebziger Jahren keine Rolle mehr.

Ohne Nahrungssorgen konnte nur eine kleine Oberschicht leben, die Schubert deshalb marginalisiert und - was den hohen Klerus betrifft - schlicht verachtet. Technische Meisterleistungen, wie die von den Arabern übernommene Destillation zur Herstellung "gebrannter" Wässer, werden gewürdigt, aber die Wissenschaft hat es schwer, in seinem Bild vom mittelalterlichen Alltag ihren Platz zu finden. Gewiß, es gab den großen Gratian und seine Grundlegung des Kirchenrechts oder die Universitäten mit der Rezeption des römischen Rechts der Antike. Aber nicht die Gelehrtenkultur, wie sie auf den spätmittelalterlichen Konzilien in Erscheinung trat, sondern "die mittelalterliche Sozialgeschichte mit ihrem zentralen Thema der Ernährung" bildete die "Grundlage der europäischen Gemeinsamkeiten". Dieses Urteil beruht auf einer reduktionistischen Auffassung von Europa. Bei seiner Darstellung beschränkt sich der Autor, von wenigen Seitenblicken abgesehen, auf die deutsche Geschichte, während ihm für europäische Juden und Muslime, selbst für die christliche Welt von Byzanz oder der Ostslawen, jedes Interesse fehlt.

Allerdings sollte seine Alltagsgeschichte nicht ins Anekdotische zerfallen; von der wenig renommierten Kulturgeschichte vom Beginn des vorigen Jahrhunderts distanzierte er sich mit dem Anspruch, der "Frage der Allgemeingültigkeit des Details" nachzuspüren. Das Thema des Essens und Trinkens selbst dränge diese Einsicht auf, da die Geschichte der Ernährung für die Geschichte der Gesellschaft grundlegend sei. Alltagsgeschichte, in ihr eingeschlossen die Realienkunde und die Geschichte der Mentalitäten, sei deshalb auch keine "Spartenwissenschaft" wie Rechts- oder Kirchengeschichte, sondern betrachte die Geschichte im ganzen unter einem Aspekt, nämlich der Geschichte des täglichen Lebens, und zwar des täglichen Lebens der Armen und Bedürftigen, weil diese die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ausmachten.

Ernährungsgeschichte als Gesellschaftsgeschichte ist die Formel, die Schubert für seinen Ansatz gebraucht. Seinen Anspruch hat der Autor dadurch einzulösen versucht, daß er der Geschichte der einzelnen Nahrungsmittel nachging. Obwohl der historische Wandel diese in Erscheinungsweise und Verbreitung verschieden erfaßte - betreffe es nun das Salz oder das Getreide, Fleisch von Rind, Schwein oder Schaf, die Milchprodukte, das Geflügel oder die Fische, Obst, Gemüse oder Gewürze, den Wein, den Met, das Bier oder den Schnaps -, glaubt Schubert an einen Fortschritt im ganzen, so daß sich die Ernährungslage bis zum Ende des Mittelalters verbessert habe. Die spätmittelalterlichen Chronisten mußten nicht mehr, wie ihre Vorgänger in früheren Jahrhunderten, die Hungersnöte als Zeiten großer Sterblichkeit charakterisieren. Verantwortlich dafür waren unter anderem "der Siegeszug der Erbse, der ungarische Ochsenhandel oder verbesserte Feldnutzung sowie Ausweitung und engmaschigere Verknüpfung des Verkehrsnetzes". Die allmählichen Fortschritte bildeten die Summe von Arbeitserfolgen besonderer Menschengruppen, die weitgehend unabhängig voneinander ihren Lebensunterhalt zu erwerben trachteten. War es die Begeisterung über die Leistungen der kleinen Leute oder der Erkenntnisrausch des Wissenschaftlers, der Schubert das Urteil niederschreiben ließ: "Am Beispiel von Essen und Trinken ist das Mittelalter als die fortschrittlichste Zeit der europäischen Geschichte darzustellen"?

Gesellschaft als Gericht

Großen Wert legt der Autor auf die These, daß die Geschichte von Essen und Trinken mit besonderem Gewicht an der Wende zur Neuzeit die Gesellschaft hervorgebracht habe. Um sie zu begründen, muß er natürlich "seine" Gesellschaft erst definieren, aber der Streit um diesen Versuch lohnt kaum, da der Mensch, wie er selbst unter Berufung auf Aristoteles betont, immer ein soziales Wesen ist. Wichtiger erscheint, was mit der künstlichen Verbannung von "Gesellschaft" aus dem Mittelalter erreicht wird: Die Geschichte der Ernährung kann sich gewissermaßen ohne systematischen Zwang des sozialen Ganzen entfalten und muß nie in die "Geschichte überhaupt" eingepaßt werden; Ob der Nahrung der kleinen Leute wirklich der Stellenwert zukommt, den Schubert ihr zuschreibt, bleibt deshalb kritisch ungeklärt. Welch schwer nachvollziehbaren Mißgriffe solche Blickverengungen nach sich ziehen, zeigt das Fehlurteil über die marginale Rolle der Kirche in der Ernährungsgeschichte. Weiß Schubert, der Spezialist der spätmittelalterlichen Stadtgeschichte, nichts von der frühmittelalterlichen Armensorge der Klöster auf dem Lande? Nichts vom Bischof als "pater pauperum" (in der "Realität", nicht nur den Normen gemäß), wenn er unter Berufung auf karolingische Synoden das Klischee von der "Habgier spekulationsfreudiger Bischöfe" transportiert?

Solche Schwachstellen oder Blackouts sind indessen bei jeder umfassenden Darstellung von Geschichte unvermeidlich. Wichtiger ist die Botschaft, die Ernst Schubert mit seinem letzten großen Buch anderen Forschern zur Alltagsgeschichte des Mittelalters auf ihren Weg gegeben hat: daß die Geschichte des täglichen Lebens (wozu gewiß auch die Führungsschichten unter Laien und Geistlichen gehören) nur im Hinblick auf die ganze Gesellschaft erforscht und dargestellt werden sollte.

MICHAEL BORGOLTE

Ernst Schubert: "Essen und Trinken im Mittelalter". Primus Verlag, Darmstadt 2006. 439 S., zahlr. Abb., geb., 39,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ernst Schuberts Werk über Essen und Trinken im Mittelalter verdeutlicht nach Ansicht von Michael Borgolte das Potenzial der Alltagsgeschichte wesentlich überzeugender als sein 2002 erschienenes Buch "Alltag im Mittelalter". D'accord geht er mit dem Ansatz des Historikers, die Geschichte der Ernährung im Mittelalter als Gesellschaftsgeschichte zu verstehen. Schubert stelle das Mittelalter als eine Welt der Armut dar, in der die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung einen permanenten Kampf um die tägliche Ernährung führen musste. Die Ansicht, Ernährung im Mittelalter sei vitaminreicher und gesünder gewesen als heute, werde als Mär entlarvt. Einige Schwachpunkte der Arbeit will Borgolte nicht verschweigen. So bleibt seines Erachtens die europäische Perspektive unterbelichtet, weil sich Schubert auf die deutsche Geschichte konzentriert. Außerdem hält er dem Autor vor, die Rolle der Kirche in der Ernährungsgeschichte falsch einzuschätzen. Das Verdienst Schuberts sieht Borgolte in einer Darstellung der Geschichte des täglichen Lebens, die die gesamte Gesellschaft immer im Blick behält.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Schubert gelingt der Spagat geradezu perfekt, einerseits ein Werk vorzulegen, das wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, das aber andererseits nicht nur allgemein verständlich, sondern auch noch ausgesprochen lebendig geschrieben ist - wer auch immer sich in Zukunft mit dem behandelten Thema befassen möchte, wird an diesem Buch nicht vorbeigehen können." Pax et Gaudium "Allein schon als Korrektiv gegen gängige, uns oftmals aufgetischte Vorurteile - aber nicht nur deshalb - ist die Lektüre überaus empfehlenswert." NZZ am Sonntag "Eine höchst interessante und unterhaltsame mittelalterliche Kulturgeschichte." Göttinger Tageblatt "Besonders faszinierend ist das Buch in den Bereichen, in denen Schubert die Geschichte einzelner prominenter Nahrungsmittel nachzeichnet. Ein so interessantes wie unterhaltsames Buch." SZ "Jedem zu empfehlen, der sich ein ungeschminktes und detailliert ausgearbeitetes Bild von den mittelalterlichen Lebensbedingungen machen möchte." Damals "Ein sehr lesenswertes Buch, zum einen des Themas wegen, zum anderen wegen des Stils. Schubert hat es auch hier verstanden, witzig und eloquent zu formulieren." Hannoversche Allgemeine Zeitung "Eine Geschichte des Essens und Trinkens, die viel mehr ist als das: eine Sozialgeschichte einer für uns so fernen Vergangenheit, die freilich in anderen Teilen der Welt noch bis in die Gegenwart andauert." Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde "Eine gründlich gearbeitete Darstellung zur mittelalterlichen Nahrung." Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde "Ein äußerst gewichtiges, gedanklich ungemein anregendes Standardwerk, das die Forschung verschiedener Disziplinen sicherlich befruchten wird." Wissenschaftlicher Literaturanzeiger "Die Zusammenfasssung dieses hochinformativen, methodisch anregenden und obendrein mit Witz geschriebenen Buches ist ein energisches Plädoyer für eine methodenbewusste Alltagsgeschichte, die zu einem vertieften Verständnis des sozialen Ganzen in vormoderner Zeit führt." Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte "Schubert vermag es ein so umfassendes Werk über das Thema vorzulegen, wie es bisher auf dem deutschen Buchmarkt noch keines gab. Dabei bleibt er stets quellennah und fachkundig, versteht es aber zugleich, den Leser zu unterhalten und mit seiner Erzählung zu fesseln, wie es für ein Fachbuch von solch wissenschaftlicher Qualität eigentlich untypisch ist." Karfunkel "Ein Buch, das man leicht und mit Vergnügen liest." Zeitschrift für Historische Forschung "Schubert schreibt diese umfangreiche Ernährungsgeschichte mit Kraft und Engagement, mit Witz und vor allem schreibt er mit viel Sachverstand... Spannend zu lesen wie ein Roman ist diese Sitten- und Kulturgeschichte. Ein wundervoll belehrendes Buch, das jedem am Thema interessierten Fachmann oder Laien nur wärmstens empfohlen werden kann!" Düsseldorfer Jahrbuch "Dieses höchst lesenswerte Buch räumt mit liebgewonnenen und tradierten Vorstellungen über mittelalterliche Tafelfreuden auf. Aber ein solches Buch weckt erst recht den Hunger auf mehr solcher Lesefrüchte." Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte "Das Buch lässt die meisten 'Einführungs-' und 'Studien-' bücher weit hinter sich. Schubert ist es gelungen, Alltagsgeschichte mit 'großer' Geschichtsschreibung zu verbinden. Er lässt ein Gesamtpanorama des Mittelalters und stellenweise sogar der Neuzeit entstehen, das sowohl die zentralen Fragestellungen als auch die Forschungsdiskussionen sowie aktuelle Forschungsfragen umfasst und sogar wegweisende neue Fragen aufwirft. Mehr kann ein einzelnes Buch nicht leisten." sehepunkte "Die Publikation kann als sehr gut fundiertes Überblickswerk dienen, sie weckt aber auch als amüsantes und sehr gut beschriebenes Lesebuch den Spaß an Kulturgeschichte." Das Mittelalter "Umfassender und kompetenter Grundlagenband, der einen fundierten Überblick über ein breit gefächertes Thema bietet und auc…mehr
"Eine grandiose Gesamtsicht des Mittelalters... Ernst Schubert ist es gelungen, Alltagsgeschichte mit 'großer' Geschichtsschreibung zu verbinden. Er lässt ein Gesamtpanorama des Mittelalters und stellenweise sogar der Neuzeit entstehen, das sowohl die zentralen Fragestellungen als auch die Forschungsdiskussionen sowie aktuelle Forschungsfragen umfasst und sogar wegweisende neue Fragen aufwirft. Mehr kann ein einzelnes Buch nicht leisten." sehepunkte
"Allein schon als Korrektiv gegen gängige, uns oftmals aufgetischte Vorurteile - aber nicht nur deshalb - ist die Lektüre überaus empfehlenswert." NZZ am Sonntag
"Besonders faszinierend ist das Buch in den Bereichen, in denen Schubert die Geschichte einzelner prominenter Nahrungsmittel nachzeichnet. Ein so interessantes wie unterhaltsames Buch." SZ
"Schubert gelingt der Spagat geradezu perfekt, einerseits ein Werk vorzulegen, das wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, das aber andererseits nicht nur allgemein verständlich, sondern auchnoch ausgesprochen lebendig geschrieben ist - wer auch immer sich in Zukunft mit dem behandelten Thema befassen möchte, wird an diesem Buch nicht vorbeigehen können." Pax et Gaudium
"Eine höchst interessante und unterhaltsame mittelalterliche Kulturgeschichte." Göttinger Tageblatt
"Jedem zu empfehlen, der sich ein ungeschminktes und detailliert ausgearbeitetes Bild von den mittelalterlichen Lebensbedingungen machen möchte." Damals
"Ein sehr lesenswertes Buch, zum einen des Themas wegen, zum anderen wegen des Stils. Schubert hat es auch hier verstanden, witzig und eloquent zu formulieren." Hannoversche Allgemeine Zeitung
"Eine Geschichte des Essens und Trinkens, die viel mehr ist als das: eine Sozialgeschichte einer für uns so fernen Vergangenheit, die freilich in anderen Teilen der Welt noch bis in die Gegenwart andauert." Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde
"Eine gründlich gearbeitete Darstellung zur mittelalterlichen Nahrung." Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde
"Ein äußerst gewichtiges, gedanklich ungemein anregendes Standardwerk, das die Forschung verschiedener Disziplinen sicherlich befruchten wird." Wissenschaftlicher Literaturanzeiger
"Die Zusammenfasssung dieses hochinformativen, methodisch anregenden und obendrein mit Witz geschriebenen Buches ist ein energisches Plädoyer für eine methodenbewusste Alltagsgeschichte, die zu einem vertieften Verständnis des sozialen Ganzen in vormoderner Zeit führt." Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
…mehr