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Eine Seele, die von silbernen Mikrophonen in ihrer Kuhle aufgestöbert wird ... eine Blutbuche, die vom Tanzen träumt, sich bereits einwiegt in ihre Tänze, die Tänze in sich vortanzt ... Arlecchino, der mit dem ganzen Hinterhaus Streit anfängt, mit jedem einzelnen Bewohner in jedem einzelnen Fenster, stolz auf seine fabelhafte Streitsucht ... Es ist die Tradition des romantischen Fragments, wie sie zwischen Hamann, Novalis und Friedrich Schlegel entstanden ist, an die Botho Strauß in seinem neuen Buch anknüpft. Vergleichbares hat er noch nicht geschrieben, noch nie sich so weit von Erzählung,…mehr

Produktbeschreibung
Eine Seele, die von silbernen Mikrophonen in ihrer Kuhle aufgestöbert wird ... eine Blutbuche, die vom Tanzen träumt, sich bereits einwiegt in ihre Tänze, die Tänze in sich vortanzt ... Arlecchino, der mit dem ganzen Hinterhaus Streit anfängt, mit jedem einzelnen Bewohner in jedem einzelnen Fenster, stolz auf seine fabelhafte Streitsucht ... Es ist die Tradition des romantischen Fragments, wie sie zwischen Hamann, Novalis und Friedrich Schlegel entstanden ist, an die Botho Strauß in seinem neuen Buch anknüpft. Vergleichbares hat er noch nicht geschrieben, noch nie sich so weit von Erzählung, Betrachtung und Kritik entfernt wie in diesen kurzen bildhaften Texten.
Und aus der formalen Neuheit ergeben sich neue Einsichten. Sie alle kreisen um das Nichtmitteilbare, um den poetischen Moment, den keine Intention hervorbringen könnte, um den Sinnentzug, bei dem sich - überraschend, entlastend - doch wieder ein Sinn herstellt.
Auch das Strauß'sche Hauptmotiv, das Paar, erscheint in vielen der Notate, Sprüche und Bilder noch einmal neu. Das Paar, das sich bekriegt; das Paar, das auseinandergeht; das Paar, das sich aussöhnt. "Die Anziehungskraft errechnet sich aus Drang mal Drehung mal Drohung."
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 27. März 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 132mm x 22mm
  • Gewicht: 314g
  • ISBN-13: 9783498065539
  • ISBN-10: 349806553X
  • Artikelnr.: 50100442
Autorenporträt
Strauß, Botho
Botho Strauß, geboren 1944 in Naumburg/Saale, zählt zu den bedeutendsten Dramatikern und Essayisten unserer Zeit. Sein Werk wurde mit vielen Preisen gewürdigt, darunter auch mit dem Büchner-Preis. Er lebt in der Uckermark und in Berlin.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.04.2018

Nur drangvollste Botschaft dringt durch
Botho Strauß huldigt einer Gegenmoderne, die man in "Der Fortführer" kennenlernen kann, aber nicht möchte

Fortführen kann ich die Zoohandlung meiner Tante. Oder meine Tante selbst, so sie denn fortgeführt werden möchte oder muss. Bin ich dann Fortführer? Eher Fortführender. Der Fortführer bin ich erst im Wortspiel mit dem Wortführer.

Der Rahmen, in den Botho Strauß seine neuen Aufzeichnungen stellt, ist durchaus ansprechend. Zwei Teile hat "Der Fortführer", Abfolge und Gewichtung sind überlegt und aufeinander abgestimmt. Der erste macht zwei Drittel des in gedeckten Farben gehaltenen, klassisch, ja bedeutend anmutenden Buches aus: "Zwischen Jetzt und Nu" umfasst vierzehn unbetitelte, ihrer Kürze und motivischen Verknüpfungen wegen mühelos lesbare Kapitel - nur ein einziges Notat ist länger als eine Seite. Versehen mit unterschiedlichen Einzügen, sind alle kleinen und größeren Absätze übersichtlich, wenn nicht einladend über die Seiten verteilt, wo sie wie Strophen wirken, denn es fällt auf, dass dieser erste Buchteil im Flattersatz gehalten ist.

Nicht so der zweite, das abschließende Drittel, das dem Buch den Titel gibt. Auch hier Aufzeichnungen, nur fehlen Kapiteleinteilung und graphisches Spiel. Notate, in herkömmlicher Weise gestaffelt: bündig, ohne Einzüge. Wenn man bereit ist, gestalterische Elemente als aufgeladene Zeichen zu deuten, liegt im formalen Raffinenement des Buches ein gewisser poetischer Reiz. Ansonsten aber ist "Der Fortführer" ein Elaborat aus verächtlichem Raunen und unfreiwilliger Komik.

Zentrales Thema scheint das Zeitliche zu sein: Vergangenheit, Vergänglichkeit. Augenblick, Dauer. Tradition, Überlieferung. Strauß geht es jedoch nicht um Alter, Muße, versöhntes, erfülltes Leben und Miteinander heute. Sein Anliegen ist nicht Verständnis. Es zählt nur Wille zur Erkenntnis. Sein Projekt ist eine restaurative Schubumkehr, zu deren Zweck er sich zum so unverstandenen wie wissenden Künder eines nahenden Heroenzeitalters stilisiert, dem Fortführer.

Sosehr hier einer erläutern zu müssen meint, was das Poetische sei, was Poesie und was Dichtung - für Strauß offenbar Synonyme, differenziert wird nicht -, so wenig poetisch sind seine Sätze. Die Bilder sind unausgewogen und schief ("Grille und Geist - beide reglos vor dem jähen Sprung"), was verschwurbelte Wortwahl und gedrechselter Satzbau immer wieder kaschieren müssen. Metaphern wirken abgegriffen und instrumentiert, rhetorische Figuren zweckgebunden, durchsichtig, bemüht: "War nicht am Ende alles Richten und Zerstören bloß der Tanz zu einflußreicher Musik, die von unsichtbaren Terrassen herüberklang und zu den kühnsten Handlungen aufspielte?"

Wortspiele ("Narretei des Narrativs"), Stabreime ("Da! Damals"), metrische Raffungen ("Und so, wie's war, kann's keiner fassen"), Wie-Vergleiche (der Kummer "beinahe wie ein Pferd", der Kummer "wie eine feuerfeste Kastanie") und Zitate über Zitate, griechische, lateinische, englische und französische, deren Übersetzungen genussvoll-schulmeisterlich gleich mitgeliefert werden - alles um klarzustellen, wo der Fachmann hier den Hammer hängen hat.

Des Fortführers Werkstatt ist seine "Bibliodizee". Fledermausartig fliegen dort Fremdwörter umher. Zum Lachen geht man in den Keller. Nur selten leuchtet zwischen den Zeilen etwas, das an Lebenswärme, an weitererzählte Erfahrung erinnert. Ein alter Mann fällt an derselben Stelle in den Matsch wie viele Jahre zuvor sein kleiner Sohn: "Man gräbt sich in den Weg, von dem man einst sein Mannesalter von einem Kind empfing." Das Bild mag überfrachtet sein, gibt aber zu denken und bleibt trotz des steifen Tons im Sinn, weil es sich einfühlt und anrührt. So plump hier mit pseudopoetischen Mitteln manipuliert wird, ist Botho Strauß' neues Buch stilistisch gesehen jedoch fast durchweg bestenfalls enttäuschend.

Der Flattersatz des ersten Teils erinnert nicht zufällig an die bei Online-Texten übliche Form: Netz, Smartphone, digitale Kommunikation und die oft vorgegaukelt freie Verfügbarkeit von so vielem, darunter Partnerschaft und Sex - ein Themenbereich, dem Strauß sich in "Zwischen Jetzt und Nu" widmet, indem er als bewusst Außenstehender kritisch und um einen eigenen Blick bemüht betrachtet, was für die meisten Leute einfach bloß Alltag ist oder zu sein scheint. Wer will die Wünsche anderer verdammen?

Vor allem im zweiten Buchteil wird zu einem Rundumschlag ausgeholt gegen jede Form heutiger Technologie und im Hauruckverfahren damit gleichgesetzter Lebensgestaltung: "Mit den Händen eine Kelle formen, unseren Hirnglibber ausheben und in die digitale Schale betten. Wir sollen nur umgefüllt werden." Dieses Wir, wer ist das? Es ist rhetorische Pose. "Kommunikation und Verwesung", nach Strauß "ein und dieselbe leibliche Wucherung, dieselben Gänge benutzen Nachrichten und Würmer". No comment. Dagegen kann es lediglich "der drangvollsten Botschaft" gelingen, "auf der Liebe und des Äthers Wellen" größere Entfernungen zu überwinden. Telefon? Skype? Nicht in der angeblich höheren Welt, die Strauß entwirft, wenn auch für nur einen Bewohner. Der sagt von sich: "Mitten im Gewühl den Kopf überm Gewühl." Er scheut davor zurück, zu nah an jemanden heranzutreten: "Ein Eishauch könnte seiner Brust entweichen und den anderen erstarren lassen." Auch das ist Pose, und wenn Poesie, dann die eines Superhelden, einer Mischung aus Iceman und Deadpool.

Die Grenze zur Perfidie überschreitet "Der Fortführer", wenn das "Narrativ des Flüchtlingsdramas" seine Entlarvung findet. Für Strauß ein Problem des Jargons: "Entweder ist es Erzählung oder Drama. Oder aber postdramatische Flüchtlingsperformance." Der Diskurs wird benutzt, sein notwendigerweise vorläufiges Vokabular verschnitten und desavouiert. An anderer Stelle wird vom "herrlichen Deutsch" schwadroniert und, en passant, die Grammatik zurechtgestutzt, um anhand eines Schulfestes das Erlebnis "Unter-Menschen" vorzuführen. Da klappt man dann schon mal das Buch zu und ist einfach fassungslos. Die finster-rigide "Gegenmoderne", die Strauß propagiert, möchte man lieber nicht kennenlernen. Sie ist eine Unterwelt, eng wie ein Toaster. Den Heroen, denen er huldigt (Goethe, Novalis, George, Loerke, Pound, Benn) begegnet man besser mit kritischem Lesen. Strauß wäre gut beraten, The Clash zu hören oder Christine and the Queens. Er sollte sich von Jiro Taniguchis Mangas verblüffen lassen und hin und wieder in Christian Saalbergs Gedichten lesen. Das lässt die Superheldenkruste abplatzen.

Poesie fordert nichts, nur freies Atmen. Sie ist zu keiner Zeit Instrument, schon gar nicht der Herabwürdigung. Poesie ist das Bindegewebe menschlicher Überlieferung, doch nicht Sprache, Geschichte oder Vergangenheit stehen in der poetischen Tradierung im Vordergrund, sondern auf mannigfache Weise ist es immer menschliche Güte, sind es die Abgründe und Zweifel von Einzelnen, ob Frau oder Mann. Aus diesem Grund schrieb John Keats, Arztberuf und Dichterberuf seien dasselbe.

MIRKO BONNÉ

Botho Strauß: "Der Fortführer".

Rowohlt Verlag, Reinbek 2018. 208 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.04.2018

Nahe der Lohe
Wenn Botho Strauß nur beobachtet, ist er schwer zu übertreffen. Doch auch das neue Buch
verliert sich im orientierungslosen Kampf mit der Gegenwart
VON CHRISTOPH BARTMANN
Zehn kurze Kapitel, die aus wenig mehr als poetischem Blütenstaub bestehen, und dann ein längeres, abschließendes, das den Titel des Buches einlöst: „Der Fortführer“. In dem neuen Band von Botho Strauß sind die Notate noch einmal knapper, fragmentarischer und rätselfreudiger ausgefallen als in seinen früheren Büchern. Fortgeführt wird hier manches, was Strauß-Leser kennen, aber der Titel will auf Allgemeineres hinaus. „Man ist Fortführer – oder es gibt einen gar nicht. Der Dichter führt vorangegangene Dichter fort.“
Den Gedanken, dass kulturelle Evolution auf vererbten Kopierregeln basiert, hatte zuletzt schon Peter Sloterdijk ausgeführt. Die schrecklichen Kinder der Neuzeit, das sind für ihn (und auch für Strauß) die vätermordenden Avantgardisten und Innovatoren der letzten 100 Jahre, Leute, denen der Respekt vor und die Ahnung von Überkommenem gänzlich fehlt. Aus dieser üblen, traditionsblinden Gegenwart müsse nun der Dichter seine Leser „fortführen“, fordert Strauß, ein Fortführer eben in zweierlei Wortsinn. Ihre negative Schubkraft gewinnen Strauß’ Gedanken allerdings aus der Vorstellung, dass es dafür längst zu spät sein könnte, dass Dichter und andere Fortführer längst auf verlorenem Posten stehen.
Man stelle sich nur für einen Moment vor, alles wäre gut: die deutsche Sprache in schönster und kräftigster Blüte wie seit Luther nicht, die sozialen Medien sämtlich im Ruhezustand und alle Irrtümer der neueren Zeit, vom Marxismus bis zum „Genderismus“, glücklich überwunden. Und in unseren wieder genesenen Bildungsanstalten läse man vornehmlich Rudolf Borchardt und Stefan George. Man wünscht Botho Strauß und uns, dass solche regressiven Ideen nicht den Horizont seiner Vorstellungskraft beherrschen. Wahrscheinlicher wird allerdings mit jedem neuen Buch, dass Strauß tatsächlich eine reaktionäre Agenda verfolgt. Wie „rechts“ das ist, ist die falsche Frage. Strauss orientiert sich geistig an einer Zeit vor der Einführung des Parlamentarismus. Wer nicht vor 1789 gelebt habe, zitiert er Talleyrand, der habe nicht die Süße des Lebens gekannt. Nicht wenige der Probleme, mit denen sich der verbitterte Zeitdiagnostiker Strauß herumschlagen muss, fangen mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit an.
Dann allerdings gibt Strauß den Lesern und wohl auch sich selbst ermahnend den Satz mit: „Was immer Sie festigt, woran immer Sie glauben mögen – glauben Sie einmal zwei Stunden nicht daran.“ So beraten, wollen wir eine Weile nicht daran glauben, dass Botho Strauß mit politisch fragwürdigen Positionen sympathisiert oder solche gar selbst formuliert, sondern den „Fortführer“ als dichterisches Werk begreifen. Die Anstrengung lohnt sich. Zwischen Preziösem und Gesuchtem finden sich bei Strauß immer auch die Früchte tiefer Träume und verwegener Assoziationen. Etwa diese: „Immer mehr gut aussehende Männer werden in Dinge verbannt. Da rollten zwei Fahrräder unbesetzt über den Uferdamm, und in den Speichen erschienen bei heftiger Drehung die Veloplasmen zweier philosophischer Freunde“ – solche Eingebungen lassen einen wehmütig an den verschrobenen Charme und die Leichtigkeit früher Strauß-Bühnenstücke denken. Das Surreale, der Dämmer, die brüsken Gestaltwandel zwischen Dingen und Lebewesen, all diese Zutaten der Strauß’schen Welt sind da, und sie werden nicht entwertet dadurch, dass der Autor auf Kriegsfuß mit der Gegenwart lebt. Wo Strauß einfach nur beobachtet, ist er schwer zu übertreffen.
Leider sind seine Beobachtungen aber oft nur Zwischenstufen auf dem Weg zu Erkenntnissen, die der Beobachtung gar nicht bedurft hätten. Gerade hat man sich etwa noch am Bild uralter Rotbuchen im herbstlichen Wald erfreut, die Strauß mit „flammenfarbenen Pagoden“ vergleicht, dann bringt er ihr „Rotgelb“ mit dem „Herz des offenen Feuers“ in Verbindung. So weit, so gut, möchte man sagen, aber dann: „Denkbar ist etwas nur noch nahe der Lohe. Sprache gilt nur, wo sie glüht wie feuriges Eisen kurz vor der Schmelze.“
Die Rotbuche ist da schon einer Konklusion zum Opfer gefallen, die sich eilends vom Pathos ins Bildlose davontragen lässt. Dass „etwas nur noch nahe der Lohe“ denkbar sei und so weiter, macht dann die schöne Ausgangswahrnehmung komplett zunichte. In einem ist Strauß dann doch ein Adept der Kritischen Theorie geblieben: in seiner melancholischen Vorliebe für die Rhetorik des „kaum noch etwas“.
Woher will er wissen, was „Sprache gilt“ und was „nur noch nahe“ wovon denkbar ist? Was sind das überhaupt für Instrumente, mit denen Strauß die von ihm so innig verachtete Gegenwart in den Blick bekommen will? Es wäre erstaunlich, wenn ausgerechnet diese Art Essayistik in der Hofmannsthal-Nachfolge sie uns an die Hand gäbe.
So wird manches Wahre und vieles Glänzende in diesem Buch eine Beute des Ressentiments. Nicht nur die Gegenwart ist Strauß ein Gräuel geworden, nein, auch schon die ganze Moderne, ja eigentlich die Kunst oder Kultur, seit sie das Fortführen bleiben ließ, seit Duchamp also oder seit Strawinsky? Davor gab es noch, schreibt Strauß, den Typus des Spätromantikers, „der, einer genuin deutschen Gestimmtheit verpflichtet, sie chromatisch differenziert fortführte“. Heute sähe man solche Figuren, Pfitzner, Elgar, Sibelius, scheel an als „Anachronist, Epigone, Nachtöner“. So einer, darf man vermuten, will aber Botho Strauß sein, ein sehr verspäteter Spätromantiker, ein Pfitzner von heute vielleicht, Fortführer von Lehrmeistern, von denen er persönlich gar nichts mehr gelernt haben kann. Ein eingebildeter oder geträumter Fortführer also, und damit alles andere als eine Haltung, die wie natürlich aus einem Lehrer-Schüler-Verhältnis erwüchse. Botho Strauß mag die Gegenwart und mit ihr die „Gegenwartsschriftsteller“ so wenig schätzen, wie er will. Der Rückweg in die Zeiten des schönen Fortführens (wenn es sie ja gab) ist auch für ihn verbaut.
Das Surreale, der Dämmer, all
diese Zutaten der Strauß’schen
Welt sind noch da
Ein Regal ohne Bücher, ein Fernseher ohne Ton und ein schweigendes Telefon: Der Autor Botho Strauß im Jahr 1988.
Foto: Jean-Christian BOURCART/ laif
Botho Strauß: Der Fortführer. Rowohlt Verlag, Reinbek 2018. 203 Seiten, 20 Euro. E-Book 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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Oniritti Höhlenbilder Ijoma Mangold Die Zeit

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Christoph Bartmann kann sich mit der Sammlung verknappter und "rätselfreudiger" Notate, die Botho Strauß' neuestes Buch "Der Fortführer" bietet, nicht anfreunden. Mit jeder neuen Veröffentlichung des Autors ist der Rezensent mehr davon überzeugt, dass Strauß eine fragwürdige "reaktionäre Agenda" verfolgt. Die Strauß'schen Beobachtungen, immer noch ganz wunderbar, wenn er nichts anderes tut, so Bartmann, münden für den Kritiker am Ende ausnahmslos im Ressentiment. Aber der Autor kann die Gegenwart noch so hassen, die Kultur des Adels und der Spätromantik ist nun mal passé, denkt sich Bartmann, der auch die Idee eines "Fortführers" nicht ernst nehmen kann, der seine Lehrer nicht mehr persönlich kennengelernt hat.

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